Die Glaub­wür­dig­keit des Neu­en Testaments

Schlagwörter: Bibel

War­um wir die­sen Text schreiben

Die Glaub­wür­dig­keit der Bibel und ins­be­son­de­re des Neu­en Tes­ta­ments wird heut­zu­ta­ge häu­fig bezwei­felt. Man kön­ne sich nicht dar­auf ver­las­sen, über Jesus zuver­läs­si­ge his­to­ri­sche Berich­te bzw. Aus­sa­gen in den neu­tes­ta­ment­li­chen Schrif­ten vor­zu­fin­den. Es wird sogar behaup­tet, dass die Jün­ger Jesu Tex­te gefälscht haben, z. B. um ihren Herrn im Nach­hin­ein zu idea­li­sie­ren und zu glo­ri­fi­zie­ren. Ist die­se Sicht gerecht­fer­tigt? Oder han­delt es sich doch um ehr­li­che Augen­zeu­gen­be­rich­te von Men­schen, die von Jesus so stark beein­druckt waren, dass sie ihr Leben völ­lig änder­ten und Jesus nach­folg­ten? Die­ser Arti­kel möch­te Ant­wor­ten auf sol­che Fra­gen geben, wobei auch schein­bar gerecht­fer­tig­ten Zwei­feln hin­sicht­lich der münd­li­chen und schrift­li­chen Über­lie­fe­rung des Neu­en Tes­ta­ments ent­geg­net wird.

Teile eines alten Manuskripts

1 Ein­lei­ten­de Gedanken

Die Anfän­ge des Chris­ten­tums gehen auf das Wir­ken Jesu Chris­ti zurück, des­sen Leben und Bot­schaft für die­se welt­ver­än­dern­de Bewe­gung zen­tral sind. Jesus selbst hat als Jude gelebt, aber er hat bean­sprucht, der im Alten Tes­ta­ment, der Hei­li­gen Schrift der Juden, ver­hei­ße­ne Mes­si­as und – noch dar­über hin­aus gehend – der Sohn Got­tes zu sein. Er ruft jeden Men­schen zu allen Zei­ten auf, ihm nachzufolgen.

Wir kön­nen ihn heu­te nicht mehr so wie sei­ne Zeit­ge­nos­sen erle­ben, aber wir haben das Zeug­nis der ers­ten Jün­ger, die mit ihm Tag und Nacht zusam­men waren. Das Neue Tes­ta­ment ent­hält die­se Augen­zeu­gen­be­rich­te und erzählt uns auch über das Leben der ers­ten Chris­ten. Die Glaub­wür­dig­keit der Bibel, ins­be­son­de­re des Neu­en Tes­ta­ments, hat damit grund­le­gen­de Bedeu­tung für das Christ­sein aber auch für jeden Menschen.

Men­schen sind oft moti­viert, die Bibel zu kri­ti­sie­ren, weil sie von ihr her­aus­ge­for­dert wer­den. Die Bibel kann das Leben eines Men­schen völ­lig ver­än­dern. Obwohl sie immer wie­der bis in unse­re Zeit falsch inter­pre­tiert wur­de und häu­fig von Men­schen und Orga­ni­sa­tio­nen, die sich christ­lich nen­nen, für ego­is­ti­sche Zie­le miss­braucht wird, soll dies nicht davon abhal­ten, sich mit ihr aus­ein­an­der zu set­zen und ihren Inhalt und ihre Glaub­wür­dig­keit zu prüfen.

2 Das Neue Tes­ta­ment ist wegen sei­nes Inhalts glaubwürdig

2.1 Inhal­te die bei Jesus ein­zig­ar­tig sind

2.1.1 Moral

Die Leh­re Jesu hin­sicht­lich der Moral über­steigt die Leh­re jedes Ande­ren, der als Leh­rer der Mensch­heit auf­trat. Ein Bei­spiel dafür sind die Wor­te über Ehe­bruch. Im Mat­thä­us­evan­ge­li­um Kapi­tel 5 Ver­se 27–29 sagt Jesus:

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehe­bre­chen. Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begeh­ren, schon Ehe­bruch mit ihr began­gen hat in sei­nem Her­zen. Wenn aber dein rech­tes Auge dir Anlass zur Sün­de gibt, so reiß es aus und wirf es von dir, denn es ist dir bes­ser, dass eins dei­ner Glie­der umkommt und nicht dein gan­zer Leib in die Höl­le gewor­fen wird.“ (Mt. 5,27–29)

Auch im Bud­dhis­mus fin­det man die Leh­re, dass jede Begier­de zer­stört wer­den soll. Das ist aber sehr all­ge­mein for­mu­liert. Den Bud­dhis­ten geht es um eine Aus­lö­schung der gesam­ten Sen­si­bi­li­tät und Per­sön­lich­keit des Men­schen unge­ach­tet einer nega­ti­ven oder posi­ti­ven Wert­schät­zung. Ihr Ziel ist ja die end­gül­ti­ge Auf­lö­sung des per­so­na­len Men­schen, der Zustand des Nir­wa­na. So wie in ande­ren Reli­gio­nen wird ver­sucht, mit einer bestimm­ten Metho­de eine Ver­bes­se­rung her­bei zu führen.

Jesus hin­ge­gen spricht sehr spe­zi­fisch die ver­bor­ge­nen Sün­den an und stellt hier Gedan­ken­sün­den der Lust auf eine Ebe­ne mit dem Ehe­bruch. Damit zeigt er, dass Sün­de in den Gedan­ken beginnt und bereits an die­sem Punkt bereut wer­den muss. Er bringt das Inne­re des Men­schen ans Licht und beur­teilt dies mit einer Stren­ge die ihres­glei­chen sucht. Sei­ne Auf­for­de­rung zur Ände­rung, auch wenn sie an die­ser Bibel­stel­le natür­lich bild­lich zu ver­ste­hen ist, könn­te nicht kla­rer sein.

In jeder Reli­gi­on fin­det man mehr oder weni­ger Leh­ren über die Moral, weil der Mensch auf­grund sei­nes Gewis­sens gut und böse unter­schei­den kann. Der Maß­stab, mit dem Jesus Taten, Wor­te und Gedan­ken des Men­schen beur­teilt, ist ein­zig­ar­tig, weil er das Herz des Men­schen offen­legt. Er for­dert zual­ler­erst eine Ände­rung der Gesin­nung und der Gedan­ken, wodurch mora­li­sches Han­deln mög­lich wird. Ihm geht es um die Befrei­ung vom Bösen hin zum Guten, um fähig zu wer­den, gut zu sein.

Weit über Moral und Ethik hin­aus for­dert Jesus dazu auf, auch die eige­nen Fein­de zu lieben.

2.1.2 Fein­des­lie­be

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben und dei­nen Feind has­sen. Ich aber sage euch: Liebt eure Fein­de und betet für die, die euch ver­fol­gen, damit ihr Söh­ne eures Vaters seid, der in den Him­meln ist, denn er lässt sei­ne Son­ne auf­ge­hen über Böse und Gute und lässt reg­nen über Gerech­te und Unge­rech­te. […] Ihr nun sollt voll­kom­men sein, wie euer himm­li­scher Vater voll­kom­men ist.“ (Mat­thä­us­evan­ge­li­um 5,43–48)

Im Alten Tes­ta­ment fin­den wir aller­dings nicht nur Wor­te über die Ableh­nung der Fein­de, son­dern auch Stel­len über die Lie­be zu Fremd­lin­gen, die unter den Israe­li­ten leben woll­ten, sowie auch Stel­len, Fein­den gegen­über gütig zu sein. Jesu Gebot der Fein­des­lie­be hin­ge­gen über­steigt alles Bekann­te. Die Fein­de zu lie­ben bedeu­tet mehr als der Ver­zicht auf Ver­gel­tung und Hass und dem Erweis guter Taten. Sie befä­higt dazu, dem stärks­ten Feind zu ver­ge­ben und auch für ihn das Bes­te zu wollen.

