„Auf die­sen Fel­sen …“ – über das Papsttum

Themenbereiche: Bibel und Tradition
Schlagwörter: katholisch

War­um wir die­sen Text schreiben

Nicht nur für Katho­li­ken, die im Papst den Nach­fol­ger Petri und den Stell­ver­tre­ter Jesu Chris­ti auf Erden sehen, gilt der Papst als einer der her­vor­ra­gen­den Reprä­sen­tan­ten des Chris­ten­tums. Wir wol­len in die­sem Text der Fra­ge nach­ge­hen, wie­weit das Papst­tum den Wor­ten Jesu ent­spricht. Wir beschäf­ti­gen uns daher mit Simon Petrus, dem Jün­ger Jesu, als des­sen Nach­fol­ger sich der Papst ver­steht. Nach einem geschicht­li­chen Über­blick über eini­ge aus­ge­wähl­te Päps­te aus der Ver­gan­gen­heit bis in unse­re Zeit wid­men wir uns abschlie­ßend der Fra­ge, was es wirk­lich heißt, Petrus nachzufolgen.

Der Petersdom im Vatikan bei Tag: ein berühmtes Gebäude und Symbol der römisch-katholischen Kirche.
Inhalt

1 Der Anspruch des Papst­tums nach den offi­zi­el­len Dokumenten

Las­sen wir zuerst die offi­zi­el­len Lehr­do­ku­men­te der römisch-katho­li­schen Kir­che spre­chen! Wir haben vier Doku­men­te aus­ge­wählt: 1) Die Bul­le „Unam Sanc­tam“ von Papst Boni­faz VIII. aus dem Jah­re 1302 ist zwar auf einem kon­kre­ten poli­ti­schen Hin­ter­grund ent­stan­den, der Schluss­satz beinhal­tet aber eine blei­ben­de dog­ma­ti­sche Aus­sa­ge. 2) Das Ers­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat die Unfehl­bar­keit des Paps­tes zum Dog­ma gemacht, 3) das Zwei­te Vati­ka­num hat zwar kein Dog­ma ver­kün­det, aber die Leh­re des Ers­ten Vati­ka­nums voll­in­halt­lich bestä­tigt. 4) Das Zitat aus dem Kodex des Kano­ni­schen Rechts zeigt die Ver­an­ke­rung des Papst­tums im Kir­chen­recht. Wir las­sen die­se Doku­men­te unkommentiert.

1.1 Die Bul­le „Unam Sanc­tam“ (1302)

[…] Die eine und ein­zi­ge Kir­che (hat) also einen

[…] Die­se Auto­ri­tät ist aber, auch wenn sie einem Men­schen ver­lie­hen wur­de und durch einen Men­schen aus­ge­übt wird, kei­ne mensch­li­che, son­dern viel­mehr eine gött­li­che Gewalt, die Petrus aus gött­li­chem Mun­de ver­lie­hen und ihm und sei­nen Nach­fol­gern in Chris­tus selbst, den er als Fels bekannt hat, bestä­tigt wur­de, als der Herr zu Petrus selbst sag­te: „Alles, was du gebun­den hast“ usw. [Mt 16,19]. Wer immer sich also die­ser von Gott so ange­ord­ne­ten Gewalt „wider­setzt, wider­setzt sich der Anord­nung Got­tes“ [Röm 13,2]. […]

Wir erklä­ren, sagen und defi­nie­ren nun aber, dass es für jedes mensch­li­che Geschöpf unbe­dingt not­wen­dig zum Heil ist, dem Römi­schen Bischof unter­wor­fen zu sein.

1.2 Das Ers­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on „Pas­tor Aeter­nus“ (1870)

Zur Ehre Got­tes, unse­res Hei­lan­des, zur Erhö­hung der katho­li­schen Reli­gi­on, zum Heil der christ­li­chen Völ­ker leh­ren und erklä­ren wir end­gül­tig als von Gott geof­fen­bar­ten Glau­bens­satz, in treu­em Anschluss an die vom Anfang des christ­li­chen Glau­bens her erhal­te­ne Über­lie­fe­rung, unter Zustim­mung des hei­li­gen Kon­zils: Wenn der Römi­sche Papst in höchs­ter Lehr­ge­walt (ex cathe­dra) spricht, das heißt: wenn er sei­nes Amtes als Hirt und Leh­rer aller Chris­ten wal­tend in höchs­ter apos­to­li­scher Amts­ge­walt end­gül­tig ent­schei­det, eine Leh­re über Glau­ben oder Sit­ten sei von der gan­zen Kir­che fest­zu­hal­ten, so besitzt er auf­grund des gött­li­chen Bei­stan­des, der ihm im hei­li­gen Petrus ver­hei­ßen ist, jene Unfehl­bar­keit, mit der der gött­li­che Erlö­ser sei­ne Kir­che bei end­gül­ti­gen Ent­schei­dun­gen in Glau­bens- und Sit­ten­leh­ren aus­ge­rüs­tet haben woll­te. Die­se end­gül­ti­gen Ent­schei­dun­gen des Römi­schen Paps­tes sind daher aus sich und nicht auf­grund der Zustim­mung der Kir­che unab­än­der­lich. Wenn sich jemand — was Gott ver­hü­te — her­aus­neh­men soll­te, die­ser unse­rer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung zu wider­spre­chen, so sei er aus­ge­schlos­sen.[1]

1.3 Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on „Lumen Gen­ti­um“ (1964)

Die­ser Unfehl­bar­keit erfreut sich der Bischof von Rom, das Haupt des Bischofs­kol­le­gi­ums, kraft sei­nes Amtes, wenn er als obers­ter Hirt und Leh­rer aller Christ­gläu­bi­gen, der sei­ne Brü­der im Glau­ben stärkt (vgl. Lk 22,32), eine Glau­bens- oder Sit­ten­leh­re in einem end­gül­ti­gen Akt ver­kün­det. Daher hei­ßen sei­ne Defi­ni­tio­nen mit Recht aus sich und nicht erst auf­grund der Zustim­mung der Kir­che unan­fecht­bar, da sie ja unter dem Bei­stand des Hei­li­gen Geis­tes vor­ge­bracht sind, der ihm im hei­li­gen Petrus ver­hei­ßen wur­de. Sie bedür­fen daher kei­ner Bestä­ti­gung durch ande­re und dul­den kei­ne Beru­fung an ein ande­res Urteil. In die­sem Fal­le trägt näm­lich der Bischof von Rom sei­ne Ent­schei­dung nicht als Pri­vat­per­son vor, son­dern legt die katho­li­sche Glau­bens­leh­re aus und schützt sie in sei­ner Eigen­schaft als obers­ter Leh­rer der Gesamt­kir­che, in dem als ein­zel­nem das Cha­ris­ma der Unfehl­bar­keit der Kir­che selbst gege­ben ist. (Lumen Gen­ti­um 25)[2]

1.4 Der Kodex des Kano­ni­schen Rechts (Codex Iuris Cano­ni­ci) (1983)

Der Bischof der Kir­che von Rom, in dem das vom Herrn ein­zig dem Petrus, dem Ers­ten der Apos­tel, über­tra­ge­ne und sei­nen Nach­fol­gern zu ver­mit­teln­de Amt fort­dau­ert, ist Haupt des Bischofs­kol­le­gi­ums, Stell­ver­tre­ter Chris­ti und Hir­te der Gesamt­kir­che hier auf Erden; des­halb ver­fügt er kraft sei­nes Amtes in der Kir­che über höchs­te, vol­le, unmit­tel­ba­re und uni­ver­sa­le ordent­li­che Gewalt, die er immer frei aus­üben kann. (Canon 331)

Der Papst hat kraft sei­nes Amtes nicht nur Gewalt in Hin­blick auf die Gesamt­kir­che, son­dern besitzt auch über alle Teil­kir­chen und deren Ver­bän­de einen Vor­rang ordent­li­cher Gewalt, durch den zugleich die eigen­be­rech­tig­te, ordent­li­che und unmit­tel­ba­re Gewalt gestärkt und geschützt wird, die die Bischö­fe über die ihrer Sor­ge anver­trau­ten Teil­kir­chen inne­ha­ben. (Canon 333 §1)

Gegen ein Urteil oder ein Dekret des Paps­tes gibt es weder Beru­fung noch Beschwer­de. (Canon 333 §3)

2 Die Kir­che, wie Jesus sie wollte

Da rief Jesus sie zu sich und sag­te: Ihr wisst, dass die Herr­scher ihre Völ­ker unter­drü­cken und die Mäch­ti­gen ihre Macht über die Men­schen miss­brau­chen. Bei euch soll es nicht so sein, son­dern wer bei euch groß sein will, der soll euer Die­ner sein, und wer bei euch der Ers­te sein will, soll euer Skla­ve sein. Denn auch der Men­schen­sohn ist nicht gekom­men, um sich die­nen zu las­sen, son­dern um zu die­nen und sein Leben hin­zu­ge­ben als Löse­geld für vie­le. (Mat­thä­us 20,25–28 Ein­heits­über­set­zung)[3]

Ihr aber sollt euch nicht Rab­bi nen­nen las­sen; denn nur einer ist euer Meis­ter, ihr alle aber seid Brü­der. Auch sollt ihr nie­mand auf Erden euren Vater nen­nen; denn nur einer ist euer Vater, der im Him­mel. Auch sollt ihr euch nicht Leh­rer nen­nen las­sen; denn nur einer ist euer Leh­rer, Chris­tus. Der Größ­te von euch soll euer Die­ner sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird ernied­rigt, und wer sich selbst ernied­rigt, wird erhöht wer­den. (Mat­thä­us 23,8–12)

Jesus ist gekom­men, um zu die­nen und sich für die Men­schen hin­zu­ge­ben. Die­sel­be Hin­ga­be erwar­tet und wirkt er in denen, die sich selbst zurück­stel­len und ihm nach­fol­gen. Durch Jesus wer­den wir als sei­ne Jün­ger Kin­der des himm­li­schen Vaters. Er befä­higt uns, ein­an­der als Brü­der und Schwes­tern zu lie­ben. Alle Unter­schie­de, die in die­ser Welt Men­schen von­ein­an­der tren­nen, ver­lie­ren in der Kir­che ihre Bedeutung.

Es gibt nicht mehr Juden und Grie­chen, nicht Skla­ven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Chris­tus Jesus. (Gala­ter 3,28)

Aus die­ser geschwis­ter­li­chen Bezie­hung folgt, dass es für Chris­ten nur einen Vater gibt, den im Him­mel. Die Bibel kennt nur einen Hei­li­gen Vater:

Hei­li­ger Vater, bewah­re sie in dei­nem Namen, den du mir gege­ben hast, damit sie eins sind wie wir. (Johan­nes 17,11b)

Wenn sich ein Mensch als „Hei­li­ger Vater“[4] anre­den lässt,[5] so ist das eine kla­re Miss­ach­tung sowohl der Wor­te Jesu als auch des Hei­li­gen Geis­tes, der eine geschwis­ter­li­che Lie­be unter den Kin­dern Got­tes wirkt.[6]

3 Simon Petrus – Jün­ger und Apostel

Da sich der Papst als Nach­fol­ger des Apos­tels Petrus bezeich­net, wol­len wir uns mit die­sem bedeu­ten­den Jün­ger Jesu beschäftigen.

Simon – so sein ursprüng­li­cher Name[7] – war ein Fischer aus Beth­sai­da,[8] am Nord­ufer des Sees Gene­za­reth gele­gen. Er über­sie­del­te – ver­mut­lich im Zusam­men­hang mit sei­ner Ver­ehe­li­chung – in das nahe­ge­le­ge­ne Kaphar­na­um.[9]

Als Johan­nes der Täu­fer auf­trat, wur­de Simon gemein­sam mit sei­nem Bru­der Andre­as einer sei­ner Jün­ger. Andre­as war dabei, als Johan­nes der Täu­fer Jesus als das Lamm Got­tes bezeich­ne­te, und schloss sich Jesus an. Tags dar­auf sag­te Andre­as zu sei­nem Bru­der Simon: „Wir haben den Mes­si­as[10] gefun­den.“ und führ­te ihn zu Jesus. Jesus gab Simon den neu­en Namen Kefa[11].[12]

Seit damals folg­te Simon sei­nem Herrn Jesus nach. Lukas berich­tet von einem wun­der­ba­ren Fisch­fang, durch den sich Simon sei­ner Sünd­haf­tig­keit bewusst wur­de. Von Jesus erhielt er den Auf­trag, nicht mehr Fische, son­dern Men­schen zu fan­gen (Lukas 5,1–11).

Als Jesus unter sei­nen Jün­gern zwölf aus­wähl­te, „die er bei sich haben und die er dann aus­sen­den woll­te, damit sie pre­dig­ten“ (Mar­kus 3,14), war Simon einer von ihnen. Er wird in allen Auf­lis­tun­gen der Namen der Zwölf, die auch Apos­tel („Gesand­te“) genannt wur­den, an ers­ter Stel­le genannt.[13]

In eini­gen Situa­tio­nen des öffent­li­chen Wir­kens Jesu war Simon einer von drei Jün­gern, mit denen Jesus zusam­men war. Hier ist die Ver­klä­rung Jesu (Mat­thä­us 17,1–9) zu nen­nen, auf die auch Petrus selbst in sei­nem zwei­ten Brief hin­wies (2. Petrus 1,16–18). Er wur­de gemein­sam mit Johan­nes und Jako­bus gewür­digt, die künf­ti­ge Herr­lich­keit des Mes­si­as in einer Visi­on zu schauen.

Als Jesus ver­haf­tet wur­de, war Simon wil­lens, sei­nen Meis­ter mit dem Schwert zu ver­tei­di­gen. Jesus ließ das nicht zu und heil­te das Ohr des von Simon ver­letz­ten Knechts des Hohe­pries­ters (Johan­nes 18,10–11; Lukas 22,50–51).

Anders als die meis­ten ande­ren Jün­ger woll­te er Jesus auch in der Zeit der Bedräng­nis nahe sein, ver­leug­ne­te aber, als er befragt wur­de, sei­nen Herrn. Unmit­tel­bar danach wur­de er sich der Trag­wei­te sei­nes Tuns unter Trä­nen bewusst und bereu­te sei­ne Sün­de tief (Lukas 22,54–62).

Jesus wur­de gekreu­zigt, blieb aber nicht im Tod. Petrus war der ers­te der Apos­tel, dem Jesus nach sei­ner Auf­er­ste­hung erschien.[14]

Petrus hat­te gelernt, sich nicht auf sei­ne eige­ne Kraft, son­dern nur auf Gott zu ver­las­sen. Durch die Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Geis­tes zu Pfings­ten wur­de auch er in sei­nem Mut gestärkt und rief die Juden zur Umkehr zu Jesus auf.[15] So ent­stand die Kir­che,[16] in der Petrus gemein­sam mit Johan­nes[17] eine füh­ren­de Stel­lung ein­nahm. In Ver­fol­gung war Petrus bereit, ins Gefäng­nis zu gehen.[18]

Infol­ge einer durch Sau­lus (Pau­lus) initi­ier­ten Ver­fol­gung ver­kün­de­te Phil­ip­pus das Evan­ge­li­um erst­mals auch Nicht­ju­den, den Sama­ri­tern. Erst als Petrus und Johan­nes den bekehr­ten Sama­ri­tern die Hän­de auf­leg­ten, emp­fin­gen die­se den Hei­li­gen Geist.[19]

Durch Petrus nahm der römi­sche Haupt­mann Kor­ne­li­us als ers­ter Hei­de das Evan­ge­li­um an.[20] Petrus war auch an der Ent­schei­dung, dass die Chris­ten, die aus nicht­jü­di­schen Völ­kern kamen, das jüdi­sche Gesetz nicht zu hal­ten haben, wesent­lich betei­ligt.[21] Er war aber auch bereit, die Ermah­nung von Pau­lus wegen Inkon­se­quenz in die­sem Punkt anzu­neh­men.[22]

Aus spä­te­rer Zeit erfah­ren wir nur mehr wenig über ihn. Die zen­tra­le Posi­ti­on, die Petrus in den Anfangs­jah­ren der Kir­che hat­te, gab es spä­ter offen­sicht­lich nicht mehr. Aus dem ers­ten Petrus­brief dür­fen wir ver­mu­ten, dass er in ver­schie­de­nen Pro­vin­zen Klein­asi­ens mis­sio­nier­te.[23]

Ver­mut­lich kam er nach dem Jahr 62 nach Rom, wo er wäh­rend der Ver­fol­gung durch Nero den Mär­ty­rer­tod starb.[24]

4 Jesu Ver­hei­ßun­gen an Petrus

4.1 Mat­thä­us 16,13–23

Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Phil­ip­pi kam, frag­te er sei­ne Jün­ger: Für wen hal­ten die Leu­te den Men­schen­sohn? Sie sag­ten: Die einen für Johan­nes den Täu­fer, ande­re für Eli­ja, wie­der ande­re für Jere­mia oder sonst einen Pro­phe­ten. Da sag­te er zu ihnen: Ihr aber, für wen hal­tet ihr mich? Simon Petrus ant­wor­te­te: Du bist der Mes­si­as, der Sohn des leben­di­gen Got­tes! Jesus sag­te zu ihm: Selig bist du, Simon Bar­jo­na; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offen­bart, son­dern mein Vater im Him­mel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus (pétros) und auf die­sen Fel­sen (pétra) wer­de ich mei­ne Kir­che bau­en und die Mäch­te der Unter­welt wer­den sie nicht über­wäl­ti­gen. Ich wer­de dir die Schlüs­sel des Him­mel­reichs geben; was du auf Erden bin­den wirst, das wird auch im Him­mel gebun­den sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Him­mel gelöst sein. Dann befahl er den Jün­gern, nie­mand zu sagen, dass er der Mes­si­as sei. Von da an begann Jesus, sei­nen Jün­gern zu erklä­ren, er müs­se nach Jeru­sa­lem gehen und von den Ältes­ten, den Hohe­pries­tern und den Schrift­ge­lehr­ten vie­les erlei­den; er wer­de getö­tet wer­den, aber am drit­ten Tag wer­de er auf­er­ste­hen. Da nahm ihn Petrus bei­sei­te und mach­te ihm Vor­wür­fe; er sag­te: Das soll Gott ver­hü­ten, Herr! Das darf nicht mit dir gesche­hen! Jesus aber wand­te sich um und sag­te zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall brin­gen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, son­dern was die Men­schen wollen.

