Vor­her­be­stim­mung – Prädestination

Themenbereiche: Gnade, Werke und Erwählung
Schlagwörter: evangelisch/freikirchlich

Das Wort „Prä­de­sti­na­ti­on“ kommt in der Bibel mehr­mals vor, aber es gibt unter­schied­li­che Ansät­ze zum Ver­ständ­nis die­ses Begriffs. Einer davon ist der weit ver­brei­te­te Glau­be, dass Gott in sei­ner Sou­ve­rä­ni­tät alles, was gesche­hen wird, unab­hän­gig vom Wil­len des Men­schen ent­schei­det und dass kein Mensch etwas an Got­tes Ent­schei­dun­gen ändern kann. Aber sind Got­tes Sou­ve­rä­ni­tät und der freie Wil­le des Men­schen wirk­lich unver­ein­bar?

Ein Töpfer stellt Töpferwaren her, so wie Paulus in Römer 9 Gott mit einem Töpfer vergleicht.

1 Ver­schie­de­ne Auslegungsmöglichkeiten

Das auch in der Bibel vor­kom­men­de Wort „Prä­de­sti­na­ti­on“ wird auf zwei ver­schie­de­ne Wei­sen verstanden:

Die ein­fa­che Prä­de­sti­na­ti­on bedeu­tet, dass Gott im Vor­hin­ein die erwählt, die zu ihm kom­men werden.

Dop­pel­te Prä­de­sti­na­ti­on hin­ge­gen meint, dass Gott im Vor­hin­ein fest­legt, wer zum Him­mel oder zur Höl­le bestimmt ist.

In den wei­te­ren Aus­füh­run­gen wird das Wort „Prä­de­sti­na­ti­on“ in die­ser zwei­ten Wei­se verwendet.

Inner­halb des zwei­ten Ver­ständ­nis­ses gibt es die fol­gen­den drei Haupt­ver­tre­ter.

1.1 Augus­ti­nus (354–430)

Augus­ti­nus war der Ers­te, der eine sys­te­ma­ti­sche Leh­re der Prä­de­sti­na­ti­on ent­wi­ckel­te. Er sah sich gezwun­gen, den Gedan­ken der unver­dien­ten und will­kür­li­chen Gna­de Got­tes zu ver­tei­di­gen, dies führ­te ihn dazu, die Leh­re der Prä­de­sti­na­ti­on zu ent­wi­ckeln. In „Ad Sim­pli­cia­num“ beschreibt er sei­ne Gedan­ken über Römer 5,12 und Kapi­tel 9:

Zu aller­erst exis­tiert der Plan Got­tes und ent­spre­chend sei­nes Pla­nes erwählt er […] (Ad Sim­pli­cia­num I, 2,6)[1]

An ande­rer Stel­le erklärt er, dass Gott so vie­le Men­schen für sein Reich bestimmt, wie Engel vom Glau­ben abfie­len (Glau­be, Hoff­nung und Liebe/Enchiridion de fide, spe et caritate/IX, 29).

1.2 Mar­tin Luther (1483–1546)

Mar­tin Luther, ursprüng­lich ein Augus­ti­ner­e­re­mit, bau­te auf Augus­ti­nus’ Leh­re auf und ent­wi­ckel­te die­se – mehr als tau­send Jah­re spä­ter – wei­ter. In sei­nem Werk „Vom unfrei­en Wil­len“ schreibt er:

Denn wenn wir glau­ben, es sei wahr, dass Gott alles vor­her­weiß und vor­her­ord­net, dann kann er in sei­nem Vor­her­wis­sen und in sei­ner Vor­her­be­stim­mung weder getäuscht noch gehin­dert wer­den, dann kann auch nichts gesche­hen, wenn er es nicht selbst will. Das ist die Ver­nunft selbst gezwun­gen zuzu­ge­ben, die zugleich selbst bezeugt, dass es einen frei­en Wil­len weder im Men­schen noch im Engel, noch in sonst einer Krea­tur geben kann.[2]

1.3 Cal­vin (1509–1564)

Cal­vins Leh­re gewann durch die Aner­ken­nung sei­ner Leh­re auf der Syn­ode von Dor­d­recht (1618/1619) in den Nie­der­lan­den viel Ein­fluss. Dort wur­de sie zur offi­zi­el­len Leh­re der Reformierten.

Mit Prä­de­sti­na­ti­on mei­nen wir den ewi­gen Rat­schluss Got­tes, durch den er mit sich selbst beschließt, was mit einem Men­schen für immer gesche­hen soll. Es sind nicht alle geschaf­fen wor­den zu glei­chen Vor­aus­set­zun­gen, son­dern eini­ge sind vor­her­be­stimmt zum ewi­gen Leben, ande­re zur ewi­gen Ver­damm­nis.[3]

2 Das bibli­sche Verständnis

Gott ist ewig. Er ist nicht wie Men­schen an die Zeit gebun­den. Für ihn ist alles Gegen­wart. Er weiß, wer sei­nem Ruf, der an alle Men­schen ergeht, fol­gen wird. Gott bestärkt die­se posi­ti­ve Ant­wort des Men­schen durch sei­ne Erwäh­lung, durch die er sie dazu bestimmt, sei­ne gehor­sa­men Kin­der zu werden.

