Ein kri­ti­scher Blick auf die Freundschaftsevangelisation

Themenbereiche: Christen in der Welt

Die Freund­schafts­evan­ge­li­sa­ti­on wird heut­zu­ta­ge von den meis­ten reli­giö­sen Men­schen als ein wich­ti­ger Weg gese­hen, um zu mis­sio­nie­ren und Men­schen für Gott zu gewin­nen. Der Grund­ge­dan­ke ist, durch gemein­sa­me Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten Freund­schaf­ten mit ungläu­bi­gen Men­schen zu knüp­fen und spä­ter auch Gott ins Gespräch zu brin­gen. Dadurch soll ihnen die Lie­be und Gna­de Got­tes auf eine sanf­te und unauf­dring­li­che Art nahe­ge­bracht werden.

Aus dem Innern einer großen Röhre ist der Blick auf eine Seelandschaft gerichtet. Im Vordergrund sind sechs Menschen freudig damit beschäftigt, die Seiten der Röhre hinaufzulaufen.

1 Ist die Freund­schafts­evan­ge­li­sa­ti­on ein Irrweg?

Für die Freund­schafts­evan­ge­li­sa­ti­on wer­den unter ande­rem fol­gen­de Argu­men­te verwendet:

2 Gibt es ein Pro­blem an der Freundschaftsevangelisation?

Was auf den ers­ten Blick gut und ver­ständ­lich scheint, bringt Kon­se­quen­zen mit sich, die die Bot­schaft Jesu zer­stö­ren und mit einem christ­li­chen Leben nicht ver­ein­bar sind.

2.1 Führt die Freund­schafts­evan­ge­li­sa­ti­on zu einem Leben mit Kompromissen?

Ungläu­bi­ge Men­schen rich­ten ihr Leben nach ihren eige­nen Zie­len, Wün­schen und Gefüh­len aus. Das Bestre­ben eines Chris­ten hin­ge­gen ist das stän­di­ge Suchen nach dem Wil­len Got­tes. Er möch­te aus Lie­be und Ehr­furcht vor dem Schöp­fer hei­lig leben, wie auch Gott selbst hei­lig ist. Petrus schreibt im 1. Petrus 1,14–16:

Als Kin­der des Gehor­sams passt euch nicht den Begier­den an, die frü­her in eurer Unwis­sen­heit herrsch­ten, son­dern wie der, wel­cher euch beru­fen hat, hei­lig ist, seid auch ihr im gan­zen Wan­del hei­lig! Denn es steht geschrie­ben: „Seid hei­lig, denn ich bin heilig.“

Auch wenn ein hei­li­ges Leben nicht bedeu­tet, dass wir gar nicht mehr sün­di­gen, heißt es aber doch, dass der Christ ganz für Gott leben möch­te. Er will Gott kei­ne Gren­zen set­zen und nicht den eige­nen ego­is­ti­schen Wün­schen und Vor­stel­lun­gen fol­gen. Um Freund­schaf­ten knüp­fen zu kön­nen, müs­sen gemein­sa­me Inter­es­sen gefun­den wer­den und ent­spre­chen­de Akti­vi­tä­ten statt­fin­den. Eine Freund­schaft zwi­schen einem Chris­ten und einem Men­schen, der Gott nicht aner­kennt, wird unwei­ger­lich zu Kom­pro­mis­sen von­sei­ten des Chris­ten füh­ren, der sich dem ungläu­bi­gen Men­schen nähern und auf sei­ne Inter­es­sen ein­ge­hen will. Somit wird der Christ bald zum Freund der Welt. Die Bibel sagt dazu Folgendes:

Ihr Ehe­bre­che­rin­nen, wißt ihr nicht, daß die Freund­schaft der Welt Feind­schaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Got­tes. Oder meint ihr, daß die Schrift ver­geb­lich rede: ‚Eifer­süch­tig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns woh­nen ließ? (Jako­bus 4,4–5)

(Mehr dazu kannst du im Arti­kel „Seid hei­lig, denn ich bin hei­lig!“ lesen.)