Im Gegen­satz zu ande­ren Men­schen, die Jesus für „Johan­nes den Täu­fer, Eli­ja, Jere­mia oder sonst einen Pro­phe­ten“ hiel­ten, bekann­te Simon: „Du bist der Mes­si­as, der Sohn des leben­di­gen Got­tes!“ Das war kei­ne grund­sätz­lich neue Erkennt­nis. Bereits Andre­as hat­te sei­nem Bru­der Simon ganz am Anfang gesagt: „Wir haben den Mes­si­as gefun­den.“[25] Wäh­rend die­ses ers­te Bekennt­nis des Andre­as auf­grund des Zeug­nis­ses Johan­nes‘ des Täu­fers geschah, bekann­te Simon Jesus als Mes­si­as, nach­dem er bereits mehr als ein Jahr mit ihm zusam­men war und erken­nen muss­te, dass Jesus nicht dem poli­ti­schen Mes­si­as­bild ent­sprach, das er wie die meis­ten Juden hat­te. Aber alles, was er von Jesus hör­te, und alles, was er von sei­nem Leben sah, schenk­te ihm mit Got­tes Hil­fe die Gewiss­heit der Mes­sia­ni­tät Jesu. Jesus sag­te, dass Petrus das nicht von Fleisch und Blut wuss­te, son­dern vom Vater im Himmel.

Die anschlie­ßend berich­te­te Bege­ben­heit, als Simon es ablehn­te, dass Jesus lei­den und ster­ben müs­se, und des­we­gen von Jesus streng ermahnt wur­de,[26] zeigt, wie stark er auch damals noch der jüdi­schen Mes­si­as­er­war­tung ver­haf­tet war, die einen sieg­rei­chen Mes­si­as ersehn­te, aber nichts von des­sen Lei­den und Tod wis­sen wollte.

4.1.1 Der Fels

Ich aber sage dir: Du bist Petrus (pétros) und auf die­sen Fel­sen (pétra) wer­de ich mei­ne Kir­che bau­en und die Mäch­te der Unter­welt wer­den sie nicht überwältigen.

Jesus ant­wor­te­te auf das Bekennt­nis Simons mit einer Aus­sa­ge über ihn. Simon hat­te gesagt: „Du bist der Mes­si­as.“ Jesus ant­wor­te­te: „Du bist Petrus.“ Er erin­ner­te ihn an den Namen, den er ihm bereits bei der ers­ten Begeg­nung gege­ben hat­te. Das ara­mäi­sche Wort Kefa, das Jesus in sei­ner Mut­ter­spra­che ver­wen­det hat,[27] hat die­sel­be Bedeu­tung wie das grie­chi­sche Wort Petros: Stein.

Der katho­li­sche Neu­tes­ta­ment­ler Rudolf Pesch[28] schreibt dazu:

Dass Kefas-Petros vom ara­mäi­schen Wort kefa, einer Sach­be­zeich­nung her­kommt, ist unbe­strit­ten. Die Sach­be­zeich­nung ist eben­so wenig wie das grie­chi­sche Wort pétros in vor­christ­li­cher Zeit als Per­so­nen­na­me, Eigen­na­me oder Bei­na­me nach­ge­wie­sen. kefa bedeu­tet vor­züg­lich „Stein, Kugel, Klum­pen, Knäu­el“; „Fels“ ist als Neben­be­deu­tung nur in den Tar­gu­mim bei Über­set­zung des hebräi­schen sela‘ belegt. „Dass ein Ara­mä­er vor Ostern nicht Fels/pétra, son­dern ‚Stein, Bal­len, Klum­pen, Klotz‘ asso­zi­ier­te, wenn er den Bei­na­men Kefa hör­te,“[29] lehrt ins­be­son­de­re die grie­chi­sche Wie­der­ga­be des Bei­na­mens durch pétros statt pétra. Wäh­rend pétra „den gewach­se­nen Fel­sen, fel­si­ge Gebirgs­zü­ge, Klip­pen, ein­zeln ste­hen­de Fels­häup­ter, auch Grot­ten“ bezeich­net, bedeu­tet pétros „von Homer über LXX und Jose­phus bis in neu­tes­ta­ment­li­che Zeit hin­ein Stein […]; vom klei­nen Stein, Feu­er- und Schleu­der­stein, bis zum grö­ße­ren, los­ge­ris­se­nen Fels­bro­cken.“[30]

Simon ist ein Stein, ein wich­ti­ger Stein im Bau­werk der Kir­che. Aber er ist nicht der Fels, auf dem die Kir­che auf­baut. Das von Petrus abge­leg­te Bekennt­nis zu Jesus als dem Mes­si­as, den Sohn des leben­di­gen Got­tes, ist die blei­ben­de Grund­la­ge der Gemein­de der Jün­ger Jesu.

Pau­lus schreibt in 1. Korin­ther 3,11:

Denn einen ande­ren Grund kann nie­mand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.

In 1. Petrus 2,4 nennt Petrus Jesus den

[…] leben­di­gen Stein, der von den Men­schen ver­wor­fen, aber von Gott aus­er­wählt und geehrt wor­den ist.

Auf ihm sol­len sich die Chris­ten als leben­di­ge Stei­ne auf­bau­en lassen.

Im wei­te­ren Zusam­men­hang zitiert Petrus in Kom­bi­na­ti­on meh­re­re alt­tes­ta­ment­li­che Stel­len zum The­ma Stein/Felsen (Jesa­ja 28,16; Psalm 118,22 und Jesa­ja 8,14) und wen­det sie auf Jesus an. In Vers 8 nennt er Jesus den

[…] Stein, an den man anstößt, und zum Fel­sen, an dem man zu Fall kommt.

Hier ver­wen­det Petrus für den Fel­sen das grie­chi­sche Wort pétra, das wir auch in Mat­thä­us 16,18 für den Fel­sen fin­den, auf dem die Kir­che auf­ge­baut ist. Petrus nennt Jesus den Fels. Da die­ser Wort­ge­brauch sich auch aus dem zitier­ten alt­tes­ta­ment­li­chen Vers ergibt, ist die­ses Argu­ment gewiss nicht all­zu stark. Aber es ist doch inter­es­sant, dass Petrus in die­sem Zusam­men­hang mit kei­nem Wort erwähnt, dass er selbst der Fels sei, auf dem die Kir­che erbaut ist. Das spricht dafür, dass Petrus sich selbst nicht so gese­hen hat.

Das Alte Tes­ta­ment spricht an zahl­rei­chen Stel­len von Jah­we als dem Fels. Wir brin­gen hier nur eine Auswahl:

Ver­lasst euch stets auf den Herrn; denn der Herr ist ein ewi­ger Fels. (Jesa­ja 26,4)

Denn wer ist Gott als allein der Herr, wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott? (Psalm 18,32 – im sel­ben Psalm auch noch in den Ver­sen 3 und 46)

Ihr seid mei­ne Zeu­gen: Gibt es einen Gott außer mir? Es gibt kei­nen Fels außer mir, ich ken­ne kei­nen. (Jesa­ja 44,8b)

Wei­te­re Stel­len: Deu­te­ro­no­mi­um 32,4.18.30; Psalm 19,14; 28,1; 42,9; 78,5; 144;1; Jesa­ja 17,10 …

Es gibt aller­dings eine Stel­le, in der nicht Gott, son­dern ein Mensch sym­bo­lisch als “Fels” bezeich­net wird:

Hört auf mich, die ihr der Gerech­tig­keit nach­jagt und die ihr den Herrn sucht. Blickt auf den Fel­sen, aus dem ihr gehau­en seid, auf den Schacht, aus dem ihr her­aus­ge­bohrt wur­det. Blickt auf Abra­ham, euren Vater, und auf Sara, die euch gebar. Er war allein, als ich ihn rief; doch ich habe ihn geseg­net und ihm vie­le Nach­kom­men geschenkt. (Jesa­ja 51,1–2)

Hier ist Abra­ham „der Fels, aus dem ihr gehau­en seid.“ Hier hat der Fels nicht die Funk­ti­on des Fun­da­ments, auf dem ein Haus gebaut wird, son­dern des „Mate­ri­als“, aus dem das Volk Isra­el ent­stand. Man kann daher die­se Stel­le nicht als Par­al­le­le zum Wort Jesu an Petrus sehen. Über­dies gab es im Volk Isra­el nie die Vor­stel­lung von einem „Abra­hams­amt“ ähn­lich dem „Petru­s­amt“ bei den Katholiken.

Zur Begrün­dung, dass mit dem „Fel­sen“ in Mat­thä­us 16,18 Petrus gemeint sei, könn­te man Ephe­ser 2,20 und Offen­ba­rung 21,14 anführen.

Ihr seid auf das Fun­da­ment der Apos­tel und Pro­phe­ten gebaut; der Schluss­stein ist Chris­tus Jesus selbst. Durch ihn wird der gan­ze Bau zusam­men­ge­hal­ten und wächst zu einem hei­li­gen Tem­pel im Herrn. Durch ihn wer­det auch ihr im Geist zu einer Woh­nung Got­tes erbaut. (Ephe­ser 2,20–22)

Die Mau­er der Stadt[31] hat zwölf Grund­stei­ne; auf ihnen ste­hen die zwölf Namen der zwölf Apos­tel des Lam­mes. (Offen­ba­rung 21,14)

In Ephe­ser 2,20 schreibt Pau­lus über die ein­ma­li­ge Stel­lung der Apos­tel in der Kir­che. Sie waren es, die gemein­sam mit den Pro­phe­ten die Leh­re der Gemein­de grund­ge­legt haben, die auf Jesus auf­baut und in ihm ihren Schluss­stein fin­det, der alles zusam­men­hält. Die­se Leh­re fin­den wir in den Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments. Mehr dazu unter Punkt 5.2. Von einer blei­ben­den Insti­tu­ti­on eines Petrus- oder Apos­tel­am­tes ist hier kei­ne Rede.

Offen­ba­rung 21,14 geht in die­sel­be Rich­tung. Auch die­se Stel­le spricht über die blei­ben­de ein­ma­li­ge Bedeu­tung der Apos­tel, nicht dar­über, dass die Apos­tel Nach­fol­ger haben müs­sen, die spä­ter dann die Funk­ti­on des Fun­da­ments über­neh­men soll­ten. Weder im Ephe­ser­brief noch in der Offen­ba­rung ist Petrus beson­ders hervorgehoben.

Exkurs: Zur Deu­tung von Mat­thä­us 16,18 im Lau­fe der Geschichte

Im „Evan­ge­lisch-katho­li­schen Kom­men­tar zum Neu­en Tes­ta­ment“ unter­schei­det Ulrich Luz drei ver­schie­de­ne Deu­tun­gen die­ser Stel­le:[32]

1. Die „öst­li­che“ Deu­tung: Das Bekennt­nis bzw. der Glau­be des Petrus ist Fun­da­ment­fels der Kirche.

Die­se Deu­tung ist laut Luz

[…] schon bei Orig­e­nes vor­han­den und prägt dann die gan­ze grie­chi­sche Exege­se. Das Bekennt­nis des Petrus „ist nicht dem Petrus allein eigen, son­dern geschah für alle Men­schen: Indem er (Jesus) sein Bekennt­nis einen Fel­sen nann­te, mach­te er deut­lich, dass er dar­auf die Kir­che bau­en wer­de“ (Theo­dor von Mop­sues­tia, ähn­lich Euse­bi­us, Johan­nes Chry­sosto­mos und ande­re). Die Deu­tung stützt sich auf den Kon­text von V 18: Als Ant­wort auf das Glau­bens­be­kennt­nis des Petrus hat­te Jesus ihn selig­ge­prie­sen und ihm die Ver­hei­ßung von V 8 zuge­spro­chen. […] Durch Ambro­si­us, Hila­ri­us und den Ambro­si­as­ter wur­de sie auch im Wes­ten bekannt und dann in der west­li­chen Aus­le­gung durch das gan­ze Mit­tel­al­ter hin­durch neben der augus­ti­ni­schen Deu­tung vertreten. […]

2. Die augus­ti­ni­sche Deu­tung: Chris­tus ist der Fun­da­ment­fels der Kirche.

Auch die­se Deu­tung hat ihre Wur­zeln bei Orig­e­nes, der zum ers­ten Mal auf 1Kor 10,4 als Par­al­lel­stel­le hin­wies, bei Ter­tul­li­an und bei Euseb. Ihr eigent­li­cher Vater aber ist Augus­tin, der sie immer und immer wie­der ver­tre­ten hat: „Denn nicht von Petrus hat die Petra, son­dern Petrus von der Petra … den Namen“. Den Fels, der Chris­tus ist (1Kor 10,4), hat Petrus bekannt. „Auf die­sem Fun­da­ment ist auch Petrus selbst erbaut. Denn ein ande­res Fun­da­ment kann nie­mand legen als das, wel­ches gelegt ist, wel­ches ist Jesus Chris­tus“ (1Kor 3,11)[33] […] Die augus­ti­ni­sche Deu­tung ist im Mit­tel­al­ter im Wes­ten zur schlecht­hin herr­schen­den geworden. […]

3. Die römi­sche Deu­tung: Petrus und nach ihm der Papst ist der Fun­da­ment­fel­sen der Kirche.

Die wich­tigs­ten Grund­tex­te aus dem 5. Jh. sind die drit­te und vier­te Pre­digt Leos d. Gr. zum Jah­res­tag sei­ner Bischofs­wei­he. […] In Petrus ruht auch die Voll­macht des Paps­tes, denn alles, was der Papst anord­net, ist der gegen­wär­ti­gen Wirk­sam­keit des Petrus durch ihn zuzu­schrei­ben. Petrus ist also nicht in ers­ter Linie der „ers­te Papst“, son­dern als „Petrus vivus“ ist er in sei­nen Nach­fol­gern gegen­wär­tig. Für die Fol­ge­zeit ist bedeut­sam, dass die „päpst­li­che“ Aus­le­gung unse­res Tex­tes vor allem und fast nur in Dekre­ten zu fin­den ist. […] In die katho­li­sche Exege­se hat die päpst­li­che Deu­tung erst mit der Gegen­re­for­ma­ti­on Ein­zug gehalten. […]

Zusam­men­fas­sung

Die heu­te im katho­li­schen Bereich nor­ma­le Erklä­rung, dass der Fels, auf dem die Kir­che auf­baut, Petrus und die Päps­te sei­en, ent­spricht nicht der Aus­le­gungs­tra­di­ti­on der Anti­ke und des Mit­tel­al­ters. Die tra­di­tio­nel­le Aus­le­gung sah im Fel­sen ent­we­der 1) das von Petrus abge­leg­te Bekennt­nis zu Jesus als dem Mes­si­as und Sohn Got­tes oder 2) Jesus Chris­tus selbst. Die­se bei­den Aus­le­gun­gen wei­sen bei­de auf Jesus hin, nicht auf den Papst, und ent­spre­chen auch dem bibli­schen Kon­text. Die 3) „päpst­li­che“ Inter­pre­ta­ti­on wur­de bis zur Gegen­re­for­ma­ti­on fast nur zur Unter­maue­rung des Papst­tums ver­wen­det, nicht aber in exege­ti­schen Texten.

4.1.2 Die Schlüssel

Ist mit den Schlüs­seln des Him­mel­rei­ches der Juris­dik­ti­ons­pri­mat[34] gemeint? Geht es hier nur um Petrus oder auch um des­sen Nachfolger?

Wir kön­nen im Leben Petri Ereig­nis­se fin­den, in denen er tat­säch­lich eine Schlüs­sel­funk­ti­on hatte.

Wir fin­den also genü­gend Punk­te im Leben Petri, in denen die­se „Schlüs­sel­ge­walt“ sicht­bar wird. Petrus hat sozu­sa­gen das Him­mel­reich für die Sama­ri­ter und die Hei­den auf­ge­schlos­sen.[36] Es gibt kei­ne Not­wen­dig­keit, nach einer Bedeu­tung die­ses Wor­tes für even­tu­el­le Nach­fol­ger Petri zu suchen.

4.2 Lukas 22,31–34

Simon, Simon, der Satan hat ver­langt, dass er euch wie Wei­zen sie­ben darf. Ich aber habe für dich gebe­tet, dass dein Glau­be nicht erlischt. Und wenn du dich wie­der bekehrt hast, dann stär­ke dei­ne Brü­der. Dar­auf sag­te Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefäng­nis und in den Tod zu gehen. Jesus erwi­der­te: Ich sage dir, Petrus, ehe heu­te der Hahn kräht, wirst du drei­mal leug­nen, mich zu kennen.

Jesus macht hier Petrus Mut, auch nach der Ver­leug­nung und der dar­auf fol­gen­den Umkehr sei­ne Auf­ga­be an sei­nen Brü­dern zu sehen und sie zu stär­ken. In den ers­ten Kapi­teln der Apos­tel­ge­schich­te kön­nen wir lesen, wie Petrus das getan hat. Von einem even­tu­el­len Nach­fol­ger des Petrus ist hier kei­ne Rede. Im wei­te­ren Sinn hat natür­lich jeder Jün­ger Jesu die Auf­ga­be, sei­ne Brü­der zu stärken.

4.3. Johan­nes 21,15–19

Als sie geges­sen hat­ten, sag­te Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johan­nes, liebst du mich mehr als die­se? Er ant­wor­te­te ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lie­be. Jesus sag­te zu ihm: Wei­de mei­ne Läm­mer! Zum zwei­ten Mal frag­te er ihn: Simon, Sohn des Johan­nes, liebst du mich? Er ant­wor­te­te ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lie­be. Jesus sag­te zu ihm: Wei­de mei­ne Scha­fe! Zum drit­ten Mal frag­te er ihn: Simon, Sohn des Johan­nes, liebst du mich? Da wur­de Petrus trau­rig, weil Jesus ihn zum drit­ten Mal gefragt hat­te: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Ant­wort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sag­te zu ihm: Wei­de mei­ne Scha­fe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegür­tet und konn­test gehen, wohin du woll­test. Wenn du aber alt gewor­den bist, wirst du dei­ne Hän­de aus­stre­cken und ein ande­rer wird dich gür­ten und dich füh­ren, wohin du nicht willst. Das sag­te Jesus, um anzu­deu­ten, durch wel­chen Tod er Gott ver­herr­li­chen wür­de. Nach die­sen Wor­ten sag­te er zu ihm: Fol­ge mir nach!