Denn die er vor­her erkannt hat, die hat er auch vor­her­be­stimmt, dem Bil­de sei­nes Soh­nes gleich­för­mig zu sein, damit er der Erst­ge­bo­re­ne sei unter vie­len Brü­dern. Die er aber vor­her­be­stimmt hat, die­se hat er auch beru­fen; und die er beru­fen hat, die­se hat er auch gerecht­fer­tigt; die er aber gerecht­fer­tigt hat, die­se hat er auch ver­herr­licht. (Römer 8,29–30)

Bei­de Ver­se gehö­ren inhalt­lich zusam­men. In Vers 29 wird aus­ge­drückt, dass Gott nach sei­nem Vor­her­wis­sen erwählt. Das heißt, dass Gott nicht will­kür­lich, son­dern auf­grund der Ent­schei­dung der Men­schen, die er schon von Ewig­keit her kennt, erwählt.

Petrus, Apos­tel Jesu Chris­ti, den Fremd­lin­gen von der Zer­streu­ung von Pon­tus, Gala­ti­en, Kap­pa­do­zi­en, Asi­en und Bithy­ni­en, die aus­er­wählt sind nach Vor­kennt­nis Got­tes, des Vaters, in der Hei­li­gung des Geis­tes zum Gehor­sam […] (1. Petrus 1,1–2)

Gott wür­de gern alle Men­schen erwäh­len und ret­ten, um mit ihnen auf ewig zusam­men sein zu kön­nen, aber er zwingt nie­man­den dazu, mit ihm eine Bezie­hung einzugehen.

Dies ist gut und ange­nehm vor unse­rem Hei­land-Gott, wel­cher will, dass alle Men­schen erret­tet wer­den und zur Erkennt­nis der Wahr­heit kom­men. (1. Timo­theus 2,3–4)

Der Herr ver­zö­gert nicht die Ver­hei­ßung, wie es eini­ge für eine Ver­zö­ge­rung hal­ten, son­dern er ist lang­mü­tig euch gegen­über, da er nicht will, daß irgend­wel­che ver­lo­ren gehen, son­dern daß alle zur Buße kom­men. (2. Petrus 3,9)

In der Bibel fin­den wir ein­deu­ti­ge Stel­len, dass es Got­tes Wil­le ist, dass jeder geret­tet wer­de, aber auch, dass wir Men­schen den frei­en Wil­len haben, uns für oder gegen ihn zu ent­schei­den. Wenn Gott nicht den frei­en Wil­len des Men­schen berück­sich­ti­gen wür­de, wäre die Höl­le leer, weil Gott jeden ret­ten würde.

[…] die Pha­ri­sä­er aber und die Geset­zes­ge­lehr­ten mach­ten den Rat­schluss Got­tes für sich selbst wir­kungs­los, indem sie sich nicht von ihm tau­fen lie­ßen. (Lukas 7,30)

2.1 Got­tes Ziel für die­se Welt

Gott ist Lie­be und er ist gerecht und wir wis­sen, dass alle Tugen­den in sei­nem Wesen ver­ei­nigt sind. Er liebt die Men­schen, die er schuf. Er will sicher nicht, dass Men­schen sün­di­gen, weil sie ihn damit ent­eh­ren und sich selbst zer­stö­ren. Gott will, dass alle Men­schen Frie­den haben, Gott suchen und geret­tet wer­den. Aber war­um ist das denn nicht so? In der Rea­li­tät gibt es viel Bos­heit, Ego­is­mus, Krie­ge und Lieb­lo­sig­keit in der Welt, und die Men­schen suchen Gott nicht. Woher kommt denn das, wenn die­ser Unge­hor­sam doch sicher Got­tes Wil­len widerspricht?

Die Ant­wort muss dar­in lie­gen, dass Gott den frei­en Wil­len des Men­schen akzep­tiert und dass durch die fal­sche Ent­schei­dung des Men­schen Sün­de in die Welt kom­men konnte.

Die Leh­re der Prä­de­sti­na­ti­on besagt aber in Wirk­lich­keit, dass Gott die Sün­de schon im Vor­hin­ein plan­te und dass er woll­te, dass die Mas­se der Men­schen in die Höl­le geht. Das wür­de Gott zum Urhe­ber der Sün­de machen, weil er dann ja über den Wil­len des Men­schen bestim­men wür­de und sie in die Sün­de trei­ben wür­de. Noch bevor sie gebo­ren sind, ent­schei­det Gott (nach Cal­vins Vor­stel­lung), dass sie nie­mals die Chan­ce haben wer­den, geret­tet zu sein. Das ist eine got­tes­läs­ter­li­che Vor­stel­lung, die Gott zu einem grau­sa­men, will­kür­li­chen Des­po­ten macht.

Cal­vin selbst hat die­ses “Pro­blem” auch erkannt, aber lei­der blieb er bei sei­ner Mei­nung. Er behaup­tet, dass Gott den Sün­den­fall gewollt und durch­ge­setzt hat, weil auch die Ver­damm­nis der Men­schen Gott ver­herr­li­chen sollte.