Man muss hier beach­ten, dass Jesus die­sen Punkt und auch man­ches Ande­re als Ers­ter lehr­te. Vie­les wur­de spä­ter von ande­ren ver­sucht nach­zu­ah­men, um an Jesu Grö­ße anzuschließen.

Jesus begnügt sich nicht mit der Auf­lis­tung bestimm­ter Regeln für ein gott­ge­fäl­li­ges Leben, son­dern for­dert jeden Men­schen auf, sei­nen Maß­stab am abso­lut guten Gott aus­zu­rich­ten. Die­ser Anspruch könn­te absurd klin­gen. Doch man konn­te Jesus nicht als Ver­rück­ten abtun, dazu war sein Leben und sei­ne Leh­re zu nüch­tern, rea­lis­tisch und praktisch.

„Wer Vater oder Mut­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wür­dig, und wer Sohn oder Toch­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wür­dig, und wer nicht sein Kreuz auf­nimmt und mir nach­folgt, ist mei­ner nicht wür­dig. Wer sein Leben fin­det, wird es ver­lie­ren, und wer sein Leben ver­liert um mei­net­wil­len, wird es fin­den.“ (Mat­thä­us­evan­ge­li­um 10,37–39)

Jesu Bot­schaft rich­tet sich nicht nach mensch­li­chen Maß­stä­ben und ver­spricht mehr als irdi­sche Har­mo­nie und Glück. Sein Anlie­gen war nicht, poli­ti­schen oder gesell­schaft­li­chen Frie­den zu stif­ten. Anders als die ver­schie­de­nen Weis­heits­leh­rer zeigt er nicht nur einen neu­en Weg der Erkennt­nis, son­dern stellt einen gött­li­chen Anspruch, selbst die höchs­te Auto­ri­tät zu sein, und for­dert die bedin­gungs­lo­se Hin­ga­be an ihn.

2.2 Wir­kung des Neu­en Tes­ta­ments auf die Mensch­heit und auf den ein­zel­nen Menschen

Das öffent­li­che Auf­tre­ten Jesu bewirk­te eine unum­kehr­ba­re Spal­tung inner­halb des Vol­kes Isra­el und in wei­te­rer Fol­ge der gesam­ten Mensch­heit. Jesus bean­spruch­te der vom Alten Tes­ta­ment ver­hei­ße­ne Mes­si­as und damit Ret­ter der Welt zu sein. Von Beginn an wur­den die Anhän­ger Jesu von Juden ver­folgt. Auch in spä­te­rer Zeit wur­den Chris­ten immer wie­der auf Grund ihres Glau­bens an Jesus von Geg­nern der Wahr­heit ver­trie­ben und nach Mög­lich­keit ermordet.

Die­se Pola­ri­sa­ti­on ist ein Zeug­nis des Ein­flus­ses Jesu und sei­ner Bot­schaft auf die Men­schen, nicht nur im 1. Jahr­hun­dert, son­dern bis zu unse­rer Zeit. Die Leh­re Jesu hat die Welt so wie kein ande­res reli­giö­ses Sys­tem ver­än­dert. Von Anfang an wur­den man­che Aus­sa­gen Jesu kopiert, man­che imi­tiert oder man­che auch unter dem Vor­wand sei­ner Auto­ri­tät ver­dreht und in sehr nega­ti­ver Wei­se ange­wandt. Sehr früh bereits ent­stand ein Schein­chris­ten­tum. Auch wenn es in wei­te­rer Fol­ge um die­ses Pseu­do­chris­ten­tum geht, zeigt des­sen Ein­fluss auf Kul­tur, Kunst, Wis­sen­schaft und selbst Poli­tik im euro­pä­isch-asia­ti­schen Raum und auch auf viel­fäl­ti­ge Wei­se in der gan­zen Welt die Bedeu­tung Jesu und sei­ner Botschaft.

Die Per­son Jesu übte eine Fas­zi­na­ti­on auf die Men­schen aus, die unver­gleich­lich ist. Ganz Judäa war auf den Füßen, um sei­nen Wor­ten zu lau­schen und sei­ne Wun­der zu sehen. Jesus konn­te sich des Andrangs der Volks­mas­sen nicht mehr erweh­ren und muss­te sich in abge­le­ge­ne Gebie­te zurück­zie­hen. Die Juden, die sein Wort in ihr Herz auf­nah­men und sei­ne Bot­schaft ver­stan­den, änder­ten radi­kal ihr Leben, um Jesus ohne Kom­pro­mis­se als ihrem Herrn nach­zu­fol­gen. Damals wie heu­te erfah­ren Men­schen, die die Wor­te Jesu als wahr aner­ken­nen, an ihrem eige­nen Leben die Wirk­macht sei­ner Bot­schaft. Die­se zeich­net sich nicht durch schön for­mu­lier­te Gedan­ken aus, son­dern sie for­dert den Men­schen her­aus. Jesus will das Herz jedes Men­schen errei­chen und er ruft jeden dazu auf, den von ihm auf­ge­zeig­ten Weg zum eige­nen Lebens­weg zu machen. Sei­ne Erlö­sung befreit von dem von Sün­den gepräg­ten Leben. Die Stim­me Jesu ver­stummt nicht. Seit sei­nem Tod bis heu­te sind unzäh­li­ge Bücher über ihn ent­stan­den. Men­schen ver­su­chen immer wie­der aufs Neue, sei­ne Bot­schaft authen­tisch zu inter­pre­tie­ren und dem his­to­ri­schen Jesus nahezukommen.

Allein die­ser Anspruch, der den Men­schen zur Stel­lung­nah­me auf­for­dert und von einem Wahr­heits­su­chen­den nicht ein­fach bei­sei­te gescho­ben wer­den kann, spricht für die Glaub­wür­dig­keit sei­ner Lehre.

2.3 Das Neue Tes­ta­ment ist his­to­risch zuverlässig

Das Neue Tes­ta­ment gibt mit sei­nen vier Evan­ge­li­en, der Apos­tel­ge­schich­te und den Brie­fen die Zeit des mitt­le­ren 1. nach­christ­li­chen Jahr­hun­derts his­to­risch betrach­tet zuver­läs­sig wie­der. Sie steht im Ein­klang mit ande­ren Quel­len jüdi­scher und römi­scher Schrift­stel­ler wie dem Tal­mud, dem jüdi­schen Schrift­stel­ler Fla­vi­us Jose­phus und den römi­schen His­to­ri­kern Taci­tus und Sue­ton. Geo­gra­phi­sche, kul­tu­rel­le und gesell­schaft­li­che Umstän­de, die im Neu­en Tes­ta­ment beschrie­ben oder auch nur erwähnt wer­den, wur­den und wer­den immer wie­der durch archäo­lo­gi­sche Fun­de ein­drucks­voll bestätigt.

Ein Bei­spiel wäre hier­zu der im Johan­nes­evan­ge­li­um (Joh. 9,7) genann­te Teich Silo­ah in Jeru­sa­lem. Im Som­mer 2004 stieß man bei Arbei­ten für eine neue Abwas­ser­lei­tung auf eini­ge Stu­fen, deren Alter auf 2400 Jah­re geschätzt wird, und auf Über­res­te des Was­ser­re­ser­voirs, in das zur Zeit Jesu die Was­ser der Gihon­quel­le durch den Hiskia-Tun­nel gelei­tet wur­den. Die­ser 525 Meter lan­ge Tun­nel wur­de von Hiskia, dem König des Süd­rei­ches Juda, um etwa 700 v. Chr. erbaut und ist noch heu­te begeh­bar. Die Archäo­lo­gie konn­te anhand die­ses Bau­wer­kes die Anga­ben des Alten Tes­ta­ments ein­drucks­voll bestä­ti­gen. Das schät­zungs­wei­se 2500 Qua­drat­me­ter gro­ße Was­ser­be­cken des Silo­ah-Tei­ches dien­te den Ein­woh­nern von Jeru­sa­lem zur Zeit Jesu als Was­ser­spei­cher. Im Putz ent­deck­ten die Archäo­lo­gen eine Mün­ze aus der Has­monä­er­zeit, die etwa 50 Jah­re vor Chris­ti Geburt geprägt wur­de. Die jüngs­te Mün­ze im Schutt über den Was­ser­ka­nä­len wird auf die Zeit kurz vor der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems durch die Römer im Jah­re 70 n. Chr. datiert.