Auch die­se Stel­le ist im Zusam­men­hang mit der drei­ma­li­gen Ver­leug­nung Jesu durch Petrus zu sehen. Weil Petrus Jesus drei­mal ver­leug­net hat, wird er von die­sem drei­mal gefragt, ob er ihn lie­be. Die drei­ma­li­ge Auf­for­de­rung „Wei­de mei­ne Scha­fe!“ zeigt, dass die Bezie­hung zu Jesus wie­der ganz in Ord­nung gebracht ist, und er wie­der für sei­ne Geschwis­ter im Glau­ben sor­gen soll. Die anschlie­ßen­den Wor­te, in denen Jesus den Mär­ty­rer­tod Petri ankün­digt, zei­gen, dass es hier um Petrus geht, nicht um jeman­den, der sein Nach­fol­ger ist. Die am Beginn die­ser Abhand­lung zitier­te Aus­le­gung aus der Bul­le „Unam Sanc­tam“ ist daher völ­lig unbegründet.

Jesus hat Petrus die Ver­ant­wor­tung für sei­ne Geschwis­ter anver­traut, nach­dem Petrus sei­ne Lie­be zu Jesus bekräf­tigt hat. Jesus zu lie­ben ist die unbe­ding­te Vor­aus­set­zung für jede Auto­ri­tät, die es in der Kir­che geben kann. Wenn jemand Jesus nicht liebt, dann kann Jesus die­sem Men­schen nicht die Sor­ge für sei­ne Jün­ger anver­trau­en. Die Lie­be wird aber nicht durch ein „Amt“ weitergegeben.

Petrus war nicht der ein­zi­ge Hir­te in der frü­hen Kir­che. Er selbst schreibt:

Die Ältes­ten unter euch ermah­ne ich, als Mit­äl­tes­ter und Zeu­ge der Lei­den Chris­ti, aber zugleich auch als Mit­ge­nos­se der einst sich offen­ba­ren­den Herr­lich­keit: Wei­det die euch anver­trau­te Her­de Got­tes und habt acht auf sie, nicht gezwun­gen, son­dern aus frei­en Stü­cken, wie Gott es will; auch nicht aus schmut­zi­ger Gewinn­sucht, son­dern mit Hin­ga­be, auch nicht als wäret ihr Her­ren des Erbes, son­dern als Vor­bil­der der Her­de. Wenn dann der höchs­te Hir­te erscheint, wer­det ihr den unver­welk­li­chen Kranz der Herr­lich­keit erlan­gen. (1. Petrus 5,1–4, Jeru­sa­le­mer Bibel 1968)

Petrus ist nur der Mit­äl­tes­te. Der obers­te Hir­te ist Jesus Christus.

5 War Petrus der ers­te Papst?

Wir haben schon fest­ge­stellt, dass Petrus in der Urkir­che eine füh­ren­de Stel­lung ein­nahm. Könn­te man nicht doch sagen, dass er eine ähn­li­che Auto­ri­tät hat­te, wie sie spä­ter die Päps­te bean­spruch­ten, und dass er dadurch auch das Urbild der Päps­te war?

5.1 Über die Stel­lung von Petrus in der Urkirche

5.1.1 Im Allgemeinen

Wäh­rend der Zeit des irdi­schen Wir­kens Jesu war Petrus einer der drei Jün­ger im engs­ten Kreis. In den „Apos­tel­lis­ten“ wird er stets an ers­ter Stel­le genannt. Nach der Auf­er­ste­hung Jesu war er es, der die Bestel­lung eines Ersatz­man­nes für Judas in die Wege lei­te­te.[37] Immer wie­der fin­den wir in den Anfangs­ka­pi­teln der Apos­tel­ge­schich­te, dass Petrus in der Öffent­lich­keit für die Gemein­de spricht. Auf sei­ne wich­ti­ge Rol­le bei der Aus­deh­nung der Gemein­de auf Sama­ri­ter und Hei­den wur­de bereits hin­ge­wie­sen. War er also doch der, der alles in der Hand hat­te, der ers­te Papst?

Wir möch­ten hier auf eini­ge Details hin­wei­sen, die die­ses Bild korrigieren:

Petrus war wich­tig, aber doch nur einer der Apos­tel. Er hat Kri­tik und Kor­rek­tur demü­tig ange­nom­men. Er hat weder Unfehl­bar­keit noch einen Juris­dik­ti­ons­pri­mat bean­sprucht. Aus der Apos­tel­ge­schich­te gewin­nen wir den Ein­druck, dass, je gefes­tig­ter die Gemein­de wur­de, Petrus mehr und mehr in den Hin­ter­grund trat.

5.1.2 In Rom

Da der Papst den Anspruch erhebt, als Bischof von Rom der Nach­fol­ger Petri zu sein, ist auch die Fra­ge nach der Stel­lung Petri in der Gemein­de von Rom zu behandeln.

Die Gemein­de von Rom ist ver­mut­lich durch Juden, die beim Pfingst­fest des Jah­res 30 zum Glau­ben an Jesus fan­den, ent­stan­den.[43] Petrus war an der Ent­ste­hung die­ser Gemein­de durch sei­ne Ver­kün­di­gung in Jeru­sa­lem beteiligt.

Ob Petrus sich nach sei­ner wun­der­ba­ren Befrei­ung aus dem Gefäng­nis[44] nach Rom bege­ben hat, wie nicht nur von katho­li­scher Sei­te ange­nom­men wird, ist frag­lich. Der Satz „Dann ver­ließ er sie und ging an einen ande­ren Ort“[45] lässt alles offen.

Pau­lus erwähnt in sei­nem im Jah­re 57 geschrie­be­nen Brief an die Römer Petrus nicht, was dafür spricht, dass Petrus damals nicht in Rom war. Des­glei­chen erwähnt auch Lukas, wenn er über die Ankunft des Pau­lus als Gefan­ge­ner in Rom im Jah­re 60 berich­tet,[46] nichts von Petrus. Auch das bedeu­tet mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit, dass Petrus damals nicht in Rom war.

In 1. Petrus 5,13 lesen wir:

Es grü­ßen euch die Mit­aus­er­wähl­ten in Baby­lon und mein Sohn Markus.

Auch wenn in man­chen pro­tes­tan­ti­schen Krei­sen ver­sucht wird zu erklä­ren, dass hier Baby­lon in Meso­po­ta­mi­en bzw. eine römi­sche Kolo­nie die­ses Namens in Ägyp­ten gemeint sei, spricht doch alles dafür, dass Petrus die­sen Brief aus Rom geschrie­ben hat und dass „Baby­lon“ – wie im Buch der Offen­ba­rung – ein Deck­na­me für Rom ist. Zur Zeit der Nie­der­schrift die­ses Brie­fes war Petrus in Rom. Ver­mut­lich ist er bald nach 62 dort eingetroffen.

In 1 Kle­mens 5 (in Fuß­no­te 32 zitiert) wird Petrus im Zusam­men­hang mit Opfern der nero­ni­schen Chris­ten­ver­fol­gung erwähnt, was sei­nen Tod in Rom voraussetzt.

Petrus hat also sein irdi­sches Leben in Rom been­det. Das bedeu­tet aber nicht, dass er Bischof von Rom war. Als Apos­tel hat­ten sei­ne Wor­te in der Gemein­de von Rom auf jeden Fall Gewicht. Das heißt jedoch nicht, dass er der Lei­ter die­ser Gemein­de war. Da die Gemein­de von Rom schon lan­ge vor der Ankunft Petri bestand, hat­te die­se schon ihre gewach­se­nen Struk­tu­ren, in die Petrus, der sich als „Mit­äl­tes­ter“ ver­stand, nicht eingriff.

5.2 Die „Apos­to­li­schen Sukzession“

Wenn Petrus weder Grün­der noch „Bischof“ der Gemein­de von Rom war, erüb­rigt sich die Fra­ge nach der apos­to­li­schen Suk­zes­si­on. Da aber katho­li­scher­seits der Anspruch erho­ben wird, dass es zwi­schen Petrus und dem der­zei­ti­gen Papst eine unun­ter­bro­che­ne Ket­te von Hand­auf­le­gun­gen gebe, wol­len wir uns auch mit die­ser Fra­ge auseinandersetzen.

5.2.1 Kann Petrus einen Nach­fol­ger haben?

Wie bereits erwähnt, berich­tet Apos­tel­ge­schich­te 1,15–26 von der Bestel­lung eines Nach­fol­gers oder Ersatz­man­nes für Judas. Dort heißt es in den Ver­sen 21–22:

Einer von den Män­nern, die die gan­ze Zeit mit uns zusam­men waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, ange­fan­gen von der Tau­fe durch Johan­nes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Him­mel) auf­ge­nom­men wur­de, – einer von die­sen muss nun zusam­men mit uns Zeu­ge sei­ner Auf­er­ste­hung sein.

Der neu zu bestim­men­de Apos­tel muss­te ein Zeu­ge der Auf­er­ste­hung Jesu sein. Des­we­gen konn­te auch Pau­lus, dem der auf­er­stan­de­ne Herr Jesus erschie­nen ist, Apos­tel sein.

Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apos­tel? Habe ich nicht Jesus, unse­ren Herrn, gese­hen? Seid ihr nicht mein Werk im Herrn? (1. Korin­ther 9,1)

Als Jako­bus, der Bru­der des Johan­nes, durch Hero­des Agrip­pa I. (König von Judäa 41–44) ent­haup­tet wur­de,[47] wur­de kein Nach­fol­ger für ihn bestimmt.

Auch die bereits erwähn­ten Stel­len Ephe­ser 2,20 und Offen­ba­rung 21,14 unter­strei­chen die Ein­ma­lig­keit des Apostelamtes.

Beach­tens­wert sind auch die Wor­te Petri in 2. Petrus 1,12–15:[48]

Dar­um will ich euch immer an das alles erin­nern, obwohl ihr es schon wisst und in der Wahr­heit gefes­tigt seid, die ihr emp­fan­gen habt. Ich hal­te es näm­lich für rich­tig, euch dar­an zu erin­nern, solan­ge ich noch in die­sem Zelt lebe, und euch dadurch wach zu hal­ten; denn ich weiß, dass mein Zelt bald abge­bro­chen wird, wie mir auch Jesus Chris­tus, unser Herr, offen­bart hat. Ich will aber dafür sor­gen, dass ihr auch nach mei­nem Tod euch jeder­zeit dar­an erin­nern könnt.

Petrus weist hier nicht dar­auf hin, dass sich die Gläu­bi­gen nach sei­nem Tod an Linus bzw. an den Bischof von Rom wen­den sol­len. Er erin­nert sie an sei­ne Leh­re und er hat auch sei­nen Brief des­we­gen geschrie­ben, um sie an die Grund­la­ge zu erin­nern, die er durch sei­ne Leh­re bei ihnen gelegt hat.

Wenn wir von einem „Nach­fol­ger“ Petri bzw. der Apos­tel spre­chen kön­nen, dann kön­nen nur die Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments gemeint sein. Die­se Schrif­ten ent­hal­ten die Leh­re der Apos­tel unverfälscht.

5.2.2 Seit wann gab es in Rom einen mon­ar­chi­schen Bischof?

Mit dem Begriff „mon­ar­chi­sches Bischofs­amt“ mei­nen wir eine Kir­chen­struk­tur, in der es in einer Gemein­de nur einen ein­zi­gen Gemein­de­lei­ter gibt. Die­se Struk­tur ist im Neu­en Tes­ta­ment unbe­kannt und erst­mals in den Brie­fen von Igna­ti­us von Antio­chi­en (gestor­ben um 110) bezeugt.[49]

Es gibt aus der frü­hen nach­apos­to­li­schen Zeit (spä­tes ers­tes und frü­hes zwei­tes Jahr­hun­dert) drei Doku­men­te, aus denen wir einen gewis­sen Ein­blick in die dama­li­ge Struk­tur der Gemein­de von Rom gewin­nen können.

5.2.2.1 Der Ers­te Klemensbrief

Die­ser Brief wird übli­cher­wei­se in die 90er-Jah­re des 1. Jahr­hun­derts datiert, häu­fig in das Jahr 96. Es gibt aber gute Grün­de dafür, ihn bereits in das Jahr 69 zu datie­ren. Auf jeden Fall ist er das frü­hes­te Zeug­nis eines Schrei­bens der römi­schen Chris­ten­ge­mein­de. Es han­delt sich um einen Brief der Gemein­de von Rom an die Gemein­de von Korinth. Anlass für das Schrei­ben ist, dass die Korin­ther auf ihre Ältes­ten nicht mehr gehört haben und die­se durch ande­re ersetzt haben. In die­sem in der Wir-Form geschrie­be­nen Brief wird kein Autor genannt. Die Tra­di­ti­on schreibt ihn Kle­mens von Rom zu.

Die­ser Brief kennt das mon­ar­chi­sche Bischofs­amt nicht. Es geht um die Ältes­ten (Plu­ral) in Korinth, die wie­der mit ihren Auf­ga­ben betraut wer­den sol­len. In Kapi­tel 44 wer­den die Begrif­fe epi­sko­pos (Vor­ste­her – „Bischof“) und pres­by­te­ros (Ältes­ter) aus­tausch­bar ver­wen­det.[50]

Auch für Rom gibt es in die­sem lan­gen Brief nichts, was auf ein mon­ar­chi­sches Bischofs­amt schlie­ßen ließe.

5.2.2.2 Der Hirt des Hermas

Die­se in Rom ent­stan­de­ne Schrift aus dem spä­ten 1. oder frü­hen 2. Jahr­hun­dert[51] kennt eben­so kein mon­ar­chi­sches Bischofs­amt. In die­ser Schrift geht es nicht um Kir­chen­struk­tur. In der zwei­ten Visi­on in Kapi­tel 4,3 heißt es:

Du wirst zwei Abschrif­ten fer­ti­gen und eine dem Kle­mens, eine der Grap­te sen­den. Kle­mens wird es an die aus­wär­ti­gen Städ­te schi­cken, das ist ihm auf­ge­tra­gen wor­den; Grap­te wird die Wit­wen und Wai­sen mah­nen. Und du wirst es in die­ser Stadt gemein­sam mit den Pres­by­tern, den Vor­ste­hern der Kirche

Von einem mon­ar­chi­schen Bischof ist kei­ne Rede. Wir kön­nen daher davon aus­ge­hen, dass es zur Zeit der Nie­der­schrift, die gewiss nach dem Tod des Petrus war, kei­nen mon­ar­chi­schen Bischof von Rom gab, son­dern nur eine Grup­pe von Pres­by­tern (Ältes­ten).

5.2.2.3 Der Brief des Igna­ti­us an die Römer

Igna­ti­us war Bischof von Antio­chi­en in Syri­en[52] und wur­de unter Tra­jan zum Tier­kampf in Rom ver­ur­teilt. Es wird ver­mu­tet, dass er um ca. 110 in Rom gestor­ben ist. Auf sei­ner Rei­se nach Rom schrieb er sie­ben Brie­fe, in denen ein Haupt­the­ma die Unter­ord­nung unter den Bischof ist. Igna­ti­us war sehr bestrebt, das mon­ar­chi­sche Bischofs­amt, das damals im Ent­ste­hen begrif­fen war, zu för­dern.[53]

Umso auf­fal­len­der ist es, dass er in sei­nem Brief an die Römer das mon­ar­chi­sche Bischofs­amt nur im Zusam­men­hang mit der Gemein­de in Syri­en, nicht aber mit Rom erwähnt.

Wir zitie­ren aus dem 9. Kapi­tel des Brie­fes von Igna­ti­us an die Römer:

Geden­ket in eurem Gebe­te der Kir­che von Syri­en, deren Hir­te an mei­ner statt Gott ist. Jesus Chris­tus allein wird ihr Bischof sein.

Die For­mu­lie­rung in Vers 1, dass jetzt Gott an sei­ner statt Hir­te der Kir­che von Syri­en ist, zeigt, dass das mon­ar­chi­sche Bischofs­amt damals noch in den Anfän­gen war, dass es nicht selbst­ver­ständ­lich war, dass auf Igna­ti­us ein ande­rer mon­ar­chi­scher Bischof folg­te. Offen­sicht­lich brei­te­te sich damals im Osten des Rei­ches das mon­ar­chi­sche Bischofs­amt immer mehr aus. In Rom hin­ge­gen gab es wei­ter­hin die alte auf die Apos­tel zurück­ge­hen­de Struk­tur mit meh­re­ren Ältesten.

Es gab also min­des­tens bis zum Jah­re 110 – ver­mut­lich noch län­ger – kei­nen Bischof von Rom. Wenn es nun mehr als vier­zig Jah­re nach dem Tod Petri noch kei­nen Bischof von Rom gab, wie kann dann behaup­tet wer­den, die­ser sei des­sen Nachfolger?

Wir zitie­ren den katho­li­schen Kir­chen­his­to­ri­ker Nor­bert Brox:

Der mon­ar­chi­sche Bischof ist nicht in allen Kir­chen gleich­zei­tig ein­ge­führt wor­den. Igna­ti­us setz­te […] gera­de in sei­nem Brief nach Rom nicht vor­aus, dass die Kir­che dort schon einen mon­ar­chi­schen Bischof hat – in auf­fäl­li­gem Gegen­satz zu den klein­asia­ti­schen Gemein­den, an die er schrieb, und in denen er jeweils Ein­zelbi­schö­fe amtie­ren wuss­te und zum Teil mit Namen nann­te […]. Und noch um 140[54] ist die kol­le­gia­le Lei­tungs­form für die Kir­che in Rom durch ein dort geschrie­be­nes Buch doku­men­tiert (Past Herm Vis. II,4,3; III,1,8; 5,1; Sim. IX, 27,2). Um die­se Zeit sind noch Pres­by­ter die ver­ant­wort­li­chen Spre­cher der römi­schen Gemein­de (Epi­pha­ni­us, pan. 42,2,2). Was nach Igna­ti­us um das Jahr 110 anders­wo schon ein­ge­führt war, dass näm­lich ein ein­zi­ger Bischof an der Spit­ze der Gemein­de stand, kann für Rom nicht vor den Jah­ren 140–150 ange­nom­men wer­den. Erst seit der Jahr­hun­dert­mit­te, also seit den Bischö­fen Ani­ket (155–166) und Soter (166–175) kann die­ses neue Amt auch in Rom zwei­fels­frei vor­aus­ge­setzt wer­den. […] Die Kon­se­quen­zen für die Papst­ge­schich­te lie­gen auf der Hand. Man kann für die Zeit vor 140/150 nicht von ein­zel­nen, auf­ein­an­der­fol­gen­den Bischö­fen Roms aus­ge­hen, die sich als Päps­te der Gesamt­kir­che ver­ste­hen konn­ten. Das Papst­tum war folg­lich in der Früh­zeit noch nicht vor­han­den.[55]

5.2.3 Ver­gleich der Quel­len der Apos­to­li­schen Sukzession

Wir wen­den uns nun den Tex­ten zu, die über die Nach­fol­ger des Apos­tels Petrus als Bischof von Rom spre­chen. Der ers­te die­ser Tex­te bil­det die Grund­la­ge für die offi­zi­el­le Lis­te der Päps­te. Ande­re Tex­te zei­gen aber ein ande­res Bild.