Ein Christ, der Kom­pro­mis­se macht, ver­lässt nicht nur selbst den schma­len Weg, der zum ewi­gen Leben führt, son­dern ver­fälscht auch die Bot­schaft Jesu. Er ver­kün­digt damit ande­ren Men­schen, dass Din­ge, die offen­sicht­lich welt­li­che, sünd­haf­te Wün­sche näh­ren (z. B. Dis­co, Kino, Par­tys, Wett­kämp­fe), nor­ma­le Akti­vi­tä­ten dar­stel­len und nicht im Wider­spruch zum Leben in der Nach­fol­ge Jesu ste­hen. Um bei den Leu­ten immer gut anzu­kom­men, fin­det eine ste­te Anpas­sung an die Welt statt. Fast alles, was gera­de „in“ ist, hält des­halb mit kur­zer Ver­spä­tung Ein­zug in der „christ­li­chen“ Welt. Die Bot­schaft lau­tet nun: „Du kannst das, was dir gefällt, auch mit Jesus tun.“ Ein Auf­ruf zur Buße, der die Grund­la­ge der Bot­schaft Jesu und der Apos­tel war und den Anfang des neu­en Lebens als Christ bil­den muss, fehlt. Was Sün­de ist und was Umkehr bedeu­tet, wird völ­lig unklar, sofern davon über­haupt noch gespro­chen wird.

2.2 Schließt die Freund­schafts­evan­ge­li­sa­ti­on vie­le Men­schen aus?

Oft wer­den Freund­schaf­ten rein auf per­sön­li­chen Vor­lie­ben auf­ge­baut: Man ver­steht sich gut, es gibt glei­che Inter­es­sen, die­sel­be „Wel­len­län­ge“. Die­se Art von Freund­schaft schließt vie­le Men­schen aus und ist in ihrem Wesen ego­is­tisch. Jako­bus schreibt:

Wenn ihr wirk­lich das könig­li­che Gesetz ‚Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst nach der Schrift erfüllt, so tut ihr recht. Wenn ihr aber die Per­son anseht, so begeht ihr Sün­de und wer­det vom Gesetz als Über­tre­ter über­führt. (Jako­bus 2,8–9)

Das Aus­wäh­len der Freun­de nach eige­nen Vor­stel­lun­gen ist auch ein „Anse­hen der Per­son“. Jesus gibt uns mit sei­ner ganz ande­ren Hal­tung ein Bei­spiel. Er hat jeden geliebt und war bereit, alles zu geben, damit er jeden Men­schen zu einer Bezie­hung mit Gott füh­ren kann. Er woll­te nie­man­den mit sei­ner Per­son beein­dru­cken, son­dern hat auf Gott hin­ge­wie­sen (Mar­kus 10,18).

Jesus ging mit sei­ner Bot­schaft zu allen Men­schen. Denen, die sich dafür geöff­net haben, hat Jesus dann viel Zeit gewid­met und sie noch vie­les mehr gelehrt (z. B. Mar­kus 6,30 ff.). Die­je­ni­gen, die sei­ne Bot­schaft ange­nom­men haben und den Wil­len Got­tes tun woll­ten, hat er Freun­de (Johan­nes 15, 14) und sogar Brü­der und Schwes­tern genannt:

Und es kom­men sei­ne Mut­ter und sei­ne Brü­der; und sie stan­den drau­ßen, sand­ten zu ihm und rie­fen ihn. Und eine Volks­men­ge saß um ihn her; sie sag­ten aber zu ihm: Sie­he, dei­ne Mut­ter und dei­ne Brü­der und dei­ne Schwes­tern drau­ßen suchen dich. Und er ant­wor­te­te ihnen und spricht: Wer sind mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der? Und er blick­te umher auf die um ihn im Krei­se Sit­zen­den und spricht: Sie­he, mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der! Wer den Wil­len Got­tes tut, der ist mein Bru­der und mei­ne Schwes­ter und mei­ne Mut­ter. (Mar­kus 3,31–35)

Durch die Kon­zen­tra­ti­on auf eini­ge Freun­de, bei denen aktu­ell kein Inter­es­se am Glau­ben sicht­bar ist, gibt man nur weni­gen Men­schen eine Chan­ce. Nie­mand kann es ermes­sen, wie vie­le, die nach Gott suchen, durch die­se „Mis­si­ons­me­tho­de“ kei­ne Mög­lich­keit bekom­men, Jesus ken­nen­zu­ler­nen. Der Lie­be ent­spricht das nicht. Wer die Men­schen lie­ben will, wird viel­mehr immer und über­all aktiv die­je­ni­gen suchen, die umkeh­ren und sich für Got­tes Wir­ken öff­nen wollen.