Bei der Aus­gra­bung des Thea­ters in Cäsarea wur­de 1961 eine Inschrift mit dem Titel „Pon­ti­us Pila­tus Prae­fec­tus Judaeae“ ent­deckt. Damit ist Pila­tus als römi­scher Statt­hal­ter der Pro­vinz Judäa nicht nur im Neu­en Tes­ta­ment, son­dern eben­so in den im Jahr 93 n. Chr. von Fla­vi­us Jose­phus geschrie­be­nen „Jüdi­schen Alter­tü­mern“, in den im Jahr 116 n. Chr. von Taci­tus ver­fass­ten „Anna­len“ und durch die­ses Fund­stück bezeugt.

Die erst­ma­lig 1905 ver­öf­fent­lich­te Gal­lio-Inschrift aus Del­phi in Grie­chen­land gibt einen Brief des römi­schen Kai­sers Clau­di­us an die Stadt Del­phi wie­der. Aus den im Prä­skript[1] ange­führ­ten Titeln des Kai­sers ergibt sich, dass der Brief am Anfang des Jah­res 52 n. Chr. geschrie­ben wur­de. Die in Grie­chisch ver­fass­te Inschrift erwähnt Gal­lio als Pro­kon­sul von Acha­ja und bestä­tigt damit die­sel­be Anga­be des Neu­en Tes­ta­ments in der Apos­tel­ge­schich­te 18,12.

Das Neue Tes­ta­ment ent­hält nicht nur einen son­dern vier his­to­ri­sche Berich­te über das Leben Jesu. Die­se Evan­ge­li­en wider­spre­chen sich in man­chen Details. Dies ist aber kein Argu­ment gegen die Glaub­wür­dig­keit, son­dern im Gegen­teil ein Argu­ment für die Zuver­läs­sig­keit der Berich­te. Für einen His­to­ri­ker ist eine nicht wört­li­che Ent­spre­chung ein star­ker Hin­weis dar­auf, dass die Berich­te nicht ver­än­dert oder im Nach­hin­ein har­mo­ni­siert wur­den. Wenn vier Per­so­nen, die zum Teil selbst Augen­zeu­gen des Gesche­hens waren, Jesu Wor­te und Taten nie­der­schrie­ben, ist es ganz natür­lich, dass ihre indi­vi­du­el­le Sicht­wei­se auch unter Berück­sich­ti­gung der ver­schie­de­nen ange­spro­che­nen Leser bzw. Hörer in die Bericht­erstat­tung ein­fließt. Beson­ders Lukas bemüh­te sich, allem sorg­fäl­tig nach­zu­ge­hen und bringt vie­le his­to­risch nach­weis­ba­re Par­al­le­len. Die Stel­le im Lukas­evan­ge­li­um 3,1 mit einer Fül­le von geschicht­li­chen Daten ver­deut­licht dies:

Im fünf­zehn­ten Jahr der Regie­rung des Kai­sers Tibe­ri­us, als Pon­ti­us Pila­tus Statt­hal­ter von Judäa war und Hero­des Vier­fürst von Gali­läa und sein Bru­der Phil­ip­pus Vier­fürst von Ituräa und der Land­schaft Trachoni­tis und Lys­a­ni­as Vier­fürst von Abile­ne unter dem Hohen­pries­ter Han­nas und Kai­phas geschah das Wort Got­tes zu Johan­nes […] (Lukas 3,1)

Über­ra­schen­der­wei­se steht hier von zwei Hohe­pries­tern. Hier han­delt es sich nicht um einen Irr­tum, son­dern Lukas gibt einen his­to­risch inter­es­san­ten Sach­ver­halt wie­der. Der amtie­ren­de Hohe­pries­ter zu jener Zeit war Kai­phas, doch Han­nas hat­te als bereits abge­setz­ter Hohe­pries­ter noch immer sehr gro­ßen Ein­fluss. Das bestä­tigt auch die Apos­tel­ge­schich­te (Apos­tel­ge­schich­te 4,6) und das Johan­nes­evan­ge­li­um, wo es heißt, dass Jesus nach sei­ner Gefan­gen­nah­me nicht zum amtie­ren­den Hohen­pries­ter son­dern zuerst zu Han­nas geführt wur­de (Johan­nes 18,13). Aus dem Werk „Jüdi­scher Krieg“ des jüdi­schen Geschichts­schrei­bers Fla­vi­us Jose­phus erfah­ren wir die genaue zeit­li­che Abfol­ge der Hohe­pries­ter. Sie stimmt mit dem Zeug­nis des Neu­en Tes­ta­ments über­ein. Die Macht des Hohen­pries­ters Han­nas lan­ge über sei­ne eige­ne Amts­zeit hin­aus wird von nam­haf­ten Theo­lo­gen als his­to­risch glaub­wür­di­ge Tat­sa­che bestä­tigt wie F. F. Bruce, Pro­fes­sor of Bibli­cal Cri­ti­cism and Exege­sis, Uni­ver­si­ty of Man­ches­ter.[2]

Vie­le sol­cher Ein­zel­hei­ten in den Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments, die alle­samt inner­halb von 40 Jah­ren nach dem Tod Jesu geschrie­ben wur­den, stär­ken deren Glaub­wür­dig­keit. Das Mar­kus­evan­ge­li­um wur­de bereits etwa ein Jahr­zehnt nach Jesu Tod und Auf­er­ste­hung ver­fasst. Augen­zeu­gen Jesu oder Chris­ten der ers­ten Gene­ra­ti­on, die in Kon­takt mit den Jün­gern Jesu waren, sind die Autoren. Damit steht das Neue Tes­ta­ment im Ver­gleich mit den Schrif­ten ande­rer Reli­gio­nen ein­zig­ar­tig da (s. Überlieferung).