5.2.3.1. Ire­nä­us von Lyon (ca. 135–ca. 200)

Weil es aber zu weit­läu­fig wäre, in einem Wer­ke wie dem vor­lie­gen­den die apos­to­li­sche Nach­fol­ge aller Kir­chen auf­zu­zäh­len, so wer­den wir nur die apos­to­li­sche Tra­di­ti­on und Glau­bens­pre­digt der größ­ten und ältes­ten und all­be­kann­ten Kir­che, die von den bei­den ruhm­rei­chen Apos­teln Petrus und Pau­lus zu Rom gegrün­det und gebaut ist, dar­le­gen, wie sie durch die Nach­fol­ge ihrer Bischö­fe bis auf unse­re Tage gekom­men ist. […]
Nach­dem also die seli­gen Apos­tel die Kir­che gegrün­det und ein­ge­rich­tet hat­ten, über­tru­gen sie dem Linus

erwähnt Pau­lus in sei­nem Brie­fe an Timo­theus. Auf ihn folgt Anakle­tus

Auf genann­ten Kle­mens folg­te Eva­ris­tus

Ire­nä­us schrieb in der 2. Hälf­te des 2. Jahr­hun­derts gegen die damals auf­tre­ten­de Irr­leh­re der Gno­sis. Er woll­te durch die Lis­te der römi­schen Bischö­fe dar­auf hin­wei­sen, dass sei­ne Kir­che – im Gegen­satz zu den Gnos­ti­kern – auf die Apos­tel zurückgeht.

In die­sem berech­tig­ten Anlie­gen setz­te er sich aber über his­to­ri­sche Fak­ten hin­weg. Wie wir bereits wei­ter oben auf­ge­zeigt haben, wur­de die Gemein­de in Rom nicht von Petrus und Pau­lus gegrün­det. Mög­li­cher­wei­se hat Ire­nä­us die­se “Grün­dung” in einem sehr all­ge­mei­nen Sinn ver­stan­den, näm­lich dass Petrus und Pau­lus in der dor­ti­gen Gemein­de waren und dort auch ihr Leben been­det haben.

5.2.3.2 Ter­tul­li­an (nach 150–nach 220)

Wenn dage­gen eini­ge Häre­si­en die Kühn­heit haben, sich in das apos­to­li­sche Zeit­al­ter ein­zu­drän­gen und des­we­gen von den Apos­teln über­lie­fert erschei­nen wol­len, weil sie zur Zeit der Apos­tel exis­tier­ten, so kön­nen wir erwi­dern: Gebt also die Ursprün­ge eurer Kir­chen an, ent­rollt eine Rei­hen­fol­ge eurer Bischö­fe, die sich von Anfang an durch Abfol­ge so fort­setzt, dass der ers­te Bischof einen aus den Apos­teln oder den apos­to­li­schen Män­nern, jedoch einen sol­chen, der bei den Apos­teln aus­harr­te, zum Gewährs­mann und Vor­gän­ger hat. Denn das ist die Wei­se, wie die apos­to­li­schen Kir­chen ihren Ursprung nach­wei­sen; wie z. B. die Kir­che von Smyr­na berich­tet, dass ihr Poly­karp von Johan­nes auf­ge­stellt, die römi­sche eben­so, dass ihr Kle­mens von Petrus ordi­niert wor­den sei. (Ter­tul­li­an, Die Pro­zess­ein­re­den gegen die Häre­ti­ker – De praescrip­tio­ne hae­re­ti­corum 32)

Ter­tul­li­an, ein Kir­chen­schrift­stel­ler, der um 200 schrieb, hat­te mit die­sem Werk das­sel­be Ziel wie Ire­nä­us. Im Gegen­satz zu die­sem behaup­te­te er jedoch, dass Kle­mens direkt von Petrus ein­ge­setzt wor­den sei. Ire­nä­us nennt Kle­mens nur als drit­ten nach Petrus.

5.2.3.3 Epi­pha­ni­us von Sala­mis (gestor­ben 403)

Petrus setz­te Kle­mens ein, der um des Frie­dens wil­len, sei­nen Platz Linus über­ließ. (Epi­pha­ni­us, Haere­ses 27,6)

Hier gewin­nen wir den Ein­druck, dass sich Epi­pha­ni­us der unter­schied­li­chen Anga­ben von Ire­nä­us und Ter­tul­li­an bewusst war und einen Lösungs­an­satz dazu bie­ten wollte.

5.2.3.4 Hie­ro­ny­mus (347–420)

Kle­mens […] war der vier­te Bischof nach Petrus, der zwei­te war Linus, der drit­te Anakle­tus, obwohl die Mehr­heit der „Latei­ner“ Kle­mens als den zwei­ten nach dem Apos­tel Petrus betrach­ten. (Hie­ro­ny­mus, De viris illus­tri­bus, 15)

Auch Hie­ro­ny­mus wuss­te im 4./5. Jahr­hun­dert um die unter­schied­li­chen Überlieferungen.

5.2.3.5 Augus­ti­nus (354–430)

Dem Petrus folg­te näm­lich Linus

Die Bischofs­lis­te des Augus­ti­nus reicht bis in sei­ne Zeit. Was die ers­ten Bischö­fe betrifft, so hat er auch nicht genau die­sel­be Lis­te wie die anderen.

5.2.3.6 Zusam­men­fas­sung

Ire­nä­us

Ter­tul­li­an

Epi­pha­ni­us

Hie­ro­ny­mus

Augus­ti­nus

Petrus + Paulus Petrus Petrus Petrus Petrus
1. Linus 1. Kle­mens 1. Kle­mens 1. Linus 1. Kle­mens 1. Linus
2. Anakle­tus   1a. Linus 2. Anakle­tus 2. Kle­mens
3. Kle­mens     3. Kle­mens 3. Anakle­tus
4. Eva­ris­tus       4. Eva­ris­tus
5. Alex­an­der       5. Alex­an­der
6. Six­tus       6. Six­tus
7. Tele­spho­rus       7. Tele­spho­rus
8. Hygi­nus       8. Hygi­nus
9. Pius       9. Anice­tus
10. Anice­tus       10. Pius
11. Soter       11. Soter
12. Eleu­the­ri­us       12. Eleu­the­ri­us

Die Unter­schie­de zwi­schen den ver­schie­de­nen Tra­di­tio­nen betref­fen vor allem die unmit­tel­ba­re Nach­fol­ge des Petrus. War nun Linus der ers­te Bischof von Rom nach Petrus oder war es Kle­mens? War Anakle­tus vor oder nach Klemens?

Wenn wir das Zeug­nis der unter 5.2.2 auf­ge­lis­te­ten Doku­men­te berück­sich­ti­gen, lau­tet die Ant­wort, dass es nach dem Tod von Petrus über­haupt kei­nen mon­ar­chi­schen Bischof von Rom gab. Es gab damals meh­re­re Ältes­te, von denen wir man­che, wie Kle­mens, Linus, Anakle­tus, nament­lich ken­nen. Die­se tru­gen gemein­sam mit ande­ren Ältes­ten die Haupt­ver­ant­wor­tung für die Gemein­de in Rom. Als dann im Lau­fe des zwei­ten Jahr­hun­derts das mon­ar­chi­sche Bischofs­amt auch in Rom ein­ge­führt wur­de, hat man ver­sucht, die Namen die­ser Ältes­ten, die zugleich gewirkt haben, in eine zeit­li­che Rei­hen­fol­ge zu pres­sen, sodass man nun­mehr dach­te, dass sie auf­ein­an­der­folg­ten. Es gab dabei offen­sicht­lich Mei­nungs­un­ter­schie­de, wer nun der ers­te Bischof von Rom gewe­sen sei. Hät­te es tat­säch­lich unmit­tel­bar nach dem Tod des Petrus einen Bischof von Rom gege­ben, dann wür­den die Quel­len übereinstimmen.

6 Über die Titel des Papstes

6.1 Papst – Hei­li­ger Vater

Das deut­sche Wort „Papst“ lei­tet sich vom latei­ni­schen papa bzw. grie­chi­schen páp­pas mit der Bedeu­tung „Vater“ ab. „Hei­li­ger Vater“ ist die übli­che Anre­de an den Papst.

Die­ser Titel bzw. die­se Anre­de steht in offe­nem Gegen­satz zu den Wor­ten Jesu:

Auch sollt ihr nie­mand auf Erden euren Vater nen­nen; denn nur einer ist euer Vater, der im Him­mel. (Mat­thä­us 23,9)

In der Bibel wird nur Gott als „Hei­li­ger Vater“ ange­spro­chen. Jesus betet in Johan­nes 17,11b:

Hei­li­ger Vater, bewah­re sie in dei­nem Namen, den du mir gege­ben hast, damit sie eins sind wie wir.

Die Wor­te Jesu in Mat­thä­us 23,9 wen­den sich natür­lich nicht dage­gen, dass jemand sei­nen bio­lo­gi­schen Vater auch Vater nennt. Jesus sprach gegen reli­giö­se Titel.

Man könn­te ein­wen­den, dass auch Pau­lus manch­mal über sich selbst als Vater sprach:

Hät­tet ihr näm­lich auch unge­zähl­te Erzie­her in Chris­tus, so doch nicht vie­le Väter. Denn in Chris­tus Jesus bin ich durch das Evan­ge­li­um euer Vater gewor­den. (1. Korin­ther 4,15)

Ihr wisst auch, dass wir, wie ein Vater sei­ne Kin­der, jeden Ein­zel­nen von euch ermahnt, ermu­tigt und beschwo­ren haben zu leben, wie es Got­tes wür­dig ist, der euch zu sei­nem Reich und zu sei­ner Herr­lich­keit beruft. (1. Thes­sa­lo­ni­cher 2,11–12)

Ich bit­te dich für mein Kind One­si­mus, dem ich im Gefäng­nis zum Vater gewor­den bin. (Phi­le­mon 10)

Wei­ters:

[…] an Timo­theus, sei­nen ech­ten Sohn durch den Glau­ben […] (1. Timo­theus 1,2)[56]

[…] bei euch, mei­nen Kin­dern, für die ich von neu­em Geburts­we­hen erlei­de, bis Chris­tus in euch Gestalt annimmt. (Gala­ter 4,19)

In all die­sen Stel­len geht es nicht um bio­lo­gi­sche Vater­schaft. Aber es geht auch nicht um einen Titel. Pau­lus hat von den Korin­thern nicht erwar­tet, dass sie ihn als „Vater Pau­lus“ anspre­chen. Er hät­te es auch nicht akzep­tiert. Aber die Korin­ther haben ihr geist­li­ches Leben durch Pau­lus erhal­ten. So wur­de er ihr Vater. Das trifft auch für die Gemein­de in Thes­sa­lo­nich, für Timo­theus, Titus und One­si­mus zu.

Wenn Pau­lus in Gala­ter 4,19 über sei­ne Geburts­we­hen für die Gala­ter spricht, dann passt das Bild zu einer müt­ter­li­chen Bezie­hung, eben­so wie 1. Thes­sa­lo­ni­cher 2,7–8, wo Pau­lus sich mit einer Mut­ter (oder Amme) vergleicht.

Pau­lus führ­te nicht den Titel „Vater“, aber er hat­te die Funk­ti­on eines Vaters für die, die durch ihn ihr ewi­ges Leben in Jesus Chris­tus gefun­den haben.

6.2 Stell­ver­tre­ter Jesu Chris­ti – Vica­ri­us Jesu Christi

Jesus sag­te:

Denn wo zwei oder drei in mei­nem Namen ver­sam­melt sind, da bin ich mit­ten unter ihnen. (Mat­thä­us 18,20)

[…] Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mat­thä­us 28,20)

Einen Stell­ver­tre­ter braucht man dann, wenn die zu ver­tre­ten­de Per­son nicht anwe­send ist. Jesus ist unter sei­nen Jün­gern gegen­wär­tig. Er braucht kei­nen Stellvertreter.

Doch wie sol­len wir in die­sem Zusam­men­hang fol­gen­de Wor­te von Pau­lus verstehen?

Wir sind also Gesand­te an Chris­ti statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bit­ten an Chris­ti statt: Lasst euch mit Gott ver­söh­nen! (2. Korin­ther 5,20)

Hier ver­wen­det Pau­lus zwei­mal den Aus­druck „an Chris­ti statt“. Aber er spricht hier nicht über Petrus als den „Stell­ver­tre­ter Chris­ti“. Mit dem „Wir“ meint er sicher ein­mal sich selbst, dann auch alle Apos­tel, im wei­te­ren Sinn aber alle Chris­ten, durch die Gott ande­re ermahnt und zur Ver­söh­nung auf­ruft. Die­se Wor­te zei­gen uns, welch gro­ße Ver­ant­wor­tung mit der Ermah­nung unter Chris­ten ver­bun­den ist. Jeder Christ, der ande­re ermahnt oder zur Ver­söh­nung auf­ruft, soll sich des­sen bewusst sein, dass hier Chris­tus durch ihn han­deln will. Die­ser Vers spricht also nicht über das „Amt“ eines Stell­ver­tre­ters Jesu, son­dern dar­über, dass Gott in jedem Bru­der und jeder Schwes­ter han­deln will. Pau­lus hat das in vor­bild­li­cher Wei­se an den Korin­thern getan, und nicht nur an ihnen. Der Auf­ruf zur Ver­söh­nung mit Gott ist der Auf­ruf an alle Men­schen, die Gott noch nicht ken­nen. Wenn Chris­ten ande­ren das Evan­ge­li­um ver­kün­den, dann will Gott durch sie sprechen.

6.3 Pon­ti­fex Maximus

Im Zusam­men­hang mit dem Anspruch des Papst­tums sei auch auf den Titel „Pon­ti­fex Maxi­mus“ erwähnt.

Ursprüng­lich war der Pon­ti­fex Maxi­mus (latei­nisch für „Größ­ter Brü­cken­bau­er“[57] ) der Rang­höchs­te im heid­ni­schen Pries­ter­kol­le­gi­um der Pon­ti­fices im Römi­schen Reich, und somit auch der höchs­te römi­sche Pries­ter. Seit Augus­tus tru­gen alle römi­schen Kai­ser den Titel „Pon­ti­fex Maxi­mus“. Als sich die Kai­ser dem Chris­ten­tum zuwand­ten, ver­lor die­ser heid­ni­sche Titel bei ihnen an Bedeu­tung. Seit Kai­ser Gra­ti­an (Kai­ser 375–383) wur­de er nicht mehr geführt.[58]

Im Zusam­men­hang mit dem Chris­ten­tum wird die­ser Titel das ers­te Mal von Ter­tul­li­an (gestor­ben um 220) genannt, der ent­we­der den römi­schen Bischof Calixt I. oder Bischof Agrip­pi­nus von Car­tha­go vol­ler Iro­nie „Pon­ti­fex Maxi­mus“ nannte:

Der obers­te Pon­ti­fex, das ist der Bischof der Bischö­fe erklärt: „Ich ver­ge­be auch die Sün­den des Ehe­bruchs und der Hure­rei denen, die Buße getan haben.“[59]

Was bei Ter­tul­li­an noch Iro­nie war und nur nega­tiv ver­stan­den wer­den konn­te, wur­de spä­ter zu einem Ehren­ti­tel der Päpste.

Kai­ser Theo­dosi­us nann­te im Jah­re 380, als er den katho­li­schen Glau­ben zur Staats­re­li­gi­on erklär­te, Dama­sus I. „Pon­ti­fex“ (aber nicht „Pon­ti­fex Maximus“).

Leo I. (Römi­scher Bischof 440–461) hat dann als ers­ter „Papst“ den Titel „Pon­ti­fex Maxi­mus“ getra­gen. Seit Gre­gor I. (Papst 590–604) ist die­ser Titel fest mit dem Papst­tum verbunden.

Wenn die römi­schen Bischö­fe einen Titel über­nah­men, den die „christ­li­chen“ Kai­ser als heid­nisch abge­lehnt haben, zeigt das, als wes­sen Nach­fol­ger sich die Päps­te wirk­lich ver­stan­den: als Nach­fol­ger der heid­ni­schen Ober­pries­ter Roms.

Für Chris­ten gibt es nur einen „größ­ten Brü­cken­bau­er“, der die Brü­cke zwi­schen Gott und den Men­schen ein für alle Mal geschla­gen hat: Jesus Christus.

Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen: der Mensch Chris­tus Jesus. (1. Timo­theus 2,5)

6.4 Ser­vus Ser­vor­um Dei (Die­ner der Die­ner Gottes)

Die­ser von Gre­gor I. (Papst 590–604) ein­ge­führ­te Titel scheint auf den ers­ten Blick eine tie­fe Demut aus­zu­drü­cken. Doch wer wirk­lich ein Die­ner Got­tes und sei­ner Die­ner ist, drückt das nicht in einem Titel aus, den er dann noch für sein spe­zi­el­les Amt reser­vie­ren lässt, son­dern führt ein Leben in Ein­fach­heit, Beschei­den­heit und Demut.

7 Zur Unfehl­bar­keit des Papstes

Nach katho­li­scher Leh­re ist der Papst in Fra­gen der Glau­bens- und Sit­ten­leh­re unfehl­bar, wenn er „ex cathe­dra“ spricht.[60] Es ist gewiss Got­tes Wil­le, dass sei­ne Kir­che Klar­heit und Gewiss­heit in sol­chen Fra­gen hat. Dar­um hat Gott auch sein Wort geof­fen­bart, in dem er sei­nen Wil­len klar kund­ge­tan hat. Uns ist bewusst, dass es in der Bibel auch unkla­re Stel­len gibt und dass man­che Fra­gen in der Bibel nicht direkt ange­spro­chen wer­den. Des­we­gen braucht die Kir­che die bestän­di­ge Füh­rung des Hei­li­gen Geis­tes. Die Kir­che kann als Kir­che nur in Abhän­gig­keit von Gott leben.

Petrus sag­te vor dem Hohen Rat:

Zeu­gen die­ser Ereig­nis­se sind wir und der Hei­li­ge Geist, den Gott allen ver­lie­hen hat, die ihm gehor­chen. (Apos­tel­ge­schich­te 5,32)

Nur jemand, der Gott gehorcht, hat den Hei­li­gen Geist. Wie kann nun jemand, der sich mit „Hei­li­ger Vater“ anre­den lässt und so, wie oben gezeigt, in ganz kla­rem Wider­spruch zu den Wor­ten Jesu steht, bean­spru­chen, unfehl­bar zu sein? Nach den Wor­ten Petri, des­sen Nach­fol­ger der Papst sein will, hat er nicht ein­mal den Hei­li­gen Geist.