Soll­te ich wirk­lich Gefal­len haben am Tod des Gott­lo­sen, spricht der Herr, HERR, nicht viel­mehr dar­an, dass er von sei­nen Wegen umkehrt und lebt? […] Werft von euch alle eure Ver­ge­hen, mit denen ihr euch ver­gan­gen habt, und schafft euch ein neu­es Herz und einen neu­en Geist! Ja, wozu wollt ihr ster­ben, Haus Isra­el? Denn ich habe kein Gefal­len am Tode des­sen, der ster­ben muss, spricht der Herr, HERR. So kehrt um, damit ihr lebt! (Eze­chi­el 18,23.31–32)

Wir fin­den in der Bibel oft die Auf­for­de­rung: „Bekehrt euch!“ Das setzt auch vor­aus, dass die Bekeh­rung mög­lich sein muss! Wenn er uns ruft: „Bekehrt euch!“, befiehlt er nicht, aber er ermun­tert, fragt, for­dert auf, bit­tet instän­dig. Für den All­mäch­ti­gen ist es kei­ne Demü­ti­gung, uns zu fra­gen -, denn er ist voll­kom­men demütig:

Wir bit­ten für Chris­tus: Lasst euch ver­söh­nen mit Gott! (2. Korin­ther 5,20)

2.2 Bezie­hung, Lie­be und Wille

Das Ziel, auf das hin der Mensch geschaf­fen wur­de, besteht in einer Bezie­hung zu Gott (Johan­nes 17,3). Eine Bezie­hung wird vor allem durch Lie­be und Frei­heit cha­rak­te­ri­siert. Wenn jemand dazu gezwun­gen wird, mit einem ande­ren Men­schen zusam­men­le­ben zu müs­sen, ist es nicht ein Aus­druck einer tie­fen Lie­be, die die­se Men­schen ver­bin­det. Eine Bezie­hung ist dann ein Aus­druck der Lie­be, wenn bei­de Par­tei­en auch die Mög­lich­keit haben, sich für oder gegen die­se Bezie­hung zu ent­schei­den. Wenn man den Wil­len eines ande­ren steu­ern kann, wird er zu einem Robo­ter. Robo­ter tun das, wozu sie gemacht wur­den. Gott schuf aber nicht Robo­ter, son­dern Men­schen, die vor der Ent­schei­dung ste­hen, ob sie Gott lie­ben möch­ten oder nicht.

Ich rufe heu­te den Him­mel und die Erde als Zeu­gen gegen euch auf: Das Leben und den Tod habe ich dir vor­ge­legt, den Segen und den Fluch! So wäh­le das Leben, damit du lebst, du und dei­ne Nach­kom­men, indem du den HERRN, dei­nen Gott, liebst und sei­ner Stim­me gehorchst und ihm anhängst! (Deu­te­ro­no­mi­um 30,19–20a)

Jeru­sa­lem, Jeru­sa­lem, die da tötet die Pro­phe­ten und stei­nigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich dei­ne Kin­der ver­sam­meln wol­len, wie eine Hen­ne ihre Küken ver­sam­melt unter ihre Flü­gel, und ihr habt nicht gewollt! (Mat­thä­us 23,37)

Ist es nicht [so], wenn du recht tust, erhebt es sich? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sün­de vor der Tür. Und nach dir wird ihr Ver­lan­gen sein, du aber sollst über sie herr­schen. (1. Mose 4,7)

Auch nach dem Sün­den­fall ist es mög­lich, nicht in Sün­den ver­sklavt zu sein, son­dern über sie zu herrschen.

3 Schluss­fol­ge­run­gen aus der Leh­re der Vorherbestimmung

4 Bibel­stel­len, die den frei­en Wil­len aus­zu­schlie­ßen scheinen

Wir sind uns des­sen bewusst, dass es jeman­dem, des­sen Den­ken tief von der Leh­re der Prä­de­sti­na­ti­on geprägt ist, schwer­fällt, eini­ge Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments anders zu ver­ste­hen, als es sei­ner Prä­gung ent­spricht. Den wirk­li­chen Sinn der Ver­se zu ver­ste­hen, die nach Prä­de­sti­na­ti­on klin­gen, wür­de eine tie­fe­re Aus­ein­an­der­set­zung erfor­dern. Es ist wich­tig, dass wir immer auch berück­sich­ti­gen, was wir aus der Bibel über Got­tes Wesen wis­sen. Schließ­lich gibt es im Alten und Neu­en Tes­ta­ment vie­le ande­re Aus­drü­cke, die nicht wört­lich ver­stan­den wer­den können.

4.1 Ephe­ser 1,3–5.11

Geprie­sen sei der Gott und Vater unse­res Herrn Jesus Chris­tus! Er hat uns geseg­net mit jeder geist­li­chen Seg­nung in der Him­mels­welt in Chris­tus, wie er uns in ihm aus­er­wählt hat vor Grund­le­gung der Welt, dass wir hei­lig und tadel­los vor ihm sei­en in Lie­be, und uns vor­her­be­stimmt hat zur Sohn­schaft durch Jesus Chris­tus für sich selbst nach dem Wohl­ge­fal­len sei­nes Wil­lens […] Und in ihm haben wir auch ein Erb­teil erlangt, die wir vor­her­be­stimmt waren nach dem Vor­satz des­sen, der alles nach dem Rat sei­nes Wil­lens wirkt.

