Verschwörungstheorien – aus christlicher Sicht betrachtet

Warum wir diesen Text schreiben

Die Annahme, dass hinter verschiedenen Ereignissen in der Welt Verschwörungen stecken, ist heute sehr weit verbreitet, auch in religiösen Kreisen. In diesem Artikel wollen wir nicht den Wahrheitsgehalt bestimmter Verschwörungstheorien analysieren. Stattdessen wollen wir einige biblische Grundsätze beleuchten, die dir helfen können, einen völlig anderen Zugang zum Labyrinth der Verschwörungen zu finden. Es gibt nämlich eine Reihe von Gesinnungen, die die Bibel verurteilt und die allen Verschwörungstheorien gemeinsam sind. Wir ermutigen jeden, der aufrichtig nach der Wahrheit sucht, zu einer klaren Beurteilung dieser Gesinnungen zu finden. Da wir Christen sind, richtet sich dieser Artikel hauptsächlich an diejenigen, die mit der Bibel vertraut sind. Aber auch wenn du es nicht bist, hoffen wir, dass unser Artikel mit unseren Kommentaren zu den zitierten Bibelstellen auch für dich einen Sinn ergibt.

1 Die Welt der Verschwörungen

Unsere Welt ist sehr verdorben. Viele Menschen verfolgen ihre egoistischen Ziele. Es dürstet sie nach Geld und nach Macht über andere. In Wirtschaft und Politik einigen sich die Menschen oft auf die Durchsetzung dieser bösen Interessen. Manchmal versuchen sie, ihre Pläne vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Solche Verschwörungen hat es in der Weltgeschichte unzählige Male gegeben und sie haben den Verlauf der Geschichte stark beeinflusst.

Wir müssen jedoch sorgfältig zwischen diesen echten, nachgewiesenen Verschwörungen und den sogenannten Verschwörungstheorien unterscheiden. Verschwörungstheorien sind nichts anderes als Spekulationen darüber, wie Politiker, Regierungen oder erfolgreiche Geschäftsleute fast jeden Aspekt unseres täglichen Lebens beeinflussen. Viele dieser Theorien haben einen politischen Bezug, wie die Anschläge vom 11. September oder die Leugnung des Holocaust. Andere stellen grundlegende wissenschaftliche Fakten in Frage, z. B. dass die Erde eine Kugel ist. Es gibt auch Verschwörungstheorien, die mehrere einzelne Theorien miteinander verbinden.

  • nichts zufällig ist,
  • nichts so ist, wie es scheint, und
  • alles miteinander verbunden ist.1

Es ist eine Welt, in der man nichts und niemandem mehr trauen kann. Es ist eine Welt der Angst, in der die Mächtigen das Schicksal und die Geschicke einzelner Menschen und sogar ganzer Länder bestimmen. Es ist eine Welt, in der man sich nur auf sich selbst verlassen kann. Verschwörungstheoretiker behaupten, dass die auf Schritt und Tritt lauernden Gefahren nur zu erkennen sind, wenn man über die dazu notwendigen Informationen verfügt.

2 Gott ist der Herr der Geschichte

Verschwörungstheorien schreiben dem Menschen die totale Kontrolle über die Ereignisse in unserer Welt zu. In der Bibel wird jedoch immer wieder betont, dass Gottes Vorsehung auch nach dem Sündenfall allgegenwärtig ist. In diesem festen Glauben finden Gläubige Frieden und Ruhe, wie es Psalm 23,1–4 ausdrückt:2

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquickt meine Seele.
Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir …

Im achten Jahrhundert v. Chr. sah sich das Volk Gottes in Juda mit einer Verschwörung konfrontiert, die seine Existenz bedrohte. Die benachbarten Königreiche Israel und Syrien wollten Juda angreifen und den König Ahas absetzen. Sie planten, an Ahas‘ Stelle einen eigenen Mann als König einzusetzen, der dann ihre politischen Ziele unterstützen würde. Angesichts dieser Bedrohung zitterte das Volk von Juda „wie die Bäume des Waldes vor dem Wind“ (Jesaja 7,2). In dieser verzweifelten Stunde richtete der Prophet Jesaja die folgenden Worte des Trostes und der Warnung an sein Volk:

Denn so hat der HERR zu mir gesprochen, als ⟨seine⟩ Hand ⟨mich⟩ packte und er mich davor warnte, auf dem Weg dieses Volkes zu gehen: Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dieses Volk Verschwörung nennt. Das, was sie fürchten, sollt ihr nicht fürchten und nicht ⟨davor⟩ erschrecken. Den HERRN der Heerscharen, den sollt ihr heiligen! Er sei eure Furcht, und er sei euer Schrecken! Und er wird zum Heiligtum3 … (Jesaja 8,11–14)

Diese Verschwörung hat das Volk von Juda sicherlich sehr aufgewühlt. Sie gerieten in Panik vor dem, was geschehen würde. Obwohl es sich um eine echte Verschwörung handelte, riet Jesaja ihnen, sie nicht als solche zu bezeichnen, denn das würde ihre Angst nur noch vergrößern. Er lenkte ihre Aufmerksamkeit darauf, Gott zu fürchten und zu ehren, anstatt sich über diese Gefahr Sorgen zu machen. Sie sollten auf Gottes Güte und Schutz vertrauen, was ihnen inneren Frieden geben würde. So würde Gott sie schließlich vor den feindlichen Armeen retten. Menschen, die Gott nicht fürchten und ehren, erfahren nicht seine tägliche Fürsorge. Sie öffnen sich leicht für Nachrichten über Gefahren und beängstigende Verschwörungen.

Von religiösen Gruppen werden einige Verschwörungstheorien verbreitet, die in Verbindung mit dem Glauben stehen. Verschwörungstheorien rechnen jedoch im Allgemeinen nicht mit Gottes Vorsehung. Obwohl die Bibel die Macht des Bösen nicht herunterspielt, stellt sie doch klar, dass das Böse niemals stärker sein kann als Gott. Gott ist der Schöpfer und Erhalter der Welt. Die Heilige Schrift beschreibt ihn durchgängig als den Herrn der Geschichte, der über allen einflussreichen Herrschern steht:

Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn Weisheit und Macht, sie sind sein. Er ändert Zeiten und Fristen, er setzt Könige ab und setzt Könige … (Daniel 2,20–21)

Da spricht Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du hättest keinerlei Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre …“ (Johannes 19,10–11)

Gott ist nicht gleichgültig gegenüber dem, was mit seinen Geschöpfen hier unten vor sich geht. Es war immer sein Ziel, den Menschen sein liebendes Wesen zu offenbaren und uns zu retten. Deshalb nimmt er an unserer Geschichte teil, um sie zu einem guten Ende zu führen, auch wenn es durch viele Schwierigkeiten geht: Er hat sich ein Volk geschaffen, in das Land der Verheißung geführt und durch die stürmischen Ereignisse des ersten Jahrtausends vor Christus hindurch bewahrt. Schließlich, als die rechte Zeit gekommen war, trat Gott selbst in Jesus in die Geschichte ein.

Jesus wurde von vielen angefeindet und die Mächtigen verschworen sich gegen ihn, um ihn aus dem Weg zu räumen (Apostelgeschichte 4,24–28). Doch er stellte sich ihren bösen Plänen mit seiner Liebe, seiner Demut und seiner Selbsthingabe entgegen. Jesus suchte die Lösung nicht darin, vor dem Bösen zu fliehen, sondern ihm aus dem tiefen Vertrauen zu seinem Vater heraus zu begegnen, für den „alle Dinge möglich sind“ (Markus 14,36). Das war seine Art, gegen das Böse zu kämpfen. Auch wenn seine Feinde ihn letztlich töteten, konnten sie Gott nicht daran hindern, seinen Heilsplan zu verwirklichen. Jesus ist auferstanden und er ist hier bei uns:

Und Jesus trat zu ⟨ihnen⟩ und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden … Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Matthäus 28,18.20)

Menschen, die ihm glauben, werden Gottes Gegenwart und Macht in ihrem Leben erfahren. Diejenigen aber, die sich oft mit der Macht des Bösen beschäftigen und sich auf ihr Wissen verlassen, um es zu besiegen, verlieren Gott aus den Augen.