Gott führt sei­ne Kir­che, die nicht mit der römisch-katho­li­schen iden­tisch ist, son­dern aus denen besteht, die Gott gehor­chen, die sich klar von Sün­de distan­zie­ren, die der von Gott gefor­der­ten Hei­lig­keit nach­stre­ben.[61] Er führt sie nicht durch die Auto­ri­tät eines blo­ßen Men­schen. Jesus Chris­tus hat sei­nen Jün­gern sei­ne Gegen­wart ver­spro­chen[62] und den Hei­li­gen Geist ver­hei­ßen. So führt Gott jene, die ihm gehor­chen, durch ihr gemein­sa­mes Nach­den­ken über sein Wort, durch die Bereit­schaft, auch Sün­den, Feh­ler und Irr­we­ge zuzu­ge­ben und von die­sen klar umzukehren.

8 Aus der Geschich­te der Päpste

Wir wol­len im Fol­gen­den an den Bei­spie­len eini­ger Päps­te zei­gen, wie sehr man­che Bischö­fe von Rom in Leh­re und/oder Leben nicht Jesus Chris­tus nach­ge­folgt sind und daher auch nicht Nach­fol­ger Petri sein kön­nen. In die­sem Zusam­men­hang sei auf eine Situa­ti­on im Leben Jesu hin­ge­wie­sen, in der die Geg­ner Jesu sich dar­auf beru­fen haben, Söh­ne Abra­hams zu sein. Die Ant­wort Jesu war:

Wenn ihr Kin­der Abra­hams wärt, wür­det ihr so han­deln wie Abra­ham. (Johan­nes 8,39)

Wenn die Päps­te Nach­fol­ger Petri wären, wür­den sie wie Petrus handeln.

Es geht uns hier nicht um eine voll­stän­di­ge Papst­ge­schich­te, auch nicht um Bio­gra­fien der Päps­te, aber um ein­zel­ne kla­re Punk­te, die zei­gen, wie man­che die­ser Men­schen zu beur­tei­len sind. Gewiss haben Päps­te auch Gutes gesagt und getan. Aber die fol­gen­den von uns auf­ge­lis­te­ten Wor­te und Taten wären in einer christ­li­chen Gemein­de des 1. Jahr­hun­derts auch von einem ein­fa­chen Chris­ten nie­mals gedul­det wor­den. Wie könn­ten sol­che Män­ner dann Füh­rer der Chris­ten­heit sein, unfehl­ba­re Leh­rer, Stell­ver­tre­ter Jesu Chris­ti auf Erden?

Bei von der römisch-katho­li­schen Kir­che als Hei­li­ge ver­ehr­ten Päps­ten haben wir vor dem Namen ein (Hl.) eingefügt.

8.1 Aus dem Alter­tum und dem Mittelalter

(Hl.) Vik­tor I (Bischof von Rom 189–199)

Der Katho­lik Nor­bert Brox schrieb über ihn:

[…] Der ers­te Fall war die Prä­ten­ti­on Vik­tors I. (189–198), der im dama­li­gen Streit um einen ein­heit­lich gesamt­kirch­li­chen Oster­ter­min die Kir­chen Klein­asi­ens und ande­re exkom­mu­ni­zier­te, als sie sich sei­nen Ver­ein­heit­li­chungs­vor­stel­lun­gen nicht füg­ten (Euseb, Kir­chen­gesch. V,23–24). „Nicht allen Bischö­fen gefiel die­ses Vor­ge­hen Vik­tors“, schrieb aber Euseb dazu, der auch sei­ne eige­ne Abnei­gung gegen sol­che auto­ri­tä­re Ambi­ti­on des römi­schen Bischofs noch 100 Jah­re spä­ter zu erken­nen gibt und vor allem vom Wider­stand auch nicht betrof­fe­ner Bischö­fe berich­te­te (V,24,9–17). Es wur­de wie eine Stö­rung des fried­li­chen Gefü­ges der Gemein­schaft der Bischofs­kir­chen emp­fun­den, dass ein ein­zel­ner Bischof den ande­ren sei­ne Vor­schrif­ten mach­te und Will­fäh­rig­keit ver­lang­te. […] Wir wis­sen […], dass sein Anspruch bei aller Sym­pa­thie für die Kir­che Roms (wie z. B. Ire­nä­us) vom Gesam­tepi­sko­pat nicht akzep­tiert wur­de. Es wur­de eigens notiert, dass dies ein neu­ar­ti­ges Ver­hal­ten im befremd­li­chen Sinn war (V,24,15–17; Ire­nä­us-Frag­ment).[63]

(Hl.) Calixt I (Bischof von Rom 217–222)

Sein Geg­ner, Hip­po­lyt (eben­falls als „Hei­li­ger“ ver­ehrt), schrieb über ihn:

[…] Er war eben ein Schwind­ler und ein Rän­ke­schmied und mit der Zeit zog er vie­le mit sich. Er trug sein Gift tief im Her­zen und hat­te lau­ter fal­sche Ansich­ten; zugleich scheu­te er sich, die Wahr­heit zu sagen; […]
Er war der Ansicht, dass ein Bischof nicht abge­setzt wer­den müs­se, wenn er sün­di­ge und sei es auch zum Tod. Von die­ser Zeit an begann man zwei- und drei­mal ver­hei­ra­te­te Bischö­fe, Pries­ter und Dia­ko­nen zu den Wei­hen zuzu­las­sen […] Ja auch die Para­bel vom Unkraut,[64] sagt er, bezie­he sich hier­auf: „Lasst das Unkraut wach­sen mit dem Wei­zen“, das ist die Sün­der in der Kir­che. Ja er sag­te, auch die Arche Noah sei ein Gleich­nis für die Kir­che, in der sich Hun­de und Wöl­fe und Raben, alles Rei­ne und Unrei­ne fand, und so soll es in der Kir­che sein; was er noch in die­sem Betreff her­bei­brin­gen konn­te, hat er so aus­ge­legt, und sei­ne Hörer, denen die­se Ansich­ten gefal­len, fah­ren fort, sich selbst und vie­le (ande­re) zum Bes­ten zu haben, die scha­ren­wei­se zu die­ser Schu­le strö­men. Gera­de wegen der Lüs­te, die Chris­tus nicht erlaubt hat, nah­men sie immer zu, auf ihren Mas­sen­an­hang stolz. Chris­tum ver­ach­ten sie und hin­dern kei­ne Sün­de, indem sie auf­stel­len, er ver­zei­he denen, die guten Wil­lens sind. Auch hat er Frau­en vor­neh­men Stan­des, die unver­hei­ra­tet in noch jugend­li­chem Alter hei­ratsüch­tig waren, ihren Rang durch eine gesetz­mä­ßi­ge Ehe aber nicht ein­bü­ßen woll­ten, erlaubt, einen Bei­schlä­fer nach ihrer Wahl zu haben, sei es einen Skla­ven, sei es einen Frei­en, und die­sen, auch ohne recht­mä­ßi­ge Ehe, für ihren Mann anzu­se­hen. Und so began­nen soge­nann­te Chris­tin­nen, emp­fäng­nis­ver­hü­ten­de Mit­tel zu gebrau­chen und sich zu schnü­ren, um die Lei­bes­frucht abzu­trei­ben, weil sie wegen ihrer hohen Geburt und ihres Rie­sen­ver­mö­gens kein Kind von einem Skla­ven oder einem gewöhn­li­chen Mann haben woll­ten. Seht, wie weit der Ruch­lo­se in sei­ner Gott­lo­sig­keit gekom­men ist! Er lehrt Ehe­bruch und Mord zugleich. Und auf all das hin gehen die­se Aus­ge­schäm­ten dar­an, sich „katho­li­sche Kir­che“ zu nen­nen und man­che lau­fen ihnen zu, in der Mei­nung, recht zu han­deln. Um die­se Zeit wag­ten sie zuerst, eine zwei­te Tau­fe zu spen­den. Das hat der höchst merk­wür­di­ge Kal­lis­tus[65] getan, des­sen Schu­le wei­ter besteht und ihr Her­kom­men und ihre Über­lie­fe­rung hütet; ohne Urteil dar­über, mit wem man Gemein­schaft haben kann, bie­tet sie allen ohne Prü­fung Mit­glied­schaft an; von Kal­lis­tus haben sie auch ihren Bei­na­men erhal­ten und hei­ßen nach ihrem Grün­der Kal­lis­tia­ner. (Hip­po­ly­tus von Rom, Wider­le­gung aller Häre­si­en, Buch IX, Kapi­tel 12)[66]

Man­ches in die­sem Text erin­nert an die heu­ti­ge „katho­li­sche Kirche“.

(Hl.) Dama­sus I (Bischof von Rom 366–384)

Der His­to­ri­ker Bern­hard Schim­mel­p­fen­nig schreibt über die Zustän­de anläss­lich der Wahl von Dama­sus zum Bischof von Rom im Jah­re 366:

Der sieg­rei­che Kan­di­dat Dama­sus hat­te auf sei­ner Sei­te eine selt­sa­me Mischung aus durch­schnitt­li­chen Gemein­de­glie­dern, aus Künst­lern oder Toten­grä­bern […] und aus Gla­dia­to­ren. Die Durch­schlags­kraft die­ser Grup­pie­rung hat­te den ihr eige­nen Effekt, denn über hun­dert Anhän­ger des Gegen­kan­di­da­ten Ursi­nus muss­ten für ihren Ein­satz mit den Leben büßen: Sie wur­den von den Dama­sia­nern in einer von Libe­ri­us auf dem Esqui­lin erbau­ten Basi­li­ka ver­brannt.[67]

(Hl.) Leo I. (Papst 440–461)

Er war der ers­te, der den Titel „Pon­ti­fex Maxi­mus“, den die römi­schen Kai­ser ablehn­ten, trug, wenn­gleich er auch Chris­tus den wah­ren obers­ten Pon­ti­fex nannte.

(Hl.) Gre­gor I. (Papst 590–604)

Im Jahr 599 gab er die Anwei­sung, die Hei­den Sar­di­ni­ens zur Annah­me des Chris­ten­tums zu zwingen:

Wenn ihr fest­stellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Ver­hal­ten zu ändern, so befeh­len wir, dass ihr sie mit größ­tem Eifer ver­folgt. Sind sie unfrei, so züch­tigt sie mit Prü­geln und Fol­ter, um sie zur Bes­se­rung zu zwin­gen. Sind sie aber freie Men­schen, so sol­len sie durch strengs­te Ker­ker­haft zur Ein­sicht gebracht wer­den, wie es ange­mes­sen ist, damit jene, die sich wei­gern, die Wor­te der Erlö­sung anzu­neh­men, wel­che sie aus den Gefah­ren des Todes erret­ten kön­nen, durch kör­per­li­che Qual dem erwünsch­ten gesun­den Glau­ben zuge­führt wer­den. (Gre­gor, Epist. 9,204)[68]

Hono­ri­us I. (Papst 625–638)

Hono­ri­us ist der ein­zi­ge von einem Kon­zil, dem drit­ten Kon­zil von Kon­stan­ti­no­pel (680–681), und einem sei­ner Nach­fol­ger (Leo II. 682–683) als Häre­ti­ker ver­ur­teil­te Papst. Im „Mono­the­le­tis­mus­streit“ unter­stüt­ze er den Stand­punkt, dass Jesus Chris­tus nur „eine Wil­lens­kraft“ hat­te. Dadurch stell­te er die wah­re Mensch­heit Jesu infrage.

Sein Fall gewann auf dem 1. Vati­ka­ni­schen Kon­zil wie­der an Bedeu­tung. Wie kann ein als Häre­ti­ker ver­ur­teil­ter Papst unfehl­bar sein? Das Kon­zil ver­such­te das Pro­blem mit der For­mel ex cathe­dra zu lösen, d. h., dass ein Papst nur dann unfehl­bar ist, wenn er „in höchs­ter Lehr­ge­walt“ spricht. Hono­ri­us habe sei­ne Leh­re nicht als Dog­ma ver­kün­det. Aber sei­ne Zeit­ge­nos­sen haben sei­ne Betei­li­gung an die­ser Leh­re für so stark gehal­ten, dass sie es wert fan­den, ihn post­hum[69] als Irr­leh­rer zu verurteilen.

Ste­phan VI. (Papst 896–897)

Er ließ den ver­we­sen­den Leich­nam sei­nes Vor­vor­gän­gers For­mos­us (Papst 891–896) aus­gra­ben, die­sen in päpst­li­che Klei­der klei­den und mach­te ihm einen Pro­zess wegen angeb­li­cher Miss­bräu­che („Lei­chen­syn­ode“). For­mos­us wur­de nach­träg­lich abge­setzt und alle sei­ne Amts­hand­lun­gen und Wei­hen für ungül­tig erklärt. Anschlie­ßend wur­de sei­ne Lei­che zuerst ver­gra­ben, dann aber noch­mals exhu­miert und in den Tiber gewor­fen. Der Kurz­zeit-Nach­fol­ger Ste­phans Roma­nus erklär­te die Lei­chen­syn­ode für nich­tig, der auf ihn fol­gen­de Papst Theo­dor II. (897 auch nur für 20 Tage Papst) reha­bi­li­tier­te Formosus.

Wie ist das mög­lich, dass ein angeb­li­cher Stell­ver­tre­ter Jesu Chris­ti sei­nen Vor­gän­ger in dem­sel­ben „unfehl­ba­ren“ Amt so behan­delt? Wer hat nun Jesus Chris­tus ver­tre­ten? Wer von all die­sen Päps­ten war nun unfehlbar?

Johan­nes XII. (Papst 955–963)

Das Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che[70] fasst sei­nen Lebens­wan­del mit den Worten

[…] leicht­sin­nig, aus­schwei­fend, ein Freund der Jagd und des Krieges […]

zusam­men.

Die „römi­sche Oppo­si­ti­on“ des Paps­tes beklag­te sich „über das ungeist­li­che, sit­ten­lo­se Leben ihres jun­gen Ober­hir­ten, über des­sen Wei­be­r­af­fä­ren und Trink­ge­la­ge, über sein gott­lo­ses Flu­chen und über sei­ne are­li­giö­sen Äuße­run­gen.“[71] Der katho­li­sche Kir­chen­his­to­ri­ker August Fran­zen nann­te ihn den „schlimms­ten Feind der Kir­che“.[72]

Die katho­li­sche Enzy­klo­pä­die Kath­pe­dia schreibt über ihn:

[…] Johan­nes führ­te ein aus­schwei­fen­des Leben und soll, zeit­ge­nös­si­schen Berich­ten zufol­ge, den Late­ran in ein Bor­dell ver­wan­delt haben. Unter ihm war die soge­nann­te Por­no­kra­tie am Höhe­punkt ange­langt. Den­noch war Johan­nes ein Mann, der die Auto­ri­tät des Papst­tums fes­tig­te […][73]

Ein Papst, der zugleich der „schlimms­te Feind der Kir­che“ war, ande­rer­seits aber „die Auto­ri­tät des Papst­tums fes­tig­te“. Wor­auf baut die­se Auto­ri­tät auf?

(Hl.) Gre­gor VII. (Papst 1073–1085)

In sei­nem 1075 abge­fass­ten „Dic­ta­tus Papae“[74] heißt es unter anderem:

8 Dass er allein die kai­ser­li­chen Herr­schafts­zei­chen ver­wen­den kann.

9 Dass alle Fürs­ten nur des Paps­tes Füße küssen.

10 Dass in den Kir­chen allein sein Name genannt wird.

11 Dass die­ser Name ein­zig­ar­tig ist auf der Welt.

17 Dass kein Rechts­satz und kein Buch ohne sei­ne Auto­ri­sie­rung für kano­nisch gilt.

18 Dass sein Urteils­spruch von nie­man­dem wider­ru­fen wer­den darf und er selbst als ein­zi­ger die Urtei­le aller wider­ru­fen kann.

22 Dass die römi­sche Kir­che nie­mals in Irr­tum ver­fal­len ist und nach dem Zeug­nis der Schrift nie­mals irren wird.

23 Dass der römi­sche Bischof, falls er kano­nisch ein­ge­setzt ist, durch die Ver­diens­te des hei­li­gen Petrus unzwei­fel­haft hei­lig wird […]

Der „Dic­ta­tus papae“ war kein kir­chen­recht­lich gül­ti­ges Doku­ment, zeigt aber viel dar­über, wie die­ser „Die­ner der Die­ner Got­tes“ sein Amt als Papst ver­stan­den hat.

(Seli­ger) Urban II. (Papst 1088–1099)

1095 rief er zum ers­ten Kreuz­zug auf.

Luci­us III. (Papst 1181–1185)

Er leg­te in der Dekre­ta­le „Ad abo­len­dam“ (1184) die Grund­la­ge für die Häre­ti­ker­be­kämp­fung. Häre­ti­ker soll­ten nicht nur exkom­mu­ni­ziert wer­den, son­dern auch dem „welt­li­chen Arm“ zur „geschul­de­ten Stra­fe“ über­ge­ben werden.

Inno­zenz III. (Papst 1198–1216)

1199 schrieb er im Brief „Cum ex ini­unc­to“ gegen das Lesen der Bibel in der Muttersprache.

Der Jesu­it Fried­rich Kempf schreibt über sei­nen Kampf gegen die gnos­ti­schen Albi­gen­ser und die ein Leben in bibli­scher Armut und Ein­fach­heit anstre­ben­den Waldenser:

Inno­zenz trat die­ser Gefahr (der Häre­ti­ker) mit aller Ener­gie ent­ge­gen. Bereits im März 1199 erließ er schar­fe Straf­maß­nah­men, sand­te sodann Visi­ta­to­ren in die Lom­bar­dei, Lega­ten und Pre­di­ger nach Süd­frank­reich, ent­fes­sel­te dort 1209, da nichts gefruch­tet hat­te, den Albi­gen­ser­kreuz­zug, der unter der fana­ti­schen Lei­tung des Abt­le­ga­ten Arnauld von Siteaux und des Heer­füh­rers Simon von Mont­fort einen schreck­li­chen Ver­lauf neh­men soll­te, und ver­fes­tig­te schließ­lich auf dem Vier­ten Late­r­an­kon­zil die Abwehr durch ein umfas­sen­des, gegen die Ket­zer gerich­te­tes Dekret (c.3). Da wird sorg­fäl­tig unter­schie­den zwi­schen noto­ri­schen Ket­zern, der Häre­sie Ver­däch­ti­gen, Sym­pa­thi­san­ten oder Hel­fern und für jede der drei Grup­pen genau bestimmt, wie gegen sie vor­zu­ge­hen sei. Des Wei­te­ren wer­den die geist­li­chen und welt­li­chen Gewal­ten zur Aus­rot­tung der Häre­sie ver­pflich­tet. Säu­mi­ge Bischö­fe ver­lie­ren ihr Amt, säu­mi­ge Fürs­ten ver­fal­len dem Bann und, wenn sie inner­halb eines Jah­res nicht Genug­tu­ung leis­ten, der Infa­mie[75]. Der Papst kann dann ihre Vasal­len vom Treu­eid lösen und ihr Land recht­gläu­bi­gen Her­ren zur Erobe­rung preis­ge­ben.[76]

Inno­zenz hat somit ein aus­ge­feil­tes Unter­drü­ckungs­sys­tem auf­ge­baut und auch die Grund­la­gen der Inqui­si­ti­on gelegt.

