Weih­nach­ten – was hat das mit Jesus zu tun?

Themenbereiche: Bibel und Tradition

Für vie­le ist Weih­nach­ten in ers­ter Linie ein Fami­li­en­fest. Die gan­ze Fami­lie kommt zusam­men und fühlt sich irgend­wie ver­bun­den. Kind­heits­er­in­ne­run­gen wer­den wach: Geschen­ke und fest­li­che Lie­der unter dem Christ­baum. Aber wer kennt nicht den Stress in der Vor­weih­nachts­zeit? Meis­tens bleibt gar kei­ne Zeit, tief dar­über nach­zu­den­ken, womit man den ande­ren erfreu­en kann. Man ist unter Druck, mög­lichst nie­man­den zu ver­ges­sen, alle Wei­h­­nachts- und Neu­jahrs­kar­ten zu ver­sen­den und auch noch alle Geschen­ke recht­zei­tig zu besor­gen.[1] Fest­tags­es­sen, Weih­nachts­putz – es gibt vie­les zu tun. Man­che neh­men sich schon Zeit für besinn­li­che Stun­den, besu­chen Advent­kon­zer­te, zün­den die Ker­zen am Advent­kranz an, backen Kek­se, bas­teln Weih­nachts­schmuck und Geschen­ke. Aber war­um eigentlich?

Das Bild zeigt einen geschmückten Weihnachtsbaum – für viele Menschen ist das die Bedeutung von Weihnachten. Hat das etwas mit Jesus zu tun?

Was bedeu­tet „Weih­nach­ten“ eigentlich?

Der Name Weih­nach­ten weist auf die „geWEIH­te NACHT“ hin, in der Jesus gebo­ren wur­de. Ursprüng­lich war das Ziel die­ses Fes­tes, Jesus zu ver­eh­ren, die Freu­de dar­über aus­zu­drü­cken, dass in Jesus Gott zu uns Men­schen gekom­men ist.

Wir wol­len uns aber vom Neu­en Tes­ta­ment her die Fra­ge stel­len, ob es wirk­lich Got­tes Wil­le ist, die Geburt Chris­ti durch ein beson­de­res Fest zu feiern.

Aus den Evan­ge­li­en erfah­ren wir kein Geburts­da­tum Jesu

Es ist sicher, dass Jesus nicht im Win­ter, weder im Dezem­ber noch im Jän­ner, gebo­ren wur­de. Es waren Hir­ten mit ihrer Her­de (Lukas 2,8) nachts auf dem Feld. In Paläs­ti­na ist es im Win­ter zwar wär­mer als in Euro­pa. Trotz­dem ist es ab Ende Okto­ber so kalt, dass Scha­fe im Stall gehal­ten wer­den. Es ist nicht anzu­neh­men, dass aus­ge­rech­net im Win­ter die Volks­zäh­lung durch­ge­führt wur­de, bei der gan­ze Fami­li­en mit sowohl Schwan­ge­ren als auch Klein­kin­dern in ihre Geburts­or­te rei­sen mussten.

Die Chris­ten der ers­ten Jahr­hun­der­te kann­ten kein Weih­nachts­fest am 25. Dezember

Im heid­ni­schen Römer­reich war neben ande­ren Kul­ten die Mithras­re­li­gi­on ver­brei­tet. Als Haupt­fest ihres Son­nen­kul­tes wur­de am 25. Dezem­ber der Tag der Son­nen­wen­de gefei­ert. Schon vor Ein­füh­rung des Mithras­kul­tes hat­ten die römi­schen Kai­ser dem Sol Invic­tus (= „unbe­sieg­ter Son­nen­gott“) Tem­pel errich­tet und den neu auf­stei­gen­den Sie­ger Son­ne[2] gefei­ert. Chris­tus bezeich­ne­te sich selbst als das Licht der Welt (Johan­nes 8,12) und wird als sol­cher von Chris­ten – jedoch ohne Fest – ver­ehrt. Ein gro­ßes Anlie­gen des Kai­sers Kon­stan­tin des Gro­ßen (285–337) war es jedoch, Ele­men­te des Chris­ten­tums bewusst für die Stär­kung des heid­ni­schen Römer­rei­ches zu nut­zen. Ihm gelang es, das Fest der Anbe­tung der Son­ne als nun­mehr christ­li­ches Fest der Geburt Jesu zu dekla­rie­ren.[3]

Äuße­run­gen ein­fluss­rei­cher Per­sön­lich­kei­ten in der Kir­chen­ge­schich­te, wie etwa von Ambro­si­us: „Chris­tus ist unse­re neue Son­ne“ und auch Augus­ti­nus‘ Auf­for­de­rung, an die­sem Tag nicht wie die Hei­den, die Son­ne anzu­be­ten, son­dern den, der die Son­ne erschuf, als auch die Kri­tik Leos des Gro­ßen, dass man­che Weih­nach­ten als Geburt der Son­ne fei­ern anstatt Jesu Geburt, spie­geln deut­lich das Wis­sen um den heid­ni­schen Hin­ter­grund die­ses Fes­tes wider.

Wie sol­len wir nach dem Wil­len Jesu unse­re Freu­de über sein Kom­men ausdrücken?

Es ist klar, dass wir unse­re Freu­de und Dank­bar­keit über die Mensch­wer­dung Got­tes in Jesus aus­drü­cken möch­ten, jedoch sol­len wir fra­gen, wie Jesus das will. In der Bibel fin­den wir nicht den gerings­ten Hin­weis dar­auf, dass das in einer beson­de­ren Wei­se oder an einem beson­de­ren Tag gesche­hen soll. Pau­lus hat das sehr stark abge­lehnt (sie­he Gala­ter 4,8–11 und Kolos­ser 2,16–17).

