Die Kir­che als sicht­ba­re Gemeinschaft

War­um wir die­sen Text schreiben

In die­sem Text wol­len wir zei­gen, dass die Kir­che, wie wir sie in der Bibel vor­fin­den, eine sicht­ba­re Gemein­schaft von Gläu­bi­gen ist. Sie kann von der Welt als ein sicht­ba­res Zeug­nis für die Lie­be Got­tes, sei­ne Rein­heit und Hei­lig­keit gese­hen werden.

Ein Leuchtturm leuchtet auf der Spitze einer Klippe.

1 Die Leh­re von der „unsicht­ba­ren Kirche“

Dass nicht jeder Besu­cher eines Sonn­tags­got­tes­diens­tes Christ im bibli­schen Sin­ne des Wor­tes ist, ist heu­te vie­len bewusst. Man spricht dann von „Namens­chris­ten“, denen die Bezie­hung zu Jesus fehlt. Die­se „Sonn­tags­chris­ten“ fei­ern bei den Got­tes­diens­ten mit, beten und sin­gen mit den ande­ren, neh­men auch an der Eucha­ris­tie oder am Abend­mahl teil, obwohl sie ihr Leben nach ihren eige­nen Maß­stä­ben gestal­ten, ohne im All­tag viel nach Gott zu fra­gen. In den ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen und Kon­fes­sio­nen wird das als biblisch gese­hen. Man spricht hier von der Leh­re der „unsicht­ba­ren Kirche“.

Nach die­ser Leh­re wird zwi­schen der sicht­ba­ren und unsicht­ba­ren Kir­che unter­schie­den. Die sicht­ba­re Kir­che ist in ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen und Kir­chen anzu­tref­fen (z. B.: römisch-katho­lisch, evan­ge­lisch, ortho­dox, Frei­kir­chen ver­schie­dens­ter Aus­rich­tun­gen). Die­se sicht­ba­ren Kir­chen bestehen aus enga­gier­ten, gläu­bi­gen Mit­glie­dern (im evan­ge­li­ka­len Bereich wer­den sie „wie­der­ge­bo­ren“ genannt) und ande­ren manch­mal „Namens­chris­ten“ genann­ten Mit­glie­dern, denen der Glau­be weni­ger wich­tig ist. Die unsicht­ba­re Kir­che wird als die eine wah­re Kir­che ver­stan­den. Sie besteht aus allen „bekehr­ten“ oder „wie­der­ge­bo­re­nen“ Mit­glie­dern der sicht­ba­ren Kir­chen auf der gan­zen Welt. Die­se unsicht­ba­re Kir­che ist kei­ne Orga­ni­sa­ti­on oder Kon­fes­si­on. Ihre Glie­der sind durch den Glau­ben mit­ein­an­der ver­bun­den, auch ohne ein­an­der zu ken­nen oder per­sön­li­che Gemein­schaft mit­ein­an­der zu haben. Die­se Men­schen sehen es als ihre Auf­ga­be, im Rah­men ihrer Orts­ge­mein­den den weni­ger inter­es­sier­ten Mit­glie­dern den Glau­ben zu ver­mit­teln. Sie wol­len ein Licht für die Ungläu­bi­gen in der „Kir­che“ sein und in der „inne­ren Mis­si­on“ aktiv sein.[1]

Im Neu­en Tes­ta­ment fin­den wir aber ein völ­lig ande­res Bild von Kirche.

2 Wie war es in der Urgemeinde?

Über die ers­te Gemein­de in Jeru­sa­lem, die nach der Pfingst­pre­digt des Petrus ent­stan­den ist, kön­nen wir Fol­gen­des lesen:

Die Men­ge derer aber, die gläu­big gewor­den waren, war ein Herz und eine See­le […] (Apos­tel­ge­schich­te 4,32)

Aber durch die Hän­de der Apos­tel gescha­hen vie­le Zei­chen und Wun­der unter dem Volk; und sie waren alle ein­mü­tig in der Säu­len­hal­le Salo­mos. Von den Übri­gen aber wag­te kei­ner, sich ihnen anzu­schlie­ßen, doch das Volk rühm­te sie. Aber um so mehr wur­den [sol­che], die an den Herrn glaub­ten, hin­zu­ge­tan, Scha­ren von Män­nern und auch Frau­en. (Apos­tel­ge­schich­te 5,12–14)

Die Wun­der, die unter den Chris­ten gesche­hen sind, ihre Hin­ga­be an Gott, ihre Lie­be zuein­an­der haben bei den Juden Respekt und Ehr­furcht her­vor­ge­ru­fen. Sie haben ver­stan­den, dass es nur mit der Hin­ga­be des gan­zen Lebens an Jesus mög­lich war, zur Gemein­de zu gehö­ren. Die Men­schen, die den Wunsch hat­ten, Gott aus gan­zem Her­zen zu lie­ben, glaub­ten an Jesus und schlos­sen sich der Kir­che an. Die übri­gen Juden, die zu die­sem Leben nicht bereit waren, wag­ten nicht, sich den Jün­gern anzuschließen.

Wenn ein Ungläu­bi­ger zur Gemein­de kam, beur­teil­te die­se das „Ver­bor­ge­ne sei­nes Herzens“.

Wenn nun die gan­ze Gemein­de zusam­men­kommt und alle in Spra­chen reden, und es kom­men Unkun­di­ge oder Ungläu­bi­ge her­ein, wer­den sie nicht sagen, dass ihr von Sin­nen seid? Wenn aber alle weis­sa­gen und irgend­ein Ungläu­bi­ger oder Unkun­di­ger kommt her­ein, so wird er von allen über­führt, von allen beur­teilt; das Ver­bor­ge­ne sei­nes Her­zens wird offen­bar, und so wird er auf sein Ange­sicht fal­len und wird Gott anbe­ten und ver­kün­di­gen, dass Gott wirk­lich unter euch ist. (1. Korin­ther 14,23–25)

Die gan­ze Gemein­de ließ sich von Gott füh­ren, bemüh­te sich mit Lie­be und Hin­ga­be, sodass der Gast ver­stand, wovon er umkeh­ren soll­te. Das konn­te in einem Fall kür­zer und in einem ande­ren Fall län­ger dau­ern. Wenn jemand aber nicht umkeh­ren woll­te, nach­dem er von der Gemein­de beur­teilt wor­den war, fehl­te die Grund­la­ge dazu, ihn zu tau­fen. Er hat sich auch nicht der Gemein­de ange­schlos­sen und nahm an ihrem Gemein­schafts­le­ben nicht teil.

Es gab Aus­nah­me­fäl­le, in denen Men­schen wie Simon der Zau­be­rer sich, nach­dem sie das Evan­ge­li­um gehört hat­ten, der Gemein­de anschlos­sen. Als Phil­ip­pus den Sama­ri­ta­nern Jesus als den Mes­si­as ver­kün­de­te, kamen vie­le von ihnen zum Glau­ben und wur­den getauft, auch Simon, obwohl er sein Den­ken nicht ver­än­dert hat­te.[2] Da sich so vie­le Men­schen gleich­zei­tig bekehrt hat­ten, war es für Phil­ip­pus nicht so leicht, zu erken­nen, dass einer von ihnen (Simon) nicht ehr­lich war. So war es mög­lich, dass Simon für kur­ze Zeit ande­re Chris­ten täu­schen konn­te. Die Wahr­heit über ihn kam aber bald ans Licht, und Petrus, der etwas spä­ter aus Jeru­sa­lem kam, stell­te sich ihm ent­schlos­sen entgegen:

Als aber Simon sah, dass durch das Auf­le­gen der Hän­de der Apos­tel der Geist gege­ben wur­de, brach­te er ihnen Geld und sag­te: Gebt auch mir die­se Macht, dass der, dem ich die Hän­de auf­le­ge, den Hei­li­gen Geist emp­fan­ge. Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fah­re mit dir ins Ver­der­ben, weil du gemeint hast, dass die Gabe Got­tes durch Geld zu erlan­gen sei! Du hast weder Teil noch Recht an die­ser Sache, denn dein Herz ist nicht auf­rich­tig vor Gott. Tue nun Buße über die­se dei­ne Bos­heit und bit­te den Herrn, ob dir etwa der Anschlag dei­nes Her­zens ver­ge­ben wer­de; denn ich sehe, dass du voll bit­te­rer Gal­le und in Ban­den der Unge­rech­tig­keit bist. Simon aber ant­wor­te­te und sprach: Bit­tet ihr für mich den Herrn, damit nichts über mich kom­me von dem, was ihr gesagt habt. (Apos­tel­ge­schich­te 8,18–24)