2.4 Fäl­schungs­hy­po­the­sen

Die Fäl­schungs­hy­po­the­se der Bibel wird in unter­schied­li­cher Wei­se for­mu­liert. Man­che behaup­ten, dass die Jün­ger Jesu ihren Herrn im Nach­hin­ein idea­li­siert und glo­ri­fi­ziert haben. Doch ganz im Gegen­teil dazu zeich­nen sich die Evan­ge­li­en durch eine sehr nüch­ter­ne Dar­stel­lung des Wir­kens Jesu aus. Sie beschrei­ben Jesus als einen Men­schen mit sei­nen Emp­fin­dun­gen und Ängs­ten. Vor sei­ner Gefan­gen­nah­me betet Jesus geängs­tigt und bestürzt um Kraft, damit er die kom­men­den Lei­den ertra­gen kann (Mar­kus 14,33–36) – nach mensch­li­chen Maß­stä­ben ein jäm­mer­li­ches Bild von einem Mes­si­as, den­noch natur­ge­treu und real. Er ist nicht der glor­rei­che star­ke Mann, der alles beherrscht. Ande­re wie­der­um stel­len die The­se auf, die Apos­tel hät­ten alles erfun­den, um dann selbst in einer neu­en Bewe­gung die wich­tigs­ten Posi­tio­nen oder Ehre und Ruhm zu erhal­ten. Aber wie kann man das mit der Tat­sa­che ver­ein­ba­ren, dass die Apos­tel von Anfang an ver­folgt wur­den und eini­ge von ihnen ihren Glau­ben an Jesus mit dem Tod bezah­len muss­ten? Natür­lich kön­nen Men­schen auf Lügen und fal­sche Leh­ren her­ein­fal­len und irre­ge­führt wer­den, ja sogar bereit sein, dafür zu ster­ben. Hin­ge­gen ist kaum jemand bereit, für eige­ne Sün­den zu ster­ben. Ganz unrea­lis­tisch, obwohl viel­leicht theo­re­tisch denk­bar, wäre der Fall eines gren­zen­los hoch­mü­ti­gen Men­schen, der sich sei­ne Erfin­dung und Lüge nicht ein­ge­ste­hen will. Mit solch einer Gesin­nung hät­ten aber die Apos­tel nicht so nega­tiv über sich selbst geschrie­ben noch ande­ren Autoren der Evan­ge­li­en erlaubt, dies zu tun. Denn gera­de die zwölf Apos­tel wer­den in den Berich­ten der Evan­ge­li­en immer wie­der von Jesus wegen ihrer Hals­star­rig­keit und ihres Unglau­bens ermahnt. Sie wer­den mit ihren Schwä­chen, Sün­den und ihrem Unver­ständ­nis beschrieben.

Ande­re Men­schen zu täu­schen und zu betrü­gen setzt sehr nega­ti­ve Moti­ve vor­aus, was nicht ein gan­zes Leben lang ver­bor­gen blei­ben kann. Seit Beginn des Chris­ten­tums wird Lüge als schwe­re Sün­de gese­hen. Chris­ten sind auf­ge­for­dert, ein Leben in Ehr­lich­keit und Offen­heit zu füh­ren und müs­sen immer hin­ter­frag­bar blei­ben, wor­in die Apos­tel selbst­ver­ständ­lich mit inbe­grif­fen waren.

Die Behaup­tung, die Jün­ger woll­ten sich ihre Fehl­ein­schät­zung, Jesus sei der Mes­si­as und Hei­land, der aber schließ­lich als Geäch­te­ter am Kreuz ster­ben muss­te, nicht ein­ge­ste­hen und dass sie des­halb sei­ne Auf­er­ste­hung erfan­den, ent­behrt jeder Grund­la­ge. Die Erwe­ckung Jesu aus den Toten kam für die Jün­ger völ­lig uner­war­tet und über­ra­schend. Selbst als Jesus ihnen erschien, glaub­ten sie nicht an ein rea­les Gesche­hen, son­dern mein­ten ein Gespenst zu sehen. Man könn­te nun ein­wen­den, dies alles wäre nur ein Kon­strukt eines geschick­ten Fäl­schers. Aber in der Situa­ti­on der Juden in der ers­ten Hälf­te des 1. Jahr­hun­derts, als die Juden einen poli­ti­schen Mes­si­as erwar­te­ten, war es völ­lig undenk­bar, einen Gekreu­zig­ten als Mes­si­as zu ver­kün­den. Kreu­zi­gung war die Stra­fe für erfolg­lo­se Auf­stän­di­sche oder ent­lau­fe­ne Skla­ven. Bei­des ist mit dem Mes­si­as unver­ein­bar. Jesus woll­te nie ein poli­ti­scher Mes­si­as sein. Dass er aber der Mes­si­as war, näm­lich ein geist­li­cher, hat er durch sei­ne Auf­er­ste­hung gezeigt. Die­ses Umden­ken ist sogar sei­nen Jün­gern sehr schwer gefal­len. Eben­so geht der hypo­the­ti­sche Gedan­ke, die Jün­ger hät­ten die Auf­er­ste­hung Jesu erfun­den, bei Pau­lus völ­lig ins Lee­re. Der Pha­ri­sä­er Pau­lus lehn­te das Chris­ten­tum als eine jüdi­sche Abspal­tung ab und ver­folg­te die Kir­che mit gro­ßem Eifer. Wahr­schein­lich hat er die Berich­te der Chris­ten über die Auf­er­ste­hungs­er­schei­nun­gen Jesu ins Reich der Phan­ta­sie ver­legt. Aber gera­de er wird durch eine Erschei­nung des auf­er­stan­de­nen Jesus eines Bes­se­ren belehrt und bekehrt sich zum Chris­ten­tum. Nun ver­su­chen man­che Fäl­schungs­be­für­wor­ter einen Aus­weg dar­in zu fin­den, dass Pau­lus nur auf Grund sei­nes schlech­ten Gewis­sens Christ gewor­den wäre, weil er Chris­ten ver­folgt und auch der Stei­ni­gung eines Chris­ten zuge­stimmmt hat­te. Allein psy­cho­lo­gisch betrach­tet ist die­se Auf­fas­sung unhalt­bar. Der Apos­tel Pau­lus hat als Christ unsag­ba­re Ent­beh­run­gen auf sich genom­men und ist gemäß einer außer­bi­bli­schen Über­lie­fe­rung als Mär­ty­rer gestor­ben. Er hat als befä­hig­ter Pha­ri­sä­er die Schmach eines Chris­ten (man darf hier­bei nicht von der heu­ti­gen Situa­ti­on aus­ge­hen, son­dern muss sich in die dama­li­ge hin­ein­ver­set­zen) einer glän­zen­den Lauf­bahn inner­halb des Juden­tums bevor­zugt – auf Grund eines schlech­ten Gewis­sens? Außer­dem betont er, alles mit gutem Gewis­sen getan zu haben (2.Tim.1,3; Apg.23,1). In der Zeit als Chris­ten­ver­fol­ger dach­te er, Gott einen Dienst zu erwei­sen, konn­te dann aber sei­ne geist­li­che Blind­heit erkennen.

Die Juden wider­stan­den den Chris­ten von Anfang an in hef­tigs­ter Wei­se. Ohne eine his­to­ri­sche Grund­la­ge des Lebens und Wir­kens Jesu hät­te der Glau­be an Jesus Chris­tus als Mes­si­as in jüdi­scher Umge­bung nicht über­le­ben kön­nen. Die Hypo­the­se einer Fäl­schung des Neu­en Tes­ta­ments hält weder dem his­to­ri­schen Befund noch einer inne­ren Logik stand. Es kön­nen kei­ne nach­voll­zieh­ba­ren Grün­de für die Moti­va­ti­on des oder der Fäl­scher dar­ge­legt wer­den. Der Fäl­scher konn­te kei­ne ego­is­ti­schen Zie­le wie beson­de­re Pri­vi­le­gi­en ver­fol­gen, weil er sich der Leh­re Jesu ver­pflich­tet füh­len muss­te, die alle Selbst­sucht, Reich­tum, Ehre und Stolz aufs Schärfs­te ablehnt. Einem Fäl­scher muss­te bewusst sein, dass für ihn gilt was Pau­lus ausdrückt:

Denn wir pre­di­gen nicht uns selbst, son­dern Chris­tus Jesus als Herrn, uns aber als eure Skla­ven um Jesu wil­len. (2. Korin­ther 4,5)

2.5 Leh­re der Dreieinigkeit/Dreieinheit kann nicht ein­fach erfun­den werden

Die Drei­ei­nig­keit ist eine von Jesus neu offen­bar­te Leh­re über das Wesen Got­tes, wobei er selbst zwar die­sen Begriff nicht ver­wen­de­te, jedoch des­sen Inhalt ver­kün­de­te. Sie wen­det sich nicht gegen den Mono­the­is­mus der Juden, spricht aber von dem einen Gott als Vater, Sohn und Hei­li­gem Geist, also von einem Gott in drei Personen.

