Argu­men­te für die Exis­tenz Got­tes: Einleitung

War­um wir die­sen Text schreiben

Die Fra­ge nach der Exis­tenz Got­tes kön­nen wir nicht als eine rein theo­­re­­tisch-phi­­lo­­so­­phi­­sche Fra­ge abtun. Es geht auch um den Sinn unse­rer Exis­tenz. War­um ist eher etwas als nichts? Woher kom­men die Ord­nung und die Har­mo­nie im Uni­ver­sum? Was ist das Ziel von allem?

In die­ser Serie von Arti­keln haben wir ver­schie­de­ne Gedan­ken gesam­melt, die hel­fen sol­len, eine kla­re Ant­wort auf die Grund­fra­ge des Men­schen zu fin­den: Exis­tiert Gott? Statt des aus­führ­li­chen Tex­tes in den Teil­ar­ti­keln kann man auch alle Aus­füh­run­gen zu die­ser Fra­ge in ver­kürz­ter Wei­se in einem zusam­men­hän­gen­den Text lesen – „Zusam­men­fas­sung aller Gedan­ken“.

Drei Menschen stehen nachts auf einem Berggipfel und beobachten den Sternenhimmel – ein Hinweis darauf, dass Gott an der Schönheit der Natur erkannt werden kann.

1 Nach Ant­wor­ten suchen

Im Lau­fe von Jahr­hun­der­ten haben sich vie­le Phi­lo­so­phen und Theo­lo­gen mit der Fra­ge der Exis­tenz Got­tes beschäf­tigt. Ver­schie­dens­te Arten von Argu­men­ten für und wider wur­den gesam­melt. Wir brin­gen hier kei­ne Auf­lis­tung und Beur­tei­lung all die­ser Argu­men­te oder end­gül­ti­ge Bewei­se für das Dasein Got­tes. Aber wir hof­fen, mit die­sem Text eine Hil­fe­stel­lung zur Beur­tei­lung der Grün­de, die für den Glau­ben an Gott, oder gegen die­sen spre­chen, zu geben.

Vie­le Men­schen wür­den ger­ne den Sinn des Lebens, die Wahr­heit und das wun­der­ba­re Geheim­nis des Men­schen oder die ver­schie­de­nen Aspek­te der Wirk­lich­keit tief ver­ste­hen, doch sie kom­men nicht wei­ter, weil für sie der Glau­be an Gott mit ver­nunft­ge­mä­ßem Den­ken unver­ein­bar ist.

Wir wür­den ger­ne hel­fen, die­se Span­nung zu besei­ti­gen, und damit auf­zei­gen, dass in Wirk­lich­keit der Glau­be an Gott nicht ein Zei­chen man­geln­den Den­kens ist, son­dern, dass im Gegen­teil jemand, der tief nach­denkt, erken­nen kann und wird, dass das Leben mehr als die­se ver­gäng­li­che mate­ri­el­le Welt und die Wahr­heit nicht nur eine abs­trak­te Idee ist.

2 For­mu­lie­rung eini­ger bekann­ter Argumente

Tho­mas von Aquin for­mu­lier­te die fol­gen­den fünf Argu­men­te, die in aus­führ­li­cher Form in sei­nen Schrif­ten zu fin­den sind (Sum­ma Theo­lo­gi­ca I:2:3; Cont. Gent., I, xiii):

  1. Der „unbe­weg­te Bewe­ger“: Bewe­gung, wie sie im Uni­ver­sum statt­fin­det, setzt einen ruhen­den Erst­be­we­ger vor­aus (pri­mum movens immo­bi­le). Die­ser ist Gott. Ande­ren­falls bräuch­ten wir eine unend­li­che Rei­he von Bewe­gern, was der Logik völ­lig widerspricht.
  2. Alles ist durch etwas ver­ur­sacht. Ver­fol­gen wir die Rei­he der Ereig­nis­se, die im Uni­ver­sum gesche­hen, in umge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge und suchen die Grün­de für jene, dann wer­den wir not­wen­di­ger­wei­se zur Exis­tenz einer ers­ten Ursa­che kom­men, die selbst unver­ur­sacht ist.
  3. Alles Exis­tie­ren­de in der Welt ent­stand irgend­wann ein­mal und wird ver­ge­hen. Kei­nes die­ser Din­ge ist völ­lig unab­hän­gig von ande­ren Din­gen. Dies nennt man Kon­tin­genz. Die Tat­sa­che des kon­tin­gen­ten Uni­ver­sums setzt wie­der­um die Exis­tenz eines not­wen­di­gen Wesens vor­aus, das Gott ist.
  4. Die unter­schied­li­chen Gra­de der Voll­kom­men­heit in der Welt kön­nen nur durch den Ver­gleich mit dem abso­lut Voll­kom­me­nen ver­stan­den wer­den, das Gott ist.
  5. Die wun­der­vol­le Ord­nung und Har­mo­nie des Uni­ver­sums ist Beweis für einen intel­li­gen­ten Desi­gner, der nie­mand ande­rer als Gott ist, der allen Din­gen Sinn und Zweck zuord­net. (Man nennt dies auch das teleo­lo­gi­sche Argument.)

All die­se und noch ande­re Sät­ze sind eigent­lich nicht unter­schied­li­che und unab­hän­gi­ge Argu­men­te, son­dern nur ver­schie­de­ne For­mu­lie­run­gen des­sel­ben grund­sätz­li­chen Gedan­kens – der Kau­sa­li­tät. Der Beweis wird stets auf­grund der Tat­sa­che geführt, dass die erwähn­ten Erschei­nun­gen ohne die Annah­me einer sich selbst genü­gen­den und sich selbst erklä­ren­den Ursa­che (oder Grun­des oder Wesens oder Akti­vi­tät), auf die letzt­lich alles bezo­gen ist, nicht aus­rei­chend erklärt wer­den können.