Jesus ant­wor­te­te und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort hal­ten, und mein Vater wird ihn lie­ben, und wir wer­den zu ihm kom­men und Woh­nung bei ihm machen. (Johan­nes 14,23)

Unse­re Lie­be zu Jesus zeigt sich in der täg­li­chen Bezie­hung zu ihm und im ernst­haf­ten Fra­gen nach sei­nem Wil­len für unser Leben, und vor allem auch dar­in, dass wir sei­nen Wil­len tun.

Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nach­kom­men will, der ver­leug­ne sich selbst und neh­me sein Kreuz auf täg­lich und fol­ge mir nach. Denn wer irgend sein Leben erret­ten will, wird es ver­lie­ren; wer aber irgend sein Leben ver­liert um mei­net­wil­len, der wird es erret­ten. Denn was wird es einem Men­schen nüt­zen, wenn er die gan­ze Welt gewön­ne, sich selbst aber ver­lö­re oder ein­büß­te? (Lukas 9,23–25)

Uns geht es nicht dar­um, die Tra­di­ti­on des Weih­nachts­fests wie­der zu „ver­christ­li­chen“. Wir wol­len dazu ein­la­den, Jesus nach­zu­fol­gen, so wie es sei­ne ers­ten Jün­ger taten. Wir wür­den ihm gern mit dir gemein­sam folgen.

Got­tes größ­tes Geschenk an uns war Jesus, der kam, um die Ver­lo­re­nen zu suchen und zu ret­ten. Er will uns das größ­te Geschenk, das ewi­ge Leben, anbie­ten. Er möch­te uns Lie­be, Ver­ge­bung, Freu­de und Frie­den schenken.


Fußnoten

  1. Wenn wir über das Schen­ken nach­den­ken, soll es uns zuerst ein­mal um Jesus gehen. Die Wei­sen aus dem Mor­gen­land beschenk­ten nicht ein­an­der, son­dern Jesus selbst (Mat­thä­us 2,11). Was kann man Wert­vol­le­res schen­ken als sich selbst?
    „Ich ermah­ne euch nun, Brü­der, durch die Erbar­mun­gen Got­tes, eure Lei­ber dar­zu­stel­len als ein leben­di­ges, hei­li­ges, Gott wohl­ge­fäl­li­ges Schlacht­op­fer, wel­ches euer ver­nünf­ti­ger Dienst ist. Und seid nicht gleich­för­mig die­ser Welt, son­dern wer­det ver­wan­delt durch die Erneue­rung [eures] Sin­nes, dass ihr prü­fen möget, was der gute und wohl­ge­fäl­li­ge und voll­kom­me­ne Wil­le Got­tes ist.“ (Römer 12,1–2).
  2. Im Latei­ni­schen ein männ­li­ches Wort.
  3. „Zeit­le­bens hat er aber den Son­nen­kult wei­ter­ge­för­dert. Sich sel­ber hat er auf 2 Sta­tu­en als Son­nen­gott im Strah­len­glanz dar­stel­len las­sen, und am Sockel ließ er fol­gen­de Inschrift anbrin­gen: Dem Con­stan­tin, dem gleich Heli­os Leuch­ten­den. Es ist wohl sicher Con­stan­tins Gedan­ke gewe­sen, den Son­nen­kul­tus mit dem Chris­tus­kult dank der vor­han­de­nen Chris­tus-Son­nen­sym­bo­lik zu ver­bin­den.“ Oscar Cull­mann, Der Ursprung des Weih­nachts­fes­tes, Zürich 1960, Sei­te 28.


Wenn wir über das Schen­ken nach­den­ken, soll es uns zuerst ein­mal um Jesus gehen. Die Wei­sen aus dem Mor­gen­land beschenk­ten nicht ein­an­der, son­dern Jesus selbst (Mat­thä­us 2,11). Was kann man Wert­vol­le­res schen­ken als sich selbst?
„Ich ermah­ne euch nun, Brü­der, durch die Erbar­mun­gen Got­tes, eure Lei­ber dar­zu­stel­len als ein leben­di­ges, hei­li­ges, Gott wohl­ge­fäl­li­ges Schlacht­op­fer, wel­ches euer ver­nünf­ti­ger Dienst ist. Und seid nicht gleich­för­mig die­ser Welt, son­dern wer­det ver­wan­delt durch die Erneue­rung [eures] Sin­nes, dass ihr prü­fen möget, was der gute und wohl­ge­fäl­li­ge und voll­kom­me­ne Wil­le Got­tes ist.“ (Römer 12,1–2).

Im Latei­ni­schen ein männ­li­ches Wort.

„Zeit­le­bens hat er aber den Son­nen­kult wei­ter­ge­för­dert. Sich sel­ber hat er auf 2 Sta­tu­en als Son­nen­gott im Strah­len­glanz dar­stel­len las­sen, und am Sockel ließ er fol­gen­de Inschrift anbrin­gen: Dem Con­stan­tin, dem gleich Heli­os Leuch­ten­den. Es ist wohl sicher Con­stan­tins Gedan­ke gewe­sen, den Son­nen­kul­tus mit dem Chris­tus­kult dank der vor­han­de­nen Chris­tus-Son­nen­sym­bo­lik zu ver­bin­den.“ Oscar Cull­mann, Der Ursprung des Weih­nachts­fes­tes, Zürich 1960, Sei­te 28.