Die Juden muss­ten ihren Glau­ben an Jah­we als den ein­zig exis­tie­ren­den Gott und Schöp­fer des Uni­ver­sums zeit ihres Bestehens gegen ande­re Völ­ker ver­tei­di­gen; er war und ist ein zen­tra­ler Bestand­teil ihres Lebens. Jeder Ver­such die­sen Glau­ben anzu­tas­ten wur­de von Juden als Sakri­leg[3] auf­ge­fasst. Ober­fläch­lich betrach­tet scheint das bei der Leh­re der Drei­ein­heit der Fall zu sein. Dies wird auch dar­an ersicht­lich, dass beson­ders die reli­giö­sen Füh­rer der Juden Jesus aufs schärfs­te ablehn­ten. Hät­te es eine Erlaub­nis der römi­schen Besatzer­macht gege­ben, hät­ten sie gleich selbst die Todes­stra­fe über ihn ver­hängt, da er sich als gött­lich aus­gab und ihrer Auf­fas­sung gemäß damit Gott läs­ter­te. Die Leh­re von dem einen Gott in drei Per­so­nen ist nicht ein­fach eine Wei­ter­ent­wick­lung des jüdi­schen Glau­bens, son­dern stellt eine völ­lig neue zusätz­li­che Offen­ba­rung zum jüdi­schen Glau­ben dar.

Die bekann­tes­ten Gelehr­ten beschäf­tig­ten sich über Jahr­hun­der­te hin­weg bis jetzt damit, die Drei­ein­heit zu fas­sen und in ihrer Tie­fe zu ver­ste­hen. Offen­sicht­lich stößt der Ver­such, das Kon­zept der Drei­ein­heit gedank­lich zu erfas­sen, an die Gren­zen des mensch­li­chen Den­kens und Ver­ste­hens. Das zeigt die über­ra­gen­de geis­ti­ge Grö­ße des­sen, der die­sen Lehr­in­halt als Ers­ter ver­kün­det hat. Somit ist die Auf­fas­sung, die Jün­ger Jesu hät­ten die Leh­re der Drei­ei­nig­keit ein­fach erfun­den, um ihrem Meis­ter einen beson­de­ren Anstrich zu ver­lei­hen, völ­lig unhalt­bar. Sie ist auch nicht all­ge­mein als Unsinn abge­tan wor­den, son­dern hat im Gegen­teil immer wie­der Erstau­nen dar­über her­vor­ge­ru­fen, welch tie­fe Ein­sicht in Got­tes Wesen die Aus­sa­gen Jesu wider­spie­geln. Die Auto­ri­tät und Über­zeu­gungs­kraft, mit der Jesus als Leh­rer auf­trat und über Gott sprach, suchen welt­weit ihresgleichen.

3 Das Neue Tes­ta­ment ist glaub­wür­dig, weil Jesus glaub­wür­dig ist

3.1 Jesu Leben bezeugt sei­ne Worte

Die Leh­re einer Per­son ist ver­trau­ens­wür­dig, wenn deren Leben mit der Bot­schaft über­ein­stimmt. Jesus Chris­tus wird von sei­nen Augen­zeu­gen ein tadel­lo­ses Leben beschei­nigt. Sei­ne Geg­ner, die ihren Ein­fluss und ihre Ehre beim Volk der Juden schwin­den sahen, konn­ten ihm weder eine Über­tre­tung des für einen Juden ver­bind­li­chen Geset­zes Mose noch eine Sün­de vor­wer­fen. Immer wie­der ver­such­ten sie ihn durch Fang­fra­gen zu einer fal­schen Aus­sa­ge zu ver­lei­ten oder in inne­re Wider­sprü­che zu ver­wi­ckeln. Doch jede Raf­fi­nes­se der Schrift­ge­lehr­ten war erfolg­los, Jesus stell­te durch sei­ne Ant­wor­ten viel­mehr sie selbst in Fra­ge. Jesu Wir­ken hielt ganz Isra­el in Atem. Selbst die poli­ti­schen Füh­rer, wie der jüdi­sche Fürst Hero­des Anti­pas und der römi­sche Statt­hal­ter Pon­ti­us Pila­tus, muss­ten sich mit ihm befas­sen. Daher kann man zu Recht erwar­ten, dass die Juden, die Jesus ablehn­ten und ihn in Miss­kre­dit brin­gen woll­ten, gern jeden sei­ner Fehl­trit­te zur Gel­tung gebracht hät­ten. Das war aber nicht der Fall.

Jesus stell­te an sei­ne Jün­ger nicht nur einen hohen Anspruch, er selbst ging mit gutem Bei­spiel vor­an. Hin­sicht­lich eines beschei­de­nen und ent­halt­sa­men Lebens leg­te er den sel­ben Maß­stab an sich selbst wie an ande­re. Zur Ver­wun­de­rung sei­ner Nach­fol­ger wusch er ihnen ein­mal sogar die Füße, was damals Skla­ven­ar­beit war, um ihnen sei­ne die­nen­de Ein­stel­lung zu zei­gen und ein Vor­bild zu sein. Etwa zwei­ein­halb Jah­re waren sei­ne Jün­ger mit ihm mehr oder weni­ger täg­lich zusam­men und immer wie­der wur­den sie von sei­ner Lie­be beschämt. Die­ses Leben Jesu in Ver­bin­dung mit sei­nen Wor­ten über­zeug­te sie damals und über­zeugt auch heute.

3.2 Jesus voll­bringt Wun­der und Heilungen

Jesus wur­de vor allem auch durch sei­ne Wun­der und Hei­lun­gen bekannt. Nach dem Zeug­nis der Evan­ge­li­en heil­te er Kran­ke, Aus­sät­zi­ge, Lah­me, schenk­te Blin­den das Augen­licht, befrei­te Beses­se­ne und weck­te Tote auf. Das hat­te es noch nie zuvor gege­ben. Selbst die feind­lich ein­ge­stell­ten Juden stell­ten dies Jesus nicht in Abre­de. Das beweist die Aus­sa­ge im Baby­lo­ni­schen Tal­mud:[4]

„Am Vor­abend des Pas­sah­fes­tes haben sie Jesus gehängt, […] weil er Zau­be­rei getrie­ben und Isra­el ver­lockt und abspens­tig gemacht hat.“

Die Tat­sa­che der Wun­der konn­te nicht geleug­net wer­den, allein es muss­te eine ande­re Erklä­rung dafür gefun­den wer­den. Jesus hat­te ein­fach gezaubert!?

Die zeit­ge­nös­si­schen Geg­ner Jesu ver­mu­te­ten einen Dop­pel­gän­ger­trick und ver­such­ten ihn als Betrü­ger zu entlarven.

Und als Jesus vor­über­ging, sah er einen Men­schen, blind von Geburt. […] er berei­te­te einen Teig aus dem Spei­chel und strich den Teig auf sei­ne Augen […] der Blin­de ging hin und wusch sich und kam sehend wie­der. Die Nach­barn nun und die, die ihn frü­her gese­hen hat­ten, dass er ein Bett­ler war, spra­chen: Ist die­ser nicht der, der da saß und bet­tel­te? Eini­ge sag­ten: Er ist es, ande­re sag­ten: Nein, son­dern er ist ihm ähn­lich; er sag­te: Ich bin es. […] Sie füh­ren ihn, den einst Blin­den, zu den Pha­ri­sä­ern. Es war aber Sab­bat […] Es glaub­ten nun die Juden nicht von ihm, dass er blind war und sehend gewor­den, bis sie die Eltern des­sen rie­fen […] Sei­ne Eltern spra­chen: Wir wis­sen, dass die­ser unser Sohn ist und dass er blind gebo­ren wur­de […] Sie rie­fen nun zum zwei­ten Mal den Men­schen, der blind war […] Er ant­wor­te­te ihnen: Ich habe es euch schon gesagt […] War­um wollt ihr es noch­mals hören? Sie schmäh­ten ihn […] (Johan­nes 9,1–28)