3 Wie soll der Mis­si­ons­be­fehl umge­setzt werden?

Wäh­rend sei­nes Diens­tes erklär­te Jesus sei­nen Jün­gern, wie sie die Men­schen zum Reich Got­tes ein­la­den und auf sein Kom­men vor­be­rei­ten sollen:

Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus ein­tre­tet, dort bleibt, bis ihr von dort weg­geht! Und wel­cher Ort euch nicht auf­neh­men und wo man euch nicht anhö­ren wird, von dort geht hin­aus und schüt­telt den Staub ab, der unter euren Füßen ist, ihnen zum Zeug­nis! Und sie zogen aus und pre­dig­ten, dass sie Buße tun soll­ten. (Mar­kus 6,10–12)

Die Jün­ger soll­ten klar von der Wahr­heit zeu­gen. Wenn jemand die Bot­schaft nicht anneh­men woll­te, soll­ten sie den Staub von ihren Füßen schüt­teln und dadurch deut­lich machen, dass sie ihre Ver­ant­wor­tung wahr­ge­nom­men haben und dort kei­ne wei­te­ren Auf­ga­ben sahen. Natür­lich ging es nicht um eine per­sön­li­che Ableh­nung die­ser Men­schen. Ihr Auf­trag war es aber, die­je­ni­gen zu suchen, die ger­ne das Evan­ge­li­um hören und sich auf das Kom­men des Mes­si­as vor­be­rei­ten woll­ten. Das wäre nicht mög­lich gewe­sen, wenn sie sich dar­an auf­ge­hal­ten hät­ten, Freund­schaf­ten zu knüp­fen mit denen, die kei­ne Offen­heit für die fro­he Bot­schaft zeigten.

Jesus hat die Men­schen mit der Wahr­heit kon­fron­tiert – klar, lie­be­voll, kon­kret.[1] Er hat ihnen das gesagt, was für ihre Lebens­si­tua­ti­on wich­tig war und was sie von Gott trennt. Zum rei­chen Jüng­ling z. B. sag­te er klar, dass er sei­nen Besitz auf­ge­ben muss, um ins Reich Got­tes zu kom­men (Mar­kus 10,17–31). Als der jun­ge Mann die­sem Anspruch nicht fol­gen woll­te, ist Jesus ihm nicht nach­ge­lau­fen und hat nicht ein­ge­lenkt. Er hielt an die­ser Wahr­heit fest, dass nie­mand, der nicht bereit ist, alles auf­zu­ge­ben, ins Him­mel­reich kom­men kann. Die­sel­be Hal­tung Jesu fin­den wir auch in Johan­nes 6. Nach der Brot­re­de woll­ten vie­le ihm nicht mehr fol­gen, es war ihnen zu hart (Johan­nes 6,60–69). Jesus hat nichts von sei­nen Wor­ten zurück­ge­nom­men. Er war eher bereit, auch die zwölf Jün­ger zu ver­lie­ren, die er sich erwählt hat­te, damit sie immer mit ihm gin­gen, als von sei­ner Bot­schaft Abstri­che zu machen.

Jeder Mensch hat ein Gewis­sen. Wenn er dar­auf hören möch­te, kann er mehr und mehr Got­tes Sicht der Din­ge, also die Wahr­heit über sich selbst und alles, was sein Leben betrifft, erken­nen. Des­halb kann man ande­ren am bes­ten hel­fen, wenn man ihr Gewis­sen anspricht und sie dazu ruft, sich auf­rich­tig mit ihrem Leben zu kon­fron­tie­ren. So wer­den sie mit all ihrem Den­ken und Tun in das Licht des Wor­tes Got­tes gestellt.

Pau­lus schreibt über sei­nen Dienst:

Dar­um, da wir die­sen Dienst haben, weil wir ja Erbar­men gefun­den haben, ermat­ten wir nicht; son­dern wir haben den gehei­men Din­gen, deren man sich schä­men muss, ent­sagt und wan­deln nicht in Arg­list, noch ver­fäl­schen wir das Wort Got­tes, son­dern durch die Offen­ba­rung der Wahr­heit emp­feh­len wir uns jedem Gewis­sen der Men­schen vor Gott. Wenn aber unser Evan­ge­li­um doch ver­deckt ist, so ist es nur bei denen ver­deckt, die ver­lo­ren gehen, den Ungläu­bi­gen, bei denen der Gott die­ser Welt den Sinn ver­blen­det hat, damit sie den Licht­glanz des Evan­ge­li­ums von der Herr­lich­keit des Chris­tus, der Got­tes Bild ist, nicht sehen. Denn wir pre­di­gen nicht uns selbst, son­dern Chris­tus Jesus als Herrn, uns aber als eure Skla­ven um Jesu wil­len. (2. Korin­ther 4,1–5)