Wo liegt der Schwer­punkt der Aus­sa­ge in Vers 4? Beto­nen wir, dass er „uns erwählt hat“, dann könn­te man es wie Cal­vin ver­ste­hen. Die Sache sieht aber ganz anders aus, wenn wir lesen: „Denn in ihm hat er uns erwählt.“ Mit die­sem Ver­ständ­nis steht in die­sem Vers nichts ande­res als in Johan­nes 3,16. Dort ist die Rede davon, dass Gott jeden, der an sei­nen Sohn glaubt, ret­ten will, wäh­rend die, die ihn ableh­nen, ver­lo­ren gehen.

In Ephe­ser 1,4 bedeu­tet das, dass er uns in Chris­tus erwählt hat – aber eben nur in Chris­tus. Die­ser Gedan­ke fin­det sich auch in den Ver­sen 3,5 und 11. Das heißt also, wenn wir nicht zu Chris­tus kom­men, stel­len wir uns außer­halb der Erwäh­lung und Bestim­mung Got­tes. Die Leh­re von der Erwäh­lung bzw. Vor­her­be­stim­mung in Chris­tus ist in die­ser Form nur ein ande­rer Aus­druck dafür, dass wir nur durch die Gna­de Got­tes erret­tet wer­den, die ihren Grund nicht in unse­ren Wer­ken, son­dern allein im Erbar­men Got­tes mit uns hat. Die­se Gna­de ist aber für alle Men­schen offen (1. Timo­theus 2,4), nicht nur für eine von vorn­her­ein fest­ste­hen­de Zahl, wie es der Cal­vi­nis­mus behauptet.

4.2 Phil­ip­per 2,12–13

Daher, mei­ne Gelieb­ten, wie ihr alle­zeit gehor­sam gewe­sen seid, nicht nur in mei­ner Gegen­wart, son­dern jetzt noch viel mehr in mei­ner Abwe­sen­heit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zit­tern! Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wol­len als auch das Wir­ken zu sei­nem Wohlgefallen.

Am Anfang des Kapi­tels schreibt Pau­lus über Jesus, dass er sich selbst ernied­rig­te und immer dar­auf bedacht war, sein Leben ganz in den Dienst für ande­re zu stel­len. Des­halb wur­de ihm die Herr­lich­keit gege­ben, die ihm gebührt.

Dar­um hat Gott ihn auch hoch erho­ben und ihm den Namen ver­lie­hen, der über jeden Namen ist. (Phil­ip­per 2,9)

In Vers 12 erklärt Pau­lus wei­ter: Daher sollt ihr alles tun, was in euren Kräf­ten steht, um an der Bezie­hung zu Gott fest zu hal­ten und das Ziel zu errei­chen. Es ist klar, dass für die­se Ent­schei­dung unser Wil­le und unse­re Kraft nie aus­rei­chen wür­den. Des­halb sol­len wir uns mit Furcht und Zit­tern an Gott wen­den. Die­ser Aus­druck soll uns die Ernst­haf­tig­keit des­sen bewusst machen, was es bedeu­tet, vor dem all­mäch­ti­gen Gott zu ste­hen (Vers 12), der unse­ren klei­nen Wil­len stärkt (Vers 13).[5]

Man darf Vers 13 nicht falsch ver­ste­hen; die­se Wor­te bedeu­ten nicht, dass der Mensch kei­nen Ein­fluss auf sei­nen eige­nen Wil­len hät­te, sonst hät­te Pau­lus nie geschrie­ben: „Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zit­tern.“ Wir kön­nen das nur tun, wenn wir einen frei­en Wil­len haben.

Am Anfang von Vers 13 steht: „Denn Gott ist es, der in euch wirkt.“ Er möch­te damit sagen, war­um wir uns mit Furcht und Zit­tern an Gott wen­den sol­len, näm­lich weil er der­je­ni­ge ist, der uns hel­fen kann.[6]

4.3. Johan­nes 6,44

Nie­mand kann zu mir kom­men, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich wer­de ihn auf­er­we­cken am letz­ten Tag.

Jesus hat­te gera­de vor­her aus­ge­drückt, dass er das wah­re Brot ist und ewi­ges Leben gibt und des­halb die Men­schen an ihn glau­ben sol­len. Sie sol­len ihm als Mes­si­as fol­gen. Den Juden war es immer klar, dass sie nur Gott fol­gen soll­ten. Daher war es für sie nicht ein­fach, den Anspruch Jesu (ihm zu fol­gen) zu akzep­tie­ren. Aus die­sem Grund betont Jesus die star­ke Ein­heit, die zwi­schen ihm und dem Vater, den sie schon kann­ten, besteht.

Wenn Jesus sagt, dass der Vater einen Men­schen zieht, will er dadurch zei­gen, wie jemand zu Jesus kommt. Das heißt aber nicht, dass Gott nicht wil­lig wäre, jeden Men­schen zu zie­hen, wenn er bereit wäre, ihm zu folgen.

