Über die „Geis­tes­tau­fe“

War­um wir die­sen Text schreiben

Wir schrei­ben die­sen Text, weil wir über­zeugt sind, dass Gott allen sei­nen Kin­dern mit der­sel­ben Lie­be begeg­net. Wenn sich jemand Ihm zuwen­det, und dadurch Got­tes Kind wird, schenkt ihm Gott sofort eine tie­fe Bezie­hung zu sich. Gleich bei der Bekeh­rung wird sein Herz vom Hei­li­gen Geist erfüllt. Das ist die Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist, mit der Gott die Ent­schei­dung des Men­schen, Jesus nach­zu­fol­gen, unmit­tel­bar beant­wor­tet. Wir wol­len anhand der Bibel zei­gen, war­um die charismatisch/pfingstlerischen Leh­re, die nor­ma­ler­wei­se ((Sie stim­men auch zu, dass in Ein­zel­fäl­len die­se bei­den Ereig­nis­se gleich­zei­tig gesche­hen kön­nen, oder auch, dass die Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist der Was­ser­tau­fe vor­an­ge­hen kann. Doch wer­den sol­che Fäl­le als Aus­nah­men betrach­tet, und es wird behaup­tet, dass im Nor­mal­fall nach der Bekeh­rung und der Was­ser­tau­fe eini­ge Zeit bis zur Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist ver­streicht. Das Zei­chen die­ser Geis­tes­tau­fe ist nor­ma­ler­wei­se die Gabe der Zun­gen­re­de. Wir wol­len in die­sem Text die weit­ver­brei­tets­te Leh­re über die Geis­tes­tau­fe wider­le­gen, sind uns aber des­sen bewusst, dass nicht alle Pfingst­ler und Cha­ris­ma­ti­ker in die­sem Punkt gleich den­ken.)) Umkehr und Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist als zwei zeit­lich getrenn­te Ereig­nis­se unter­schei­det, einen Irr­tum bzw. eine Irr­leh­re darstellt.

Schöne Feuerflammen eines Lagerfeuers bei Nacht. Feuer wird in der Bibel häufig als Bild für die Gegenwart des Heiligen Geistes verwendet.

1 Was ist die „Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist“ im Neu­en Testament?

Alle vier Evan­ge­li­en spre­chen über die „Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist“: Mat­thä­us 3,11; Mar­kus 1,8; Lukas 3,16; Johan­nes 1,33. Dort weist Johan­nes der Täu­fer auf Jesus hin, der mit dem Hei­li­gen Geist tau­fen wird. Jesus ist der, der „stär­ker“ ist als Johan­nes. Johan­nes rief die Men­schen zur Reue und Umkehr auf. Jesus gibt durch den Geist auch die Kraft, um in sei­ner Nach­fol­ge ein Leben zu füh­ren, das Gott gefällt. Was Johan­nes der Täu­fer ver­hei­ßen hat, hat Gott beim Pfingst­fest des Jah­res 30 erfüllt, wie es Jesus auch vor sei­ner Auf­nah­me in den Him­mel ange­kün­digt hat­te (Apos­tel­ge­schich­te 1,4–5). Die Jün­ger, die sich aus Furcht vor den Juden hin­ter ver­schlos­se­nen Türen ver­steckt hiel­ten (Johan­nes 20,19), gewan­nen durch den Emp­fang des Hei­li­gen Geis­tes Mut und gött­li­che Weis­heit, die Froh­bot­schaft über Jesus zu ver­kün­di­gen (Apos­tel­ge­schich­te 2,14).

2 Die heils­ge­schicht­lich ein­ma­li­ge Situa­ti­on der Jün­ger: Ihre Umkehr und die Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist sind zeit­lich getrennt

Die ers­ten Jün­ger ent­schie­den sich, Jesus nach­zu­fol­gen, als sie von ihm geru­fen wur­den. Sie muss­ten aber bis Pfings­ten 30 auf die Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist war­ten. Den Grund für die­sen zeit­li­chen Abstand fin­den wir in den Wor­ten Jesu:

Doch ich sage euch die Wahr­heit: Es ist euch nütz­lich, dass ich weg­ge­he, denn wenn ich nicht weg­ge­he, wird der Bei­stand nicht zu euch kom­men; wenn ich aber hin­ge­he, wer­de ich ihn zu euch sen­den. (Johan­nes 16,7)

An dem letz­ten, dem gro­ßen Tag des Fes­tes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürs­tet, so kom­me er zu mir und trin­ke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus sei­nem Lei­be wer­den Strö­me leben­di­gen Was­sers flie­ßen. Dies aber sag­te er von dem Geist, den die emp­fan­gen soll­ten, die an ihn glaub­ten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht ver­herr­licht wor­den war. (Johan­nes 7, 38–39)

Aus die­sen Stel­len kön­nen wir sehen, dass die Jün­ger in einer ein­zig­ar­ti­gen Situa­ti­on waren: Obwohl sie, als sie Jesus ken­nen­lern­ten, in sei­ne Nach­fol­ge ein­ge­tre­ten sind und sei­ne Jün­ger wur­den, emp­fin­gen sie den Hei­li­gen Geist erst spä­ter, nach Jesu Ver­herr­li­chung.[1] Sie muss­ten war­ten, da der Geist noch nicht da war (Johan­nes 7,39). Nach der Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Geis­tes (die drit­te gött­li­che Per­son wur­de zu Pfings­ten offen­bart) gibt es für die, die sich ent­schei­den, Jesus nach­zu­fol­gen, kei­nen Grund mehr zu war­ten. Sie wer­den sofort mit dem Hei­li­gen Geist erfüllt.

3 Die neue Situa­ti­on nach Pfings­ten: Wer umkehrt, wird mit dem Hei­li­gen Geist getauft, das heißt, sofort mit dem Geist erfüllt

Nach der Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Geis­tes zu Pfings­ten sind die Bekeh­rung und die Tau­fe mit dem Hei­li­gen Geist nicht mehr zwei unter­schied­li­che Ereig­nis­se. Zu jedem, der sein Herz für Gott öff­net, kommt er sofort, um in ihm zu wohnen.