Die Art und Wei­se, mit der Jesus den Blind­ge­bo­re­nen heil­te, war äußerst pro­vo­kant, weil er einen Teig aus Spei­chel und Erde mach­te. Den Pha­ri­sä­ern und Schrift­ge­lehr­ten war gemäß ihren Tra­di­tio­nen jede nicht not­wen­di­ge Tätig­keit am Sab­bat ver­bo­ten. Jesus waren nicht mensch­li­che Tra­di­tio­nen wich­tig, son­dern die Not der Men­schen. Da es sich um einen blind gebo­re­nen Men­schen han­del­te, konn­ten die Pha­ri­sä­er nicht damit argu­men­tie­ren, dass sei­ne Seh­kraft viel­leicht so, wie sie ver­schwand, wie­der zufäl­lig zurück­ge­kehrt wäre. Es gab für sie zur Wider­le­gung Jesu nur die Mög­lich­keit eines Dop­pel­gän­gers. Die gan­ze Situa­ti­on zeigt, dass die Pha­ri­sä­er jede Unsi­cher­heit aus­schlie­ßen woll­ten, ob nicht doch ein Ande­rer als der ehe­mals Blin­de auf­trat. Obwohl alles für eine wun­der­ba­re Hei­lung sprach, woll­ten sie das nicht aner­ken­nen. Hät­ten sie in die­ser Situa­ti­on einen Betrug auf­ge­deckt, wären Jesus wohl alle Jün­ger davon­ge­lau­fen und die Nach­welt hät­te wahr­schein­lich nie über die­ses Ereig­nis erfahren.

3.3 Die Auf­er­ste­hung Jesu ist kei­ne Erfindung

Das größ­te, aber auch am meis­ten bezwei­fel­te Wun­der, ist die Auf­er­ste­hung Jesu. Wie bereits wei­ter oben (Kapi­tel 1.5) erwähnt ist die Annah­me einer Fäl­schung durch die Jün­ger Jesu aus­zu­schlie­ßen, weil für sie selbst die Auf­er­ste­hung ihres Herrn völ­lig uner­war­tet kam und kein schlüs­si­ges Motiv erkenn­bar ist, war­um sie dies erfun­den haben sollten.

Nach dem schmach­vol­len Tod Jesu waren die Jün­ger rat­los, sie hat­ten sich einen irdi­schen Mes­si­as­kö­nig erwar­tet, der eine Umkehr des jüdi­schen Vol­kes brin­gen und sich gegen­über den gott­lo­sen Hei­den durch­set­zen wird. Von ihrem spä­te­ren Mut und ihrer Über­zeu­gung, die sie selbst den füh­ren­den Juden das Evan­ge­li­um ver­kün­den ließ (Apos­tel­ge­schich­te 5,27–33), obwohl sie selbst nur ein­fa­che Arbei­ter wie Fischer waren, ist in die­ser Situa­ti­on nichts zu mer­ken. Aus Furcht vor den Juden hiel­ten sie sich hin­ter ver­schlos­se­nen Türen auf (Johan­nes 20,19). Als ihnen Maria Mag­da­le­na ver­kün­de­te, dass ihr Jesus erschie­nen ist, glaub­ten sie ihr nicht (Mar­kus 16,9–11) und hiel­ten es für alber­nes Geschwätz (Lukas 24,11). Bei der ers­ten Erschei­nung Jesu vor den Apos­teln dach­ten sie einen Geist zu sehen (Lukas 24,37). Tho­mas, einer der zwölf Apos­tel, war bei die­ser Erschei­nung nicht anwe­send. Er glaub­te nicht ein­mal sei­nen engs­ten Gesin­nungs­ge­nos­sen und wur­de erst über­zeugt, als er Jesus selbst sah (Johan­nes 20,24–29).

Man­che ver­mu­ten nun hin­ter die­sen Berich­ten einen intel­li­gen­ten Fäl­scher, der den Anschein einer rea­lis­ti­schen und his­to­risch kor­rek­ten Nach­er­zäh­lung erwe­cken woll­te. Ein Fäl­scher möch­te dem Leser mög­lichst kei­nen Anlass zum Zwei­fel geben. Dem His­to­ri­ker ist daher das Mit­tel der Har­mo­ni­sie­rung ein siche­res Kenn­zei­chen einer Fäl­schung. Gera­de das kann man aber von den vier Evan­ge­li­en nicht behaup­ten. Sie sind in ihrer Dar­stel­lung der Auf­er­ste­hungs­er­schei­nun­gen Jesu nicht iden­tisch. Es gibt sogar einen Wider­spruch. Lukas schreibt, dass Jesus zwei Jün­gern auf dem Weg nach Emma­us erschien und sie dies den Apos­teln in Jeru­sa­lem freu­dig berich­te­ten (Lukas 24,33.34). Die Apos­tel glaub­ten ihnen. Mar­kus berich­tet hin­ge­gen, dass sie den Bei­den nicht glaub­ten (Mar­kus 16,12.13). Hier wird man Lukas recht geben müs­sen, der die­se Bege­ben­heit sehr detail­liert erzählt. Mar­kus erwähnt dies nur mit einem Satz, er hat­te wohl kei­ne genau­en Infor­ma­tio­nen dar­über. Einem geschick­ten Fäl­scher wäre solch ein Feh­ler nicht unter­lau­fen. Viel­mehr zeigt es, wie die Autoren nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen ihre eige­nen Erfah­run­gen mit Jesus bzw. Augen­zeu­gen­be­rich­te Ande­rer niederschrieben.

Zur Zeit der Abfas­sung der Evan­ge­li­en gab es noch vie­le Augen­zeu­gen. Für Juden, die Jesus und das Chris­ten­tum ablehn­ten, wäre nichts leich­ter gewe­sen, gegen die Chris­ten vor­zu­ge­hen, als die Auf­er­ste­hung Jesu zu wider­le­gen. Der Glau­be an den auf­er­stan­de­nen Chris­tus hät­te sich nie­mals gehal­ten, wäre ihnen das gelungen.

Ein Fäl­scher möch­te den Leser über­zeu­gen und über­legt sich daher bewusst, auf wel­che Wei­se er dies erreicht. Er wird dazu ein­deu­ti­ge und nach­voll­zieh­ba­re Argu­men­te ver­wen­den. Nun erscheint Jesus in den Berich­ten der Evan­ge­li­en aber zuerst einer Frau, näm­lich Maria Mag­da­le­na (Mar­kus 16,9 und Johan­nes 20,14). Sie war frü­her von Dämo­nen beses­sen und erst durch Jesus geheilt wor­den und daher für einen Außen­ste­hen­den alles ande­re als ein zuver­läs­si­ger Zeu­ge. Frau­en wur­den bei den Juden nicht als Zeu­gen aner­kannt, dies war Män­nern vor­be­hal­ten. Bis heu­te wer­den im ortho­do­xen Juden­tum Frau­en bei rab­bi­ni­schen Gerich­ten als Zeu­gen nicht akzep­tiert. Die Evan­ge­li­en waren vor allem auch an Juden gerich­tet. Dass ein Fäl­scher auf den Gedan­ken kommt, die ers­te Erschei­nung des Auf­er­stan­de­nen vor einer Frau zu erfin­den, ist nicht nachvollziehbar.