Wir sehen eine ähn­lich stren­ge Beur­tei­lung auch in ande­ren Fäl­len, als sich eini­ge in die Gemein­de ein­schli­chen, deren Leben und Den­ken im Gegen­satz zur Leh­re Jesu und der Apos­tel stand:

Denn gewis­se Men­schen haben sich heim­lich ein­ge­schli­chen, die längst zu die­sem Gericht vor­her auf­ge­zeich­net sind, Gott­lo­se, wel­che die Gna­de unse­res Got­tes in Aus­schwei­fung ver­keh­ren und den allei­ni­gen Gebie­ter und unse­ren Herrn Jesus Chris­tus ver­leug­nen. (Judas 4)

Judas drück­te dadurch aus, dass die­se Men­schen kei­nen Platz in der Gemein­de haben. Auch wenn es ihnen gelang, sich ein­zu­schlei­chen, konn­ten sie den­noch nur für kur­ze Zeit in der Gemein­de blei­ben, bis es den Gläu­bi­gen klar wur­de, dass sie kei­ne Geschwis­ter waren.

Eine ähn­li­che Situa­ti­on fin­den wir in 1. Johan­nes 2,18–20:

Kin­der, es ist die letz­te Stun­de, und wie ihr gehört habt, dass der Anti­christ kommt, so sind auch jetzt vie­le Anti­chris­ten auf­ge­tre­ten; daher wis­sen wir, dass es die letz­te Stun­de ist. Sie sind von uns aus­ge­gan­gen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewe­sen wären, wür­den sie wohl bei uns geblie­ben sein; aber sie blie­ben nicht, damit sie offen­bar wür­den, dass sie alle nicht von uns sind. Und ihr habt die Sal­bung von dem Hei­li­gen und wisst alles.

Hier schreibt Johan­nes über Men­schen, die eine Zeit lang in der Gemein­de gewe­sen sind, aber nie Chris­ten son­dern Ver­füh­rer waren.[3] Es scheint, dass die Chris­ten dort die­se Irr­leh­rer nicht tief genug beur­teil­ten. So sieht es Johan­nes als nötig an, der Gemein­de in sei­nem Brief mehr zu erklä­ren, um ihnen eine bes­se­re Grund­la­ge zur Beur­tei­lung zu geben. Er schreibt zunächst über den Wan­del im Licht (Kapi­tel 1,6–7) und das Hal­ten der Gebo­te Jesu (Kapi­tel 2, 3–6). Dabei bezieht er sich vor allem immer wie­der auf die Lie­be der Chris­ten unter­ein­an­der (Bru­der­lie­be: Kapi­tel 2,9–11; 3,14–18.23; 4,7–8.20–22), ver­bun­den mit der Abkehr von Sün­den (Kapi­tel 3,4–10). Als untrenn­bar damit ver­bun­de­nes „Erken­nungs­merk­mal“ der Chris­ten nennt Johan­nes den rich­ti­gen Glau­ben, die rich­ti­ge Leh­re von Jesus (Kapi­tel 2,22–23; 4,2–3) und er for­dert die Chris­ten aus­drück­lich dazu auf, die Leh­re von Men­schen, mit denen sie in Ver­bin­dung kom­men, zu prüfen:

Gelieb­te, glaubt nicht jedem Geist, son­dern prüft die Geis­ter, ob sie aus Gott sind; denn vie­le fal­sche Pro­phe­ten sind in die Welt aus­ge­gan­gen. (1. Johan­nes 4,1)

Dass Johan­nes hier nur über eine kon­kre­te Irr­leh­re, die Gno­sis, mit der die­se Gemein­de kon­fron­tiert war, schreibt, heißt nicht, dass er über ande­re Irr­leh­ren anders gedacht und geschrie­ben hätte.

In sei­nem Brief unter­schei­det er deut­lich zwi­schen den Emp­fän­gern des Brie­fes (der Gemein­de) und den Nicht­chris­ten, die nicht (mehr) in der Gemein­de waren.

Auch an wei­te­ren Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments fin­den sich Ermah­nun­gen, in denen die Gemein­den auf­ge­for­dert wer­den, sol­che Men­schen auf­zu­de­cken und sich von ihnen zu tren­nen: Apos­tel­ge­schich­te 20,29–31; Mat­thä­us 24,23–26; 1. Timo­theus 4,1–3; 6,3–5; 2. Timo­theus 3,1–9.

3 Die Gemein­de ist rein und heilig

Wenn jemand auf eine Wei­se gesün­digt hat­te, die sei­ne Bezie­hung zu Gott zer­stört hat, und wenn er sich trotz wie­der­hol­ter Hil­fe und Ermah­nun­gen nicht von sei­nen Sün­den abwen­den woll­te, dann been­de­te die Gemein­de die Gemein­schaft mit ihm. Sie schloss ihn aus. Sie han­del­te nach dem Gebot Jesu:

Wenn aber dein Bru­der sün­digt, so geh hin, über­füh­re ihn zwi­schen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, so hast du dei­nen Bru­der gewon­nen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zwei­er oder drei­er Zeu­gen Mund jede Sache bestä­tigt wer­de. Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemein­de; wenn er aber auch auf die Gemein­de nicht hören wird, so sei er dir wie der Hei­de und der Zöll­ner. Wahr­lich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf der Erde bin­den wer­det, wird es im Him­mel gebun­den sein, und wenn ihr etwas auf der Erde lösen wer­det, wird es im Him­mel gelöst sein. (Mat­thä­us 18,15–18)

Juden hat­ten mit Hei­den kei­ne Gemein­schaft, weil sie die­se für unrein hiel­ten (Apos­tel­ge­schich­te 10,28). Auch Zöll­nern gegen­über ver­hiel­ten sie sich ähn­lich, da die­se mit der römi­schen Besat­zungs­macht koope­rier­ten (sie­he Mat­thä­us 9,10–11). Die­se grund­sätz­li­che Ableh­nung war sicher nicht rich­tig, aber jüdi­sche Pra­xis. Jesus ging von die­ser Tat­sa­che aus. Er zeig­te aber, dass der Grund für die Abgren­zung nicht im sozia­len Sta­tus oder in der Volks­zu­ge­hö­rig­keit eines Men­schen lie­gen darf, son­dern nur dar­in, dass jemand die Hil­fe, die ihm wie­der­holt von sei­nen Brü­dern und Schwes­tern ange­bo­ten wur­de, ablehnt und zurück­weist und lie­ber in sei­nen Sün­den verharrt.

Im 1. Korin­ther­brief fin­den wir ein prak­ti­sches Bei­spiel dafür, wie die­se Wor­te Jesu ange­wen­det wurden:

Über­haupt hört man, dass Unzucht unter euch sei, und [zwar] eine sol­che Unzucht, die selbst unter den Natio­nen nicht [statt­fin­det]: dass einer sei­nes Vaters Frau habe. Und ihr seid auf­ge­bla­sen und habt nicht viel­mehr Leid getra­gen, damit der, wel­cher die­se Tat began­gen hat, aus eurer Mit­te hin­weg getan wür­de! Denn ich, zwar dem Lei­be nach abwe­send, aber im Geis­te anwe­send, habe schon als anwe­send das Urteil gefällt über den, der die­ses so ver­übt hat, wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unse­res Herrn Jesus ver­sam­melt seid – einen sol­chen im Namen unse­res Herrn Jesus dem Satan[4] zu über­lie­fern zum Ver­der­ben des Flei­sches, damit der Geist erret­tet wer­de am Tage des Herrn. Euer Rüh­men ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sau­er­teig den gan­zen Teig durch­säu­ert? Fegt den alten Sau­er­teig aus, damit ihr ein neu­er Teig seid, wie ihr ja bereits unge­säu­ert seid. Denn auch unser Pas­sah, Chris­tus, ist geschlach­tet. (1. Korin­ther 5,1–7)