[…] und ich wer­de den Vater bit­ten, und er wird euch einen ande­ren Bei­stand geben, dass er bei euch sei in Ewig­keit. Den Geist der Wahr­heit, den die Welt nicht emp­fan­gen kann, weil sie ihn nicht sieht, noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein […] Jesus ant­wor­te­te und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort hal­ten, und mein Vater wird ihn lie­ben, und wir wer­den zu ihm kom­men und Woh­nung bei ihm machen. (Johan­nes 14,16–17.23)

Zuerst spricht Jesus über die Sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes, der für immer bei den Jün­gern sein wird, dann dar­über, dass der Vater und Jesus selbst im Gläu­bi­gen woh­nen wer­den. Beim Emp­fang des Hei­li­gen Geis­tes nimmt also der drei­ei­ne Gott selbst in uns Woh­nung. Eben­so wenig wie nur ein Teil des Vaters und des Soh­nes bei der Umkehr im Chris­ten Woh­nung nimmt, wird auch der Hei­li­ge Geist nur teil­wei­se aus­ge­gos­sen. Die ein­zi­ge Vor­aus­set­zung, von der Jesus hier spricht, ist, ihn zu lie­ben und sein Wort zu hal­ten. Gott zögert nicht mit sei­ner Lie­be, son­dern kommt sofort und gießt sie aus in das Herz derer, die ihn lieben.

[…] denn die Lie­be Got­tes ist aus­ge­gos­sen in unse­re Her­zen durch den Hei­li­gen Geist, der uns gege­ben wor­den ist. (Römer 5,5)

Es passt nicht zu Got­tes Wesen, dass er dem, der sich nach ihm sehnt, nur einen Teil sei­ner Lie­be schenkt. Wei­ters ist der Hei­li­ge Geist Per­son und kann daher nicht wie Was­ser por­ti­ons­wei­se gege­ben wer­den. Sein Wir­ken wird oft mit bele­ben­dem Was­ser ver­gli­chen, das erfrischt und den Durst löscht. Wir kön­nen in sol­chen Stel­len nie lesen, dass Gott zuerst ein biss­chen Was­ser und spä­ter das vol­le Aus­maß gibt. Wenn im Alten Tes­ta­ment die Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Geis­tes mit dem Bild des Was­sers ver­hei­ßen wird, wer­den immer Aus­drü­cke der Fül­le ver­wen­det: direkt in Jesa­ja 32,14–16; 44,1–5; Joel 3,1; ver­glei­che wei­ters: Jes 43,19–20; 41,17–20; 35,7; 55,1–2; 58,11; Eze­chi­el 47,1–12.

Da der Hei­li­ge Geist Per­son ist, ist er ent­we­der im Her­zen eines Men­schen gegen­wär­tig oder er ist es nicht. Wenn er gegen­wär­tig ist, ist er es mit sei­nem gan­zen Wesen und erfüllt so das Herz des Gläubigen.

Denn einst waren auch wir unver­stän­dig, unge­hor­sam, gin­gen in die Irre, dien­ten man­cher­lei Begier­den und Lüs­ten, führ­ten unser Leben in Bos­heit und Neid, ver­hasst, ein­an­der has­send. Als aber die Güte und die Men­schen­lie­be unse­res Ret­ter-Got­tes erschien, ret­te­te er uns, nicht aus Wer­ken, die, in Gerech­tig­keit voll­bracht, wir getan hät­ten, son­dern nach sei­ner Barm­her­zig­keit durch die Waschung der Wie­der­ge­burt und Erneue­rung des Hei­li­gen Geis­tes.[2] Den hat er durch Jesus Chris­tus, unse­ren Ret­ter, reich­lich über uns aus­ge­gos­sen, damit wir, gerecht­fer­tigt durch sei­ne Gna­de, Erben nach der Hoff­nung des ewi­gen Lebens wur­den. (Titus 3,3–7)

Der Zusam­men­hang, in dem Pau­lus hier schreibt, ist die Umkehr. Aus unse­rem frü­he­ren Unge­hor­sam hat uns Gott durch die Waschung der Wie­der­ge­burt und die durch den Hei­li­gen Geist gewirk­te Erneue­rung geret­tet. Die­sen Geist hat er reich­lich über uns aus­ge­gos­sen. Umkehr und den Emp­fang des reich­lich (d. h. voll, da das Wort „reich­lich“ bei Gott ja nicht mei­nen kann, dass er den Geist nur teil­wei­se gibt) aus­ge­gos­se­nen Geis­tes kön­nen daher nicht als zwei unter­schied­li­che Ereig­nis­se gedeu­tet wer­den, die zu ver­schie­de­nen Zei­ten gesche­hen können.

Wenn jemand den Geist nicht reich­lich emp­fan­gen hat, dann ist er nicht gewa­schen und erneu­ert. Er hat die Geburt von oben nicht emp­fan­gen. Dann ist er auch nicht erret­tet, nicht gerecht gemacht und auch kein Erbe des ewi­gen Lebens (Vers 7).

In einer ande­ren Stel­le ver­bin­det Pau­lus den vol­len Emp­fang des Hei­li­gen Geis­tes damit, dass jemand ein Glied am Leib (der Gemein­de) ist.

Denn wie der Leib einer ist und vie­le Glie­der hat, alle Glie­der des Lei­bes aber, obwohl vie­le, ein Leib sind: so auch der Chris­tus. Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft wor­den, es sei­en Juden oder Grie­chen, es sei­en Skla­ven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt wor­den. (1. Korin­ther 12,12–13)

Jedes Glied der Gemein­de ist mit dem einen Geist getränkt wor­den. Der Aus­druck „Getränkt wer­den“ weist wie­der in star­ker Wei­se auf die Fül­le hin. Wie wir bereits gezeigt haben, kann sich der Geist als Per­son nur ganz und nicht teil­wei­se geben. Wenn er jeman­den tränkt, so tut er das völ­lig und gibt nicht zuerst einen klei­nen Schluck und spä­ter stillt er den Durst ganz. Die­se Leh­re passt bes­ser zur von öst­li­chen Reli­gio­nen ver­tre­te­nen Vor­stel­lung eines unper­sön­li­chen Got­tes und einer alles durch­drin­gen­den Ener­gie, aber nicht zu dem per­sön­li­chen Gott, der sich durch die Schrift offen­bart hat.