Die­se Stel­le erklärt, war­um Men­schen die Wahr­heit nicht anneh­men. Der eigent­li­che Grund für die Ableh­nung der Bot­schaft Jesu ist ihr „ver­blen­de­ter Sinn“ durch die Lie­be zur Welt. Da sie mei­nen, in den welt­li­chen Din­gen ihre Erfül­lung zu fin­den, ver­sper­ren sie sich gegen den Ruf zur Umkehr und zum Ver­trau­en, dass nur in der Bezie­hung mit ihrem Schöp­fer wirk­li­che und ewi­ge Erfül­lung zu fin­den ist. Wenn Men­schen die Welt mehr lie­ben als Gott, hilft auch eine Freund­schaft nicht. Selbst das größ­te Wun­der wird sie nicht davon über­zeu­gen, ein gott­ge­fäl­li­ges Leben füh­ren zu wol­len.[2]

Die größ­te Hil­fe für einen Men­schen ist es, ihn mit der guten Bot­schaft bekannt zu machen und ihn zum Leben mit Gott ein­zu­la­den. Ein prak­ti­sches Bei­spiel fin­den wir in der Apos­tel­ge­schich­te in dem, wie Pau­lus zu den Athe­nern sprach. Zuerst erklär­te er ihnen, wer und wie Gott ist. Danach for­dert er sie auf, ihr Leben zu ändern, weil Gott Gericht hal­ten wird:

Nach­dem nun Gott die Zei­ten der Unwis­sen­heit über­se­hen hat, gebie­tet er jetzt den Men­schen, dass sie alle über­all Buße tun sol­len, weil er einen Tag fest­ge­setzt hat, an dem er den Erd­kreis rich­ten wird in Gerech­tig­keit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gege­ben, dass er ihn auf­er­weckt hat aus den Toten. Als sie aber von Toten­auf­er­ste­hung hör­ten, spot­te­ten die einen, die ande­ren aber spra­chen: Wir wol­len dich dar­über auch noch­mals hören. So ging Pau­lus aus ihrer Mit­te fort. Eini­ge Män­ner aber schlos­sen sich ihm an und glaub­ten … (Apos­tel­ge­schich­te 17,30–34)

Eini­ge behaup­ten, dass unse­re Zeit eine ganz ande­re sei als die des Pau­lus und des­halb die Art und Wei­se, wie er mis­sio­niert hat, heu­te nicht mehr so ange­bracht wäre. Sicher haben sich Kul­tur, Tech­nik und sozia­le Ver­hält­nis­se ver­än­dert, aber das Wesen des Men­schen und die Wahr­heit der Bot­schaft Jesu ist die­sel­be geblie­ben. Auch damals fan­den vie­le die­se Bot­schaft unan­ge­bracht und töricht. In Athen waren eini­ge weni­ge bereit, ihr Leben zu ver­än­dern, vie­le ande­re ver­spot­te­ten Pau­lus. Er kam aller­dings nicht auf den Gedan­ken, sei­ne Mis­si­ons­art infra­ge zu stel­len. Er wuss­te, dass es an den Men­schen liegt, und er war bereit, zwei Din­ge zu akzep­tie­ren, die den heu­ti­gen reli­giö­sen Men­schen sehr schwer fallen:

  1. dass der Weg zu Gott schmal ist (Mat­thä­us 7,14) und nur weni­ge dar­auf gehen wollen,
  2. dass jeder Jün­ger Jesu die Schmach des Kreu­zes, die Schmach der Ableh­nung um des kla­ren Anspru­ches und der kla­ren Bot­schaft Jesu wil­len tra­gen muss (Lukas 9,23–26).

4 Die Gemein­de ist das größ­te Zeugnis

Das Leben der Chris­ten in der Gemein­de ist das größ­te Zeug­nis für das Wir­ken Got­tes. Jeder, der Christ wird, erfährt eine tief­grei­fen­de Ände­rung aller sei­ner Zie­le, Wer­te und Ansich­ten. Dadurch wird ein gemein­sa­mes Leben in selbst­lo­ser Lie­be und tie­fer Ein­heit mög­lich, wie es in der Welt nicht zu fin­den ist. Mis­si­on heißt nicht nur, Men­schen zur Umkehr zu rufen, son­dern sie in die­se neue Fami­lie, in die Gemein­de, ein­zu­la­den, wo sie Got­tes Wil­len ver­wirk­licht sehen können.