3 Die richtigen Prioritäten setzen

Die Heilige Schrift ermutigt die Gläubigen, die richtigen Prioritäten zu setzen. Sie sollen ihre kurze, kostbare Zeit hier nutzen, um sich für das Gute einzusetzen und anderen die Liebe Gottes zu zeigen. Anstatt deine Zeit damit zu verbringen, vermeintlich Böses herauszufinden, solltest du Gutes tun und andere lieben. Kümmere dich um die Bedürfnisse und Nöte anderer, anstatt deine Neugierde und dein Verlangen nach zweifelhaftem Wissen zu stillen.

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. Lasst uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens! (Galater 6,9–10)

Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob ⟨gibt⟩, das erwägt! Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein. (Philipper 4,8–9)

Sich mit Gottes Wort und Frieden auszufüllen und mit seiner Weisheit und Güte auszurüsten ist der einzige Weg, das Böse zu erkennen und zu überwinden.

… überwinde das Böse mit dem Guten! (Römer 12,21)

Die Beschäftigung mit allem möglichen Bösen außerhalb von dir lenkt dich davon ab, das viel gefährlichere Böse zu bemerken: das Böse, das in dir selbst verborgen ist.

Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen. Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord, Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit; alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen. (Markus 7,20–23)

Wenn man in der Sünde lebt, wird man selbst zum Sklaven der Sünde und zum Teilhaber an dem Bösen, das man kritisiert. Wir können frei werden, wenn wir die Wahrheit kennen. Wir können diese Wahrheit kennenlernen, indem wir die Worte Jesu befolgen. Diese Wahrheit ist befreiend. Sie macht uns frei, uns an der ewigen Gemeinschaft mit Gott zu erfreuen und für immer in seinem Haus zu bleiben:

Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Sie antworteten ihm: Wir sind Abrahams Nachkommenschaft und sind nie jemandes Sklaven gewesen. Wie sagst du: Ihr sollt frei werden? Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave. Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer. Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein. (Johannes 8,31–36)

Die meisten Menschen sehen sich nicht gern als Sklaven der Sünde. Sie wollen nicht, dass ihre Sünden aufgedeckt werden. Verschwörungstheorien konzentrieren sich auf äußere Feinde und lenken auf diese Weise von der Wahrheit über sich selbst ab.

Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden. (Johannes 3,19–20)

Die genaue Erforschung der schlechten Dinge, auf die Verschwörungstheorien hinweisen oder die durch sie nur suggeriert werden, kann im eigenen Leben keine wesentliche Veränderung zum Positiven bewirken. Zeigt die Verschwendung von Zeit mit Verschwörungstheorien nicht vielmehr, dass man nicht aktiv danach sucht, das Bessere bzw. das Beste zu tun?

Abgesehen von Verschwörungstheorien gibt es viele andere Dinge, die interessant oder sogar nützlich zu sein scheinen. Aber wir sollten Gott fragen, ob es wirklich das „eine Notwendige“ ist, das für immer bleibt, wie Maria es tat:

Es geschah aber, als sie ihres Weges zogen, dass er in ein Dorf kam; und eine Frau mit Namen Marta nahm ihn auf. Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Wort zuhörte. Marta aber war sehr beschäftigt mit vielem Dienen; sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfe! Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird. (Lukas 10,38–42)

4 Für die eigenen Ansichten Verantwortung tragen

Verschwörungstheoretiker neigen dazu, weitreichende Behauptungen aufzustellen. Weitreichende Behauptungen erfordern jedoch genauso solide und überprüfbare Beweise. Allerdings sind die Beweise, die Verschwörungstheoretiker anbieten, in der Regel umstritten und beruhen auf Spekulationen. Die Bibel hingegen lehrt uns, sorgfältig abzuwägen, was wahr ist. Der Apostel Paulus sagt, dass wir alles prüfen und nur an dem festhalten sollen, was gut ist (1. Thessalonicher 5,21). Gott macht jeden für das verantwortlich, was er denkt, tut und sagt. Jesus lehrte die Menschen auf diese Weise:

Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts; denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. (Matthäus 12,36–37)

Jesus sagte diese Worte als Reaktion darauf, dass er öffentlich beschuldigt wurde, mithilfe des Satans Dämonen auszutreiben (siehe Verse 22–35 im selben Kapitel). Einige Juden wollten die Menge gegen Jesus aufbringen, indem sie ihn auf diese Weise verleumdeten. Die Weitergabe falscher Informationen, selbst wenn man glaubt, dass sie wahr sind, kann andere beeinflussen und für viele schwerwiegende Folgen haben, wie der folgende Abschnitt illustriert:

Und es geschah danach, da starb der König der Söhne Ammon, und sein Sohn Hanun wurde an seiner Stelle König. Und David sagte: Ich will Gnade erweisen an Hanun, dem Sohn des Nahasch, so wie sein Vater Gnade an mir erwiesen hat. So sandte David hin, um ihn durch seine Knechte wegen seines Vaters zu trösten. Und die Knechte Davids kamen in das Land der Söhne Ammon. Da sagten die Obersten der Söhne Ammon zu Hanun, ihrem Herrn: Will David in deinen Augen ⟨wirklich⟩ deinen Vater ehren, wenn er Tröster zu dir gesandt hat? Hat nicht David seine Knechte zu dir gesandt, um die Stadt zu erforschen und sie auszukundschaften und sie umzukehren? Da nahm Hanun die Knechte Davids und ließ ihnen die Hälfte des Bartes abscheren und ihre Kleider zur Hälfte abschneiden bis an ihr Gesäß; und er schickte sie weg. (2. Samuel 10,1–4)

Die schlechte Behandlung von Davids Dienern aufgrund der falschen Annahmen der Fürsten führte zu Kriegen mit vielen Opfern und Leid. Du bist dafür verantwortlich, die Glaubwürdigkeit der Informationen, die du an andere weitergeben willst, zu überprüfen, denn sie können eine Reihe von Ereignissen auslösen, die das Leben anderer Menschen beeinflussen.4 Deshalb ist die Schrift sehr streng, wenn es um die Verbreitung von Nachrichten und Anschuldigungen geht, die nicht auf einer gründlichen Prüfung beruhen.

Wenn ein falscher Zeuge gegen jemanden auftritt, um ihn des Ungehorsams zu beschuldigen, dann sollen die beiden Männer, die den Rechtsstreit führen, vor den HERRN treten, vor die Priester und die Richter, die in jenen Tagen da sein werden. Und die Richter sollen ⟨die Sache⟩ genau untersuchen. Und siehe, ist der Zeuge ein Lügenzeuge, hat er gegen seinen Bruder Lüge bezeugt, dann sollt ihr ihm tun, wie er seinem Bruder zu tun gedachte. Und du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. Und die Übrigen sollen es hören und sich fürchten und nicht mehr länger eine solch böse Sache in deiner Mitte begehen. (Deuteronomium 19,16–20)

Am Schlimmsten aber ist, dass falsche Informationen Leben kosten können:

Ihr sollt im Gericht nicht Unrecht tun; du sollst die Person des Geringen nicht bevorzugen und die Person des Großen nicht ehren; in Gerechtigkeit sollst du deinen Nächsten richten. Du sollst nicht als ein Verleumder unter deinen Volksgenossen umhergehen. Du sollst nicht gegen das Blut deines Nächsten auftreten. Ich bin der HERR. (Leviticus 19,15–16)

