Was heißt „Christ­sein“?

Schlagwörter: heiliges Leben

In Apos­tel­ge­schich­te 11,26 lesen wir, dass die Jün­ger Jesu Chris­ten genannt wurden: 

[…] und dass die Jün­ger zuerst in Antio­chia Chris­ten genannt wurden.

Trauben an einem Weinstock wie im Gleichnis Jesu in Johannes 15.

Woher kommt das Wort „Christ“ und wie wird es verwendet?

Das grie­chi­sche Wort für einen Chris­ten (chris­tia­nos) wur­de von dem Wort Chris­tus (chris­tos) abge­lei­tet. So kann auch heu­te jemand dann als Christ betrach­tet wer­den, wenn er ein Nach­fol­ger Jesu Chris­ti ist.

Ein Jün­ger ist jemand, der danach trach­tet, sei­nen Meis­ter zu ver­ste­hen und ihm zu fol­gen. Die Ent­schei­dun­gen, die er in sei­nem Leben trifft, bau­en auf dem auf, was er vom Leben und von der Leh­re sei­nes Meis­ters lernt:

Und als er die Volks­men­ge samt sei­nen Jün­gern her­zu­ge­ru­fen hat­te, sprach er zu ihnen: Wenn jemand mir nach­kom­men will, ver­leug­ne er sich selbst und neh­me sein Kreuz auf und fol­ge mir nach! Denn wer sein Leben ret­ten will, wird es ver­lie­ren; wer aber sein Leben ver­liert um mei­net­wil­len und um des Evan­ge­li­ums wil­len, wird es ret­ten. (Mar­kus 8,34–35)

Im Neu­en Tes­ta­ment kön­nen wir sehen, dass jeder, der Jesus folgt, auch Kind Got­tes genannt wird:

So vie­le ihn aber auf­nah­men, denen gab er das Recht, Kin­der Got­tes zu wer­den, denen, die an sei­nen Namen glau­ben […] (Johan­nes 1,12)

Ein Nach­fol­ger Jesu erhält die Gabe des ewi­gen Lebens. Er ist geist­lich gese­hen neu gebo­ren. Er lässt sich von Gott füh­ren und for­men. Ein Kind Got­tes hat den Wunsch, sei­nem Vater zu gehorchen.

Und hier­an erken­nen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir sei­ne Gebo­te hal­ten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält sei­ne Gebo­te nicht, ist ein Lüg­ner, und in dem ist nicht die Wahr­heit. (1. Johan­nes 2,3–4)

So lan­ge ein Mensch es ablehnt, dem hei­li­gen Gott sein Leben anzu­ver­trau­en, ist er wegen sei­ner Sün­den geist­lich tot:

Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hat­ten: Wenn ihr in mei­nem Wort bleibt, so seid ihr wahr­haft mei­ne Jün­ger; und ihr wer­det die Wahr­heit erken­nen, und die Wahr­heit wird euch frei machen. Sie ant­wor­te­ten ihm: Wir sind Abra­hams Nach­kom­men­schaft und sind nie jeman­des Skla­ven gewe­sen. Wie sagst du: Ihr sollt frei wer­den? Jesus ant­wor­te­te ihnen: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Jeder, der die Sün­de tut, ist der Sün­de Skla­ve. Der Skla­ve aber bleibt nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer . Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so wer­det ihr wirk­lich frei sein. (Johan­nes 8,31–36)

Jesus möch­te, dass jeder geret­tet wird. Wenn jemand sich bekehrt (d. h. sei­ne Sün­den bereut und von ihnen umkehrt), macht Jesus ihn frei. Gott macht ihn hei­lig und schenkt ihm die Kraft zu einem ganz neu­en Leben:

[…] dass ihr, was den frü­he­ren Lebens­wan­del angeht, den alten Men­schen abge­legt habt, der sich durch die betrü­ge­ri­schen Begier­den zugrun­de rich­tet, dage­gen erneu­ert wer­det in dem Geist eurer Gesin­nung und den neu­en Men­schen ange­zo­gen habt, der nach Gott geschaf­fen ist in wahr­haf­ti­ger Gerech­tig­keit und Hei­lig­keit. (Ephe­ser 4,22–24)

Jedes Glied der Kir­che ist gehei­ligt wor­den und wird des­halb ein Hei­li­ger genannt (Phil­ip­per 1,1; 2. Korin­ther 1,1).