Wenn der Hei­li­ge Geist in zwei Stu­fen aus­ge­gos­sen wür­de (zuerst teil­wei­se, dann voll­stän­dig), gäbe es auch zwei Arten von Chris­ten in der Gemein­de, je nach der Men­ge des emp­fan­ge­nen Geis­tes. Das ist aber nicht das Bild der Gemein­de, das uns in 1. Korin­ther 12 gezeigt wird. Im grö­ße­ren Zusam­men­hang die­ser Stel­le sehen wir, dass für Pau­lus jeder Ein­zel­ne in der Gemein­de sehr wert­voll ist, weil der­sel­be Geist in ihm wohnt, durch den er Jesus als sei­nen Herrn bekennt und von dem er die Gaben emp­fan­gen hat: 1. Korin­ther 12,3–11.

Es gibt Unter­schie­de in den Gaben, in den Diens­ten und Wir­kun­gen, aber Pau­lus spricht nicht über Unter­schie­de was die emp­fan­ge­ne „Men­ge“ des Hei­li­gen Geis­tes (teil­wei­se oder völ­lig) betrifft, obwohl es sehr gut gepasst hät­te, einen der­ar­ti­gen Unter­schied in den Ver­sen 4–6 zu erwäh­nen. Alle in den Ver­sen 8–10 erwähn­ten Gaben wei­sen dar­auf hin, dass jemand mit dem Geist erfüllt ist – nicht nur die Zun­gen­re­de, die von den charismatisch/pfingstlerischen Grup­pen als ein kla­res Zei­chen der Geis­tes­tau­fe betont wird.

Römer 8,1–17 schließt ein „fleisch­li­ches“ Chris­ten­tum aus. Nach übli­cher cha­ris­ma­ti­scher Leh­re wer­den nicht mit dem Geist getauf­te „Chris­ten“ „fleisch­li­che Chris­ten“ genannt.[3] Die nach dem Fleisch leben, kön­nen Gott nicht gefal­len und wer­den ster­ben. Chris­ten sind vom Geist geführt und töten die Wer­ke des Lei­bes. Vom Geist gelei­tet zu sein ist doch das­sel­be wie von ihm erfüllt zu sein. Gott möch­te sei­ne Kin­der von Anfang an an sei­nem gan­zen Wesen Anteil neh­men las­sen, um ihnen in ihren Kämp­fen zu hel­fen. War­um soll­te er das gera­de am Anfang, wenn ein neu­ge­bo­re­ner Christ oft star­ke Kämp­fe hat, nur teil­wei­se tun? Er schenkt uns die Fül­le, damit wir eine tie­fe Bezie­hung zu ihm erfah­ren kön­nen, die uns zu einem aus dem Gehor­sam kom­men­den sieg­rei­chen Leben befähigt.

Auch Pau­lus‘ eige­nes Bei­spiel in Damas­kus bezeugt, dass die Erfül­lung mit dem Hei­li­gen Geist nicht von der Bekeh­rung getrennt wer­den kann (Apos­tel­ge­schich­te 9,17–18). Erwäh­nens­wert ist, dass hier im Zusam­men­hang mit der Hand­auf­le­gung durch Ana­ni­as weder von der Zun­gen­re­de (wie es die klas­sisch cha­ris­ma­ti­sche Theo­rie lehrt) noch von irgend­ei­ner ande­ren sicht­ba­ren Geis­tes­ga­be die Rede ist.

Auch in Apos­tel­ge­schich­te 10,44–48 – im Fall von Kor­ne­li­us – kön­nen wir sehen, dass bei der Bekeh­rung der Geist über ihn und sein Haus aus­ge­gos­sen wur­de – und das vor ihrer Tau­fe! (Nach klas­sisch cha­ris­ma­ti­scher Leh­re müss­te die Rei­hen­fol­ge lau­ten: Umkehr, Was­ser­tau­fe, Geistestaufe.)

4 Erfüllt vom Geist: Die Bezie­hung zum Hei­li­gen Geist im Leben eines Christen

Bei der Bekeh­rung nimmt Gott durch den Hei­li­gen Geist in uns Woh­nung. Die­se Bezie­hung zu ihm kann ent­we­der durch unse­ren Gehor­sam (Ent­schei­dun­gen für das Gute, Hin­ga­be, Gebet) gestärkt oder aber durch unse­ren Unge­hor­sam auch geschwächt wer­den. Aus­drü­cke wie „[…] son­dern wer­det vol­ler Geist […]“ in Ephe­ser 5,18 oder „Und betrübt nicht den Hei­li­gen Geist Got­tes, […]“ in Ephe­ser 4,30 zei­gen, dass es sehr von uns, unse­rem Gehor­sam, abhängt, wie sehr der Hei­li­ge Geist in uns wir­ken kann. In Gala­ter 5,25 drückt Pau­lus etwas Ähn­li­ches aus: „Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln!“

In Apos­tel­ge­schich­te 4,31 bete­ten die ers­ten Chris­ten instän­dig und erfuh­ren eine gro­ße Stär­kung in ihrem Glau­ben durch den Hei­li­gen Geist:

[…] und sie wur­den alle mit dem Hei­li­gen Geist erfüllt und rede­ten das Wort Got­tes mit Freimütigkeit.

Wir fin­den den Aus­druck „mit dem Hei­li­gen Geist erfüllt sein“ auch in ande­ren Situa­tio­nen in der Apos­tel­ge­schich­te, wenn der Geist jemand in einer schwie­ri­gen Lage stärk­te. Apos­tel­ge­schich­te 4,5–10; 13,9–12. In sol­chen Fäl­len hat das „Erfüllt sein mit dem Hei­li­gen Geist“ eine ande­re Bedeu­tung als z. B. in Apos­tel­ge­schich­te 2,4 oder in ande­ren Stel­len, wo sich jemand bekehrt und den Hei­li­gen Geist emp­fängt (z. B.: Apos­tel­ge­schich­te 9,17). Es ist nicht der Anfang der Bezie­hung zum Hei­li­gen Geist gemeint, son­dern eine Bestär­kung und beson­de­re Erfah­rung sei­ner Kraft und Hilfe.