Eini­ge Ver­se spä­ter setzt Pau­lus wie folgt fort:

Nun aber habe ich euch geschrie­ben, kei­nen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bru­der genannt wird, ein Unzüch­ti­ger ist oder ein Hab­süch­ti­ger oder ein Göt­zen­die­ner oder ein Läs­te­rer oder ein Trun­ken­bold oder ein Räu­ber, mit einem sol­chen nicht ein­mal zu essen. Denn was habe ich zu rich­ten, die drau­ßen sind? Rich­tet ihr nicht, die drin­nen sind? Die aber drau­ßen sind, rich­tet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hin­aus! (1. Korin­ther 5,11–13)

Pau­lus zeigt hier, dass die Zuge­hö­rig­keit zur Gemein­de an kla­re Bedin­gun­gen geknüpft ist. Got­tes Gemein­de kann nicht Gemein­schaft haben mit jeman­dem, der an Sün­de fest­hält. Eine sol­che Per­son lehnt Gott ab und hat kei­ne Gemein­schaft mit ihm. Die Gemein­de wür­de die­sen Men­schen im Selbst­be­trug las­sen, wenn sie ihm die geist­li­che Rea­li­tät nicht durch den Aus­schluss zei­gen wür­de. Blie­be er in der Gemein­de, wür­de er ande­re wie „Sau­er­teig“ beein­flus­sen. Es wür­de eine gro­ße Gefahr bestehen, dass auch ande­re in der Gemein­de sol­che Sün­den nicht mehr klar beur­tei­len und sie dann auch in ihrem eige­nen Leben tole­rie­ren wür­den. Obwohl die­se Art der Abgren­zung (der Aus­schluss) schwer und schmerz­haft ist, hat Pau­lus Hoff­nung, dass der Sün­der noch umkehrt (Vers 5)[5]. Wenn der Aus­ge­schlos­se­ne spä­ter bereut, kann er mit einer neu­en Ent­schei­dung, dass er ein hei­li­ges, rei­nes Leben füh­ren will, zur Gemein­de zurückkehren.

Die ers­ten christ­li­chen Gemein­den bewahr­ten auf die­se Wei­se ihre Rein­heit als Gemein­den Got­tes, sodass Men­schen, die nicht wirk­lich umge­kehrt waren, nicht unter ihnen blei­ben konn­ten. Des­we­gen kann Pau­lus sei­ne Brü­der und Schwes­tern als „Hei­li­ge“ anspre­chen (z. B. 1. Korin­ther 1,1–3; 2. Korin­ther 1,1–2).[6]

Im Neu­en Tes­ta­ment hat der Begriff „Hei­li­ger“ die glei­che Bedeu­tung wie „Christ“ (Apos­tel­ge­schich­te 9,13; Ephe­ser 5,3; Phil­ip­per 4,21–22; Hebrä­er 3,1). Alle Chris­ten sind Hei­li­ge, und nur jene kön­nen zur Kir­che gehö­ren, die sich hei­li­gen las­sen und Gott in ihrem Leben regie­ren las­sen (Hebrä­er 12,14; Ephe­ser 5,5; Gala­ter 5,19–21). Es sind hier nicht sünd­lo­se Men­schen gemeint (das wird beson­ders in den Brie­fen an die Korin­ther deut­lich), son­dern sol­che Men­schen „die gehei­ligt sind in Chris­tus“ (1. Korin­ther 1,2), die Jesu Ver­ge­bung und Erlö­sung ange­nom­men haben. Auch wenn sie sün­di­gen und strau­cheln, hören sie auf Ermah­nung ihrer Glau­bens­ge­schwis­ter und wol­len sich ändern. Jedes Glied der Kir­che kämpft gegen Sün­de. Ein Christ kann kein Dop­pel­le­ben füh­ren. Er kann nicht Gott die­nen, wäh­rend sein Herz in der Welt ist (sie­he Mat­thä­us 6,24; 10,38–39; Johan­nes 12,25–26; Jako­bus 4,4; 1. Johan­nes 2,4–6 und 15–17; mehr dazu in unse­rem Arti­kel „Was heißt ‚Christ­sein‘?“).

Wenn Chris­ten Gemein­schaft mit Men­schen hät­ten, die die Welt lie­ben, wür­den sie sie täu­schen. Sie wür­den ihnen den Ein­druck geben, dass sie Brü­der und Schwes­tern sei­en, obwohl dies nicht der Wahr­heit ent­spricht. So wür­den sie auch Außen­ste­hen­den ein fal­sches Bild von Gemein­de vermitteln.

Geht nicht unter fremd­ar­ti­gem Joch mit Ungläu­bi­gen! Denn wel­che Ver­bin­dung haben Gerech­tig­keit und Gesetz­lo­sig­keit? Oder wel­che Gemein­schaft Licht mit Fins­ter­nis? Und wel­che Über­ein­stim­mung Chris­tus mit Beli­al? Oder wel­ches Teil ein Gläu­bi­ger mit einem Ungläu­bi­gen? Und wel­chen Zusam­men­hang der Tem­pel Got­tes mit Göt­zen­bil­dern? Denn wir sind der Tem­pel des leben­di­gen Got­tes; wie Gott gesagt hat: „Ich will unter ihnen woh­nen und wan­deln, und ich wer­de ihr Gott sein, und sie wer­den mein Volk sein. Dar­um geht aus ihrer Mit­te hin­aus und son­dert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unrei­nes nicht an, und ich wer­de euch anneh­men und wer­de euch ein Vater sein, und ihr wer­det mir Söh­ne und Töch­ter sein, spricht der Herr, der All­mäch­ti­ge. (2. Korin­ther 6,14–18)

Auch das grie­chi­sche Wort εκκλήσια [ekkle­sia] bedeu­tet eine Gemein­schaft, die sich her­aus­ru­fen lässt.[7] Das spielt auf den Brauch an, dass in anti­ken grie­chi­schen Städ­ten die Bür­ger zu den öffent­li­chen Ver­samm­lun­gen durch Boten her­aus­ge­ru­fen wur­den. Auf die­se Wei­se rufen auch die Boten des Evan­ge­li­ums die Men­schen, die Gott fol­gen wol­len aus der Welt her­aus. Wer die­sem Ruf folgt, wird zum Glied der Gemein­de. Chris­ten leben wei­ter­hin in die­ser Welt und unter Ungläu­bi­gen, aber sie haben kei­ne geist­li­che Gemein­schaft mit ihnen.

Wir kön­nen aus all dem sehen, dass die Pra­xis der ers­ten christ­li­chen Gemein­den völ­lig anders war als die der heu­ti­gen sich christ­lich nen­nen­den Grup­pie­run­gen. Heu­te kann jeder (nach eini­gen For­ma­li­tä­ten) ein Mit­glied einer „Kir­che“ wer­den, und übli­cher­wei­se wird Aus­schluss auch nicht prak­ti­ziert. Dazu wäre eine inten­si­ve Gemein­schaft, Lie­be und Hin­ga­be not­wen­dig: Die Men­schen müss­ten sich Zeit für­ein­an­der neh­men, sich für das Den­ken und Han­deln des ande­ren auf­rich­tig inter­es­sie­ren und so an sei­nem geist­li­chen Leben teil­neh­men. Ohne die­se Hin­ga­be mit dem Ziel der Hei­li­gung des Bru­ders kann das Gebot Chris­ti nicht erfüllt wer­den. Die Rein­heit der Kir­che kann nicht bewahrt wer­den, sie ist in Gefahr, nicht mehr Kir­che zu sein.

4 Die Gleich­nis­se vom Unkraut unter dem Wei­zen und vom Fischnetz

Die fal­sche Pra­xis begann nicht erst in unse­ren Tagen und auch die theo­re­ti­sche Unter­stüt­zung dafür (= die Leh­re der unsicht­ba­ren Kir­che) exis­tier­te schon sehr früh. Der Pro­zess fand par­al­lel mit der Ver­welt­li­chung der Kir­che statt. So wie die Gemein­de sich immer mehr von Gott und einem hei­li­gen Leben ent­fern­te, so nahm auch die Sen­si­bi­li­tät gegen Sün­de ab. Bereits im fünf­ten Jahr­hun­dert miss­brauch­te Augus­ti­nus zwei Gleich­nis­se Jesu aus Mat­thä­us 13 im Streit mit den Dona­tis­ten[8], um die Wie­der­auf­nah­me von abge­fal­le­nen Bischö­fen in die Kir­che auf­recht­zu­er­hal­ten: Der Wunsch schuf fal­sche Lehren.