Noch ein paar Gedan­ken zum Zusammenhang:

Die Aus­sa­ge Jesu ist eine direk­te Reak­ti­on auf die Fra­ge in Vers 42, die zum Teil aus Ent­täu­schung, zum Teil aus einer kla­ren Ableh­nung kommt:

Ist die­ser nicht Jesus, der Sohn Josefs, des­sen Vater und Mut­ter wir ken­nen? Wie sagt denn die­ser: Ich bin aus dem Him­mel her­ab­ge­kom­men? (Johan­nes 6,42)

Hät­te Jesus geant­wor­tet: „Ihr habt kei­ne Mög­lich­keit zur Ent­schei­dung“ oder „der Vater bestimmt, wer eine Bezie­hung zu ihm haben kann“, dann wür­de das über­haupt nicht in die­sen Zusam­men­hang pas­sen. Aber die Reak­ti­on der Men­schen zeigt, dass sie ver­stan­den, dass Jesus bean­sprucht, der Sohn Got­tes zu sein, der vom Him­mel her­ab­kam und in voll­kom­me­ner Ein­heit mit dem Vater ist. In Vers 45 setzt er fort:

Es steht in den Pro­phe­ten geschrie­ben: „Und sie wer­den alle von Gott gelehrt sein“. Jeder, der von dem Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir. (Johan­nes 6,45)

Die­se Ver­se spre­chen über das rich­ti­ge Ver­ständ­nis von der Offen­ba­rung Got­tes und der rich­ti­gen Ein­stel­lung zum Mes­si­as, d. h. zu Jesus. Jeder wird dazu geru­fen, nicht nur eine Eli­te von Men­schen, die es noch nicht wissen.

4.4 Römer 9

Es geht um fol­gen­den Text:

1 Ich sage die Wahr­heit in Chris­tus, ich lüge nicht, wobei mein Gewis­sen mir Zeug­nis gibt im Hei­li­gen Geist, 2 dass ich gro­ße Trau­rig­keit habe und unauf­hör­li­chen Schmerz in mei­nem Her­zen; 3 denn ich selbst, ich habe gewünscht, ver­flucht zu sein von Chris­tus weg für mei­ne Brü­der, mei­ne Ver­wand­ten nach dem Fleisch; 4 die Israe­li­ten sind, deren die Sohn­schaft ist und die Herr­lich­keit und die Bünd­nis­se und die Gesetz­ge­bung und der Got­tes­dienst und die Ver­hei­ßun­gen; 5 deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach der Chris­tus ist, der über allem ist, Gott, geprie­sen in Ewig­keit. Amen.

6 Nicht aber als ob das Wort Got­tes hin­fäl­lig gewor­den wäre; denn nicht alle, die aus Isra­el sind, die sind Israeliten,7 auch nicht, weil sie Abra­hams Nach­kom­men sind, sind alle Kin­der, son­dern „in Isaak wird dir eine Nach­kom­men­schaft genannt wer­den“. 8 Das heißt: Nicht die Kin­der des Flei­sches, die sind Kin­der Got­tes, son­dern die Kin­der der Ver­hei­ßung wer­den als Nach­kom­men­schaft gerech­net. 9 Denn die­ses Wort ist ein Wort der Ver­hei­ßung: „Um die­se Zeit will ich kom­men, und Sara wird einen Sohn haben.„10 Nicht allein aber bei ihr war es so, son­dern auch bei Rebek­ka, als sie von einem, von unse­rem Vater Isaak, schwan­ger war. 11 Denn als die Kin­der noch nicht gebo­ren waren und weder Gutes noch Böses getan hat­ten – damit der nach frei­er Aus­wahl gefass­te Vor­satz Got­tes bestehen blie­be, 12 nicht auf­grund von Wer­ken, son­dern auf­grund des Beru­fen­den -, wur­de zu ihr gesagt: „Der Älte­re wird dem Jün­ge­ren die­nen“; 13 wie geschrie­ben steht: „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“

14 Was sol­len wir nun sagen? Ist etwa Unge­rech­tig­keit bei Gott? Auf kei­nen Fall! 15 Denn er sagt zu Mose: „Ich wer­de mich erbar­men, wes­sen ich mich erbar­me, und wer­de Mit­leid haben, mit wem ich Mit­leid habe.„16 So liegt es nun nicht an dem Wol­len­den, auch nicht an dem Lau­fen­den, son­dern an dem sich erbar­men­den Gott. 17 Denn die Schrift sagt zum Pha­rao: „Eben hier­zu habe ich dich erweckt, damit ich mei­ne Macht an dir erwei­se und damit mein Name ver­kün­digt wer­de auf der gan­zen Erde.“ 18 Also nun: Wen er will, des­sen erbarmt er sich, und wen er will, ver­här­tet er.