Wenn wir lesen, dass ein Christ „voll des Geis­tes“ war, heißt das nicht, dass er – im Unter­schied zu ande­ren Chris­ten – die Geis­tes­tau­fe emp­fan­gen hat, son­dern dass durch sei­nen Gehor­sam das Wir­ken des Hei­li­gen Geis­tes in sei­nem Leben deut­lich sicht­bar wer­den konn­te, wie es Apos­tel­ge­schich­te 6,5 zeigt: „[…] und sie erwähl­ten Ste­pha­nus, einen Mann voll Glau­bens und Hei­li­gen Geis­tes“. Das heißt sicher nicht, dass die ande­ren sechs Brü­der, im Gegen­satz zu Ste­pha­nus, nicht mit dem Geist getauft waren.

5 Von Cha­ris­ma­ti­kern falsch erklär­te Stellen

Es gibt eini­ge Stel­len im Neu­en Tes­ta­ment, die die meis­ten Charismatiker/Pfingstler als Argu­men­te für ihre Leh­re, dass Umkehr und Geis­tes­tau­fe zeit­lich von­ein­an­der getrenn­te Ereig­nis­se sind[4] ver­wen­det wer­den. Im Lich­te der obi­gen Gedan­ken ist es aber kein Pro­blem, auch fol­gen­de Stel­len rich­tig zu verstehen.

5.1 Niko­de­mus – über die Geburt aus Was­ser und Geist

Jesus ant­wor­te­te: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Was­ser und Geist gebo­ren wird, kann er nicht in das Reich Got­tes hin­ein­ge­hen. (Johan­nes 3,5)

Weil hier das Bin­de­wort „und“ ver­wen­det wird, geht man davon aus, dass es sich bei der Geburt „aus Was­ser und Geist“ um zwei ver­schie­de­ne Ereig­nis­se handelt.

Wie wir schon in der Fuß­no­te zu Titus 3 gezeigt haben, bil­den zwei Aus­drü­cke, die mit einem „und“ ver­bun­den sind, in der bibli­schen Spra­che häu­fig einen Par­al­le­lis­mus. Bei­de Aus­drü­cke bezie­hen sich auf das­sel­be Ereig­nis, beto­nen aber unter­schied­li­che Aspek­te. Wie bereits oben erwähnt, ist Was­ser im Alten Tes­ta­ment ein Bild für den Hei­li­gen Geist, wie etwa in Jesa­ja 44,3–4:

Denn ich wer­de Was­ser gie­ßen auf das durs­ti­ge und Bäche auf das tro­cke­ne Land. Ich wer­de mei­nen Geist aus­gie­ßen auf dei­ne Nach­kom­men und mei­nen Segen auf dei­ne Spröss­lin­ge. Und sie wer­den auf­spros­sen wie Schilf zwi­schen Was­sern, wie Pap­peln an Wasserläufen.

Das Aus­gie­ßen des Was­sers auf durs­ti­ges Land und das Aus­gie­ßen des Geis­tes auf Isra­els Nach­kom­men­schaft sind nicht zwei getrenn­te Ereig­nis­se, son­dern mei­nen das­sel­be. Isra­el wird mit einem tro­cke­nen Land ver­gli­chen, dann aber nach dem Segen, d. h. nach der Geist­aus­gie­ßung (auch Segen und Geist stel­len einen Par­al­le­lis­mus dar) wer­den die Nach­kom­men Isra­els mit Pap­peln an Was­ser­läu­fen ver­gli­chen. So beschreibt auch die Stel­le in Johan­nes 3 mit „aus Was­ser und Geist gebo­ren wer­den“ ein­fach die Erneue­rung durch den Hei­li­gen Geist.

In Eze­chi­el 36,22–38 fin­den wir ähn­li­che Aus­drü­cke, die noch deut­li­cher die Wie­der­ge­burt oder Geburt von oben[5] als ein Wir­ken Got­tes beschrei­ben und sehr gut zu dem pas­sen, was Jesus im Gespräch mit Niko­de­mus aus­drü­cken woll­te (und auch von die­sem als Leh­rer Isra­els erwar­te­te, dass er ver­steht, wor­um es geht).

Und ich wer­de rei­nes Was­ser auf euch spren­gen, und ihr wer­det rein sein; von all euren Unrein­hei­ten und von all euren Göt­zen wer­de ich euch rei­ni­gen. Und ich wer­de euch ein neu­es Herz geben und einen neu­en Geist in euer Inne­res geben; und ich wer­de das stei­ner­ne Herz aus eurem Fleisch weg­neh­men und euch ein flei­scher­nes Herz geben. Und ich wer­de mei­nen Geist in euer Inne­res geben; und ich wer­de machen, dass ihr in mei­nen Ord­nun­gen lebt und mei­ne Rechts­be­stim­mun­gen bewahrt und tut. (Eze­chi­el 36,25–27)

Im gan­zen Zusam­men­hang von Johan­nes 3 spricht Jesus über Got­tes Wir­ken am Men­schen und nicht über das Han­deln des Men­schen, wie bei einem Tauf­ri­tus (die „Geburt von oben“ setzt natür­lich die Umkehr des Men­schen vor­aus). Wenn Jesus in Johan­nes 3,5 die Was­ser­tau­fe gemeint hät­te, war­um spricht er von Vers 6 an nur noch über den Geist und erwähnt die Was­ser­tau­fe nicht mehr?

Wenn wir Was­ser und Geist tren­nen, ste­hen wir vor einem ähn­li­chen Pro­blem, wie wir es schon bei Titus 3 gese­hen haben. Die Kon­se­quenz wäre, dass die, die nur aus Was­ser gebo­ren wur­den, das Reich Got­tes nicht erben könn­ten und so auch nach ihrer Umkehr das himm­li­sche Bür­ger­recht nicht hät­ten, solan­ge sie nicht mit dem Geist getauft wor­den sind.

Doch ist nach Phil­ip­per 3,20 unser Bür­ger­recht in den Him­meln. Das gilt für jeden, der sich zu Jesus bekehrt hat.