4 Glaub­wür­dig­keit der Über­lie­fe­rung des Neu­en Testaments

4.1 Münd­li­che Überlieferung

Als Kin­der unse­rer Zeit ist es für uns kaum vor­stell­bar, dass man lan­ge Reden oder Tex­te im Gedächt­nis behal­ten kann. Da wir durch Medi­en wie Bücher, TV und Com­pu­ter jeder­zeit Infor­ma­tio­nen abru­fen kön­nen, sind wir nicht mehr von unse­rem Gedächt­nis abhän­gig. Das mensch­li­che Gedächt­nis ist aber zu außer­ge­wöhn­li­chen Leis­tun­gen fähig. Um nur ein Bei­spiel zu erwähnen:

„Heu­ti­ge iri­sche Bar­den ver­fü­gen ohne wei­te­res über ein Tra­di­ti­ons­vo­lu­men von über 100.000 Wör­tern. Dage­gen beträgt der Umfang unse­res Mar­kus­evan­ge­li­ums nur etwa 11.000 Wör­ter.“[5]

Die Jün­ger Jesu hat­ten ihr Leben auf­grund sei­ner Ver­kün­di­gung gänz­lich ver­än­dert, er wur­de für sie zum Mit­tel­punkt all ihres Han­delns. Dar­aus ergibt sich ihr star­kes Inter­es­se, alle sei­ne Wor­te und Taten in Erin­ne­rung zu behal­ten und getreu wei­ter zu geben. Der Mensch behält sich vor allem die Inhal­te im Gedächt­nis, denen er sei­ne Auf­merk­sam­keit und sein Inter­es­se schenkt.

Die Jün­ger waren mit Jesus, den sie als ihren Leh­rer anspra­chen (z. B. Mar­kus 10,35), etwa zwei­ein­halb Jah­re fast jeden Tag zusam­men. Da er sie in sei­ner Leh­re unter­wies und sie auch immer bei sei­nen Reden vor dem Volk anwe­send waren, konn­ten sie sich auf natür­li­che Wei­se sei­ne Bot­schaft ein­prä­gen. Die stän­di­ge Wie­der­ho­lung und das Aus­wen­dig­ler­nen, was sie von Eltern­haus, Syn­ago­ge und Schu­le gewohnt waren, befä­hig­te sie, münd­li­che Über­lie­fe­rung zuver­läs­sig zu bewah­ren. Schon zu Leb­zei­ten Jesu sand­te er die Jün­ger aus, damit sie den Anbruch des Rei­ches Got­tes ver­kün­di­gen (Lukas 10,1–12). Sie muss­ten bereits sehr früh das von ihrem Leh­rer Erlern­te prak­tisch anwen­den. All dies half ihnen spä­ter in ihrer Ver­kün­di­gung, zuver­läs­sig und glaub­wür­dig von Jesus zu erzählen.

4.2 Schrift­li­che Überlieferung

Bis zur Zer­stö­rung Jeru­sa­lems durch die Römer um 70 n. Chr. wur­den alle Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments ver­fasst. Da Jesus im Jah­re 30 n. Chr. gekreu­zigt wur­de ergibt sich eine Zeit­span­ne von nur 40 Jah­ren. Der Über­gang von der münd­li­chen zur schrift­li­chen Über­lie­fe­rung erfolg­te in sehr kur­zer Zeit. Dies zeugt von der Absicht der ers­ten Chris­ten, der Nach­welt ein getreu­es Bild von den Ereig­nis­sen rund um Jesus zu vermitteln.

Das­sel­be Bemü­hen um kor­rek­te und wort­ge­treue Über­lie­fe­rung kön­nen wir bei den Per­so­nen vor­aus­set­zen, die in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten das Neue Tes­ta­ment durch Abschrei­ben ver­viel­fäl­tig­ten. Die Bibel und hier vor allem das Neue Tes­ta­ment war und ist den Chris­ten die ein­zi­ge ver­bind­li­che Grund­la­ge ihres Glaubens.

Die ältes­te uns erhal­te­ne Hand­schrift ist der in Ägyp­ten um 1920 gefun­de­ne P52 (Papy­rus Nr. 52), der eini­ge Ver­se aus dem Johan­nes­evan­ge­li­um ent­hält. Er stammt aus der Zeit um spä­tes­tens 125 n. Chr. Eine Rei­he von wei­te­ren Papy­ri stam­men aus dem 2. und 3. Jahr­hun­dert, die bereits einen Groß­teil des Neu­en Tes­ta­ments ent­hal­ten. Papy­rus war ein Schreib­ma­te­ri­al, das aus den Fasern der Papy­rus­pflan­ze gewon­nen wur­de, die im Nil­del­ta in Ägyp­ten wuchs.

Aus dem 4. Jahr­hun­dert stam­men die ältes­ten Majus­kel-Hand­schrif­ten, die gänz­lich in grie­chi­schen Groß­buch­sta­ben geschrie­ben sind und bereits alle neu­tes­ta­ment­li­chen Schrif­ten ent­hal­ten. Sie sind auf Per­ga­ment geschrie­ben, einem aus Tier­häu­ten her­ge­stell­ten Schreib­ma­te­ri­al. Die bekann­tes­ten davon sind die Kodi­zes Vati­ca­nus, Sinai­ti­cus, Ephrae­mi Rescrip­tus und Alexandrinus.

Etwa um 800 ent­wi­ckel­te sich eine neue Schrift­art, die in eher kur­si­ven Klein­buch­sta­ben gehal­ten war und Minus­kel­schrift genannt wird. Die soge­nann­ten Lek­tio­na­re sind lit­ur­gi­sche Bücher, in denen die Tex­te des Neu­en Tes­ta­men­tes in der Rei­hen­fol­ge ent­hal­ten waren, wie sie nach der Ord­nung des Kir­chen­jahrs gele­sen wer­den sollten.

Majus­kel und Minus­kel wur­den nicht zen­tral an einem Ort auf­be­wahrt, was eine Mani­pu­la­ti­on des Tex­tes ermög­licht hät­te, son­dern wur­den an sehr vie­len Orten des gesam­ten Mit­tel­meer­rau­mes kopiert und ver­wen­det. Eben­so weist die Geschich­te der Auf­fin­dung wich­ti­ger Hand­schrif­ten dar­auf hin, dass eine bewuss­te Ver­än­de­rung des Tex­tes mit dem Ziel der Ver­ein­heit­li­chung undenk­bar ist. Zum Bei­spiel wur­de der Kodex Sinai­ti­cus, einer der bedeu­tends­ten Hand­schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments, vom deut­schen Theo­lo­gen Kon­stan­tin von Tisch­endorf in der Biblio­thek des Katha­ri­nen­klos­ters auf der Sinai­halb­in­sel ent­deckt, wobei die Mön­che die­ses Klos­ters von die­ser sehr alten Hand­schrift nichts wuss­ten. Das spricht nicht für eine geplan­te Mani­pu­la­ti­on des neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­tes, zumal die­ser Kodex eine der Haupt­quel­len für den Text des Neu­en Tes­ta­ments ist.

Die fol­gen­de Tabel­le[6] zeigt einen Über­blick der Hand­schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments, wobei die über 19 000 Über­set­zun­gen in ande­re Spra­chen nicht berück­sich­tigt sind.

Vor­han­de­ne
grie­chi­sche
Hand­schrif­ten
Anzahl der
Hand­schrif­ten
Papy­ri 129
Majus­kel­schrif­ten 323
Minus­kel­schrif­ten 2931
Lek­tio­na­re 2465
Gesamt­zahl 5848

Die­ser rei­che hand­schrift­li­che Befund kann am ehes­ten durch einen Ver­gleich mit ande­ren his­to­ri­schen Tex­ten in sei­ner Bedeu­tung erkannt wer­den. Die fol­gen­de Zusam­men­stel­lung[7] ver­deut­licht ein­drucks­voll den Unter­schied zwi­schen der Über­lie­fe­rung des Neu­en Tes­ta­ments und ande­ren klas­si­schen Werken.