19 Du wirst nun zu mir sagen: War­um tadelt er noch? Denn wer hat sei­nem Wil­len wider­stan­den? 20 Ja frei­lich, Mensch, wer bist du, der du das Wort nimmst gegen Gott? Wird etwa das Geform­te zu dem For­mer sagen: War­um hast du mich so gemacht? 21 Oder hat der Töp­fer nicht Macht über den Ton, aus der­sel­ben Mas­se das eine Gefäß zur Ehre und das ande­re zur Uneh­re zu machen? 22 Wenn aber Gott, wil­lens, sei­nen Zorn zu erwei­sen und sei­ne Macht zu erken­nen zu geben, mit vie­ler Lang­mut die Gefä­ße des Zorns ertra­gen hat, die zum Ver­der­ben zube­rei­tet sind, 23 und wenn er han­del­te, damit er den Reich­tum sei­ner Herr­lich­keit an den Gefä­ßen des Erbar­mens zu erken­nen gebe, die er zur Herr­lich­keit vor­her berei­tet hat, 24 näm­lich an uns, die er auch beru­fen hat, nicht allein aus den Juden, son­dern auch aus den Natio­nen. 25 Wie er auch in Hosea sagt: „Ich wer­de Nicht-mein-Volk mein Volk nen­nen und die Nicht-Gelieb­te Gelieb­te.“ 26 „Und es wird gesche­hen, an dem Ort, da zu ihnen gesagt wur­de: Ihr seid nicht mein Volk, dort wer­den sie Söh­ne des leben­di­gen Got­tes genannt wer­den.“ 27 Jesa­ja aber ruft über Isra­el: „Wäre die Zahl der Söh­ne Isra­els wie der Sand des Mee­res, nur der Rest wird geret­tet wer­den. 28 Denn indem er das Wort voll­endet und abkürzt, wird der Herr es auf der Erde aus­füh­ren.“ 29 Und wie Jesa­ja vor­her gesagt hat: „Wenn nicht der Herr Zebaoth uns Nach­kom­men­schaft übrig gelas­sen hät­te, so wären wir wie Sodom gewor­den und Gomor­ra gleich geworden.“

30 Was wol­len wir nun sagen? Dass die Natio­nen, die nicht nach Gerech­tig­keit streb­ten, Gerech­tig­keit erlangt haben, eine Gerech­tig­keit aber, die aus Glau­ben ist; 31 Isra­el aber, das einem Gesetz der Gerech­tig­keit nach­streb­te, ist nicht zum Gesetz gelangt.

32 War­um? Weil es nicht aus Glau­ben, son­dern als aus Wer­ken geschah. Sie haben sich gesto­ßen an dem Stein des Ansto­ßes, 33 wie geschrie­ben steht: „Sie­he, ich lege in Zion einen Stein des Ansto­ßes und einen Fels des Ärger­nis­ses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschan­den werden.“

Das Pro­blem der Juden (beson­ders 9,1–8.30–33)

Die Juden ver­lie­ßen sich auf das Gesetz und die ihnen gege­be­nen Ver­hei­ßun­gen auf eine for­ma­lis­ti­sche und nicht geist­li­che Wei­se (Lukas 3,8). Sie hör­ten nicht auf Jesus (Johan­nes 8,39). Das hat­te einen schein­ba­ren Wider­spruch zur Fol­ge: Die Hei­den fan­den Erlö­sung, obwohl sie nicht danach such­ten, und die Juden, die uner­müd­lich der Erlö­sung nach­jag­ten, konn­ten sie nicht fin­den (Römer 9,30–32). Pau­lus löst die­sen „Wider­spruch“ im 9. Kapi­tel des Römer­brie­fes, in dem er sagt, dass ein Mensch mit sei­ner Akti­vi­tät nicht den Maß­stab für Gerech­tig­keit bestim­men kann. Er beginnt mit dem The­ma der Verheißung.

Zum Text im Einzelnen

In den Ver­sen 1–5 beschreibt Pau­lus, was Isra­el alles emp­fing: die Sohn­schaft, die Herr­lich­keit, die Bun­des­schlie­ßun­gen, die Gesetz­ge­bung, den Got­tes­dienst und die Ver­hei­ßun­gen, dass der Mes­si­as aus den Juden kom­men wird. Die Juden sahen die­se Din­ge als Garan­tie für ihre Erlö­sung. Trotz­dem behaup­tet Pau­lus (Ver­se 1–3), dass die meis­ten unter ihnen nicht geret­tet sind. Den Juden erscheint das als ein Wider­spruch: Einer­seits erhiel­ten sie die Ver­hei­ßun­gen, ande­rer­seits wer­den die meis­ten von ihnen doch nicht erlöst. Pau­lus hält dem ent­ge­gen, dass Got­tes Wort nicht hin­fäl­lig gewor­den ist.

Vers 6: Ist Got­tes Wort hin­fäl­lig? Nein, aber es ist nicht das Ent­schei­den­de, ein leib­li­cher Nach­kom­me Abra­hams zu sein, son­dern Gott gegen­über gehor­sam zu sein – ein Kind der Ver­hei­ßung, das als Abra­hams Erbe zählt (Vers 7).

Ver­se 9–13: Pau­lus schreibt über Isaak und Jakob. Jakob ist ein beson­ders gutes Bei­spiel dafür, dass die Ver­hei­ßung nicht nach mensch­li­chen Maß­stä­ben wei­ter gege­ben wur­de. Esau war der Erst­ge­bo­re­ne und ent­spre­chend der Über­lie­fe­rung wäre er der Erbe der Ver­hei­ßung gewe­sen. Die Wirk­lich­keit sah aber anders aus. Dar­an ist gut sicht­bar, dass Gott sich das Recht vor­be­hält zu ent­schei­den, wer der Trä­ger der Ver­hei­ßung wer­den soll.

Pau­lus spricht hier grund­sätz­lich über die Fra­ge der geist­li­chen Auf­ga­ben im Erlösungsplan.