Als Kin­der Got­tes haben alle Chris­ten einen gemein­sa­men Vater: Gott. Des­halb ist die Bezie­hung unter den Gläu­bi­gen eine brü­der­li­che Beziehung:

Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rab­bi nen­nen! Denn einer ist euer Leh­rer, ihr alle aber seid Brü­der. Ihr sollt auch nicht jeman­den auf der Erde euren Vater nen­nen; denn einer ist euer Vater, näm­lich der im Him­mel. Lasst euch auch nicht Meis­ter nen­nen; denn einer ist euer Meis­ter, der Chris­tus. Der Größ­te aber unter euch soll euer Die­ner sein. Wer sich aber selbst erhö­hen wird, wird ernied­rigt wer­den; und wer sich selbst ernied­ri­gen wird, wird erhöht wer­den. (Mat­thä­us 23,8–12)

Und er ant­wor­te­te ihnen und spricht: Wer sind mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der? Und er blick­te umher auf die um ihn im Krei­se Sit­zen­den und spricht: Sie­he, mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der! Wer den Wil­len Got­tes tut, der ist mein Bru­der und mei­ne Schwes­ter und mei­ne Mut­ter. (Mar­kus 3,33–35)

Wenn also die Bibel die Begrif­fe Jün­ger, Kind Got­tes, Hei­li­ger und Bruder/Schwester ver­wen­det, so sind die sel­ben Men­schen gemeint, die an eini­gen Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments Christ genannt werden.

Wie kön­nen wir wis­sen, wer ein Christ ist?

Die Grund­la­ge für ein Leben als Christ ist die Erlö­sung durch Jesus Chris­tus, die wir im Glau­ben anneh­men. Jesus befreit Chris­ten von der Sün­de. Er offen­bart ihnen die Wahr­heit, so dass sie fähig sind, die rich­ti­ge Leh­re über sein Wesen zu ver­ste­hen und ein Leben nach sei­nem Wil­len zu füh­ren. Die rich­ti­ge Leh­re und ein Leben, das dem Wil­len Got­tes ent­spricht, sind mit­ein­an­der untrenn­bar verbunden.

Lei­der gibt es heu­te vie­le soge­nann­te Kir­chen, die die­sen bibli­schen Nor­men nicht ent­spre­chen. Wenn man die Leh­re und das Leben genau­er unter­sucht, ist es mög­lich zu erken­nen, ob eine „Kir­che“ biblisch ist oder nicht. Schwie­ri­ger hin­ge­gen ist zu sehen, ob die ein­zel­nen Glie­der Chris­ten sind. Oft gibt es eine brei­te Span­ne von unter­schied­li­chen Prak­ti­ken und Ansich­ten bezüg­lich des Glau­bens inner­halb einer ein­zel­nen Grup­pe, da das Bemü­hen um eine tie­fe Ein­heit fehlt. Es gibt aber eini­ge wesent­li­che Ele­men­te, die zu einer Bezie­hung zu Gott gehö­ren, die deut­lich zei­gen, ob jemand mit Gott lebt.

a) Leben nach dem Wil­len Gottes

Christ zu wer­den heißt, eine bewuss­te Ent­schei­dung, Jesus nach­zu­fol­gen, zu tref­fen. Das ist die Bekeh­rung. Die oben ange­führ­te Bibel­stel­le Johan­nes 1,12 spricht über die Not­wen­dig­keit, Jesus auf­zu­neh­men. Das zeigt, dass das Christ­wer­den auf einer kla­ren Ent­schei­dung beruht. Nicht jeder, der sich ent­schie­den hat, Jesus nach­zu­fol­gen, kennt den genau­en Zeit­punkt, wann er die Ent­schei­dung getrof­fen hat. Manch­mal ist die Ent­schei­dung, sein eige­nes Leben in Jesu Hän­de zu legen, das Ergeb­nis vie­ler ein­zel­ner posi­ti­ver Schrit­te, wo jemand, das, was er jeweils ver­stan­den hat, in die Pra­xis umge­setzt hat, so dass der Betref­fen­de nicht einen beson­de­ren Zeit­punkt oder eine kon­kre­te Erfah­rung nen­nen kann, die er als sei­ne Bekeh­rung bezeich­nen würde.