Augus­ti­nus behaup­te­te auf­grund des Gleich­nis­ses vom Unkraut und Wei­zen (Mat­thä­us 13,24–30.36–43) und des Gleich­nis­ses vom Netz (Mat­thä­us 13,47–50), „dass die Gemein­de ein durch­misch­ter Kör­per“ (cor­pus per­mix­t­um) sei, in dem die Bösen zusam­men mit den Gerech­ten existieren.

Jesus gab den Men­schen ein wei­te­res Gleich­nis und sprach: „Mit dem Reich der Him­mel ist es wie mit einem Men­schen, der guten Samen auf sei­nen Acker säte. Wäh­rend aber die Men­schen schlie­fen, kam sein Feind und säte Unkraut mit­ten unter den Wei­zen und ging weg. Als aber die Saat auf­spross­te und Frucht brach­te, da erschien auch das Unkraut. Es kamen aber die Knech­te des Haus­herrn hin­zu und spra­chen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf dei­nen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Ein feind­se­li­ger Mensch hat dies getan. Die Knech­te aber spra­chen zu ihm: Willst du denn, dass wir hin­ge­hen und es zusam­men­le­sen? Er aber sprach: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusam­men­le­sen des Unkrauts zugleich mit ihm den Wei­zen aus­rauft. Lasst bei­des zusam­men wach­sen bis zur Ern­te, und zur Zeit der Ern­te wer­de ich den Schnit­tern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusam­men, und bin­det es in Bün­del, um es zu ver­bren­nen; den Wei­zen aber sam­melt in mei­ne Scheu­ne! (Mat­thä­us 13,24–30)

Wie­der­um gleicht das Reich der Him­mel einem Netz, das ins Meer gewor­fen wur­de und von jeder Gat­tung zusam­men­brach­te, das sie dann, als es voll war, ans Ufer her­auf­ge­zo­gen hat­ten; und sie setz­ten sich nie­der und lasen die Guten in Gefä­ße zusam­men, aber die Fau­len war­fen sie aus. So wird es in der Voll­endung des Zeit­al­ters sein: Die Engel wer­den aus­ge­hen und die Bösen aus der Mit­te der Gerech­ten aus­son­dern und sie in den Feu­er­ofen wer­fen: Da wird das Wei­nen und das Zäh­ne­knir­schen sein. (Mat­thä­us 13,47–50)

Augus­ti­nus iden­ti­fi­zier­te nun den Acker und das Netz mit der Gemein­de und igno­rier­te, dass Jesus selbst das ers­te Gleich­nis anders interpretierte:

Dann ent­ließ er die Volks­men­gen und kam in das Haus; und sei­ne Jün­ger tra­ten zu ihm und spra­chen: Deu­te uns das Gleich­nis vom Unkraut des Ackers. Er aber ant­wor­te­te und sprach: Der den guten Samen sät, ist der Sohn des Men­schen, der Acker aber ist die Welt; der gute Same aber sind die Söh­ne des Rei­ches, das Unkraut aber sind die Söh­ne des Bösen; der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teu­fel; die Ern­te aber ist die Voll­endung des Zeit­al­ters, die Schnit­ter aber sind Engel. Wie nun das Unkraut zusam­men­ge­le­sen und im Feu­er ver­brannt wird, so wird es in der Voll­endung des Zeit­al­ters sein. Der Sohn des Men­schen wird sei­ne Engel aus­sen­den, und sie wer­den aus sei­nem Reich alle Ärger­nis­se zusam­men­le­sen und die, die Gesetz­lo­ses tun; und sie wer­den sie in den Feu­er­ofen wer­fen: da wird das Wei­nen und das Zäh­ne­knir­schen sein. Dann wer­den die Gerech­ten leuch­ten wie die Son­ne in dem Reich ihres Vaters. Wer Ohren hat, der höre! (Mat­thä­us 13,36–43)

Nach Vers 38 steht der Acker für die Welt, nicht für die Kirche.

Die Kir­che ist in der Welt und leuch­tet in ihr als ein Licht. Daher kann die Kir­che nicht mit der Welt iden­tisch sein!

[…] damit ihr tadel­los und lau­ter seid, unbe­schol­te­ne Kin­der Got­tes inmit­ten eines ver­dreh­ten und ver­kehr­ten Geschlechts, unter dem ihr leuch­tet wie Him­mels­lich­ter in der Welt, indem ihr das Wort des Lebens fest­hal­tet. (Phil­ip­per 2,15–16)

Mit dem Gleich­nis vom Unkraut unter dem Wei­zen woll­te Jesus sei­nen jüdi­schen Mit­men­schen hel­fen, ihre Vor­stel­lun­gen über den Mes­si­as und des­sen Reich zu kor­ri­gie­ren. Zur Zeit Jesu erwar­te­ten die Juden einen Mes­si­as, der als herr­li­cher König und gerech­ter Rich­ter kom­men wür­de. Er wür­de sein Volk von der Unter­drü­ckung durch die Gott­lo­sen befrei­en und die Bösen vernichten.

Jesus ist aber nicht gekom­men, um als ein poli­ti­scher König zu regie­ren, auch nicht, um alle Übel­tä­ter zu bestra­fen. Erst bei sei­ner Wie­der­kunft wird die Welt gerich­tet wer­den. Bis dort­hin wird es auf der Erde Gute und Böse geben. Jesu König­reich ist ein geist­li­ches Reich. Er hat die Welt in geist­li­cher Wei­se überwunden:

Dies habe ich zu euch gere­det, damit ihr in mir Frie­den habt. In der Welt habt ihr Bedräng­nis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt über­wun­den. (Johan­nes 16,33)

In Mat­thä­us 13,41 lässt der Men­schen­sohn „aus sei­nem Reich alle zusam­men­ho­len, die ande­re ver­führt und Got­tes Gesetz über­tre­ten haben.“[9] Aber hier meint „sein Reich“ nicht die Kir­che, son­dern die Welt. Jesus ist der Herr der gesam­ten geschaf­fe­nen Welt. Als Mes­si­as hat er die Auto­ri­tät, über sie zu herr­schen. Bei sei­ner Wie­der­kunft wird die Welt auch tat­säch­lich sein Reich. Alles wird ihm unter­wor­fen, wie es auch in Offen­ba­rung 11,15 aus­ge­drückt wird.

Und der sie­ben­te Engel posaun­te; und es gescha­hen lau­te Stim­men im Him­mel, die spra­chen: Das Reich der Welt ist unse­res Herrn und sei­nes Chris­tus gewor­den, und er wird herr­schen von Ewig­keit zu Ewigkeit.

In die­sem Reich wird für die Bösen kein Platz sein.

In ähn­li­cher Wei­se bezieht sich auch das Gleich­nis vom Netz nicht auf die Gemein­de. Von der Tat­sa­che, dass Jesus das Reich der Him­mel mit einem Netz ver­gleicht, folgt nicht not­wen­di­ger­wei­se, dass das Netz die Gemein­de meint. In ande­ren Gleich­nis­sen ver­gleicht er das Him­mel­reich mit einem König[10] oder mit einem Kauf­mann[11]. Natür­lich denkt nie­mand, dass der König oder der Kauf­mann die Gemein­de sym­bo­li­sie­ren soll. Jesus ver­wen­de­te den Aus­druck „Reich der Him­mel“, wenn er etwas über die Königs­herr­schaft Got­tes erklä­ren woll­te.[12] „Reich Got­tes“ (in Mat­thä­us: „Reich der Him­mel“) bedeu­te­te für die Juden das Reich des Mes­si­as. Jesus woll­te haupt­säch­lich die irdi­schen Vor­stel­lun­gen dar­über mit sei­nen Gleich­nis­sen korrigieren.