In einem Brief an Ymber­tus, den Bischof von Arles schrieb er im Zusam­men­hang mit der Frei­wil­lig­keit der Taufe:

[…] Wer durch Schreck­mit­tel und Stra­fen gewalt­sam dazu gebracht wird, das Taufsa­kra­ment zu emp­fan­gen, um kei­nen Scha­den zu lei­den, der emp­fängt – wie übri­gens auch einer, der heuch­le­risch zur Tau­fe tritt – das Merk­mal des Chris­ten­tums ein­ge­prägt, und er muss auch zur Beob­ach­tung des christ­li­chen Glau­bens gehal­ten wer­den, da er ja unter die­sen Bedin­gun­gen, wenn auch nicht bedin­gungs­los, ein­ver­stan­den war […] Wer aber nie­mals sei­ne Zustim­mung gibt, son­dern ganz und gar wider­spricht, der emp­fängt weder die Wir­kung noch das Merk­mal des Sakra­ments. Denn aus­drück­lich wider­spre­chen ist mehr als eine Zustim­mung ver­wei­gern. […][77]

Gre­gor IX. (Papst 1227–1241)

Gre­gor IX. ent­wi­ckel­te die Ket­zer­ge­setz­ge­bung der Kurie wei­ter. […] und arbei­te­te sie Febru­ar 1231 in die eige­ne Kon­sti­tu­ti­on „Excom­mu­ni­ca­mus“ ein, sodass von nun an im kano­ni­schen Recht „animadver­sio debi­ta“[78] gleich­be­deu­tend wur­de mit Todes­stra­fe durch den Schei­ter­hau­fen. […] Öffent­li­che und pri­va­te Glau­bens­ge­sprä­che unter Lai­en wur­den ver­bo­ten […] Die Mau­er (das heißt lebens­läng­li­che Ker­ker­stra­fe für reu­ige Ket­zer), Ver­bot jeg­li­cher Beru­fung an wei­te­re Instan­zen, Unter­sa­gung jedes gericht­li­chen Bei­stan­des für die Ange­klag­ten und schließ­lich der gesell­schaft­li­che Boy­kott gegen­über den Nach­kom­men der Ver­ur­teil­ten […] gehör­ten zu den wesent­li­chen Bestand­tei­len die­ser Gesetz­ge­bung.[79]

Inno­zenz IV. (Papst 1243–1254)

Er leg­te in der Dekre­ta­le „Ad extir­pan­da“ (1252) die Grund­la­ge für die Anwen­dung der Fol­ter in Inquisitionsprozessen.

Boni­faz VIII. (Papst 1294–1303)

Er ist der Autor der unter 1.1 zitier­ten Bul­le „Unam Sanctam“.

Alex­an­der VI. (Papst 1492–1503)

Wir wol­len hier nicht auf den all­ge­mein bekann­ten unmo­ra­li­schen Lebens­stil die­ses Paps­tes ein­ge­hen, „denn man muss sich schä­men, von dem, was sie heim­lich tun auch nur zu reden“ (Ephe­ser 5,12). Girola­mo Savo­na­ro­la,[80] der den unmo­ra­li­schen Lebens­stil des Paps­tes offen kri­ti­sier­te, wur­de von die­sem als „Häre­ti­ker, Schis­ma­ti­ker und Ver­äch­ter des Hei­li­gen Stuhls“ exkom­mu­ni­ziert. Der Papst stand auch hin­ter sei­ner Ver­haf­tung und Hin­rich­tung 1498.

8.2 Aus der Neuzeit

Leo X. (Papst 1513–1521)

Der katho­li­sche Kir­chen­his­to­ri­ker Erwin Iser­loh schrieb über ihn:

[…] Neben sei­nen Ver­gnü­gun­gen, Jag­den, Komö­di­en, Ban­ket­ten und dem Sam­meln alter Hand­schrif­ten war er voll damit beschäf­tigt, die bei sei­ner Ver­schwen­dungs­sucht erfor­der­li­chen Gel­der zu beschaf­fen […][81]

[…] Nach einem Bericht des vene­zia­ni­schen Gesand­ten in Rom soll Leo X. nach sei­ner Wahl sei­nem Bru­der gegen­über gesagt haben: „Las­set uns das Papst­tum genie­ßen, da Gott es uns ver­lie­hen hat.“ Nichts cha­rak­te­ri­siert die fri­vo­le Welt­lich­keit und die leicht­fer­ti­ge Sorg­lo­sig­keit des Paps­tes aus dem Hau­se Medi­ci mehr als die­ses Wort.[82]

Wäh­rend die­se Cha­rak­te­ri­sie­rung „nur“ zeigt, wie weit die­ser Mensch sich von den grund­sätz­li­chen Maß­stä­ben eines christ­li­chen Lebens ent­fernt hat, zeigt die Tat­sa­che, dass er in sei­ner gegen Luther gerich­te­ten Bul­le „Exsur­ge Domi­ne“ fol­gen­den Satz Luthers ver­ur­teil­te, wie men­schen­feind­lich die­ser Papst und die von ihm geführ­te Kir­che war:

33. Dass Häre­ti­ker ver­brannt wer­den, ist gegen den Wil­len des Geis­tes.[83]

Für Leo X. ent­sprach also das Ver­bren­nen von Häre­ti­kern dem Wil­len des Hei­li­gen Geistes.

Paul IV. (Papst 1555–1559)

Sei­ne beson­de­re Auf­merk­sam­keit wid­me­te Paul IV. der Inqui­si­ti­on. Stand er als Kar­di­nal seit 1542 an ihrer Spit­ze, dann war sie für ihn als Papst sei­ne Lieb­lings­be­hör­de. […] Dem Cha­rak­ter des Paps­tes ent­sprach es, dass die bis­her ver­hält­nis­mä­ßig maß­voll und mil­de ange­wand­ten Stra­fen in aller Stren­ge voll­zo­gen wur­den.[84]

In sei­ner Bul­le „Cum nimis absur­dum“ (1555) ver­pflich­te­te er die Juden Roms zum Leben im Ghetto.

(Hl.) Pius V. (Papst 1566–1572)

Vor sei­ner Wahl zum Papst war er als Groß­in­qui­si­tor ver­ant­wort­lich für den Tod zahl­rei­cher „Häre­ti­ker“. Als Papst erließ er zahl­rei­che repres­si­ve Maß­nah­men gegen Juden.

Wie sein Vor­bild Paul IV. nahm er mit Vor­lie­be per­sön­lich an den Sit­zun­gen der Inqui­si­ti­on teil, die mit furcht­ba­rer Här­te ihres Amtes zu wal­ten hat­te. In sei­nem Auf­trag schritt die­se Behör­de über­all mit äußers­ter Stren­ge ein, wo „die Pest der Irr­leh­re“ zu ver­mu­ten stand. So wur­den alle pro­tes­tan­ti­schen Regun­gen in Ita­li­en rück­sichts­los und mit här­tes­ten Gewalt­mit­teln ver­folgt, mit Ker­ker­stra­fen und Hin­rich­tun­gen.[85]

Gre­gor XIII. (Papst 1572–1585)

Er begrüß­te aus­drück­lich die Mas­sa­ker der „Bar­tho­lo­mä­us­nacht“, bei denen in der Nacht vom 23. zum 24. August 1572 in Frank­reich zwi­schen 5.000 und 15.000 Huge­not­ten (Pro­tes­tan­ten) umge­bracht wur­den.[86]

Kle­mens XI. (Papst 1700–1721)

In der Kon­sti­tu­ti­on „Uni­ge­ni­tus Dei Fili­us“ (1713) ver­ur­teil­te er unter ande­rem fol­gen­de Sät­ze:[87]

74. Die Kir­che bzw. der voll­stän­di­ge Chris­tus hat das fleisch­ge­wor­de­ne Wort als Haupt, alle Hei­li­gen aber als Glieder.

77. Wer kein Leben führt, das eines Soh­nes Got­tes und eines Glie­des Chris­ti wür­dig ist, hört auf, inner­lich Gott als Vater und Chris­tus als Haupt zu haben.

79. Zu jeder Zeit, an jedem Ort und für jeden Per­so­nen­kreis ist es nütz­lich und not­wen­dig, den Geist, die Fröm­mig­keit und die Geheim­nis­se der Hei­li­gen Schrift zu stu­die­ren und kennenzulernen.

80. Die Lek­tü­re der Hei­li­gen Schrift ist für alle.

81. Die hei­li­ge Dun­kel­heit des Wor­tes Got­tes ist für Lai­en kein Grund, sich selbst von sei­ner Lek­tü­re zu dispensieren.

82. Der Sonn­tag muss von Chris­ten durch from­me Lesun­gen, und zwar vor allem der hei­li­gen Schrif­ten, gehei­ligt wer­den. Es ist schäd­lich, einen Chris­ten von die­ser Lek­tü­re abhal­ten zu wollen.

84. Den Hän­den von Chris­ten das Neue Tes­ta­ment zu ent­rei­ßen, bzw. es ihnen ver­schlos­sen zu hal­ten, indem man ihnen die Mög­lich­keit nimmt, es zu ver­ste­hen, heißt, ihnen den Mund Chris­ti zu verstopfen.

85. Chris­ten die Lek­tü­re der Hei­li­gen Schrift, vor allem des Evan­ge­li­ums, zu unter­sa­gen, heißt, den Söh­nen des Lich­tes den Gebrauch des Lich­tes zu unter­sa­gen und zu bewir­ken, dass sie eine Art Exkom­mu­ni­ka­ti­on erleiden.

Pius VI. (Papst 1775–1799)

In sei­nem Bre­ve „Quod ali­quan­tum“ (1791) wand­te er sich gegen die fran­zö­si­sche Erklä­rung der Men­schen- und Bür­ger­rech­te und die dar­in aus­ge­drück­te Frei­heit und Gleich­heit aller.

Gre­gor XVI. (Papst 1831–1846)

In der Enzy­kli­ka „Mira­ri Vos“ (15.8.1832) ver­ur­teil­te Gre­gor […] auch die Gewis­sens­frei­heit. Er bezeich­ne­te sie als „ganz ver­derb­li­chen Irr­tum“ und als Fol­ge der sich aus­brei­ten­den, für Kir­che und Staat gleich gefähr­li­chen Mei­nungs­frei­heit. Die Annah­me, dass aus die­ser Frei­heit ein Nut­zen für die Reli­gi­on ent­ste­hen kön­ne, wur­de ohne Begrün­dung als „höchs­te Unver­schämt­heit“ zurück­ge­wie­sen. Eben­so ver­ur­teil­te der Papst die Tren­nung von Kir­che und Staat sowie die Frei­heit der Bücher­ver­brei­tung […][88]

Im Jah­re 1844 schrieb er die Enzyklika

Inter Prae­ci­pu­as

gegen die Bibel­ge­sell­schaf­ten, die sich bemüh­ten den Men­schen in ver­schie­dens­ten Volks­spra­chen einen Zugang zur Hei­li­gen Schrift anzu­bie­ten. Für den Papst war das ein Anschlag auf die katho­li­sche Wahr­heit.[89]

(Seli­ger) Pius IX. (Papst 1846–1878)

Er war der letz­te Papst, der zugleich Fürst des Kir­chen­staa­tes war.

1858 ließ Pius von der päpst­li­chen Poli­zei den sechs­jäh­ri­gen Juden Edgar­do Mortara, der von einem katho­li­schen Dienst­mäd­chen heim­lich getauft wor­den war, ent­füh­ren. Durch die heim­li­che Tau­fe wur­de nach katho­li­schem Ver­ständ­nis das jüdi­sche Kind zu einem Chris­ten. Und des­we­gen durf­te nicht zuge­las­sen wer­den, dass Juden einen Katho­li­ken erzie­hen. Daher ließ der Papst durch die Poli­zei den Eltern ihr eige­nes Kind wegnehmen.

Im „Syl­labus errorum“[90] ver­ur­teil­te er unter ande­rem fol­gen­de Sätze:

24. Die Kir­che hat nicht die Macht, Gewalt­mit­tel anzu­wen­den, noch irgend eine direc­te oder indi­rec­te zeit­li­che Gewalt.

77. In unse­rer Zeit ist es nicht mehr nütz­lich, daß die katho­li­sche Reli­gi­on unter Aus­schluß aller andern Cul­te als ein­zi­ge Staats­re­li­gi­on gelte.

78. Es ist daher zu loben, daß in gewis­sen katho­li­schen Län­dern gesetz­lich ver­ord­net ist, daß den Ein­wan­de­rern die öffent­li­che Aus­übung ihres Cul­tes, wel­cher er auch sei, gestat­tet sein solle.

Auf sein Betrei­ben hin wur­de das Ers­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ein­be­ru­fen, das die Unfehl­bar­keit des Paps­tes verkündete.

(Hl.) Johan­nes Paul II. (Papst 1978–2005)

Am 14. Mai 1999 küss­te er den Koran, ein Buch, das ganz offen­sicht­lich gegen das Chris­ten­tum gerich­te­te Aus­sa­gen ent­hält.[91] Gut zehn Mona­te spä­ter, am 21. März 2000 bete­te er am Jor­dan öffent­lich: „Möge der Hei­li­ge Johan­nes der Täu­fer […] den Islam beschüt­zen und das gan­ze Volk von Jor­da­ni­en!“[92]

Er initi­ier­te auch die „Welt­ge­bets­tref­fen für den Frie­den“, in denen er gemein­sam (erst­mals 1986) mit den Ver­tre­tern ande­rer Reli­gio­nen um den Frie­den bete­te. Auch wenn die­se Gebe­te nicht „gemein­sa­me“ Gebe­te in dem Sinn waren, dass die Ver­tre­ter der ver­schie­de­nen Reli­gio­nen den­sel­ben Ritus voll­zo­gen hät­ten, so wur­den bei die­sen Tref­fen doch die Gren­zen zwi­schen den Reli­gio­nen ver­wischt. Frie­den ohne Wahr­heit kann es nicht geben. Respekt vor der Über­zeu­gung ande­rer heißt nicht, alles bei ihnen gutzuheißen.

Eine tat­säch­li­che Teil­nah­me an einem heid­ni­schen Kult gab es im August 1985 in Togo, als er an ani­mis­ti­schen Ritua­len teilnahm.

[…] die ers­te Ges­te, die Johan­nes Paul gleich nach sei­ner Ankunft in Togo­ville aus­führ­te, war wirk­lich eine Hul­di­gung an die Ahnen. Man brach­te ihm einen getrock­ne­ten Kür­bis, gefüllt mit Was­ser und Mais­mehl. Der Papst nahm ihn in sei­ne Hän­de, mach­te zuerst eine leich­te Ver­nei­gung und ver­goß dann das Was­ser rings­her­um. Die­sel­be Ges­te hat­te er auch schon am Mor­gen vor dem Zele­brie­ren der Mes­se aus­ge­führt […][93]

Viel­fach wird es posi­tiv gese­hen, dass Johan­nes Paul II. am 12. März 2000 für die Sün­den von „Men­schen der Kir­che“ um Ver­ge­bung gebe­ten hat. Bei nähe­rer Betrach­tung ist aber lei­der fest­zu­stel­len, dass die­se „Bit­ten um Ver­ge­bung“ nicht so posi­tiv zu sehen sind. Wir zitie­ren hier als Bei­spiel das „Bekennt­nis der Schuld im Dienst der Wahr­heit“:[94]

Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger[95]:
Lass jeden von uns zur Ein­sicht gelan­gen, dass auch Men­schen der Kir­che im Namen des Glau­bens und der Moral in ihrem not­wen­di­gen Ein­satz zum Schutz der Wahr­heit mit­un­ter auf Metho­den zurück­ge­grif­fen haben, die dem Evan­ge­li­um nicht ent­spre­chen. Hilf uns, Jesus Chris­tus nach­zu­ah­men, der mild ist und von Her­zen demütig.

Papst Johan­nes Paul II.:
Herr, du bist der Gott aller Men­schen. In man­chen Zei­ten der Geschich­te haben die Chris­ten bis­wei­len Metho­den der Into­le­ranz zuge­las­sen. Indem sie dem gro­ßen Gebot der Lie­be nicht folg­ten, haben sie das Ant­litz der Kir­che, dei­ner Braut, ent­stellt. Erbar­me dich dei­ner sün­di­gen Kin­der und nimm unse­ren Vor­satz an, der Wahr­heit in der Mil­de der Lie­be zu die­nen und sich dabei bewusst zu blei­ben, dass sich die Wahr­heit nur mit der Kraft der Wahr­heit selbst durch­setzt. Dar­um bit­ten wir durch Chris­tus unse­ren Herrn.

„Dass auch Men­schen der Kir­che im Namen des Glau­bens und der Moral in ihrem not­wen­di­gen Ein­satz zum Schutz der Wahr­heit mit­un­ter auf Metho­den zurück­ge­grif­fen haben, die dem Evan­ge­li­um nicht ent­spre­chen“: Ist damit die Inqui­si­ti­on gemeint, die Jahr­hun­der­te hin­durch nicht „mit­un­ter“, son­dern ganz sys­te­ma­tisch die Unter­drü­ckung Anders­den­ken­der betrie­ben hat? Es geht hier nicht um Fehl­trit­te ein­zel­ner „Men­schen der Kir­che“, es war auch nicht so, dass „die Chris­ten Metho­den der Into­le­ranz zuge­las­sen haben“, son­dern die höchs­ten Spit­zen der römisch-katho­li­schen Orga­ni­sa­ti­on haben die blu­ti­ge Ver­fol­gung Anders­den­ken­der auf­grund ihrer angeb­lich von Gott geschenk­ten Auto­ri­tät ange­ord­net. Wer nicht „into­le­rant“ sein woll­te, wur­de selbst als Ket­zer betrach­tet und war sei­nes Lebens nicht mehr sicher.