5.2. Johan­nes 20,19–23: Emp­fangt Hei­li­gen Geist! (Wie ist das vor Pfings­ten möglich?)

Und als er dies gesagt hat­te, hauch­te er sie an und spricht zu ihnen: Emp­fangt Hei­li­gen Geist! (Johan­nes 20,22)

Wie schon gezeigt, war der Weg­gang Jesu und sei­ne Ver­herr­li­chung die Vor­aus­set­zung für die Sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes (Johan­nes 7,39 und 16,7). Nun war dies zur Zeit der in Johan­nes 20 erzähl­ten Erschei­nung des Auf­er­stan­de­nen noch nicht erfüllt, weil Jesus noch nicht auf­ge­fah­ren und ver­herr­licht war. Des­halb müs­sen wir aus­schlie­ßen, dass die Jün­ger in die­ser Situa­ti­on den Hei­li­gen Geist emp­fin­gen. In Vers 22 bestä­tigt Jesus sei­ne in den Abschieds­re­den gege­be­ne Ver­hei­ßung, als er über die Sen­dung des Trös­ters sprach. Er woll­te die Jün­ger, die sich über sei­ne Erschei­nung freu­ten, dar­an erin­nern, dass er die Erde ver­las­sen muss­te: Er wür­de sie aber nicht als Wai­sen zurück­las­sen, son­dern ihnen den Hei­li­gen Geist sen­den. Die Sym­bol­hand­lung des Anhau­chens konn­te ihnen hel­fen, die Ver­bin­dung zwi­schen Jesus und dem Hei­li­gen Geist zu ver­ste­hen, den sie eini­ge Zeit spä­ter emp­fan­gen wür­den (Apos­tel­ge­schich­te 1,5).

5.3 Apos­tel­ge­schich­te 2,37–39: Tut Buße und jeder las­se sich tau­fen und ihr wer­det die Gabe des Hei­li­gen Geis­tes emp­fan­gen – Umkehr und Tau­fe ohne Geistempfang?

Tut Buße, und jeder von euch las­se sich tau­fen auf den Namen Jesu Chris­ti zur Ver­ge­bung eurer Sün­den! Und ihr wer­det die Gabe des Hei­li­gen Geis­tes emp­fan­gen. (Apos­tel­ge­schich­te 2,38)

Es gibt kei­nen Grund, aus die­ser Stel­le zu ent­neh­men, dass es sich bei Umkehr und Tau­fe einer­seits und dem Emp­fan­gen des Hei­li­gen Geis­tes ande­rer­seits um zwei zeit­lich getrenn­te Ereig­nis­se han­delt. Wie sonst hät­te Petrus zei­gen kön­nen, dass die Umkehr eines Men­schen von Gott dadurch beant­wor­tet wird, dass er den Geist sofort gibt, was von den Apos­teln durch die Was­ser­tau­fe bestä­tigt wird? Die Ver­se 42–47 zei­gen, dass der Hei­li­ge Geist sofort danach in ihrem Leben Gro­ßes wirk­te. Er füll­te ihr Herz und wirk­te gro­ße Wun­der in und unter ihnen: tie­fe Bru­der­lie­be und Einheit.

5.4 Apos­tel­ge­schich­te 8,5–24: Die Umkehr der Sama­ri­ter – Wur­de der Geist erst nach­träg­lich ausgegossen?

Als die Apos­tel in Jeru­sa­lem gehört hat­ten, dass Sama­ria das Wort Got­tes ange­nom­men habe, sand­ten sie Petrus und Johan­nes zu ihnen. Als die­se hin­ab­ge­kom­men waren, bete­ten sie für sie, damit sie den Hei­li­gen Geist emp­fan­gen möch­ten; denn er war noch auf kei­nen von ihnen gefal­len, son­dern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. (Apos­tel­ge­schich­te 8,14–16)

Die Mis­si­on unter den Sama­ri­ta­nern war ein geschicht­li­ches Ereig­nis, das zeig­te, dass nicht nur die Juden zum Reich Got­tes ein­ge­la­den und dort will­kom­men waren. Wegen der jahr­hun­der­te­lan­gen Feind­schaft zwi­schen Sama­ri­ta­nern und Juden war es wich­tig, dass Petrus und Johan­nes als Apos­tel und Säu­len der Kir­che hin­gin­gen, um die neu bekehr­ten Sama­ri­ta­ner zu begrü­ßen und ihnen aus­zu­drü­cken, dass die gan­ze Kir­che sie als neue Geschwis­ter im Herrn annimmt. Aber wie sol­len wir ver­ste­hen, dass „[…] der Hei­li­ge Geist noch auf kei­nen von ihnen gefal­len war, son­dern sie allein auf den Namen des Herrn Jesus getauft waren“? Auf­grund der bis jetzt erar­bei­te­ten Gedan­ken kön­nen wir die­sen Text nicht so ver­ste­hen, dass er sagen will, dass sie nicht sofort nach ihrer Bekeh­rung mit dem Hei­li­gen Geist erfüllt wurden.

Das „Fal­len des Geis­tes auf sie“ muss hier wohl eine ande­re Bedeu­tung haben. Es bezieht sich auf ein kraft­vol­les, wun­der­ba­res Han­deln des Geis­tes:[6] ein kla­res Zei­chen der Gegen­wart des Geis­tes in ihrem Leben, das sie vor der Ankunft von Petrus und Johan­nes noch nicht erfah­ren hat­ten. Es muss­te etwas Sicht­ba­res sein, wie auch durch Vers 18 ersicht­lich wird: „Als aber Simon sah, dass durch das Auf­le­gen der Hän­de der Apos­tel der Geist gege­ben wur­de, […]“ So müs­sen wir auch Vers 17 ver­ste­hen: „[…] sie emp­fin­gen den Hei­li­gen Geist“. Sie emp­fin­gen also die Gaben des Hei­li­gen Geis­tes, ver­mut­lich die Zun­gen­re­de. Dies war eine Bestä­ti­gung dafür, dass Gott in ihrem Leben wirkt, aber nicht der Zeit­punkt, zu dem der Geist in ihr Herz aus­ge­gos­sen wur­de. Die Tat­sa­che, dass es durch Petrus und Johan­nes geschah und nicht durch Phil­ip­pus bei der Bekeh­rung, kann durch die oben erwähn­te Aus­nah­me­si­tua­ti­on der Sama­ri­ta­ner erklärt wer­den. Es war wich­tig, dass ihre Annah­me von der Kir­che durch die Apos­tel bestä­tigt wur­de.[7]