Autor Abfas­sungs-
datum
Ältes­te Abschrift Zeit­span­ne zwischen
Abfas­sung und
ältes­ter Abschrift
Anzahl der erhaltenen
Abschriften
Homer (Ili­as) 800 v. Chr. 400 v. Chr. 400 Jah­re 643
Demo­sthe­nes 383–322 v. Chr. 1100 n. Chr. 1300 Jah­re 200 (alle von
einer Abschrift)
Sopho­kles 496–406 v. Chr. 1000 n. Chr. 1400 Jah­re 100
Taci­tus (Anna­len) 100 n. Chr. 1100 n. Chr. 1000 Jah­re 20
Cäsar (Gal­li­scher Krieg) 100–44 v. Chr. 900 n. Chr. 1000 Jah­re 10
Aris­to­pha­nes 450–385 v. Chr. 900 n. Chr. 1200 Jah­re 10
Euri­pi­des 480–406 v. Chr. 1100 n. Chr. 1500 Jah­re 9
Thuky­di­des (Geschich­te) 460–400 v. Chr. 900 n. Chr. 1300 Jah­re 8
Sue­ton (De Vita Caesarum) 75–160 n. Chr. 950 n. Chr. 800 Jah­re 8
Hero­dot (Geschich­te) 480–425 v. Chr. 900 n. Chr. 1300 Jah­re 8
Pla­to (Tetra­lo­gien) 427–347 v. Chr. 900 n. Chr. 1200 Jah­re 7
Pli­ni­us Secundus
(Natur­ge­schich­te)
61–113 n. Chr. 850 n. Chr. 750 Jah­re 7
Aris­to­te­les 384–322 v. Chr. 1100 n. Chr. 1400 Jah­re 5 (vom besten
über­lief. Werk)
Catul­lus 54 v. Chr. 1550 n. Chr. 1600 Jah­re 3

Bruce Metz­ger, Vor­sit­zen­der des Revi­sed Stan­dard Ver­si­on Bible Comi­tees und Mit­her­aus­ge­ber des Nestle/Aland Novum Tes­ta­men­tum Grae­ce (Grie­chi­sche Aus­ga­be des Neu­en Tes­ta­ments), zog einen Ver­gleich des Neu­en Tes­ta­ments („Infor­ma­tio­nen über alte Hand­schrif­ten und Links zu Fotos“) mit dem am zweit­bes­ten biblio­gra­phisch über­lie­fer­ten Werk, der Ilias:

„Die Men­ge an Manu­skrip­ten der neu­tes­ta­ment­li­chen Schrif­ten ist nahe­zu beschä­mend im Ver­gleich zu ande­ren anti­ken Wer­ken. Nach dem Neu­en Tes­ta­ment kommt Homers Ili­as, das Stan­dard­werk der anti­ken Grie­chen. Heu­te haben wir davon weni­ger als 650 grie­chi­sche Manu­skrip­te. Man­che sind äußerst frag­men­ta­risch. Die meis­ten stam­men aus dem zwei­ten und drit­ten Jahr­hun­dert und aus den nach­fol­gen­den Jahr­hun­der­ten. Wenn Sie berück­sich­ti­gen, dass Homer wahr­schein­lich im ach­ten vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert gelebt hat, ist das ein sehr lan­ger Zeit­raum.“[8]

Nach 40-jäh­ri­ger For­schungs­ar­beit stell­te Prof. Kurt Aland, einer der ange­se­hens­ten Text­kri­ti­ker des Neu­en Tes­ta­ments und Her­aus­ge­ber des Nestle/Aland Novum Tes­ta­men­tum Grae­ce, zur Über­lie­fe­rung des Neu­en Tes­ta­ments fest:

„Der Text des Neu­en Tes­ta­ments ist her­vor­ra­gend über­lie­fert, bes­ser als der jeder ande­ren Schrift der Anti­ke; die Aus­sicht, dass sich Hand­schrif­ten fin­den, die sei­nen Text grund­le­gend ver­än­dern, ist gleich Null.“[9]

Als Chris­ten sind wir Gott sehr dank­bar, dass wir so zuver­läs­si­ge Infor­ma­tio­nen über Jesus und die ers­ten Chris­ten haben. Die viel­fäl­ti­gen Zeug­nis­se für die Glaub­wür­dig­keit des Neu­en Tes­ta­ments, sowohl hin­sicht­lich sei­ner Abfas­sung wie auch hin­sicht­lich sei­ner Über­lie­fe­rung, ermun­tern dazu, sich stets aufs Neue mit dem Wort Got­tes aus­ein­an­der zu set­zen. Wir laden auch dich ein, die Bibel zu lesen, um Jesus kennenzulernen.

Wenn du auch unser Leben als Chris­ten auf Glaub­wür­dig­keit über­prü­fen willst, tritt mit uns in Kon­takt. Wir freu­en uns darauf.


Fußnoten

  1. Ein­lei­tung.
  2. F. F. Bruce, Zeit­ge­schich­te des Neu­en Tes­ta­ments, Teil I, 1978, S. 68.
  3. Reli­gi­ons­ver­bre­chen.
  4. San­he­drin 43a, Der Baby­lo­ni­sche Tal­mud, Wil­helm Gold­mann Ver­lag, 1963, S. 207 u. 208.
  5. Rai­ner Ries­ner, Jesus als Leh­rer, 1984, S. 451.
  6. WWU Müns­ter: Manu­script Workspace. Zuge­grif­fen: 8. Dezem­ber 2015. Die Gesamt­zahl der jewei­li­gen Hand­schrif­ten kann durch einen Maus­klick auf den But­ton „Brow­se“ erhal­ten wer­den. Da die Papy­ri P33 und P58 sowie P64 und P67 jeweils vom sel­ben Kodex stam­men, haben wir statt 131 nur 129 Papy­ri gezählt.
  7. F. W. Hall, Bele­ge für die Tex­te der füh­ren­den klas­si­schen Ver­fas­ser ‑ergänzt durch Nor­man L. Geisler/William E. Nix, A Gene­ral Intro­duc­tion to the Bible, S. 408.
  8. Bruce Metz­ger, zit. bei Lee Stro­bel, Der Fall Jesus, 1999, Ass­lar, S. 64.
  9. Kurt Aland, Das Neue Tes­ta­ment zuver­läs­sig über­lie­fert. Die Geschich­te des neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­tes und die Ergeb­nis­se der moder­nen Text­for­schung, Rei­he: Wis­sens­wer­tes zur Bibel, Stutt­gart 1986, S. 28.


Ein­lei­tung.

F. F. Bruce, Zeit­ge­schich­te des Neu­en Tes­ta­ments, Teil I, 1978, S. 68.

Reli­gi­ons­ver­bre­chen.

San­he­drin 43a, Der Baby­lo­ni­sche Tal­mud, Wil­helm Gold­mann Ver­lag, 1963, S. 207 u. 208.

Rai­ner Ries­ner, Jesus als Leh­rer, 1984, S. 451.

WWU Müns­ter: Manu­script Workspace. Zuge­grif­fen: 8. Dezem­ber 2015. Die Gesamt­zahl der jewei­li­gen Hand­schrif­ten kann durch einen Maus­klick auf den But­ton „Brow­se“ erhal­ten wer­den. Da die Papy­ri P33 und P58 sowie P64 und P67 jeweils vom sel­ben Kodex stam­men, haben wir statt 131 nur 129 Papy­ri gezählt.

F. W. Hall, Bele­ge für die Tex­te der füh­ren­den klas­si­schen Ver­fas­ser ‑ergänzt durch Nor­man L. Geisler/William E. Nix, A Gene­ral Intro­duc­tion to the Bible, S. 408.

Bruce Metz­ger, zit. bei Lee Stro­bel, Der Fall Jesus, 1999, Ass­lar, S. 64.

Kurt Aland, Das Neue Tes­ta­ment zuver­läs­sig über­lie­fert. Die Geschich­te des neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­tes und die Ergeb­nis­se der moder­nen Text­for­schung, Rei­he: Wis­sens­wer­tes zur Bibel, Stutt­gart 1986, S. 28.