Die Kon­se­quenz aus der Bekeh­rung (im Grie­chi­schen: met­a­noia = Gesin­nungs­än­de­rung) ist, dass der­je­ni­ge die Welt mit neu­en Augen sieht. Er erhält neue Wert­maß­stä­be und lebt für ein ande­res Ziel als zu der Zeit, als er ohne Gott leb­te. Durch die Bekeh­rung wird die zer­bro­che­ne Bezie­hung zwi­schen dem Men­schen und Gott geheilt, durch die­se neu gewon­ne­ne Bezie­hung lebt der Christ nach dem Wil­len Got­tes. Gott gibt uns sei­nen Geist, der in jedem Chris­ten Woh­nung nimmt und ihn befä­higt, ein hei­li­ges Leben zu führen:

Denn so vie­le durch den Geist Got­tes gelei­tet wer­den, die sind Söh­ne Got­tes. (Römer 8,14)

Bekeh­rung heißt, die frü­he­ren Sün­den zu bereu­en und hin­ter sich zu las­sen, um nun das Gute zu suchen und zu tun:

Gott aber sei Dank, dass ihr Skla­ven der Sün­de wart, aber von Her­zen gehor­sam gewor­den seid dem Bild der Leh­re, dem ihr über­ge­ben wor­den seid! Frei gemacht aber von der Sün­de, seid ihr Skla­ven der Gerech­tig­keit gewor­den. (Römer 6,17–18)

Ich ermah­ne euch nun, Brü­der, durch die Erbar­mun­gen Got­tes, eure Lei­ber dar­zu­stel­len als ein leben­di­ges, hei­li­ges, Gott wohl­ge­fäl­li­ges Opfer, was euer ver­nünf­ti­ger Got­tes­dienst ist. Und seid nicht gleich­för­mig die­ser Welt , son­dern wer­det ver­wan­delt durch die Erneue­rung des Sin­nes, dass ihr prü­fen mögt, was der Wil­le Got­tes ist: das Gute und Wohl­ge­fäl­li­ge und Voll­kom­me­ne. (Römer 12,1–2)

Das Leben als Christ ist ein bestän­di­ger Hei­li­gungs­pro­zess. Gott wirkt in jedem Chris­ten, dass er dem Bil­de sei­nes Soh­nes immer mehr gleich­ge­stal­tet wer­de (Römer 8,29). Das heißt nicht, dass ein Christ bis zum Ende sei­nes Lebens nicht mehr sün­digt, son­dern dass er sich grund­sätz­lich von der Sün­de fern hält. Die Früch­te der Hei­li­gung müs­sen im Leben eines jeden Chris­ten sicht­bar wer­den (Johan­nes 15, 1–10), weil Gott ihm die Kraft gibt, ein hei­li­ges Leben zu füh­ren (2. Petrus 1,3; Römer 6,12–14):

Denn das Gesetz des Geis­tes des Lebens in Chris­tus Jesus hat dich frei­ge­macht von dem Gesetz der Sün­de und des Todes. (Römer 8,2)

Die Frucht der Bezie­hung zu Gott ist im Stre­ben nach dem Guten, das sich beson­ders  in der Bru­der­lie­be zeigt, sichtbar:

Lasst uns also nun, wie wir Gele­gen­heit haben, allen gegen­über das Gute wir­ken, am meis­ten aber gegen­über den Haus­ge­nos­sen des Glau­bens. (Gala­ter 6,10)

Bru­der­lie­be (die Lie­be unter den Gläu­bi­gen) ist das Zei­chen, an dem man die Jün­ger Jesu erken­nen kann (Johan­nes 13,34–35). Die Bru­der­lie­be ist nicht ein Gefühl, son­dern ist die prak­ti­sche Ver­wirk­li­chung der Ent­schei­dung eines Chris­ten, sein Leben für sei­ne Brü­der und Schwes­tern hinzugeben:

Hier­an haben wir die Lie­be erkannt, dass er für uns sein Leben hin­ge­ge­ben hat; auch wir sind schul­dig, für die Brü­der das Leben hin­zu­ge­ben. (1. Johan­nes 3,16)