5 Wei­te­re oft falsch erklär­te Bibelstellen

5.1 2. Timo­theus 2,16–21

Die unhei­li­gen, lee­ren Geschwät­ze aber ver­mei­de! Denn sie wer­den zu wei­te­rer Gott­lo­sig­keit fort­schrei­ten, und ihr Wort wird um sich fres­sen wie Krebs. Dazu gehö­ren Hymenä­us und Philetus,die von der Wahr­heit abge­irrt sind, indem sie sagen, dass die Auf­er­ste­hung schon gesche­hen sei, und den Glau­ben man­cher zer­stö­ren. Doch der fes­te Grund Got­tes steht und hat die­ses Sie­gel: Der Herr kennt, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, hal­te sich fern von der Unge­rech­tig­keit! In einem gro­ßen Haus aber sind nicht allein gol­de­ne und sil­ber­ne Gefä­ße, son­dern auch höl­zer­ne und irde­ne, und die einen zur Ehre, die ande­ren aber zur Uneh­re. Wenn nun jemand sich von die­sen rei­nigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, gehei­ligt, nütz­lich dem Haus­herrn, zu jedem guten Werk bereitet.

Zur Ver­tei­di­gung der Leh­re von der „unsicht­ba­ren Kir­che“ wird das von Pau­lus in Vers 20 erwähn­te Haus mit der Kir­che gleich­ge­setzt und die Gefä­ße zur Ehre und zur Uneh­re wer­den fälsch­lich auf die Gläu­bi­gen bzw. Ungläu­bi­gen bezo­gen, die in der Kir­che zusam­men sind.

Es ist kor­rekt, das Haus auf die Gemein­de zu bezie­hen, da es im Zusam­men­hang um das Leben der Kir­che geht. Die Gefä­ße zur „Ehre“ und „Uneh­re“[13] jedoch bezie­hen sich nicht auf die gläu­bi­gen bzw. ungläu­bi­gen Gemein­de­glie­der. Es geht hier einer­seits um Glie­der, die im Glau­ben und in der Leh­re fest gegrün­det sind, und so auch den Irr­leh­rern klar ent­ge­gen­tre­ten konn­ten, bzw. ande­rer­seits um sol­che, die schwä­cher waren und von Irr­leh­rern leich­ter beein­flusst wer­den konn­ten. (Damals gab es gnos­ti­sche Irr­leh­rer außer­halb der Gemein­de, die gemie­den wer­den soll­ten, da ihre Leh­re sich wie Krebs ver­brei­tet hat­te und die bereits den Glau­ben vie­ler ver­wirrt hat­ten.) Der Aus­druck „Wenn nun jemand sich von die­sen rei­nigt …“ erin­nert an die For­mu­lie­rung in Vers 19: „Jeder, der den Namen des Herrn nennt, hal­te sich fern von der Unge­rech­tig­keit!“ „Die­se“ in Vers 21 bezieht sich nicht auf die „Gefä­ße zur Uneh­re“, son­dern auf die Irr­leh­ren und Irr­leh­rer. Die „Gefä­ße zur Uneh­re“ haben viel­leicht schon ange­fan­gen, sich von den gnos­ti­schen Irr­leh­rern beein­flus­sen zu las­sen. Wenn sie sich aber von ihnen tren­nen, wer­den sie „ein Gefäß zur Ehre sein, gehei­ligt, nütz­lich dem Haus­herrn, zu jedem guten Werk bereitet.“

5.2 1. Korin­ther 15,34

Wer­det in rech­ter Wei­se nüch­tern und sün­digt nicht! Denn man­che sind in Unwis­sen­heit über Gott; zur Beschä­mung sage ich es euch.

Im Zusam­men­hang geht es hier um das rich­ti­ge Ver­ständ­nis der Auf­er­ste­hung. Es scheint, dass eini­ge Chris­ten in Korinth, die von der grie­chi­schen Vor­stel­lung über das Leben nach dem Tod beein­flusst waren, dar­über unsi­cher wur­den, was mit ihren Lei­bern nach dem Tod gesche­hen wür­de, und des­halb ange­fan­gen haben, die Auf­er­ste­hung des Lei­bes infra­ge zu stel­len. Die Grie­chen dach­ten, dass die See­le unsterb­lich sei, die Auf­er­ste­hung des Lei­bes jedoch war für sie unvor­stell­bar. Pau­lus erklärt des­halb einer­seits die christ­li­che Leh­re über die Auf­er­ste­hung, ande­rer­seits ermahnt er aber die Korin­ther für ihre Zwei­fel, da sie dadurch die Kraft Got­tes, der die Toten auf­er­we­cken kann, in Fra­ge stel­len. Des­halb sagt er ihnen, dass man­che in Unwis­sen­heit über Gott sind. Sie ver­ste­hen noch nicht völ­lig, wie mäch­tig Gott ist, und dass es für ihn nicht zu schwer ist, die Toten zu erwe­cken und ihnen unsterb­li­che Lei­ber zu schen­ken. Das heißt aber nicht, dass eini­ge von ihnen kei­ne Chris­ten waren. Pau­lus spricht im ein­lei­ten­den Gruß die gan­ze Gemein­de als Hei­li­ge an.

[…] an die Gemein­de Got­tes, die in Korinth ist, den Gehei­lig­ten in Chris­tus Jesus, den beru­fe­nen Hei­li­gen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unse­res Herrn Jesus Chris­tus anru­fen, ihres und unse­res Herrn. (1. Korin­ther 1,2)

5.3 Mat­thä­us 25,1–13

Dann wird es mit dem Reich der Him­mel sein wie mit zehn Jung­frau­en, die ihre Lam­pen nah­men und hin­aus­gin­gen, dem Bräu­ti­gam ent­ge­gen. Fünf aber von ihnen waren töricht und fünf klug. Denn die Törich­ten nah­men ihre Lam­pen und nah­men kein Öl mit sich; die Klu­gen aber nah­men Öl in ihren Gefä­ßen samt ihren Lam­pen. Als aber der Bräu­ti­gam auf sich war­ten ließ, wur­den sie alle schläf­rig und schlie­fen ein. Um Mit­ter­nacht aber ent­stand ein Geschrei: Sie­he, der Bräu­ti­gam! Geht hin­aus, ihm ent­ge­gen! Da stan­den alle jene Jung­frau­en auf und schmück­ten ihre Lam­pen. Die Törich­ten aber spra­chen zu den Klu­gen: Gebt uns von eurem Öl! Denn unse­re Lam­pen erlö­schen. Die Klu­gen aber ant­wor­te­ten und sag­ten: Nein, damit es nicht etwa für uns und euch nicht aus­rei­che! Geht lie­ber hin zu den Ver­käu­fern und kauft für euch selbst! Als sie aber hin­gin­gen, zu kau­fen, kam der Bräu­ti­gam; und die bereit waren, gin­gen mit ihm hin­ein zur Hoch­zeit, und die Tür wur­de ver­schlos­sen. Spä­ter aber kom­men auch die übri­gen Jung­frau­en und sagen: Herr, Herr, öff­ne uns! Er aber ant­wor­te­te und sprach: Wahr­lich, ich sage euch, ich ken­ne euch nicht. So wacht nun! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

In die­sem Gleich­nis mahnt Jesus die Gläu­bi­gen, bis ans Ende aus­zu­har­ren. Er will sie auch auf eine län­ge­re War­te­zeit bis zu sei­ner Wie­der­kunft vor­be­rei­ten. Die Gläu­bi­gen, die nicht aus­har­ren (jene, die nicht genug Öl haben), wer­den nicht in das Him­mel­reich (zum Hoch­zeits­fest) ein­ge­las­sen wer­den. Wenn sich jemand ent­schei­det, Jesus nach­zu­fol­gen, und so ein Glied am Leib Chris­ti wird, aber spä­ter vom Glau­ben abfällt, ver­liert er sein ewi­ges Leben.[14] Wir soll­ten uns immer der Gren­zen eines Gleich­nis­ses bewusst sein. Jesus woll­te zum Aus­har­ren ermun­tern, damit wir immer für sein Kom­men bereit sind. Die­ses Gleich­nis ist aber kei­ne Beschrei­bung des Gemein­de­le­bens. Es kann daher nicht als ein Argu­ment gegen die Not­wen­dig­keit einer kla­ren Tren­nung zwi­schen Gläu­bi­gen und Ungläu­bi­gen ange­führt werden.