Wäre es dem Papst wirk­lich ernst gewe­sen mit der Bit­te um Ver­ge­bung, dann hät­te er auch dafür sor­gen müs­sen, dass als „Hei­li­ge“ ver­ehr­te Inqui­si­to­ren (wie etwa Papst Pius V. und der Juden­has­ser Johan­nes Capis­tra­nus) als das bezeich­net wer­den, was sie waren: mör­de­ri­sche Ver­bre­cher. Er hät­te dafür gesorgt, dass die­se nicht mehr als Hei­li­ge ver­ehrt wer­den.[96] Das ist aber nicht gesche­hen. Im Gegen­teil: Am 3. Sep­tem­ber 2000, also ein knap­pes hal­bes Jahr nach der „Ver­ge­bungs­bit­te“, hat Johan­nes Paul II. den Kin­des­ent­füh­rer Pius IX. seliggesprochen.

Es wäre auch zu erwar­ten, dass alle päpst­li­chen und sons­ti­gen lehr­amt­li­chen Doku­men­te, die zur Ver­fol­gung und Unter­drü­ckung Anders­den­ken­der auf­ge­ru­fen haben, nament­lich genannt und offi­zi­ell wider­ru­fen wer­den. Kon­zils­do­ku­men­te in die­ser Rich­tung (wie etwa der Auf­ruf zur Ket­zer­ver­fol­gung am 4. Late­r­an­kon­zil) müss­ten durch ein Kon­zil als nich­tig erklärt wer­den. Nichts davon ist gesche­hen.[97]

Fran­zis­kus (Papst 2013–2025)

Am 9. Juni 2014 bete­te er gemein­sam mit einem jüdi­schen und einem mus­li­mi­schen Poli­ti­ker um Frie­den. Er setz­te damit die Linie sei­nes Vor­vor­gän­gers fort.

Auch am 6. Juni 2015 stell­te er den Gott der Mus­li­me auf eine Stu­fe mit dem christ­li­chen Gott, als er anläss­lich eines Besuchs in Sara­je­vo fol­gen­des Gebet formulierte:

[…] Wir, die Nach­kom­men Abra­hams nach dem Glau­ben an dich, den einen Gott, Juden, Chris­ten und Mus­li­me, ste­hen in Demut vor dir […][98]

Das Bemü­hen um ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben von Mit­glie­dern ver­schie­de­ner Reli­gio­nen ist auf jeden Fall begrü­ßens­wert. Aber der Gott und Vater Jesu Chris­ti kann nicht gleich­ge­setzt wer­den mit dem Gott, von dem der Koran sagt, dass er weder gezeugt hat, noch gezeugt wor­den ist. Fried­li­ches, ach­tungs­vol­les Zusam­men­le­ben ist etwas ande­res als Synkretismus!

Ein Wort aus dem Römer­brief, mit dem Pau­lus die heuch­le­ri­schen reli­giö­sen Füh­rer sei­ner Zeit kri­ti­sier­te, cha­rak­te­ri­siert die Ein­stel­lung die­ser (und auch ande­rer in die­ser Lis­te nicht vor­kom­men­der) Päps­te und weist auch auf den geist­li­chen Scha­den hin, den das Chris­ten­tum durch die­se unwür­di­gen Men­schen erlit­ten hat.

Du nennst dich zwar Jude und ver­lässt dich auf das Gesetz, du rühmst dich dei­nes Got­tes, du kennst sei­nen Wil­len und du willst, aus dem Gesetz belehrt, beur­tei­len, wor­auf es ankommt; du traust dir zu, Füh­rer zu sein für Blin­de, Licht für die in der Fins­ter­nis, Erzie­her der Unver­stän­di­gen, Leh­rer der Unmün­di­gen, einer, für den im Gesetz Erkennt­nis und Wahr­heit fes­te Gestalt besit­zen. Du belehrst ande­re Men­schen, dich selbst aber belehrst du nicht. Du pre­digst: Du sollst nicht steh­len!, und stiehlst. Du sagst: Du sollst die Ehe nicht bre­chen!, und brichst die Ehe. Du ver­ab­scheust die Göt­zen­bil­der, begehst aber Tem­pel­raub. Du rühmst dich des Geset­zes, ent­ehrst aber Gott durch Über­tre­ten des Geset­zes. Denn in der Schrift steht: Euret­we­gen wird unter den Hei­den der Name Got­tes geläs­tert. (Römer 2,17–24)

9 Fol­gen wir Jesus so wie Petrus es tat!

Nach all die­sen Nega­tiv­bei­spie­len von Inha­bern des „Thro­nes Petri“ wol­len wir einen zusam­men­fas­sen­den Blick auf das Leben Petri werfen.

Wir sol­len nicht denen fol­gen, die sich selbst als Nach­fol­ger Petri aus­ge­ben, ohne es zu sein. Fol­gen wir Jesus, so wie es Petrus tat und wie Jesus es auch sei­nen Jün­ger lehrte:

Des­halb umgür­tet euch und macht euch bereit! Seid nüch­tern und setzt eure Hoff­nung ganz auf die Gna­de, die euch bei der Offen­ba­rung Jesu Chris­ti geschenkt wird. Seid gehor­sa­me Kin­der und lasst euch nicht mehr von euren Begier­den trei­ben wie frü­her, in der Zeit eurer Unwis­sen­heit. Wie er, der euch beru­fen hat, hei­lig ist, so soll auch euer gan­zes Leben hei­lig wer­den. Denn es heißt in der Schrift: Seid hei­lig, denn ich bin hei­lig. Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Anse­hen der Per­son nach sei­nem Tun beur­teilt, dann führt auch, solan­ge ihr in der Frem­de seid, ein Leben in Got­tes­furcht. (1. Petrus 1,13–17)

Die Kir­che ist erbau­et auf Jesus Christ allein.
Wenn sie auf ihn nur schau­et, wird sie in Frie­den sein.
Herr, dich prei­sen wir, auf dich bau­en wir.
Lass fest auf die­sem Grund
Uns steh‘n zu aller Stund![99]


Fußnoten

  1. Neu­ner-Roos, Nr. 454, S. 302.
  2. Zitiert nach: Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen Gen­ti­um: Über die Kir­che, abge­ru­fen am 25.06.2015.
  3. Anders als in ande­ren Tex­ten auf die­ser Web­site zitie­ren wir in die­ser Abhand­lung die Bibel nach der Einheitsübersetzung.
  4. Mehr dazu unter Punkt 6.1.
  5. Mit­un­ter reagie­ren Katho­li­ken auf Mat­thä­us 23,9 mit dem Ein­wand: “Nennst du dei­nen Vater nicht Vater?” Jesus geht es hier nicht dar­um, dass man sei­nen bio­lo­gi­schen Vater nicht mehr Vater nen­nen dür­fe. Er spricht im Zusam­men­hang über reli­giö­se Titel. Die katho­li­sche Pra­xis, Men­schen als „Pater“, „Abt“ (= Vater) oder „Hei­li­ger Vater“ anzu­re­den, ist von den Wor­ten Jesu direkt betrof­fen. Unter den Juden war es bei Wei­tem nicht so ver­brei­tet, reli­giö­se Füh­rer als „Vater“ anzu­spre­chen, wie es bei den Katho­li­ken üblich ist.
  6. Mehr zur Fra­ge, wie Kirche/Gemeinde nach dem Wil­len Got­tes aus­sieht, ist in unse­ren Abhand­lun­gen „Die Kir­che“, „Das Leben der ers­ten Chris­ten“ und „Diens­te in der Gemein­de“ zu finden.
  7. Ver­mut­lich führ­te Petrus ursprüng­lich zwei ähn­lich klin­gen­de Namen, den hebräi­schen Namen Sime­on (Apos­tel­ge­schich­te 15,14 und 2. Petrus 1,1) und den grie­chi­schen Namen Simon.
  8. Johan­nes 1,44.
  9. Ver­glei­che Mat­thä­us 8,5.14–15.
  10. Das ara­mäi­sche Wort bedeu­tet „Gesalbter“(griechisch: Chris­tos). So nann­ten die Juden den von Gott ver­hei­ße­nen Erlö­ser, den sie meist als poli­ti­schen Befrei­er von der Herr­schaft der Römer verstanden.
  11. Grä­zi­siert: Kephas; grie­chisch: Petros; latei­nisch: Petrus; deutsch: Stein. Mehr zur Wort­be­deu­tung unter Punkt 4.1.1.
  12. Johan­nes 1,35–42.
  13. Mat­thä­us 10,2–4; Mar­kus 3,16–19; Lukas 6,14–16; Apos­tel­ge­schich­te 1,13.
  14. Lukas 24,34; 1. Korin­ther 15,4–5.
  15. Apos­tel­ge­schich­te 2,14–40.
  16. Apos­tel­ge­schich­te 2,41–47.
  17. Ver­glei­che Apos­tel­ge­schich­te 3,1–11; 4,13–19; 8,14–17.
  18. Apos­tel­ge­schich­te 4,18–19; 12,1–18.
  19. Apos­tel­ge­schich­te 8,5–24. Zum The­ma Geis­tes­tau­fe sie­he: „Über die ‚Geis­tes­tau­fe‘“.
  20. Apos­tel­ge­schich­te 10,1–11,18.
  21. Apos­tel­ge­schich­te 15,1–29; Gala­ter 2,1–10.
  22. Ver­glei­che Gala­ter 2,11–14.
  23. 1. Petrus 1,1.
  24. 1 Kle­mens 5,3–4: Stel­len wir uns die guten Apos­tel vor Augen: einen Petrus, der wegen unge­rech­ter Eifer­sucht nicht ein oder zwei, son­dern vie­ler­lei Müh­se­lig­kei­ten erdul­det hat und, nach­dem er so sein Zeug­nis (für Chris­tus) abge­legt hat­te, ange­langt ist an dem ihn gebüh­ren­den Orte der Herr­lich­keit. – Im Zusam­men­hang geht es um die Opfer der nero­ni­schen Ver­fol­gung (Kapi­tel 6).
  25. Johan­nes 1,41.
  26. Wenn Jesus Petrus Satan nennt, so heißt das nicht, dass Petrus der Teu­fel war oder von die­sem beses­sen war. Wir haben das Wort Satan in sei­ner ursprüng­li­chen hebräi­schen Bedeu­tung als „Wider­sa­cher“ zu ver­ste­hen. Dadurch, dass Petrus gegen das Lei­den und Ster­ben Jesu sprach, wur­de er zu des­sen Widersacher.
  27. Ver­glei­che Johan­nes 1,42.
  28. Rudolf Pesch, Simon-Petrus, 1980, Sei­te 29, grie­chi­sche, hebräi­sche und ara­mäi­sche Wör­ter transkribiert.
  29. Pesch zitier­te hier: P. Lam­pe, Das Spiel mit dem Petrus­na­men, MATT XVI. 18, in: NTS 25 (1978/79), 238.
  30. Wie­der ein Zitat von Lam­pe, S. 240.
  31. Des neu­en Jerusalems.
  32. Ulrich Luz, Das Evan­ge­li­um nach Mat­thä­us, 2. Teil­band Mt 8–17, 4. Auf­la­ge 2007, S. 476–479.
  33. Ver­glei­che dazu: Augus­ti­nus, Vor­trä­ge über das Johan­nes-Evan­ge­li­um (Trac­ta­tus in Ioan­nis Euan­ge­li­um) 124,5.
  34. Die­ser Aus­druck bezeich­net die höchs­te Rechts­ge­walt in der Kirche.
  35. Apos­tel­ge­schich­te 15,1–21.
  36. Wir haben unter 5.1.1 auf­ge­zeigt, dass auch in die­sen Situa­tio­nen die Stel­lung Petri kei­ne abso­lu­te war. Das bedeu­tet aber nicht, dass das Wort von den Schlüs­seln nicht in die­sen Situa­tio­nen ihre Erfül­lung gefun­den hätte.
  37. Apos­tel­ge­schich­te 1,15–26.
  38. Apos­tel­ge­schich­te 6,1–6.
  39. Apos­tel­ge­schich­te 8,4–5.
  40. Apos­tel­ge­schich­te 10,1,-11,18.
  41. Apos­tel­ge­schich­te 15,1–21.
  42. In der Bibel wird das nicht aus­drück­lich erwähnt. Aber Petrus selbst ermahn­te in 1. Petrus 3,8–11 sei­ne Leser dazu, eines Sin­nes zu sein und dem Frie­den nach­zu­ja­gen. Petrus hat mit die­sen Wor­ten nicht nur ande­re belehrt, son­dern selbst nach die­sem Grund­satz gelebt.
  43. Ver­glei­che Apos­tel­ge­schich­te 2,10.
  44. Apos­tel­ge­schich­te 12,1–19.
  45. Apos­tel­ge­schich­te 12,17.
  46. Apos­tel­ge­schich­te 28,14–31.
  47. Apos­tel­ge­schich­te 12,1–2.
  48. Wir hal­ten an der Echt­heit des 2. Petrus­brie­fes fest. Falls die­ser Brief, wie viel­fach behaup­tet wird, nicht von Petrus stam­men soll­te, wür­de unse­re Argu­men­ta­ti­on in die­sem Fall sogar noch ver­stärkt, da der Text vor­aus­set­zen wür­de, dass es auch Jah­re bzw. Jahr­zehn­te nach dem Tod von Petrus kei­nen Nach­fol­ger von Petrus gab. Hät­te zur Zeit der Nie­der­schrift des 2. Petrus­brie­fes schon die Insti­tu­ti­on des Papst­tums gege­ben, in der ganz klar war, wer der Nach­fol­ger von Petrus ist, hät­te der Fäl­scher die­ses Brie­fes dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich die Gläu­bi­gen nach dem Tod des Petrus an den jewei­li­gen Bischof von Rom wen­den können.
  49. Sie­he dazu: „Diens­te in der Gemein­de“.
  50. Wie auch im Neu­en Tes­ta­ment: Apos­tel­ge­schich­te 17,28; Titus 1,3–5.
  51. Die Datie­rungs­vor­schlä­ge schwan­ken zwi­schen „vor 85“ und 140–155.
  52. Heu­te Antak­ya in der Türkei.
  53. Die­se Erklä­rung geht von der Echt­heit der Igna­ti­us­brie­fe aus. Man­che gehen davon aus, dass die­se Brie­fe das Werk eines Fäl­schers sei­en. Dadurch wür­de sich die Ein­füh­rung des mon­ar­chi­schen Bischofs­am­tes noch um eini­ge Jahr­zehn­te verschieben.
  54. Man­che datie­ren die­ses Schrei­ben frü­her als Brox (sie­he Punkt 5.2.2.2), was an der grund­sätz­li­chen Argu­men­ta­ti­on nichts ändert. Nur die von ihm genann­ten Jah­res­zah­len sind mög­li­cher­wei­se etwas frü­her anzusetzen.
  55. Nor­bert Brox, Das Papst­tum in den ers­ten drei Jahr­hun­der­ten; in: Das Papst­tum I. Von den Anfän­gen bis zu den Päps­ten in Avi­gnon; Hsg. M. Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 29.
  56. Eben­so 2. Timo­theus 1,2; Titus 1,4.
  57. Das ist die weit­ver­brei­te­te volks­ety­mo­lo­gi­sche Deu­tung. Die genaue Ety­mo­lo­gie ist umstrit­ten. Mehr zur Ety­mo­lo­gie: Wiki­pe­dia: Pon­ti­fex, abge­ru­fen am 25.06.2015.
  58. Eine Aus­nah­me stell­te Kai­ser Ana­sta­si­us dar, der sich im Jah­re 516 in einem Schrei­ben an den römi­schen Bischof Pon­ti­fex nannte.
  59. Ter­tul­li­an, Über die Ehr­bar­keit – De Pudi­citia 1.
  60. Sie­he die unter Punkt 1 die­ser Abhand­lung zitier­ten Doku­men­te „Pas­tor Aeter­nus und Lumen Gentium“.
  61. Strebt voll Eifer nach Frie­den mit allen und nach der Hei­li­gung, ohne die kei­ner den Herrn sehen wird! (Hebrä­er 12,14).
  62. Mat­thä­us 18,20; 28,20.
  63. Nor­bert Brox, Das Papst­tum in den ers­ten drei Jahr­hun­der­ten, S. 33.
  64. Mat­thä­us 13,24–30.47–50; sie­he dazu auch: „Die Kir­che als sicht­ba­re Gemein­schaft: Die Gleich­nis­se vom Unkraut unter dem Wei­zen und vom Fisch­netz“.
  65. Vari­an­te des Namens Calixt.
  66. Zitiert nach: Hip­po­ly­tus von Rom († um 235) – Wider­le­gung aller Häre­si­en (Refu­ta­tio omni­um hae­re­si­um).
  67. Bern­hard Schim­mel­p­fen­nig, Das Papst­tum, 4. Auf­la­ge, Darm­stadt 1996, S. 23.
  68. Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Gre­gor der Gro­ße.
  69. Nach sei­nem Tode.
  70. Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che, fünf­ter Band, 1933, Spal­te 470.
  71. Harald Zim­mer­mann, Die Päps­te des „dunk­len Jahr­hun­derts“: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 133.
  72. August Fran­zen, Klei­ne Kir­chen­ge­schich­te, Frei­burg 1988, S. 166.
  73. Kath­pe­dia: Johan­nes XII., abge­ru­fen am 25.06.2015.
  74. Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Dic­ta­tus Papae, abge­ru­fen am 04.01.2026.
  75. D. h. Ver­lust des Rechts­schut­zes und der Rechtsfähigkeit.
  76. Fried­rich Kempf SJ, Inno­zenz III.: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 202.
  77. Neu­ner-Roos, Nr. 526.
  78. D. h. die „geschul­de­te Stra­fe“, mit der der „welt­li­che Arm“ die Häre­ti­ker bestra­fen sollte.
  79. Hans Wol­ter SJ, Der Kampf der Kurie um die Füh­rung im Abend­land: Hand­buch der Kir­chen­ge­schich­te, Her­aus­ge­ge­ben von Hubert Jedin, III/2, Frei­burg 1968, S. 271.
  80. Johan­nes Paul II. setz­te im Jah­re 1998 ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Savo­na­ro­la in Gang.
  81. Erwin Iser­loh, Die Päps­te im Zeit­al­ter der Refor­ma­ti­on und des Kon­zils von Tri­ent: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 56.
  82. Iser­loh, S. 60.
  83. Den­zin­ger-Hüner­mann, Nr. 1483.
  84. Iser­loh, S. 72–73.
  85. Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 83–84.
  86. Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 93.
  87. Den­zin­ger-Hüner­mann, Nr. 2474, 2477, 2479, 2480, 2481, 2482, 2484, 2485, S. 678–679.
  88. Rudolf Lill, Das Zeit­al­ter der Restau­ra­ti­on von Leo XII. bis Gre­gor XVI.: Das Papst­tum II, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1985, S. 176.
  89. Der eng­li­sche Text die­ser Enzy­kli­ka kann hier gele­sen wer­den: Gre­go­ry XVI. Inter Prae­ci­pu­as.
  90. Wir zitie­ren nach: Wiki­pe­dia: Syl­labus errorum, abge­ru­fen am 05.01.2026.
  91. Z. B. Sure 9,30: Die Juden sagen: „Uzayr ist Got­tes Sohn.“ Und die Chris­ten sagen: „Chris­tus ist Got­tes Sohn.“ Das ist ihre Rede aus ihrem eige­nen Mun­de. Damit reden sie wie die, die vor­her ungläu­big waren. Gott bekämp­fe sie! Wie leicht las­sen sie sich doch abwenden!
  92. La docu­men­ta­ti­on catho­li­que Nr. 2224/2000, S. 362, zitiert nach: Man­fred Pot­hoff, Das Ende des katho­li­schen Glau­bens, Ber­lin, 2014, S. 83. Pot­hoffs Buch lis­tet auf den Sei­ten 82–83 wei­te­re Bei­spie­le sei­nes Syn­kre­tis­mus, wie die Teil­nah­me an ani­mis­ti­schen (9. August 1985 in Togo) und hin­du­is­ti­schen Riten (2. und 5. Febru­ar 1986) auf.
  93. Osser­va­to­re Roma­no vom 11. August 1985, zitiert nach: Rund­brief an unse­re Pries­ter­freun­de im deut­schen Sprach­raum, Nr. 21, November/Dezember 2008, S. 19–20.
  94. Wir zitie­ren nach: Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz: Ver­ge­bungs­bit­te von Papst Johan­nes Paul II., abge­ru­fen am 05.01.2026.
  95. Der spä­te­re Papst Bene­dikt XVI.
  96. Das wäre als Maß­nah­me inner­halb des katho­li­schen Dog­men­ge­bäu­des zu sehen. Biblisch betrach­tet ist der Hei­li­gen­kult ohne­hin nicht zu rechtfertigen.
  97. Papst Fran­zis­kus hat am 22. Juni 2015 etwas kla­re­re Wor­te gefun­den, als er das Vor­ge­hen der katho­li­schen Kir­che gegen die Wal­den­ser unchrist­lich und unmensch­lich nann­te und die Wal­den­ser um Ver­ge­bung dafür bat. Von einer öffent­li­chen Ver­ur­tei­lung der lehr­amt­li­chen Doku­men­te, die zur Ver­fol­gung der Wal­den­ser geführt haben, war aber auch hier kei­ne Rede. Die Rede von Papst Fran­zis­kus ist (auf Eng­lisch) hier zu fin­den: Pas­to­ral visit of His Holi­ne­ss Pope Fran­cis to Turin, abge­ru­fen am 09.07.2015.
  98. Apos­to­li­sche Rei­se von Papst Fran­zis­kus nach Sara­je­vo (Bos­ni­en-Her­ze­go­wo­na), abge­ru­fen am 09.07.2015.
  99. 3. Stro­phe des katho­li­schen Kir­chen­lieds „Ein Haus voll Glo­rie schau­et“ (Got­tes­lob alt: 639; neu: 478).