Das Wis­sen, dass Got­tes Wesen Lie­be ist, führt Chris­ten dazu, sich selbst ganz für den Dienst an Gott und an ande­ren hinzugeben:

Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Lie­be. (1  Johan­nes 4,8)

Hier­an sind offen­bar die Kin­der Got­tes und die Kin­der des Teu­fels: Jeder, der nicht Gerech­tig­keit tut, ist nicht aus Gott, und wer nicht sei­nen Bru­der liebt. (1. Johan­nes 3,10)

Bezie­hun­gen zwi­schen Brü­dern und Schwes­tern im Glau­ben unter­schei­den sich von ande­ren zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen, weil Chris­ten die glei­che Ein­stel­lung zum Leben haben, weil sie die glei­che Hoff­nung trägt und sie das glei­che Ziel ver­fol­gen. Da ein Christ in die­sen Punk­ten nicht in Ein­heit mit Ungläu­bi­gen ist, wer­den die Mög­lich­kei­ten einer wirk­li­chen Zusam­men­ar­beit ein­ge­schränkt sein, trotz­dem müs­sen Chris­ten alles tun, die gegen­sei­ti­ge Rück­sicht und das fried­vol­le Mit­ein­an­der zu stärken.

„Ich wur­de getauft, des­halb bin ich Christ …“

Man­che glau­ben, dass man durch die Tau­fe Christ wird. In Römer 2,28–29 lesen wir:

Denn nicht der ist ein Jude, der es äußer­lich ist, noch ist die äußer­li­che Beschnei­dung im Fleisch Beschnei­dung; son­dern der ist ein Jude, der es inner­lich ist, und Beschnei­dung ist die des Her­zens, im Geist, […]

In glei­cher Wei­se ist die Gesin­nungs­än­de­rung wich­tig, um Christ zu wer­den. Die Tau­fe ist dabei ein äuße­res Zei­chen die­ser inne­ren Veränderung.

„Ich bin ein guter Mensch …“

Zwi­schen einem guten Men­schen und einem Chris­ten gibt es einen wich­ti­gen Unter­schied. Jemand kann vie­le gute Eigen­schaf­ten haben, er kann sogar ein hin­ge­bungs­vol­ler Hel­fer oder eine groß­her­zi­ge Per­son sein, aber die­se Din­ge machen ihn nicht zum Chris­ten. Gute Eigen­schaf­ten sind in gewis­ser Wei­se vor­teil­haft für ande­re und doch kön­nen sie nur in wirk­lich guter Wei­se ein­ge­setzt wer­den, sobald jemand sich zu Gott bekehrt. Wenn jemand gut sein möch­te, ohne sich Gott zuzu­wen­den, besteht die Gefahr, dass sein „Gut­sein“ und sei­ne „Frei­ge­big­keit“ dazu füh­ren, dass ande­re ihn ach­ten und ehren, anstatt Jesus die Ehre zu geben und ihm zu folgen.

Das Bei­spiel des rei­chen jun­gen Man­nes (Lukas 18,18–30) zeigt eben­falls, dass Jesus völ­li­ge Unter­ord­nung Gott gegen­über von sei­nen Jün­gern erwar­te­te. Der Rei­che war ein „guter“ Mensch. Kein Zwei­fel, er folg­te den Gebo­ten, die Jesus erwähn­te (zumin­dest zu einem gewis­sen Grad). Trotz­dem ahn­te er selbst, dass ihm etwas fehl­te, um ewi­ges Leben zu erben. Aus Jesu Ant­wort wird klar, dass eine ober­fläch­li­che Zustim­mung zu eini­gen Gebo­ten nicht genug ist. Jesus weist den Rei­chen klar auf die kon­kre­te Sache hin, die er nicht in Got­tes Hän­de geben möch­te. Jesus will Herr über unser gan­zes Leben sein.