Wir kön­nen die Situa­ti­on inner­halb des Gleich­nis­ses, dass die klu­gen Jung­frau­en mit den törich­ten bis zur Ankunft des Bräu­ti­gams zusam­men waren, daher nicht so ver­ste­hen, dass Jesus hier sagen woll­te, dass Gläu­bi­ge und Ungläu­bi­ge in der Gemein­de bis zur Wie­der­kunft Jesu zusam­men sind. Jesus sprach nur über die ewi­gen Kon­se­quen­zen der man­geln­den Vor­be­rei­tung auf sein Kom­men. Er hat nicht über die Kir­che gesprochen.

5.4 Johan­nes 10,14–16

Ich bin der gute Hir­te; und ich ken­ne die Mei­nen, und die Mei­nen ken­nen mich,wie der Vater mich kennt und ich den Vater ken­ne; und ich las­se mein Leben für die Scha­fe. Und ich habe ande­re Scha­fe, die nicht aus die­sem Hof sind; auch die­se muss ich brin­gen, und sie wer­den mei­ne Stim­me hören, und es wird eine Her­de, ein Hir­te sein.

Jesus ver­wen­det die Zukunft, wenn er davon spricht, dass es „eine Her­de“ geben wird. Dar­um bezie­hen vie­le die Her­de auf die Gläu­bi­gen, die Jesus am Jüngs­ten Tag aus den ver­schie­de­nen sicht­ba­ren Kon­fes­sio­nen zusam­men­sam­meln wird. Man nimmt an, dass zu jener Zeit die Gläu­bi­gen, die in vie­len ver­schie­de­nen Her­den zer­streut sind, zu einer ein­zi­gen Her­de ver­eint wer­den. Aber war­um sol­len wir die­ses für die Zukunft ver­hei­ße­ne Ereig­nis auf den Jüngs­ten Tag bezie­hen? Es kann sich genau­so gut auf ein ande­res Ereig­nis bezie­hen, das für Jesus noch in der Zukunft lag. Jesus spricht über jene Men­schen, die „aus die­sem Hof“ sind, und über ande­re, die es nicht sind. Die Scha­fe aus „die­sem Hof“ in Vers 16 meint die Jün­ger aus dem Volk Isra­el. Es war ja Jesu Auf­ga­be, im Rah­men sei­nes Wir­kens auf die­ser Erde, die „ver­lo­re­nen Scha­fe Isra­els“ zu rufen.

Die­se zwölf sand­te Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf einen Weg der Natio­nen, und geht nicht in eine Stadt der Sama­ri­ter; geht aber viel­mehr zu den ver­lo­re­nen Scha­fen des Hau­ses Isra­el! Wenn ihr aber hin­geht, pre­digt und sprecht: Das Reich der Him­mel ist nahe gekom­men. (Mat­thä­us 10,5–7)

Dar­aus ergibt sich, dass es sich bei den „ande­ren Scha­fen“ um die ande­ren Völ­ker han­delt. Jesus woll­te dar­auf hin­wei­sen, dass auch Men­schen aus den Hei­den­völ­kern auf sei­nen Ruf hören wür­den. Eini­ge Jah­re spä­ter durf­ten die Jün­ger die­ses gro­ße Ereig­nis erfah­ren: die Ver­ei­ni­gung von Juden und Hei­den. Pau­lus fass­te das im Ephe­ser­brief so zusammen:

Des­halb denkt dar­an, dass ihr, einst aus den Natio­nen dem Fleisch nach – „Unbe­schnit­te­ne“ genannt von der soge­nann­ten „Beschnei­dung“, die im Fleisch mit Hän­den geschieht- zu jener Zeit ohne Chris­tus wart, aus­ge­schlos­sen vom Bür­ger­recht Isra­els und Fremd­lin­ge hin­sicht­lich der Bünd­nis­se der Ver­hei­ßung; und ihr hat­tet kei­ne Hoff­nung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber, in Chris­tus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Chris­tus nahe geworden.Denn er ist unser Frie­de. Er hat aus bei­den eins gemacht und die Zwi­schen­wand der Umzäu­nung, die Feind­schaft, in sei­nem Fleisch abgebrochen.Er hat das Gesetz der Gebo­te in Sat­zun­gen besei­tigt, um die zwei – Frie­den stif­tend – in sich selbst zu einem neu­en Men­schen zu schaf­fen und die bei­den in einem Leib mit Gott zu ver­söh­nen durch das Kreuz, durch das er die Feind­schaft getö­tet hat. Und er kam und hat Frie­den ver­kün­digt euch, den Fer­nen, und Frie­den den Nahen.Denn durch ihn haben wir bei­de durch einen Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Frem­de und Nicht­bür­ger, son­dern ihr seid Mit­bür­ger der Hei­li­gen und Got­tes Haus­ge­nos­sen. (Ephe­ser 2,11–19)

Die Ver­ei­ni­gung der Scha­fe aus den bei­den Stäl­len geschah also schon im ers­ten Jahr­hun­dert, als jüdi­sche und heid­ni­sche Chris­ten in der Gemein­de zu einer ein­zi­gen Her­de ver­bun­den wurden.

6 Unse­re Schlussfolgerung

Die Leh­re der „unsicht­ba­ren Kir­che“ ist in der Bibel nicht zu fin­den. Auch wenn es zwi­schen den Glie­dern der Gemein­de Unter­schie­de gibt, was die Rei­fe im Glau­ben oder den Gehor­sam betrifft, steht jedes Glied in einer Bezie­hung zum Haupt, zu Chris­tus (1. Korin­ther 12,12–27; Ephe­ser 4,15–16). Die­se Kir­che wird von der Welt gesehen:

Ein neu­es Gebot gebe ich euch, dass ihr ein­an­der liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr ein­an­der liebt. Dar­an wer­den alle erken­nen, dass ihr mei­ne Jün­ger seid, wenn ihr Lie­be unter­ein­an­der habt. (Johan­nes 13,34–35)

[…] ich in ihnen und du in mir -, dass sie in eins voll­endet sei­en, damit die Welt erken­ne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. (Johan­nes 17,23)

Die Welt muss die Kir­che sehen kön­nen. Die christ­li­che Gemein­de muss sich immer die­ser Ver­ant­wor­tung bewusst sein. Eine „Kir­che“, die als ein „durch­misch­ter Kör­per“ lebt, ist nicht der Leib Chris­ti und erfüllt nicht den Auf­trag, den Jesus sei­ner Kir­che gege­ben hat. Chris­ten leben in einer tie­fen Gemein­schaft, die ihre Grund­la­ge in der Leh­re Jesu hat. Nur so kann ihr Zeug­nis, das sie der Welt über die Lie­be Chris­ti gibt, authen­tisch sein.

Wenn es nur dar­auf ankommt, ob man glaubt und zur unsicht­ba­ren „Kir­che“ der ein­zel­nen Gläu­bi­gen gehört, die über alle Kon­fes­sio­nen ver­streut sind, dann wäre es egal, zu wel­cher Grup­pie­rung man gehört oder ob man über­haupt zu einer gehört. Auf die­se Wei­se wäre das, was Jesus im Hin­blick auf die Kir­che gesagt hat, näm­lich brü­der­li­che Lie­be, gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung und Ein­heit als Zeug­nis für die Welt, ganz unmög­lich oder äußerst ein­ge­schränkt. Wäre die­se unsicht­ba­re Art von Gemein­schaft aus­rei­chend, wür­de das bedeu­ten, dass die Kir­che, wie sie im ers­ten Jahr­hun­dert n. Chr. exis­tier­te, nicht mehr gebraucht wird. Das Ergeb­nis die­ser Her­an­ge­hens­wei­se ist, dass Kir­che anders ver­stan­den und somit ihr eigent­li­cher Sinn und Zweck ver­lo­ren geht.