Noch nie war es so einfach wie heute in unserer digitalen Welt, falsche oder unbewiesene Informationen mit nur einem Klick an Tausende von Menschen weiterzugeben. Aber hast du jemals die weitreichenden Folgen bedacht, die ein einziger Klick haben kann? Nimm das Beispiel der COVID-19-Pandemie: In einigen Ländern führte die Verbreitung von Fehlinformationen zum Zusammenbruch der lokalen Gesundheitssysteme und sogar zu Gewalt gegen völlig überfordertes medizinisches Personal, das sein eigenes Leben riskierte, um andere zu retten.5 Corona hinterließ viele Tote und verwaiste Kinder.6 Unabhängig davon, ob die gemeldete Zahl der Todesopfer überhöht ist oder nicht, sind viele unserer Mitmenschen nicht mehr unter uns. Vielleicht warst du nur einer von Tausenden, die einen fraglichen Beitrag im Zusammenhang mit COVID ungeprüft „geliked“ und „geteilt“ haben, aber das mindert nicht deine Verantwortung für die Folgen.

HERR, wer darf in deinem Zelt weilen?
Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? 
Der rechtschaffen wandelt und Gerechtigkeit übt
und Wahrheit redet in seinem Herzen.
Er hat nicht verleumdet mit seiner Zunge,
seinem Gefährten kein Übel angetan
und auf seinen Nächsten keine Schmähung gebracht … (Psalm 15,1–3)

Was du über andere verbreitest, verrät oft, wer du wirklich bist. Menschen mögen es, als Kämpfer für das Gute und die Gerechtigkeit gesehen zu werden. Andere zu beschuldigen gibt ihnen diese Möglichkeit. Diese Gesinnung ist ein uraltes Übel, das bis heute viel Leid und Entfremdung in unsere Welt gebracht hat.

Doch wenn wir Gott nahe sein wollen, müssen wir ihm ähnlich werden. Er ist durch und durch heilig und wahrhaftig.

5 Die Obrigkeit respektieren

Durch Falschinformationen verbreiten Verschwörungstheorien Misstrauen gegenüber öffentlichen Einrichtungen und denjenigen, die für wichtige Entscheidungen in Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen und dergleichen zuständig sind. Letztendlich führt dies zu sozialen Unruhen, Anarchie und schürt Hassverbrechen.

Die Bibel zeigt ein realistisches Bild von der häufig vorkommenden Heuchelei, dem Egoismus und der Schlechtigkeit von Politikern und Regierungen. Gleichzeitig erkennt sie aber auch die nützliche Funktion der politischen Autoritäten an, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung, einer gewissen Moral, des Friedens und des Wohlergehens sorgen.

Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten ⟨staatlichen⟩ Mächten! Denn es ist keine ⟨staatliche⟩ Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet. Wer sich daher der ⟨staatlichen⟩ Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen. … Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen. Denn deshalb entrichtet ihr auch Steuern; denn es sind Gottes Diener, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind. Gebt allen, was ihr ⟨ihnen⟩ schuldig seid: die Steuer, dem die Steuer; den Zoll, dem der Zoll; die Furcht, dem die Furcht; die Ehre, dem die Ehre ⟨gebührt⟩! (Römer 13,1–2, 5–7)

Diese Worte sind nicht absolut zu verstehen. Die Unterordnung bezieht sich hier auf bestimmte Aspekte wie das Zahlen von Steuern. Mehrere Beispiele in der Bibel lehren uns jedoch, dass wir „Gott mehr gehorchen sollen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29), selbst wenn dies mit Schwierigkeiten oder dem Tod verbunden ist. Das beeindruckende Zeugnis der ersten Christen, die heftige Verfolgungen ertragen mussten, war nicht das von Protestlern und Rebellen. Sie waren demütig, erfüllt von Liebe und wahrhaftig, wie Jesus es war.