Jesus nach­zu­fol­gen heißt, den Wil­len Got­tes in jeder Situa­ti­on unse­res Lebens, zu jeder Zeit zu suchen. Dadurch sind wir bereit, alles für Gott auf­zu­ge­ben, und erfah­ren die Frei­heit von allem ego­is­ti­schen und mate­ria­lis­ti­schen Stre­ben. Unse­re eige­nen Wün­sche, unse­re Kar­rie­re und Hob­bies ver­lie­ren ihre Bedeu­tung. Es reicht auch nicht, sich von offen­sicht­li­chen Sün­den abzu­wen­den, son­dern wir sol­len unser Leben nach den rich­ti­gen Prio­ri­tä­ten aus­rich­ten (Lukas 9,57–62; 14,25–33). Wir müs­sen bereit sein, Gott treu zu blei­ben, auch wenn die­se Ent­schei­dung bei unse­ren Fami­li­en oder Freun­den Ableh­nung her­vor­ruft (Mat­thä­us 10,34–38). Das sind die Kon­se­quen­zen, auf die Jesus sei­ne Jün­ger vor­be­rei­tet hat.

Wir müs­sen Gott mehr gehor­chen als den Men­schen! (Apos­tel­ge­schich­te 5,29)

b) Die rich­ti­ge Lehre

Jesus sagt, dass der Vater Anbe­ter sucht, die ihn in Geist und Wahr­heit anbe­ten (Johan­nes 4,23). Jesus offen­bar­te uns die Wahr­heit, wie wir es etwa im Gebet Jesu kurz vor sei­nem Tod sehen können:

[…] denn die Wor­te, die du mir gege­ben hast, habe ich ihnen gege­ben, und sie haben sie ange­nom­men und wahr­haf­tig erkannt, dass ich von dir aus­ge­gan­gen bin, und haben geglaubt, dass du mich gesandt hast. (Johan­nes 17,8)

Das Evan­ge­li­um und so auch das gesam­te Wort Got­tes, die Bibel, wur­de uns als Richt­schnur gege­ben, damit wir Got­tes Wil­len ver­ste­hen kön­nen. Gott offen­bar­te sich durch das Alte und Neue Tes­ta­ment, damit er uns zei­gen konn­te, wie wir leben sol­len. Die Wahr­heit kann von jedem erkannt wer­den – wie auch Pau­lus in sei­nem zwei­ten Brief an die Korin­ther schreibt:

[…] son­dern wir haben den gehei­men Din­gen, deren man sich schä­men muss , ent­sagt und wan­deln nicht in Arg­list, noch ver­fäl­schen wir das Wort Got­tes, son­dern durch die Offen­ba­rung der Wahr­heit emp­feh­len wir uns jedem Gewis­sen der Men­schen vor Gott. Wenn aber unser Evan­ge­li­um doch ver­deckt ist, so ist es nur bei denen ver­deckt, die ver­lo­ren gehen, […] (2. Korin­ther 4,2–3)

Jeder, der Gott gehor­chen will, kann sei­nen Wil­len erkennen:

Wenn jemand sei­nen Wil­len tun will, so wird er von der Leh­re wis­sen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede. (Johan­nes 7,17)

Die Erkennt­nis der Wahr­heit, das rich­ti­ge Ver­ständ­nis des Wor­tes Got­tes, ist die Grund­la­ge der Bezie­hung zu Gott. Gott zu ken­nen bedeu­tet nicht nur ein theo­re­ti­sches Ver­ständ­nis von Got­tes Wil­len. Es heißt, sei­ne Bot­schaft zu ergrei­fen und in Gemein­schaft mit ihm zu leben.

Dies aber ist das ewi­ge Leben, dass sie dich, den allein wah­ren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Chris­tus, erken­nen. (Johan­nes 17,3)

Des­halb wird im Neu­en Tes­ta­ment eine beson­de­re Beto­nung auf die rich­ti­ge Leh­re gelegt.  Ja, sogar die Erret­tung hängt davon ab:

Habe acht auf dich selbst und auf die Leh­re; behar­re in die­sen Din­gen! Denn wenn du dies tust, so wirst du sowohl dich selbst erret­ten als auch die, die dich hören. (1. Timo­theus 4,16)

Fal­sche Leh­ren zei­gen ein fal­sches Ver­ständ­nis von Gott. Jemand, der eine fal­sche Leh­re akzep­tiert, kennt den wah­ren Gott nicht und kann des­halb kei­ne wirk­li­che Bezie­hung zu ihm ein­ge­hen (2  Johan­nes 9). Nur jemand, der nicht bereit ist, sich dem wah­ren Gott unter­zu­ord­nen, wird fal­sche Leh­ren anneh­men und dar­in verharren.