Fußnoten

  1. Der bekann­te Refor­ma­tor Cal­vin hat die Leh­re der Unsicht­ba­ren Kir­che so for­mu­liert: Wir sag­ten näm­lich, dass die hei­li­ge Schrift über die Kir­che in zwie­fa­cher Wei­se spricht. (1) Wenn sie von der Kir­che redet, so ver­steht sie dar­un­ter zuwei­len jene Kir­che, die in Wahr­heit vor Gott Kir­che ist, jene Kir­che, in wel­che nur die auf­ge­nom­men wer­den, die durch die Gna­de der Auf­nah­me in die Kind­schaft Got­tes Kin­der und die durch die Hei­li­gung des Geis­tes wah­re Glie­der Chris­ti sind. Und zwar umfasst die Kir­che dann nicht allein die Hei­li­gen, die auf Erden woh­nen, son­dern alle Aus­er­wähl­ten, die seit Anbe­ginn der Welt gewe­sen sind. (2) Oft aber bezeich­net die Schrift mit dem Aus­druck „Kir­che“ die gesam­te, in der Welt ver­streu­te Schar der Men­schen, die da bekennt, dass sie den einen Gott und Chris­tus ver­ehrt, die durch die Tau­fe in den Glau­ben an ihn ein­ge­wie­sen wird, durch die Teil­nah­me am Abend­mahl ihre Ein­heit in der wah­ren Leh­re und der Lie­be bezeugt, ein­hel­lig ist im Wor­te des Herrn und zu des­sen Pre­digt das von Chris­tus ein­ge­setz­te Amt auf­recht­erhält. Unter die­se Schar sind nun aber sehr vie­le Heuch­ler gemischt, die von Chris­tus nichts haben als den Namen und den Anschein, dazu auch sehr vie­le Ehr­süch­ti­ge, Gei­zi­ge, Nei­di­sche, sehr vie­le Läs­te­rer, auch Leu­te von unsau­be­rem Lebens­wan­del, die eine Zeit­lang ertra­gen wer­den, ent­we­der, weil man sie nicht mit recht­mä­ßi­gem Urteil über­füh­ren kann, oder weil auch nicht immer jene Stren­ge der Zucht herrscht, die eigent­lich sein soll­te. Eben­so also, wie es für uns von­nö­ten ist, jene unsicht­ba­re, allein für Got­tes Augen wahr­nehm­ba­re Kir­che zu glau­ben, wird es uns auch auf­ge­tra­gen, die­se Kir­che, die im Blick auf die Anschau­ung der Men­schen Kir­che heißt, hoch­zu­hal­ten und die Gemein­schaft mit ihr zu pfle­gen. – Cal­vin Jean, Unter­richt in der christ­li­chen Reli­gi­on, IV, 1, 7
  2. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis die­ser Stel­le: Vers 12 kann aus dem Grie­chi­schen auch über­setzt wer­den: „Auch Simon wur­de überzeugt.“
  3. Sie­he dazu Vers 26: Dies habe ich euch im Blick auf die geschrie­ben, die euch verführen.
  4. Es geht nicht dar­um, dass der Satan eine spe­zi­el­le Macht hät­te, den Sün­der zu fol­tern, son­dern dass der­je­ni­ge, der nicht in der Gemein­schaft ist, in der Welt ist, wo – gemäß den Wor­ten Jesu – der Satan der Fürst ist (Johan­nes 14,30). Die Kon­fron­ta­ti­on mit der Welt kann im bes­ten Fall zum „Ver­der­ben des Flei­sches“, d. h. zum Auf­ge­ben der sünd­haf­ten Ein­stel­lung führen.
  5. Wir kön­nen das in Vers 5 sehen: „… zum Ver­der­ben des Flei­sches, damit der Geist erret­tet wer­de am Tage des Herrn“. Der Aus­schluss konn­te dem Sün­der noch eine Hil­fe sein, sich sei­ne Stel­lung vor Gott ein­zu­ge­ste­hen und doch noch umzukehren.
  6. Ähn­lich wer­den die Emp­fän­ger auch in ande­ren Brie­fen ange­spro­chen: Römer 1,1–7; Phil­ip­per 1,1; Kolos­ser 1,1–4; 2. Petrus 1,1–4.
  7. Sie­he auch die Pfingst­pre­digt des Petrus: Apos­tel­ge­schich­te 2,40: „Lasst euch erret­ten aus die­sem ver­kehr­ten Geschlecht.“
  8. Die Dona­tis­ten – ihr Name lei­tet sich von Ihrem Füh­rer, Dona­tus, Bischof von Kar­tha­go ab – hiel­ten dar­an fest, dass die Kir­che eine Kir­che der „Hei­li­gen“, nicht der „Sün­der“ sein soll, und dass Sakra­men­te wie die Tau­fe, die von Bischö­fen, die den Glau­ben wäh­rend der Chris­ten­ver­fol­gung durch den Römi­schen Kai­ser Dio­kle­ti­an ver­leug­net haben, gespen­det wur­den, ungül­tig sei­en. Augus­ti­nus wider­sprach die­ser Lehr­mei­nung und war ihr glü­hen­der Gegner.
  9. Ein­heits­über­set­zung
  10. Mat­thä­us 18,23
  11. Mat­thä­us 13,45–46
  12. So gibt etwa die Gute Nach­richt Bibel Mat­thä­us 13,45 so wie­der: Wer die Ein­la­dung in Got­tes neue Welt hört und ihr folgt, han­delt wie der Kauf­mann, der schö­ne Per­len suchte.
  13. Der grie­chi­sche Text ver­wen­det die Wör­ter τιμη [time] (= Wert, Ehre, Wert­schät­zung) und ατιμια [ati­mia] (= Uneh­re) Die­se bei­den Wör­ter lei­ten sich von den Ver­ben τιμαω [timao] (= schät­zen, ehren) bzw. ατιμαζω [ati­ma­zo] (= ver­un­eh­ren) ab. Auch in 1. Korin­ther 12,23 ver­wen­det Pau­lus ein vom grie­chi­schen Wort τιμη [time] abge­lei­te­tes Wort: ατιμοτερος [ati­mo­te­ros] (= ver­ach­te­ter; Elber­fel­der: weni­ger ehr­bar). Die­se Stel­le kann uns dabei hel­fen, bes­ser zu ver­ste­hen, was Pau­lus in 2. Timo­theus 2,20 mit den „Gefä­ßen zur Ehre und zur Uneh­re“ gemeint hat: Denn wie der Leib einer ist und vie­le Glie­der hat, alle Glie­der des Lei­bes aber, obwohl vie­le, ein Leib sind: so auch der Chris­tus. Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft wor­den, es sei­en Juden oder Grie­chen, es sei­en Skla­ven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt wor­den. (1. Korin­ther 12,12–13) Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brau­che dich nicht; oder wie­der das Haupt zu den Füßen: Ich brau­che euch nicht. Son­dern gera­de die Glie­der des Lei­bes, die schwä­cher zu sein schei­nen, sind not­wen­dig; und die uns die weni­ger ehr­ba­ren am Leib zu sein schei­nen, die umge­ben wir mit grö­ße­rer Ehre; und unse­re nicht­an­stän­di­gen haben grö­ße­re Anstän­dig­keit; unse­re anstän­di­gen aber brau­chen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusam­men­ge­fügt und dabei dem Man­gel­haf­te­ren grö­ße­re Ehre gegeben,damit kei­ne Spal­tung im Leib sei, son­dern die Glie­der die­sel­be Sor­ge für­ein­an­der hät­ten. (1. Korin­ther 12,21–25) Hier bezie­hen sich die „anstän­di­gen“ und die „nicht­an­stän­di­gen“, „weni­ger ehr­ba­ren“ Glie­der klar auf Chris­ten. Pau­lus möch­te aus­drü­cken, dass jeder Christ wert­voll ist, weil der Hei­li­ge Geist in ihm wohnt, unab­hän­gig von den Gaben, die jemand hat. So wie jedes Glied des Lei­bes mit dem Haupt ver­bun­den ist und die­sem gehorcht, so ist auch jedes Glied der Gemein­de mit Chris­tus verbunden.
  14. Sie­he dazu z. B.: Hebrä­er 6,4–8 und 10,24–31 und wei­te­re Bibel­stel­len, die in unse­rer Abhand­lung „Über den Abfall vom Glau­ben“ erwähnt sind.