Der Apostel Paulus erlebte während seines gesamten Dienstes Misshandlungen durch Oberste und Behörden. Trotzdem ermutigt Paulus seine Brüder und Schwestern, den Wert der Obrigkeit als Ganzes zu betrachten und nicht nur auf der Ebene einzelner Personen. Sofern die Obrigkeit keinen Gehorsam in Angelegenheiten verlangt, die die Gerechtigkeit, die Moral, den Glauben und den Gehorsam gegenüber Gott gefährden, schulden wir ihr Respekt und Gehorsam. Petrus schreibt in ähnlicher Weise:

Ordnet euch aller menschlichen Einrichtung unter um des Herrn willen; sei es dem König als Oberherrn oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lob derer, die Gutes tun! Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr durch Gutestun die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt –als Freie und nicht als solche, die die Freiheit als Deckmantel der Bosheit haben, sondern als Sklaven Gottes. Erweist allen Ehre; liebt die Bruderschaft; fürchtet Gott; ehrt den König! (1. Petrus 2,13–17)

Wir sollen uns „um des Herrn willen“ unterordnen. Wenn wir das tun, verlieren wir nicht unsere Freiheit. Wahre Freiheit erlangt man nicht durch Protest und Widerstand, sondern indem man das Böse meidet und ein heiliges Leben führt. Durch dieses Zeugnis fordern Christen auch andere dazu heraus.

Ein Christ ist, wie jedes Mitglied der Gesellschaft, von den Entscheidungen derer abhängig, die in hohen Positionen sind. Im Allgemeinen tun die Regierungen viel, um die Grundbedürfnisse des jeweiligen Landes zu sichern. Das Funktionieren des Gesundheitswesens, der Wirtschaft, des Verkehrswesens, der Sicherheit, der Gerichte usw. erfordert ein hohes Maß an Verwaltung und Organisation. Obwohl Regierungen auch viele schlechte Entscheidungen treffen, fordert die Heilige Schrift die Christen auf, Gott für die Stabilität zu danken, die sich aus dem Dienst der Entscheidungsträger ergibt, und für den Fortbestand dieser Stabilität zu beten:

Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit. Dies ist gut und angenehm vor unserem Retter-Gott, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1. Timotheus 2,1–4)

Diese Einstellung steht in starkem Gegensatz zu der rebellischen, undankbaren und misstrauischen Haltung, die Verschwörungstheorien zugrunde liegt.

Bevor wir diese Bibelstelle verlassen, möchten wir noch zwei Dinge erwähnen:

Erstens richtet sich das Gebet in dieser Stelle nicht auf die Bekehrung der heidnischen Herrscher. Wäre dies der Fall, würde die Aussage „für alle, die in hohen Positionen sind“ bedeuten, dass die Christen für die Bekehrung ausnahmslos aller Obrigkeiten beten sollen. Das kann nicht der Fall sein, denn die Christen waren nüchtern und machten sich keine Illusionen darüber, dass Regierende wie Pontius Pilatus oder Kaiser Nero (der die erste, barbarische Christenverfolgung einleitete) jemals den christlichen Glauben annehmen würden. Die Fürbitte zielt vielmehr darauf ab, dass Gott den Obrigkeiten bei ihren Entscheidungen Weisheit und Rücksicht schenken möge, damit wir unter friedlichen Bedingungen leben können, die der Verbreitung des Evangeliums förderlich sind (Sprüche 8,15–16, Jeremia 29,7).

Zweitens können wir diese Stelle nicht als absolute Leitlinie für alle Situationen ansehen. Die Bitten und Danksagungen setzen grundsätzlich gute Absichten und die Bereitschaft der Regierungen voraus, verantwortungsvoll zu entscheiden. Daher kann sich die Bitte des Paulus im obigen Abschnitt nicht auf offensichtlich gewaltsame, unmenschliche und übergriffige Regierungen beziehen. Christen würden wie jeder andere Mensch mit guten moralischen Maßstäben nicht zustimmen und sich der Unterwerfung unter böse Gesetze widersetzen. Zum Beispiel würden Christen niemals den Hitlergruß entrichten oder jüdische Flüchtlinge zur Hinrichtung ausliefern.

Jesus wollte nicht, dass seine Jünger soziale Unruhen schüren oder mit Gewalt protestieren. Das sind nicht die Mittel Gottes.