5.5 Apos­tel­ge­schich­te 19,1–7: Die zwölf Johannesjünger

Habt ihr den Hei­li­gen Geist emp­fan­gen, als ihr gläu­big gewor­den seid? Sie aber spra­chen zu ihm: Wir haben nicht ein­mal gehört, ob der Hei­li­ge Geist über­haupt da ist. (Apos­tel­ge­schich­te 19,2)

Die­se Jün­ger waren mit der Tau­fe des Johan­nes getauft wor­den, d. h., dass sie Johan­nes­jün­ger waren, sei­ner Leh­re anhin­gen, aber weder über die Leh­ren Jesu noch über die Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Geis­tes Bescheid wuss­ten. Dar­um kön­nen wir sie nicht als Chris­ten sehen. Es ist anzu­neh­men, dass sie aus Klein­asi­en kamen, über Johan­nes den Täu­fer hör­ten, von ihren Sün­den umkehr­ten und ein gemäß ihrer Erkennt­nis recht­schaf­fe­nes Leben führ­ten. Des­halb wer­den sie in Vers 1 als Jün­ger bezeich­net, und in Vers 2 nennt Pau­lus sie Gläu­bi­ge. Sie schei­nen auch in Gemein­schaft mit­ein­an­der gelebt zu haben. Sie haben das Chris­ten­tum erst durch Pau­lus ken­nen­ge­lernt und sofort ange­nom­men. Sie drück­ten ihre Ent­schei­dung zur Nach­fol­ge durch die Tau­fe aus und emp­fin­gen den Hei­li­gen Geist. Als Pau­lus ihnen die Hän­de auf­leg­te, was wohl im Zusam­men­hang mit der Tau­fe geschah, wur­den ihnen auch die Gaben des Geis­tes zuteil: Zun­gen­re­de und Prophetie.

5.6 Apos­tel­ge­schich­te 18,23–28: Apollos

Die­ser war im Weg des Herrn unter­wie­sen, und, bren­nend im Geist, rede­te und lehr­te er sorg­fäl­tig die Din­ge von Jesus, obwohl er nur die Tau­fe des Johan­nes kann­te. (Apos­tel­ge­schich­te 18,25)

Obwohl wir auch über Apol­los lesen, dass er nur die Johan­nes­tau­fe kann­te, unter­schei­det er sich in man­cher Hin­sicht von den zwölf Johan­nes­jün­gern in Apos­tel­ge­schich­te 19:

• Er war im Weg des Herrn unterwiesen.

• Er war bren­nend im Geist (In Römer 12,11 fin­den wir als ein­zi­ge Par­al­le­le im Neu­en Tes­ta­ment dem­sel­ben Aus­druck: Es geht um Christen).

• Er rede­te und lehr­te sorg­fäl­tig die Din­ge von Jesus.

• Er fing an, frei­mü­tig in der Syn­ago­ge zu reden.

• Als Pri­scil­la und Aqui­la ihn hör­ten, leg­ten sie ihm den Weg Got­tes genau­er aus.

• Er wur­de von Aqui­la und Pri­scil­la nicht getauft:

Die­se Unter­schie­de zei­gen auf, dass Apol­los geist­lich auf einer völ­lig ande­ren Ebe­ne stand als die zwölf Johan­nes­jün­ger in Ephe­sus. Obwohl es Din­ge gab, die er über Jesus und sei­ne Leh­re nicht wuss­te, beur­teil­ten ihn Aqui­la und Pri­scil­la als einen Bru­der in Chris­tus, wes­halb sie ihn nicht tauf­ten, son­dern ihm nur die Din­ge erklär­ten, die noch fehlten.

5.7 Hebrä­er 6,1 ‑2: Waschun­gen, als eine der grund­le­gen­den Leh­ren über Jesus

Des­halb wol­len wir das Wort vom Anfang des Chris­tus las­sen und uns der vol­len Rei­fe zuwen­den und nicht wie­der einen Grund legen mit der Buße von toten Wer­ken und dem Glau­ben an Gott, der Leh­re von Waschun­gen und der Hand­auf­le­gung, der Toten­auf­er­ste­hung und dem ewi­gen Gericht. (Hebrä­er 6,1–2)

Waschun­gen (grie­chisch: „bap­tis­ma“, Plu­ral von „bap­tis­mos“) sind im sel­ben Brief auch in 9,10 als „ver­schie­de­ne Waschun­gen“ erwähnt. Dort bezie­hen sich die Waschun­gen auf ritu­el­le Waschun­gen nach dem mosai­schen Gesetz. Das Ziel des Hebrä­er­brie­fes ist es, die Juden­chris­ten zu ermun­tern, nicht ins Juden­tum zurück­zu­fal­len und die Unter­schie­de im Glau­ben zwi­schen Altem und Neu­en Tes­ta­ment herauszustreichen.

Des­halb legt sich nahe, die „Leh­ren über Waschun­gen“ fol­gen­der­ma­ßen zu ver­ste­hen: Die durch Jesus gebo­te­ne Tau­fe muss klar von den zere­mo­ni­el­len Waschun­gen des mosai­schen Geset­zes und ande­ren Waschun­gen, die den Juden des ers­ten Jahr­hun­derts bekannt waren, wie der Pro­se­ly­ten­tau­fe oder der Johan­nes­tau­fe, unter­schie­den wer­den. Es geht hier um eine grund­le­gen­de Leh­re, die die Emp­fän­ger des Brie­fes ver­stan­den, als sie Chris­ten wur­den und wor­an sie der Autor des Brie­fes erin­nern will. Die­ses Ver­ständ­nis ent­spricht nicht der von man­chen Cha­ris­ma­ti­kern ver­tre­te­nen Theo­rie, nach der die hier genann­ten Waschun­gen die Was­ser­tau­fe und die Geis­tes­tau­fe mei­nen, aber passt gut zum The­ma und zur Leh­re des Hebräerbriefes.