Heut­zu­ta­ge gibt es vie­le ver­schie­de­ne Kon­fes­sio­nen, die sich selbst als christ­li­che Kir­chen bezeich­nen. Sie haben eine Men­ge ver­schie­de­ner Leh­ren und bie­ten ver­schie­dens­te For­men reli­giö­sen Lebens an, wobei ihre Mit­glie­der nicht dazu ange­hal­ten wer­den, sich Gott durch ein hei­li­ges Leben hinzugeben.

Im Gegen­satz dazu ist die Kir­che, die Gemein­schaft der Gläu­bi­gen, auf der Leh­re der Apos­tel erbaut (Ephe­ser 2,20). Sie akzep­tiert kei­ne neu­en Leh­ren (Gala­ter 1,9). Die Kir­che ist die Säu­le und Grund­fes­te der Wahr­heit (1. Timo­theus 3,15). Ihre Leh­re ist frei von Wider­sprü­chen, unge­teilt und unver­än­der­lich (1. Korin­ther 1,10).

Wir kön­nen die unter­schied­li­chen Kon­fes­sio­nen nicht als Tei­le der einen Kir­che betrach­ten, da sie wider­sprüch­li­che Leh­ren haben. Das heißt aber nicht, dass nie­mand in einer Kon­fes­si­on, in der fal­sche Leh­ren gelehrt wer­den, Christ wer­den kann. Aber wenn er im Glau­ben wächst, wird er mit den fal­schen Leh­ren kon­fron­tiert wer­den und wird sie ableh­nen müs­sen, um die Bezie­hung zu Gott bewah­ren zu kön­nen (sie­he: „Über die Gefahr von Irr­leh­ren“).

War­um müs­sen wir wis­sen, wer Christ ist?

Im Zeit­al­ter der „Tole­ranz“ und des Plu­ra­lis­mus wird es als unhöf­lich oder respekt­los betrach­tet, wenn jemand den Glau­ben eines ande­ren infra­ge stellt. Die „heik­len Fra­gen“ wer­den oft ver­mie­den, da man nie­man­den belei­di­gen möch­te. Aber eine Bezie­hung, in der Pro­ble­me und Unter­schie­de nicht dis­ku­tiert wer­den kön­nen, ist weder har­mo­nisch noch ehrlich.

Wenn wir mei­nen, den Glau­ben oder die Taten eines ande­ren nicht infra­ge stel­len zu dür­fen, schlie­ßen wir die Mög­lich­keit aus, mit­ein­an­der tie­fe Bezie­hun­gen zu haben. Es wür­de hei­ßen, dass wir nicht fähig wären, ein­an­der zu hel­fen, da wir nicht sehen, was der ande­re wirk­lich braucht. Got­tes Plan hin­ge­gen ist es, dass Chris­ten Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der tra­gen und so ein­an­der wirk­lich hel­fen kön­nen (Hebrä­er 3,12–14; 1. Thes­sa­lo­ni­cher 2,8–12).

Nur Men­schen, die Gott gehor­sam sein möch­ten, gehö­ren zur Kir­che (Mat­thä­us 18,15–17; 1. Korin­ther 5,9–13). Die Kir­che hat die Auf­ga­be, ein Spie­gel für ihre Mit­men­schen zu sein, sodass sie die Bezie­hung, die Chris­ten zu Gott haben, erken­nen kön­nen (Mat­thä­us 5,14–16).

Es ist trau­rig, dass es vie­le Men­schen gibt, die sich zwar Chris­ten nen­nen, dies aber durch ihre Taten ver­nei­nen. Wir müs­sen ihren Glau­ben prü­fen und ihnen zei­gen, was ihnen in ihrer Bezie­hung zu Gott fehlt. Sie müs­sen zur Umkehr auf­ge­ru­fen wer­den. Dar­an zeigt sich wirk­li­che Lie­be, dass es immer unser Wunsch sein soll, jeden Men­schen zu einem Leben im Gehor­sam Gott gegen­über zu füh­ren. Es ist für Chris­ten nicht mög­lich, Gemein­schaft mit Men­schen zu haben, die sich bewusst zu einem Leben im Irr­tum ent­schie­den haben. Wir dür­fen uns nicht ihren Leh­ren und ihrem Den­ken anpas­sen (2  Johan­nes 7–11).