Neu­ner-Roos, Nr. 454, S. 302.

Zitiert nach: Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen Gen­ti­um: Über die Kir­che, abge­ru­fen am 25.06.2015.

Anders als in ande­ren Tex­ten auf die­ser Web­site zitie­ren wir in die­ser Abhand­lung die Bibel nach der Einheitsübersetzung.

Mehr dazu unter Punkt 6.1.

Mit­un­ter reagie­ren Katho­li­ken auf Mat­thä­us 23,9 mit dem Ein­wand: “Nennst du dei­nen Vater nicht Vater?” Jesus geht es hier nicht dar­um, dass man sei­nen bio­lo­gi­schen Vater nicht mehr Vater nen­nen dür­fe. Er spricht im Zusam­men­hang über reli­giö­se Titel. Die katho­li­sche Pra­xis, Men­schen als „Pater“, „Abt“ (= Vater) oder „Hei­li­ger Vater“ anzu­re­den, ist von den Wor­ten Jesu direkt betrof­fen. Unter den Juden war es bei Wei­tem nicht so ver­brei­tet, reli­giö­se Füh­rer als „Vater“ anzu­spre­chen, wie es bei den Katho­li­ken üblich ist.

Mehr zur Fra­ge, wie Kirche/Gemeinde nach dem Wil­len Got­tes aus­sieht, ist in unse­ren Abhand­lun­gen „Die Kir­che“, „Das Leben der ers­ten Chris­ten“ und „Diens­te in der Gemein­de“ zu finden.

Ver­mut­lich führ­te Petrus ursprüng­lich zwei ähn­lich klin­gen­de Namen, den hebräi­schen Namen Sime­on (Apos­tel­ge­schich­te 15,14 und 2. Petrus 1,1) und den grie­chi­schen Namen Simon.

Johan­nes 1,44.

Ver­glei­che Mat­thä­us 8,5.14–15.

Das ara­mäi­sche Wort bedeu­tet „Gesalbter“(griechisch: Chris­tos). So nann­ten die Juden den von Gott ver­hei­ße­nen Erlö­ser, den sie meist als poli­ti­schen Befrei­er von der Herr­schaft der Römer verstanden.

Grä­zi­siert: Kephas; grie­chisch: Petros; latei­nisch: Petrus; deutsch: Stein. Mehr zur Wort­be­deu­tung unter Punkt 4.1.1.

Johan­nes 1,35–42.

Mat­thä­us 10,2–4; Mar­kus 3,16–19; Lukas 6,14–16; Apos­tel­ge­schich­te 1,13.

Lukas 24,34; 1. Korin­ther 15,4–5.

Apos­tel­ge­schich­te 2,14–40.

Apos­tel­ge­schich­te 2,41–47.

Ver­glei­che Apos­tel­ge­schich­te 3,1–11; 4,13–19; 8,14–17.

Apos­tel­ge­schich­te 4,18–19; 12,1–18.

Apos­tel­ge­schich­te 8,5–24. Zum The­ma Geis­tes­tau­fe sie­he: „Über die ‚Geis­tes­tau­fe‘“.

Apos­tel­ge­schich­te 10,1–11,18.

Apos­tel­ge­schich­te 15,1–29; Gala­ter 2,1–10.

Ver­glei­che Gala­ter 2,11–14.

1. Petrus 1,1.

1 Kle­mens 5,3–4: Stel­len wir uns die guten Apos­tel vor Augen: einen Petrus, der wegen unge­rech­ter Eifer­sucht nicht ein oder zwei, son­dern vie­ler­lei Müh­se­lig­kei­ten erdul­det hat und, nach­dem er so sein Zeug­nis (für Chris­tus) abge­legt hat­te, ange­langt ist an dem ihn gebüh­ren­den Orte der Herr­lich­keit. – Im Zusam­men­hang geht es um die Opfer der nero­ni­schen Ver­fol­gung (Kapi­tel 6).

Johan­nes 1,41.

Wenn Jesus Petrus Satan nennt, so heißt das nicht, dass Petrus der Teu­fel war oder von die­sem beses­sen war. Wir haben das Wort Satan in sei­ner ursprüng­li­chen hebräi­schen Bedeu­tung als „Wider­sa­cher“ zu ver­ste­hen. Dadurch, dass Petrus gegen das Lei­den und Ster­ben Jesu sprach, wur­de er zu des­sen Widersacher.

Ver­glei­che Johan­nes 1,42.

Rudolf Pesch, Simon-Petrus, 1980, Sei­te 29, grie­chi­sche, hebräi­sche und ara­mäi­sche Wör­ter transkribiert.

Pesch zitier­te hier: P. Lam­pe, Das Spiel mit dem Petrus­na­men, MATT XVI. 18, in: NTS 25 (1978/79), 238.

Wie­der ein Zitat von Lam­pe, S. 240.

Des neu­en Jerusalems.

Ulrich Luz, Das Evan­ge­li­um nach Mat­thä­us, 2. Teil­band Mt 8–17, 4. Auf­la­ge 2007, S. 476–479.

Ver­glei­che dazu: Augus­ti­nus, Vor­trä­ge über das Johan­nes-Evan­ge­li­um (Trac­ta­tus in Ioan­nis Euan­ge­li­um) 124,5.

Die­ser Aus­druck bezeich­net die höchs­te Rechts­ge­walt in der Kirche.

Apos­tel­ge­schich­te 15,1–21.

Wir haben unter 5.1.1 auf­ge­zeigt, dass auch in die­sen Situa­tio­nen die Stel­lung Petri kei­ne abso­lu­te war. Das bedeu­tet aber nicht, dass das Wort von den Schlüs­seln nicht in die­sen Situa­tio­nen ihre Erfül­lung gefun­den hätte.

Apos­tel­ge­schich­te 1,15–26.

Apos­tel­ge­schich­te 6,1–6.

Apos­tel­ge­schich­te 8,4–5.

Apos­tel­ge­schich­te 10,1,-11,18.

Apos­tel­ge­schich­te 15,1–21.

In der Bibel wird das nicht aus­drück­lich erwähnt. Aber Petrus selbst ermahn­te in 1. Petrus 3,8–11 sei­ne Leser dazu, eines Sin­nes zu sein und dem Frie­den nach­zu­ja­gen. Petrus hat mit die­sen Wor­ten nicht nur ande­re belehrt, son­dern selbst nach die­sem Grund­satz gelebt.

Ver­glei­che Apos­tel­ge­schich­te 2,10.

Apos­tel­ge­schich­te 12,1–19.

Apos­tel­ge­schich­te 12,17.

Apos­tel­ge­schich­te 28,14–31.

Apos­tel­ge­schich­te 12,1–2.

Wir hal­ten an der Echt­heit des 2. Petrus­brie­fes fest. Falls die­ser Brief, wie viel­fach behaup­tet wird, nicht von Petrus stam­men soll­te, wür­de unse­re Argu­men­ta­ti­on in die­sem Fall sogar noch ver­stärkt, da der Text vor­aus­set­zen wür­de, dass es auch Jah­re bzw. Jahr­zehn­te nach dem Tod von Petrus kei­nen Nach­fol­ger von Petrus gab. Hät­te zur Zeit der Nie­der­schrift des 2. Petrus­brie­fes schon die Insti­tu­ti­on des Papst­tums gege­ben, in der ganz klar war, wer der Nach­fol­ger von Petrus ist, hät­te der Fäl­scher die­ses Brie­fes dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich die Gläu­bi­gen nach dem Tod des Petrus an den jewei­li­gen Bischof von Rom wen­den können.

Sie­he dazu: „Diens­te in der Gemein­de“.

Wie auch im Neu­en Tes­ta­ment: Apos­tel­ge­schich­te 17,28; Titus 1,3–5.

Die Datie­rungs­vor­schlä­ge schwan­ken zwi­schen „vor 85“ und 140–155.

Heu­te Antak­ya in der Türkei.

Die­se Erklä­rung geht von der Echt­heit der Igna­ti­us­brie­fe aus. Man­che gehen davon aus, dass die­se Brie­fe das Werk eines Fäl­schers sei­en. Dadurch wür­de sich die Ein­füh­rung des mon­ar­chi­schen Bischofs­am­tes noch um eini­ge Jahr­zehn­te verschieben.

Man­che datie­ren die­ses Schrei­ben frü­her als Brox (sie­he Punkt 5.2.2.2), was an der grund­sätz­li­chen Argu­men­ta­ti­on nichts ändert. Nur die von ihm genann­ten Jah­res­zah­len sind mög­li­cher­wei­se etwas frü­her anzusetzen.

Nor­bert Brox, Das Papst­tum in den ers­ten drei Jahr­hun­der­ten; in: Das Papst­tum I. Von den Anfän­gen bis zu den Päps­ten in Avi­gnon; Hsg. M. Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 29.

Eben­so 2. Timo­theus 1,2; Titus 1,4.

Das ist die weit­ver­brei­te­te volks­ety­mo­lo­gi­sche Deu­tung. Die genaue Ety­mo­lo­gie ist umstrit­ten. Mehr zur Ety­mo­lo­gie: Wiki­pe­dia: Pon­ti­fex, abge­ru­fen am 25.06.2015.

Eine Aus­nah­me stell­te Kai­ser Ana­sta­si­us dar, der sich im Jah­re 516 in einem Schrei­ben an den römi­schen Bischof Pon­ti­fex nannte.

Ter­tul­li­an, Über die Ehr­bar­keit – De Pudi­citia 1.

Sie­he die unter Punkt 1 die­ser Abhand­lung zitier­ten Doku­men­te „Pas­tor Aeter­nus und Lumen Gentium“.

Strebt voll Eifer nach Frie­den mit allen und nach der Hei­li­gung, ohne die kei­ner den Herrn sehen wird! (Hebrä­er 12,14).

Mat­thä­us 18,20; 28,20.

Nor­bert Brox, Das Papst­tum in den ers­ten drei Jahr­hun­der­ten, S. 33.

Mat­thä­us 13,24–30.47–50; sie­he dazu auch: „Die Kir­che als sicht­ba­re Gemein­schaft: Die Gleich­nis­se vom Unkraut unter dem Wei­zen und vom Fisch­netz“.

Vari­an­te des Namens Calixt.

Zitiert nach: Hip­po­ly­tus von Rom († um 235) – Wider­le­gung aller Häre­si­en (Refu­ta­tio omni­um hae­re­si­um).

Bern­hard Schim­mel­p­fen­nig, Das Papst­tum, 4. Auf­la­ge, Darm­stadt 1996, S. 23.

Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Gre­gor der Gro­ße.

Nach sei­nem Tode.

Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che, fünf­ter Band, 1933, Spal­te 470.

Harald Zim­mer­mann, Die Päps­te des „dunk­len Jahr­hun­derts“: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 133.

August Fran­zen, Klei­ne Kir­chen­ge­schich­te, Frei­burg 1988, S. 166.

Kath­pe­dia: Johan­nes XII., abge­ru­fen am 25.06.2015.

Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Dic­ta­tus Papae, abge­ru­fen am 04.01.2026.

D. h. Ver­lust des Rechts­schut­zes und der Rechtsfähigkeit.

Fried­rich Kempf SJ, Inno­zenz III.: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 202.

Neu­ner-Roos, Nr. 526.

D. h. die „geschul­de­te Stra­fe“, mit der der „welt­li­che Arm“ die Häre­ti­ker bestra­fen sollte.

Hans Wol­ter SJ, Der Kampf der Kurie um die Füh­rung im Abend­land: Hand­buch der Kir­chen­ge­schich­te, Her­aus­ge­ge­ben von Hubert Jedin, III/2, Frei­burg 1968, S. 271.

Johan­nes Paul II. setz­te im Jah­re 1998 ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Savo­na­ro­la in Gang.

Erwin Iser­loh, Die Päps­te im Zeit­al­ter der Refor­ma­ti­on und des Kon­zils von Tri­ent: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 56.

Iser­loh, S. 60.

Den­zin­ger-Hüner­mann, Nr. 1483.

Iser­loh, S. 72–73.

Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 83–84.

Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 93.

Den­zin­ger-Hüner­mann, Nr. 2474, 2477, 2479, 2480, 2481, 2482, 2484, 2485, S. 678–679.

Rudolf Lill, Das Zeit­al­ter der Restau­ra­ti­on von Leo XII. bis Gre­gor XVI.: Das Papst­tum II, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1985, S. 176.

Der eng­li­sche Text die­ser Enzy­kli­ka kann hier gele­sen wer­den: Gre­go­ry XVI. Inter Prae­ci­pu­as.

Wir zitie­ren nach: Wiki­pe­dia: Syl­labus errorum, abge­ru­fen am 05.01.2026.

Z. B. Sure 9,30: Die Juden sagen: „Uzayr ist Got­tes Sohn.“ Und die Chris­ten sagen: „Chris­tus ist Got­tes Sohn.“ Das ist ihre Rede aus ihrem eige­nen Mun­de. Damit reden sie wie die, die vor­her ungläu­big waren. Gott bekämp­fe sie! Wie leicht las­sen sie sich doch abwenden!

La docu­men­ta­ti­on catho­li­que Nr. 2224/2000, S. 362, zitiert nach: Man­fred Pot­hoff, Das Ende des katho­li­schen Glau­bens, Ber­lin, 2014, S. 83. Pot­hoffs Buch lis­tet auf den Sei­ten 82–83 wei­te­re Bei­spie­le sei­nes Syn­kre­tis­mus, wie die Teil­nah­me an ani­mis­ti­schen (9. August 1985 in Togo) und hin­du­is­ti­schen Riten (2. und 5. Febru­ar 1986) auf.

Osser­va­to­re Roma­no vom 11. August 1985, zitiert nach: Rund­brief an unse­re Pries­ter­freun­de im deut­schen Sprach­raum, Nr. 21, November/Dezember 2008, S. 19–20.

Wir zitie­ren nach: Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz: Ver­ge­bungs­bit­te von Papst Johan­nes Paul II., abge­ru­fen am 05.01.2026.

Der spä­te­re Papst Bene­dikt XVI.

Das wäre als Maß­nah­me inner­halb des katho­li­schen Dog­men­ge­bäu­des zu sehen. Biblisch betrach­tet ist der Hei­li­gen­kult ohne­hin nicht zu rechtfertigen.

Papst Fran­zis­kus hat am 22. Juni 2015 etwas kla­re­re Wor­te gefun­den, als er das Vor­ge­hen der katho­li­schen Kir­che gegen die Wal­den­ser unchrist­lich und unmensch­lich nann­te und die Wal­den­ser um Ver­ge­bung dafür bat. Von einer öffent­li­chen Ver­ur­tei­lung der lehr­amt­li­chen Doku­men­te, die zur Ver­fol­gung der Wal­den­ser geführt haben, war aber auch hier kei­ne Rede. Die Rede von Papst Fran­zis­kus ist (auf Eng­lisch) hier zu fin­den: Pas­to­ral visit of His Holi­ne­ss Pope Fran­cis to Turin, abge­ru­fen am 09.07.2015.

Apos­to­li­sche Rei­se von Papst Fran­zis­kus nach Sara­je­vo (Bos­ni­en-Her­ze­go­wo­na), abge­ru­fen am 09.07.2015.

3. Stro­phe des katho­li­schen Kir­chen­lieds „Ein Haus voll Glo­rie schau­et“ (Got­tes­lob alt: 639; neu: 478).