5.8 Lukas 11,5–13

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kin­dern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der vom Him­mel gibt, den Hei­li­gen Geist geben denen, die ihn bit­ten! (Lukas 11,13)

Auf­grund die­ser Stel­le orga­ni­sie­ren Cha­ris­ma­ti­ker und Pfingst­ler spe­zi­el­le Tref­fen, bei denen sie „Gott um den Hei­li­gen Geist bit­ten“. Doch weder der Zusam­men­hang noch der grie­chi­sche Urtext unter­stützt die­ses Ver­ständ­nis. Der grie­chi­sche Text sagt nur: „die ihn bit­ten“, und nicht: „die ihn um den Hei­li­gen Geist bit­ten.“ Im Zusam­men­hang geht es dar­um, dass Jesus sei­ne Jün­ger beten lehrt. Als Ermun­te­rung spricht er davon, wie Gott unser Gebet annimmt. In der Par­al­lel­stel­le in Mat­thä­us 7,11 steht anstel­le von „Hei­li­ger Geist“ „gute Din­ge“. Jesus will damit sagen, dass wir uns zu Gott als dem lie­ben­den Vater wen­den kön­nen, wenn wir Hil­fe brau­chen und wenn das, wor­um wir ihn bit­ten, sei­nem Wil­len ent­spricht (1. Johan­nes 5,14). Im Lukas­evan­ge­li­um will Jesus noch her­aus­strei­chen, dass das Bes­te, das Gott denen, die ihn bit­ten, gibt, der Hei­li­ge Geist ist. Alle wei­te­ren guten Din­ge, die Gott gibt, gibt er durch die Gemein­schaft, Füh­rung und Stär­kung des Geis­tes. Die ers­te Erfül­lung die­ser Ver­hei­ßung war zu Pfings­ten, als die Jün­ger Jesu den Hei­li­gen Geist empfingen.

6 Zusam­men­fas­sung

Das Leben eines Chris­ten fängt mit der Ent­schei­dung an, sich von der Sün­de abzu­wen­den und Jesus nach­zu­fol­gen. Got­tes Ant­wort auf die­se Ent­schei­dung ist eine sofor­ti­ge und reich­li­che Aus­gie­ßung des Geis­tes in das Herz des Neu­be­kehr­ten, damit er erfah­ren kann, dass Gott ihn als sein Kind ange­nom­men hat. Durch den Geist kann er Got­tes Lie­be, Frie­den und Kraft im Kampf gegen Sün­de erfahren.

Der Hei­li­ge Geist erfüllt sein Herz, damit er sei­ne Geschwis­ter und ande­re, die Gott noch nicht ken­nen, lie­ben kann. Er hilft ihm, die gesun­de Leh­re über Jesus zu ver­ste­hen und mit ande­ren Chris­ten zur Ein­heit zu gelan­gen. Kein Christ muss auf die Geis­tes­tau­fe nach sei­ner Umkehr war­ten. Er ist schon Got­tes gelieb­tes Kind, dem Er die Fül­le schen­ken will.

So vie­le ihn aber auf­nah­men, denen gab er das Recht, Kin­der Got­tes zu wer­den, denen, die an sei­nen Namen glau­ben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Wil­len des Flei­sches, auch nicht aus dem Wil­len des Man­nes, son­dern aus Gott gebo­ren sind. Und das Wort wur­de Fleisch und wohn­te unter uns, und wir haben sei­ne Herr­lich­keit ange­schaut, eine Herr­lich­keit als eines Ein­ge­bo­re­nen vom Vater, vol­ler Gna­de und Wahr­heit. – […] – Denn aus sei­ner Fül­le haben wir alle emp­fan­gen, und zwar Gna­de um Gna­de. (Johan­nes 1,12–16)


Fußnoten

  1. Auf die­se Wei­se woll­te Gott sein drei­ei­nes Wesen offen­ba­ren. Zuerst macht er sei­nen Sohn, der in Jesus Fleisch gewor­den ist, bekannt. Dann sen­det er den Hei­li­gen Geist erst nach Jesu Weg­gang. Das soll­te den Men­schen hel­fen zu ver­ste­hen, dass der Hei­li­ge Geist eine eige­ne „Per­son“ in der Drei­ei­nig­keit ist. Wir sehen aber beson­ders durch Johan­nes 14, dass das Wir­ken der drei „Per­so­nen“ nicht getrennt wer­den kann. Mehr dar­über ist in unse­rem Arti­kel „Über den drei­ei­nen Gott“ nach­zu­le­sen.
  2. Obwohl Wie­der­ge­burt und Erneue­rung mit einem „und“ ver­bun­den sind, bezie­hen sie sich auf den­sel­ben Inhalt und beto­nen ver­schie­de­ne Aspek­te. Es han­delt sich dabei um einen Par­al­le­lis­mus, ein in der Bibel oft vor­kom­men­des Stil­mit­tel. Hier han­delt es sich um einen „ergän­zen­den Par­al­le­lis­mus“, wie er auch in Psalm 46,1 zu fin­den ist: „Gott ist uns Zuflucht und Stär­ke, als Bei­stand in Nöten reich­lich gefun­den.“ Der zwei­te Teil ergänzt den ersten.
  3. Die Mög­lich­keit eines „fleisch­li­chen“ Chris­ten­tums beruht übli­cher­wei­se auf einer fal­schen Deu­tung von 1. Korin­ther 3,1–4. Pau­lus bezeich­net die Korin­ther als fleisch­lich, da es Eifer­sucht und Streit, also Wer­ke des Flei­sches, unter ihnen gibt. Nach Gala­ter 5,19–21 wer­den die, die sol­ches tun, das Reich Got­tes nicht erben. Auch die Korin­ther muss­ten von sol­chen Sün­den umkeh­ren. Die Ursa­che ihrer Fleisch­lich­keit liegt nicht am Feh­len einer Geis­tes­tau­fe, son­dern am Unge­hor­sam. Des­halb besteht die Lösung nicht in der Bit­te um die Geis­tes­tau­fe, son­dern im Kampf gegen die Sün­den (Gala­ter 5,13–15; 1. Korin­ther 3,16–18).
  4. Cha­ris­ma­ti­ker und Pfingst­ler sind sich in die­sem Punkt nicht einig. Man­che leh­ren, dass wer sich bekehrt, ein biss­chen Geist erhält und spä­ter dann die Fül­le. Ande­re behaup­ten, dass man bei der Bekeh­rung den Hei­li­gen Geist nicht emp­fängt und dies erst spä­ter bei der Geis­tes­tau­fe geschieht. In bei­den Leh­ren wer­den natür­lich Aus­nah­men zugelassen.
  5. Der grie­chi­sche Aus­druck γενναω ανωθεν [gen­nao ano­then] kann sowohl „von Neu­em gebo­ren wer­den“ oder „von oben gebo­ren wer­den“ mei­nen (vgl. die Bedeu­tung von „ano­then“ in Johan­nes 19,11.23).
  6. Wir fin­den einen ähn­li­chen Aus­druck in Lukas 1,35: „Und der Engel ant­wor­te­te und sprach zu ihr (Maria). Der Hei­li­ge Geist wird über dich kom­men und Kraft des Höchs­ten wird dich über­schat­ten; dar­um wird auch das Hei­li­ge, das gebo­ren wer­den wird, Sohn Got­tes genannt wer­den.“ Hier meint das Kom­men des Geis­tes über Maria sein macht­vol­les Wir­ken bei der Zeu­gung Jesu in der Jung­frau Maria bezogen.
  7. In die­ser Situa­ti­on und auch spä­ter bei der Bekeh­rung von Kor­ne­li­us, kön­nen wir die spe­zi­el­le Anwen­dung der Schlüs­sel­ge­walt sehen, die Jesus Petrus anver­traut hat­te (Mat­thä­us 16,19). In den Kapi­teln 2, 8 und 10 der Apos­tel­ge­schich­te berich­tet Lukas Schritt für Schritt über die Aus­brei­tung des Chris­ten­tums: Juden aus der Zer­streu­ung (Dia­spo­ra), Sama­ri­ta­ner und Heiden.