„Denn als die Kin­der noch nicht gebo­ren waren und weder Gutes noch Böses getan hat­ten […]“ (Vers 11): Gott ent­schied, dass Esau Jakob die­nen soll­te. Die­se Unter­ord­nung Esaus unter Jakob drückt sicher nicht aus, dass Gott im Vor­hin­ein bestimmt hät­te, wer erret­tet und wer ver­dammt wer­den soll­te, aber dass Gott schon vor ihrer Geburt ent­schied, wer der Trä­ger der Ver­hei­ßung sein wür­de. Dadurch konn­te sich Jakob nicht rüh­men, dass er es durch Wer­ke erlangt habe (Vers 12).

Oft wird Vers 13 so erklärt, dass Rebek­ka schon vor der Geburt ihrer Zwil­lin­ge offen­bart wur­de, dass Gott Jakob lie­ben und Esau has­sen wer­de. Vers 13 ist aber ein Zitat aus Malea­chi 1,1–5 und wur­de eini­ge Jahr­hun­der­te nach dem Tod Esaus und Jakobs geschrie­ben. Die­ser Text sagt nur aus, dass Gott das Volk Esaus (die Edo­mi­ter) ver­wor­fen hat­te, weil sie von Anfang an eine feind­li­che Gesin­nung gegen Isra­el hat­ten (Nume­ri 20,14–21). Wie­der ist es nicht Esaus per­sön­li­ches Schick­sal, das hier zum The­ma gemacht wird, son­dern das Schick­sal der Edo­mi­ter als Volk. Pau­lus zitiert Malea­chi, um zu zei­gen, dass Isra­el (Jakobs Nach­kom­men) die Erwähl­ten sind.

Ver­se 14–16: „[…] Ist etwa Unge­rech­tig­keit bei Gott? Auf kei­nen Fall!“, weil er ent­spre­chend sei­nes Maß­sta­bes erwählt und nicht nach mensch­li­chen Erwar­tun­gen und Maß­stä­ben. Er hat das Recht, den zu bestim­men, der der Trä­ger der Ver­hei­ßung wer­den soll.

Ver­se 17–19: Das The­ma ist hier nicht die Erlö­sung des Pha­ra­os, son­dern es geht um sein Ein­ver­ständ­nis, das Volk Isra­el aus Ägyp­ten zie­hen zu las­sen. Got­tes Plan geht in Erfül­lung, auch wenn der Pha­rao sich ganz gegen das Volk stellt. Nie­mand kann Got­tes Plan für die Mensch­heit auf­hal­ten. Auch wenn der Pha­rao den Israe­li­ten sofort erlaubt hät­te, Ägyp­ten zu ver­las­sen, hät­te er nicht den Glau­ben an den Gott Isra­els ange­nom­men, son­dern wäre ein Göt­zen­die­ner geblie­ben. Gott hat den Men­schen so geschaf­fen, dass er sich selbst ver­här­tet, wenn er Gott ablehnt. In die­sem Bei­spiel wird deut­lich, dass Pau­lus nicht erklä­ren möch­te, war­um der Pha­rao ver­dammt und damit nicht von Gott erwählt wird, son­dern er will sei­ne Bos­heit, sich gegen das Volk Isra­el auf­zu­leh­nen, herausstreichen.

Ver­se 20–24: Pau­lus lei­tet die fol­gen­den Gedan­ken von Jere­mia 18,1–10 ab:

Ein Töp­fer (Gott) formt den Ton. Es scheint, als ob er sieht, wie Men­schen han­deln, und er dem­entspre­chend sei­ne Gefä­ße formt. Aber hier geschieht etwas ande­res. Der Töp­fer macht sogar aus den zer­fal­le­nen Gefä­ßen neue, die zur Herr­lich­keit bestimmt sind. Das heißt, dass die­ser Text sehr klar gegen Prä­de­sti­na­ti­on spricht und Got­tes Barm­her­zig­keit und Gna­de zum Aus­druck kommen.

Pau­lus bear­bei­tet die­ses Gleich­nis auf zwei ver­schie­de­ne Wei­sen – in den Ver­sen 20–21 und 22–24. Bei­de Ansich­ten sind weder völ­lig unab­hän­gig von­ein­an­der, noch bezieht Pau­lus alle Aspek­te mit ein.

Zuerst spricht er in den Ver­sen 20–21 davon, dass man Gott nicht für die Art, wie er uns geschaf­fen hat, kri­ti­sie­ren kann. Der Töp­fer hat das Recht, Gefä­ße zu unter­schied­li­chen Zwe­cken zu schaf­fen, sowohl zu ehren­vol­lem als auch zu uneh­ren­vol­lem Gebrauch. Es ist wich­tig zu sehen, dass bei­de Gefä­ße – sowohl die für ehren­vol­len als auch die für uneh­ren­vol­len Gebrauch – in einem Haus­halt ihren Zweck erfül­len. Das heißt, dass die­se Ver­se nicht über Erlö­sung oder Ver­dam­mung spre­chen, son­dern über die Bestim­mung der Gefä­ße, ent­we­der für einen wich­ti­gen oder aber einen weni­ger wich­ti­gen Zweck. Gott hat also das Recht zu ent­schei­den, wer Trä­ger wich­ti­ger oder weni­ger wich­ti­ger Auf­ga­ben sein soll.