Jesus selbst hat davon gespro­chen, dass die Welt die Chris­ten an der Lie­be und an der Ein­heit unter sei­nen Jün­gern erken­nen kann. Dar­an soll­ten die Men­schen sehen, dass Jesus auch nach sei­ner Him­mel­fahrt in der Mit­te der Chris­ten ist und sie dazu befä­higt, sei­ne Gebo­te in die Tat umzusetzen.

Ich habe ihnen dein Wort gege­ben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie ich nicht von der Welt bin. Ich bit­te nicht, dass du sie aus der Welt weg­nimmst, son­dern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin. Hei­li­ge sie durch die Wahr­heit! Dein Wort ist Wahr­heit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt; und ich hei­li­ge mich selbst für sie, damit auch sie Gehei­lig­te sei­en durch Wahr­heit. Aber nicht für die­se allein bit­te ich, son­dern auch für die, wel­che durch ihr Wort an mich glau­ben, damit sie alle eins sei­en, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins sei­en, damit die Welt glau­be, dass du mich gesandt hast. (Johan­nes 17,14–21)

Ein neu­es Gebot gebe ich euch, daß ihr ein­an­der liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr ein­an­der liebt. Dar­an wer­den alle erken­nen, daß ihr mei­ne Jün­ger seid, wenn ihr Lie­be unter­ein­an­der habt. (Johan­nes 13,34–35)

Die prak­ti­sche Kon­se­quenz des­sen steht kurz in Apos­tel­ge­schich­te 2,37–47 beschrie­ben. Die­je­ni­gen, die dem Bei­spiel der Lie­be und Hin­ga­be Jesu fol­gen woll­ten, tra­fen ein­an­der täg­lich und teil­ten alles mit­ein­an­der. Sie hal­fen sich gegen­sei­tig, Gott näher zu kom­men und ihm bis ans Lebens­en­de durch ein hei­li­ges Leben treu zu blei­ben (mehr dazu im Arti­kel über „Das Leben der ers­ten Chris­ten“).

Da unse­re Zeit begrenzt ist, müs­sen wir gut über­le­gen, wie wir sie am bes­ten ver­wen­den sol­len (Ephe­ser 5,15–17). Wenn man ver­sucht, durch Freund­schaf­ten das Evan­ge­li­um zu ver­kün­di­gen, und man die Zeit mit ungläu­bi­gen Freun­den für welt­li­che Akti­vi­tä­ten ver­wen­det, wird das eigent­li­che Zeug­nis für die Welt zer­stört. Denn dann wer­den ande­re Din­ge wich­ti­ger als die Gemein­schaft mit Glau­bens­ge­schwis­tern als Aus­druck der brü­der­li­chen Lie­be und das damit ver­bun­de­ne Rin­gen um tie­fe Ein­heit in Fra­gen des Glau­bens und des Lebens (mehr dazu im Arti­kel „Über die Ein­heit der Chris­ten“). Die Zeit, die dafür nötig wäre, wird statt­des­sen zum Auf­bau und zur Pfle­ge der Freund­schaf­ten ver­wen­det. Tie­fe und ver­trau­ens­vol­le Bezie­hun­gen inner­halb der Gemein­de kön­nen somit nicht ent­ste­hen bzw. erhal­ten werden.

Mehr dar­über, was die ers­te Gemein­de aus­zeich­ne­te und wie sie ein Zeug­nis für die Welt war, fin­dest du unter dem Titel „Die Kir­che“.

5 Schluss­fol­ge­run­gen

Es mag wie ein schö­ner Wunsch klin­gen, es den Men­schen so leicht wie mög­lich machen zu wol­len, aber die christ­li­che Bot­schaft ist und bleibt für immer die Bot­schaft des Kreu­zes. Das heißt, dass die Bot­schaft, die Jesus gebracht hat, den meis­ten Men­schen unan­ge­nehm ist, weil sie dazu auf­ruft, sich zu ändern und sich Gott unter­zu­ord­nen, so wie Jesus es tat. Die Leh­re der Freund­schafts­evan­ge­li­sa­ti­on macht die Bot­schaft des Kreu­zes zunich­te und legi­ti­miert oder för­dert gar ein Leben nach den eige­nen Wün­schen oder Begier­den unter dem Vor­wand der Mis­si­on. Auch wird durch sol­che, an die Erwar­tun­gen der Men­schen ange­pass­te Mis­si­ons­me­tho­den die Kraft Got­tes geleug­net, die sich dar­in zeigt, dass ein und die­sel­be Bot­schaft Men­schen zu allen Zei­ten und an allen Orten zu einem neu­en Leben füh­ren kann. Pau­lus beschreibt schön, was Got­tes Plan ist:

Denn weil in der Weis­heit Got­tes die Welt durch die Weis­heit Gott nicht erkann­te, hat es Gott wohl­ge­fal­len, durch die Tor­heit der Pre­digt die Glau­ben­den zu ret­ten. Denn wäh­rend Juden Zei­chen for­dern und Grie­chen Weis­heit suchen, pre­di­gen wir Chris­tus als gekreu­zigt, den Juden ein Ärger­nis und den Natio­nen eine Tor­heit; den Beru­fe­nen selbst aber, Juden wie Grie­chen, Chris­tus, Got­tes Kraft und Got­tes Weis­heit. Denn das Törich­te Got­tes ist wei­ser als die Men­schen, und das Schwa­che Got­tes ist stär­ker als die Men­schen. (1. Korin­ther 1,21–25)

Nicht ange­neh­me Wor­te oder ein beque­mer Weg füh­ren die Men­schen zu Gott, son­dern die „Tor­heit“ der Pre­digt zur Umkehr. Die Apos­tel haben nichts ver­an­stal­tet, son­dern mit ein­fa­chen, kla­ren Wor­ten Sün­der zur Buße geru­fen – eine Bot­schaft, die der Welt unsin­nig erscheint. Jesus selbst gibt uns ein gutes Bei­spiel, indem er nie­mals das pre­dig­te, was den Men­schen gefiel, son­dern jeden zur radi­ka­len Nach­fol­ge[3] aufrief.

Jeder, der Gott fin­den will, muss sich vor ihm tief demü­ti­gen, indem er sei­ne eige­nen Vor­stel­lun­gen vom Leben auf­gibt und nur noch für Gott leben will. Die Gemein­de ist das leben­di­ge Zeug­nis der Kraft Got­tes. Die­ses Zeug­nis kann für jeden Men­schen, der nach dem Sinn im Leben oder nach Got­tes Wil­len sucht, die wirk­li­che Hil­fe sein. Des­halb sol­len wir durch unser Bei­spiel die Men­schen zu die­sem Leben ermun­tern und uns rein und unbe­ein­flusst von den sünd­haf­ten Ange­bo­ten der Welt halten.


Fußnoten

  1. Z. B. in Mat­thä­us 23, Johan­nes 5,30–47 und 8,12 ff. etc.
  2. Lukas 16,31 (Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Mose und die Pro­phe­ten nicht hören, so wer­den sie auch nicht über­zeugt wer­den, wenn jemand aus den Toten aufersteht.).
  3. Der Auf­ruf zur radi­ka­len Nach­fol­ge bedeu­te­te nicht immer, alles zu ver­las­sen, um mit Jesus mit zu zie­hen, wie es bei den 12 Jün­gern der Fall war. Die Bereit­schaft dazu muss­te aller­dings damals und muss auch heu­te bei jedem Men­schen da sein, der Jesus nach­fol­gen und sein Jün­ger, also Christ, sein will (Lukas 9,23 f.). Wie das dann prak­tisch aus­sieht, zeigt Gott jedem Men­schen gern.


Z. B. in Mat­thä­us 23, Johan­nes 5,30–47 und 8,12 ff. etc.

Lukas 16,31 (Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Mose und die Pro­phe­ten nicht hören, so wer­den sie auch nicht über­zeugt wer­den, wenn jemand aus den Toten aufersteht.).

Der Auf­ruf zur radi­ka­len Nach­fol­ge bedeu­te­te nicht immer, alles zu ver­las­sen, um mit Jesus mit zu zie­hen, wie es bei den 12 Jün­gern der Fall war. Die Bereit­schaft dazu muss­te aller­dings damals und muss auch heu­te bei jedem Men­schen da sein, der Jesus nach­fol­gen und sein Jün­ger, also Christ, sein will (Lukas 9,23 f.). Wie das dann prak­tisch aus­sieht, zeigt Gott jedem Men­schen gern.