Auf die­se Wei­se woll­te Gott sein drei­ei­nes Wesen offen­ba­ren. Zuerst macht er sei­nen Sohn, der in Jesus Fleisch gewor­den ist, bekannt. Dann sen­det er den Hei­li­gen Geist erst nach Jesu Weg­gang. Das soll­te den Men­schen hel­fen zu ver­ste­hen, dass der Hei­li­ge Geist eine eige­ne „Per­son“ in der Drei­ei­nig­keit ist. Wir sehen aber beson­ders durch Johan­nes 14, dass das Wir­ken der drei „Per­so­nen“ nicht getrennt wer­den kann. Mehr dar­über ist in unse­rem Arti­kel „Über den drei­ei­nen Gott“ nach­zu­le­sen.

Obwohl Wie­der­ge­burt und Erneue­rung mit einem „und“ ver­bun­den sind, bezie­hen sie sich auf den­sel­ben Inhalt und beto­nen ver­schie­de­ne Aspek­te. Es han­delt sich dabei um einen Par­al­le­lis­mus, ein in der Bibel oft vor­kom­men­des Stil­mit­tel. Hier han­delt es sich um einen „ergän­zen­den Par­al­le­lis­mus“, wie er auch in Psalm 46,1 zu fin­den ist: „Gott ist uns Zuflucht und Stär­ke, als Bei­stand in Nöten reich­lich gefun­den.“ Der zwei­te Teil ergänzt den ersten.

Die Mög­lich­keit eines „fleisch­li­chen“ Chris­ten­tums beruht übli­cher­wei­se auf einer fal­schen Deu­tung von 1. Korin­ther 3,1–4. Pau­lus bezeich­net die Korin­ther als fleisch­lich, da es Eifer­sucht und Streit, also Wer­ke des Flei­sches, unter ihnen gibt. Nach Gala­ter 5,19–21 wer­den die, die sol­ches tun, das Reich Got­tes nicht erben. Auch die Korin­ther muss­ten von sol­chen Sün­den umkeh­ren. Die Ursa­che ihrer Fleisch­lich­keit liegt nicht am Feh­len einer Geis­tes­tau­fe, son­dern am Unge­hor­sam. Des­halb besteht die Lösung nicht in der Bit­te um die Geis­tes­tau­fe, son­dern im Kampf gegen die Sün­den (Gala­ter 5,13–15; 1. Korin­ther 3,16–18).

Cha­ris­ma­ti­ker und Pfingst­ler sind sich in die­sem Punkt nicht einig. Man­che leh­ren, dass wer sich bekehrt, ein biss­chen Geist erhält und spä­ter dann die Fül­le. Ande­re behaup­ten, dass man bei der Bekeh­rung den Hei­li­gen Geist nicht emp­fängt und dies erst spä­ter bei der Geis­tes­tau­fe geschieht. In bei­den Leh­ren wer­den natür­lich Aus­nah­men zugelassen.

Der grie­chi­sche Aus­druck γενναω ανωθεν [gen­nao ano­then] kann sowohl „von Neu­em gebo­ren wer­den“ oder „von oben gebo­ren wer­den“ mei­nen (vgl. die Bedeu­tung von „ano­then“ in Johan­nes 19,11.23).

Wir fin­den einen ähn­li­chen Aus­druck in Lukas 1,35: „Und der Engel ant­wor­te­te und sprach zu ihr (Maria). Der Hei­li­ge Geist wird über dich kom­men und Kraft des Höchs­ten wird dich über­schat­ten; dar­um wird auch das Hei­li­ge, das gebo­ren wer­den wird, Sohn Got­tes genannt wer­den.“ Hier meint das Kom­men des Geis­tes über Maria sein macht­vol­les Wir­ken bei der Zeu­gung Jesu in der Jung­frau Maria bezogen.

In die­ser Situa­ti­on und auch spä­ter bei der Bekeh­rung von Kor­ne­li­us, kön­nen wir die spe­zi­el­le Anwen­dung der Schlüs­sel­ge­walt sehen, die Jesus Petrus anver­traut hat­te (Mat­thä­us 16,19). In den Kapi­teln 2, 8 und 10 der Apos­tel­ge­schich­te berich­tet Lukas Schritt für Schritt über die Aus­brei­tung des Chris­ten­tums: Juden aus der Zer­streu­ung (Dia­spo­ra), Sama­ri­ta­ner und Heiden.