Als aber die, welche um ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Und einer von ihnen schlug den Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber antwortete und sprach: Lasst es soweit! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn. (Lukas 22,49–51)

Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde, jetzt aber ist mein Reich nicht von hier. (Johannes 18,36)

Für Christen sind Unzufriedenheit, gewaltsamer Widerstand und Rebellion keine Lösung für die Probleme in dieser Welt. Das heißt aber nicht, dass sie gleichgültig sind: Christen sind verantwortlich für die Menschen um sie herum. Der Unterschied in der Herangehensweise besteht darin, dass Christen sich einerseits zwar bemühen, ihre Pflichten in der Gesellschaft zu erfüllen, dass sie gleichzeitig aber ein viel höheres Ziel vor Augen haben. Obwohl sie versuchen, die Welt zu einem gerechteren und besseren Ort zu machen, wissen sie, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Dies wirkt sich grundlegend auf ihre Art des Kampfes gegen Unterdrückung und andere Übel aus. Wie ihr Herr stellen sie sich dem Bösen entgegen, indem sie bereit sind, es geduldig zu ertragen, zu leiden und andere zu lieben und sogar dazu bereit sind zu sterben. Sie wissen, dass es der gegenwärtigen Welt immer an der Vollkommenheit und der Herrlichkeit Gottes mangeln wird und sie deshalb nicht ihre endgültige Heimat ist. Nach Gottes Verheißung warten sie vielmehr „auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petrus 3,13).

Hier lohnt es sich, eine christliche Schrift aus dem zweiten Jahrhundert zu zitieren, die einen kurzen Einblick in das Verhalten und die Einstellung der Christen damals gibt:

Sie weilen auf Erden, aber ihr Wandel ist im Himmel. Sie gehorchen den bestehenden Gesetzen und überbieten in ihrem Lebenswandel die Gesetze. Sie lieben alle und werden von allen verfolgt. Man kennt sie nicht und verurteilt sie doch, man tötet sie und bringt sie dadurch zum Leben. (Brief an Diognet, Auszug aus Kap. 5. Für den Kontext dieses Zitats klicke „Denn die Christen sind weder durch Heimat noch durch Sprache und Sitten von den übrigen Menschen verschieden. Sie bewohnen nirgendwo eigene Städte, bedienen sich keiner abweichenden Sprache und führen auch kein absonderliches Leben. Keineswegs durch einen Einfall oder durch den Scharfsinn vorwitziger Menschen ist diese ihre Lehre aufgebracht worden und sie vertreten auch keine menschliche Schulweisheit wie andere. Sie bewohnen Städte von Griechen und Nichtgriechen, wie es einem jeden das Schicksal beschieden hat, und fügen sich der Landessitte in Kleidung, Nahrung und in der sonstigen Lebensart, legen aber dabei einen wunderbaren und anerkanntermassen überraschenden Wandel in ihrem bürgerlichen Leben an den Tag. Sie bewohnen jeder sein Vaterland, aber nur wie Beisassen; sie beteiligen sich an allem wie Bürger und lassen sich alles gefallen wie Fremde; jede Fremde ist ihnen Vaterland und jedes Vaterland eine Fremde. Sie heiraten wie alle andern und zeugen Kinder, setzen aber die geborenen nicht aus. Sie haben gemeinsamen Tisch, aber kein gemeinsames Lager. Sie sind im Fleische, leben aber nicht nach dem Fleische. Sie weilen auf Erden, aber ihr Wandel ist im Himmel. Sie gehorchen den bestehenden Gesetzen und überbieten in ihrem Lebenswandel die Gesetze. Sie lieben alle und werden von allen verfolgt. Man kennt sie nicht und verurteilt sie doch, man tötet sie und bringt sie dadurch zum Leben, Sie sind arm und machen viele reich; sie leiden Mangel an allem und haben doch auch wieder an allem Überfluss, Sie werden missachtet und in der Missachtung verherrlicht; sie werden geschmäht und doch als gerecht befunden. Sie werden gekränkt und segnen, werden verspottet und erweisen Ehre. Sie tun Gutes und werden wie Übeltäter gestraft; mit dem Tode bestraft, freuen sie sich, als würden sie zum Leben erweckt. Von den Juden werden sie angefeindet wie Fremde, und von den Griechen werden sie verfolgt; aber einen Grund für ihre Feindschaft vermögen die Hasser nicht anzugeben.“ .)