In den Ver­sen 22–24 spricht Pau­lus über Gefä­ße, die zur Ver­dam­mung und zur Ver­herr­li­chung bestimmt sind. Die Gefä­ße zur Ver­herr­li­chung iden­ti­fi­ziert er mit den Juden- und Hei­den­chris­ten. Gefä­ße zur Ver­damm­nis sind die­se, die sich gegen Gott ent­schie­den haben. Dass Men­schen sich selbst gegen Gott ent­schie­den haben, steht nicht aus­drück­lich hier im Text, wir gehen aber davon aus, weil es durch ande­re Stel­len bestä­tigt wird. Wir sehen, dass Pau­lus hier das The­ma der Erlö­sung berührt. Er möch­te nicht sagen, dass wir unse­re Erlö­sung nicht beein­flus­sen könn­ten, son­dern, dass der Mensch sich Gott unter­ord­nen soll, den Weg zu gehen, den Gott im Vor­hin­ein berei­tet hat (Vers 23). Es ist schwer, einen kla­ren Über­gang zwi­schen bei­den The­men – Erlö­sung und Erwäh­lung – zu sehen. Got­tes Erha­ben­heit wird betont, nicht, weil Gott will­kür­lich über das Erlöst­sein eines Men­schen ent­schei­det, son­dern weil sich der Mensch Gott unter­ord­nen und den Weg, der in Chris­tus für uns berei­tet ist, gehen soll.

Wenn wir die Ver­se in Jere­mia lesen, die hier zitiert wer­den, dann kön­nen wir sehen, dass die freie Ent­schei­dung der Juden, Gott zu die­nen oder nicht, vor­aus­ge­setzt wird.

Die Juden kön­nen nicht zur Gän­ze mit einem schlech­ten Gefäß ver­gli­chen wer­den, sodass Gott sie des­halb als Nati­on ver­wor­fen und ein ande­res Volk erwählt habe. Die­ses Bild erreicht sei­ne Gren­zen, auch schon des­halb, weil der Ton, im Gegen­satz zum Men­schen, kei­nen frei­en Wil­len hat. Wenn Gott etwas schafft, dann wird es nicht misslingen.

Die Ver­un­stal­tung der Gefä­ße war nicht das Werk des Töp­fers, son­dern der Gefä­ße selbst. Des­halb kann nicht jeder Zug die­ses Gleich­nis­ses in die Wirk­lich­keit über­tra­gen werden.

Es ist ein­deu­tig, dass Pau­lus die­ses Gleich­nis im Lich­te Jere­mi­as betrachtete.


Fußnoten

  1. Kurt Flasch, Logik des Schre­ckens, Augus­ti­nus von Hip­po, De diver­sis quaes­tio­ni­bus ad Sim­pli­cia­num I 2; 2. Auf­la­ge; Dieterich’sche Ver­lags­buch­hand­lung, Mainz, 1995; S. 169.
  2. Zitiert nach: Mar­tin Luther: Vom unfrei­en Wil­len, 1525.
  3. Zitiert nach: Cal­vin: Insti­tu­tio (S. 619).
  4. Vers 14: Was nützt es, mei­ne Brü­der, wenn jemand sagt, er habe Glau­ben, hat aber kei­ne Wer­ke? Kann etwa der Glau­be ihn ret­ten? Vers 20: Willst du aber erken­nen, du eit­ler Mensch, dass der Glau­be ohne die Wer­ke nutz­los ist?
  5. Eine alter­na­ti­ve Über­set­zungs­mög­lich­keit die­ses Ver­ses lau­tet: über euren guten Wil­len hin­aus. Er kann und will uns die Kraft und den Wil­len zu unse­rem Tun geben.
  6. Das Zusam­men­wir­ken zwi­schen dem Han­deln Got­tes und unse­rem eige­nen wird auch in Hebrä­er 13,21 ausgedrückt.


Kurt Flasch, Logik des Schre­ckens, Augus­ti­nus von Hip­po, De diver­sis quaes­tio­ni­bus ad Sim­pli­cia­num I 2; 2. Auf­la­ge; Dieterich’sche Ver­lags­buch­hand­lung, Mainz, 1995; S. 169.

Zitiert nach: Mar­tin Luther: Vom unfrei­en Wil­len, 1525.

Zitiert nach: Cal­vin: Insti­tu­tio (S. 619).

Vers 14: Was nützt es, mei­ne Brü­der, wenn jemand sagt, er habe Glau­ben, hat aber kei­ne Wer­ke? Kann etwa der Glau­be ihn ret­ten? Vers 20: Willst du aber erken­nen, du eit­ler Mensch, dass der Glau­be ohne die Wer­ke nutz­los ist?

Eine alter­na­ti­ve Über­set­zungs­mög­lich­keit die­ses Ver­ses lau­tet: über euren guten Wil­len hin­aus. Er kann und will uns die Kraft und den Wil­len zu unse­rem Tun geben.

Das Zusam­men­wir­ken zwi­schen dem Han­deln Got­tes und unse­rem eige­nen wird auch in Hebrä­er 13,21 ausgedrückt.