Der bekann­te Refor­ma­tor Cal­vin hat die Leh­re der Unsicht­ba­ren Kir­che so for­mu­liert: Wir sag­ten näm­lich, dass die hei­li­ge Schrift über die Kir­che in zwie­fa­cher Wei­se spricht. (1) Wenn sie von der Kir­che redet, so ver­steht sie dar­un­ter zuwei­len jene Kir­che, die in Wahr­heit vor Gott Kir­che ist, jene Kir­che, in wel­che nur die auf­ge­nom­men wer­den, die durch die Gna­de der Auf­nah­me in die Kind­schaft Got­tes Kin­der und die durch die Hei­li­gung des Geis­tes wah­re Glie­der Chris­ti sind. Und zwar umfasst die Kir­che dann nicht allein die Hei­li­gen, die auf Erden woh­nen, son­dern alle Aus­er­wähl­ten, die seit Anbe­ginn der Welt gewe­sen sind. (2) Oft aber bezeich­net die Schrift mit dem Aus­druck „Kir­che“ die gesam­te, in der Welt ver­streu­te Schar der Men­schen, die da bekennt, dass sie den einen Gott und Chris­tus ver­ehrt, die durch die Tau­fe in den Glau­ben an ihn ein­ge­wie­sen wird, durch die Teil­nah­me am Abend­mahl ihre Ein­heit in der wah­ren Leh­re und der Lie­be bezeugt, ein­hel­lig ist im Wor­te des Herrn und zu des­sen Pre­digt das von Chris­tus ein­ge­setz­te Amt auf­recht­erhält. Unter die­se Schar sind nun aber sehr vie­le Heuch­ler gemischt, die von Chris­tus nichts haben als den Namen und den Anschein, dazu auch sehr vie­le Ehr­süch­ti­ge, Gei­zi­ge, Nei­di­sche, sehr vie­le Läs­te­rer, auch Leu­te von unsau­be­rem Lebens­wan­del, die eine Zeit­lang ertra­gen wer­den, ent­we­der, weil man sie nicht mit recht­mä­ßi­gem Urteil über­füh­ren kann, oder weil auch nicht immer jene Stren­ge der Zucht herrscht, die eigent­lich sein soll­te. Eben­so also, wie es für uns von­nö­ten ist, jene unsicht­ba­re, allein für Got­tes Augen wahr­nehm­ba­re Kir­che zu glau­ben, wird es uns auch auf­ge­tra­gen, die­se Kir­che, die im Blick auf die Anschau­ung der Men­schen Kir­che heißt, hoch­zu­hal­ten und die Gemein­schaft mit ihr zu pfle­gen. – Cal­vin Jean, Unter­richt in der christ­li­chen Reli­gi­on, IV, 1, 7

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis die­ser Stel­le: Vers 12 kann aus dem Grie­chi­schen auch über­setzt wer­den: „Auch Simon wur­de überzeugt.“

Sie­he dazu Vers 26: Dies habe ich euch im Blick auf die geschrie­ben, die euch verführen.

Es geht nicht dar­um, dass der Satan eine spe­zi­el­le Macht hät­te, den Sün­der zu fol­tern, son­dern dass der­je­ni­ge, der nicht in der Gemein­schaft ist, in der Welt ist, wo – gemäß den Wor­ten Jesu – der Satan der Fürst ist (Johan­nes 14,30). Die Kon­fron­ta­ti­on mit der Welt kann im bes­ten Fall zum „Ver­der­ben des Flei­sches“, d. h. zum Auf­ge­ben der sünd­haf­ten Ein­stel­lung führen.

Wir kön­nen das in Vers 5 sehen: „… zum Ver­der­ben des Flei­sches, damit der Geist erret­tet wer­de am Tage des Herrn“. Der Aus­schluss konn­te dem Sün­der noch eine Hil­fe sein, sich sei­ne Stel­lung vor Gott ein­zu­ge­ste­hen und doch noch umzukehren.

Ähn­lich wer­den die Emp­fän­ger auch in ande­ren Brie­fen ange­spro­chen: Römer 1,1–7; Phil­ip­per 1,1; Kolos­ser 1,1–4; 2. Petrus 1,1–4.

Sie­he auch die Pfingst­pre­digt des Petrus: Apos­tel­ge­schich­te 2,40: „Lasst euch erret­ten aus die­sem ver­kehr­ten Geschlecht.“

Die Dona­tis­ten – ihr Name lei­tet sich von Ihrem Füh­rer, Dona­tus, Bischof von Kar­tha­go ab – hiel­ten dar­an fest, dass die Kir­che eine Kir­che der „Hei­li­gen“, nicht der „Sün­der“ sein soll, und dass Sakra­men­te wie die Tau­fe, die von Bischö­fen, die den Glau­ben wäh­rend der Chris­ten­ver­fol­gung durch den Römi­schen Kai­ser Dio­kle­ti­an ver­leug­net haben, gespen­det wur­den, ungül­tig sei­en. Augus­ti­nus wider­sprach die­ser Lehr­mei­nung und war ihr glü­hen­der Gegner.

Ein­heits­über­set­zung

Mat­thä­us 18,23

Mat­thä­us 13,45–46

So gibt etwa die Gute Nach­richt Bibel Mat­thä­us 13,45 so wie­der: Wer die Ein­la­dung in Got­tes neue Welt hört und ihr folgt, han­delt wie der Kauf­mann, der schö­ne Per­len suchte.

Der grie­chi­sche Text ver­wen­det die Wör­ter τιμη [time] (= Wert, Ehre, Wert­schät­zung) und ατιμια [ati­mia] (= Uneh­re) Die­se bei­den Wör­ter lei­ten sich von den Ver­ben τιμαω [timao] (= schät­zen, ehren) bzw. ατιμαζω [ati­ma­zo] (= ver­un­eh­ren) ab. Auch in 1. Korin­ther 12,23 ver­wen­det Pau­lus ein vom grie­chi­schen Wort τιμη [time] abge­lei­te­tes Wort: ατιμοτερος [ati­mo­te­ros] (= ver­ach­te­ter; Elber­fel­der: weni­ger ehr­bar). Die­se Stel­le kann uns dabei hel­fen, bes­ser zu ver­ste­hen, was Pau­lus in 2. Timo­theus 2,20 mit den „Gefä­ßen zur Ehre und zur Uneh­re“ gemeint hat: Denn wie der Leib einer ist und vie­le Glie­der hat, alle Glie­der des Lei­bes aber, obwohl vie­le, ein Leib sind: so auch der Chris­tus. Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft wor­den, es sei­en Juden oder Grie­chen, es sei­en Skla­ven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt wor­den. (1. Korin­ther 12,12–13) Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brau­che dich nicht; oder wie­der das Haupt zu den Füßen: Ich brau­che euch nicht. Son­dern gera­de die Glie­der des Lei­bes, die schwä­cher zu sein schei­nen, sind not­wen­dig; und die uns die weni­ger ehr­ba­ren am Leib zu sein schei­nen, die umge­ben wir mit grö­ße­rer Ehre; und unse­re nicht­an­stän­di­gen haben grö­ße­re Anstän­dig­keit; unse­re anstän­di­gen aber brau­chen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusam­men­ge­fügt und dabei dem Man­gel­haf­te­ren grö­ße­re Ehre gegeben,damit kei­ne Spal­tung im Leib sei, son­dern die Glie­der die­sel­be Sor­ge für­ein­an­der hät­ten. (1. Korin­ther 12,21–25) Hier bezie­hen sich die „anstän­di­gen“ und die „nicht­an­stän­di­gen“, „weni­ger ehr­ba­ren“ Glie­der klar auf Chris­ten. Pau­lus möch­te aus­drü­cken, dass jeder Christ wert­voll ist, weil der Hei­li­ge Geist in ihm wohnt, unab­hän­gig von den Gaben, die jemand hat. So wie jedes Glied des Lei­bes mit dem Haupt ver­bun­den ist und die­sem gehorcht, so ist auch jedes Glied der Gemein­de mit Chris­tus verbunden.

Sie­he dazu z. B.: Hebrä­er 6,4–8 und 10,24–31 und wei­te­re Bibel­stel­len, die in unse­rer Abhand­lung „Über den Abfall vom Glau­ben“ erwähnt sind.