6 Dem Demütigen gibt Gott Gnade

Gott liebt diejenigen, die ein demütiges Herz haben. Er ist denen nahe, die ihre Bedürftigkeit, ihre Grenzen und ihre Niedrigkeit annehmen. Leider trifft man solche Menschen nur selten. Wir ziehen es vielmehr oft vor, stark zu erscheinen und besser als andere sein zu wollen, nicht nur einer unter vielen, sondern jemand Besonderes zu sein. Verschwörungstheorien nähren diese Wünsche sehr.

Unsere Welt ist ungeheuer komplex. Es gibt eine riesige Menge von Informationen zu verarbeiten. Wenn man an Verschwörungstheorien glaubt, ist man schnell in der Versuchung zu denken, dass man den Überblick hat und die Ereignisse der Gegenwart und der Vergangenheit bewerten und durchschauen kann. Man glaubt, die „wahren“ Gründe für das, was geschieht, zu kennen.

Jedoch zerstört der Wunsch, weise zu sein und allein entscheiden zu können, was gut und böse ist, die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Das zeigt sich in der Geschichte vom Sündenfall.

Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die der HERR, Gott, gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen des Gartens dürft ihr nicht essen? Da sagte die Frau zur Schlange: Von den Früchten der Bäume des Gartens essen wir; aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens ⟨steht⟩, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt! Da sagte die Schlange zur Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses. 6 Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Nahrung und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. (Genesis 3,1–6)

Der Mensch wollte nicht, dass Gott ihn führt und ihm zeigt, was das Beste für ihn ist. Er überschätzte sich und überschritt die Grenzen, die Gott ihm gesetzt hatte.

Menschen treffen viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben, weil sie Gott nicht fragen, sondern lieber ihren eigenen Vorstellungen folgen. Oft hat der Mensch nicht einmal Klarheit darüber, was die richtigen Entscheidungen für sein eigenes Leben sind. Wie kann er denken, dass er den Überblick über das hat, was in der Welt geschieht? Ist es nicht sehr arrogant zu meinen, dass man es besser weiß als die große Mehrheit der Menschen? Können all die wissenschaftlichen Forschungen, historischen Dokumente und Erfahrungen, die unabhängig voneinander über Jahrhunderte auf der ganzen Welt gesammelt wurden, sowie eine gute Portion gesunder Menschenverstand durch das aufgewogen werden, was man in einem Buch gelesen oder im Internet gefunden hat? Auch wenn die Quelle dieser Informationen den Anspruch erhebt, maßgebend zu sein, ist das „Wissen“, das man dadurch erlangt hat, meist nicht das Ergebnis gründlicher Recherchen. Furcht, Angst oder die Suche nach Bestätigung für ihre Ansichten machen die Menschen anfällig dafür, spektakuläre Theorien zu übernehmen, ohne die Argumente für beide Seiten unvoreingenommen abzuwägen. Sie entscheiden selbst schon von vornherein, was wahr ist und was nicht, weil ihre eigene Meinung zum Maßstab für richtig und falsch geworden ist.

Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süßem machen und Süßes zu Bitterem! Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und sich selbst für verständig halten! (Jesaja 5,20–21)

Sei nicht weise in deinen Augen, fürchte den HERRN und weiche vom Bösen! (Sprüche 3,7)

Oft glauben Verschwörungstheoretiker, dass sie nach der Wahrheit suchen, was ihre Handlungen und Motive edel erscheinen lässt. Ihre Einstellung anderen gegenüber verrät jedoch ein anderes Ziel. Dieses „Wissen“, das sie zu haben glauben, führt unweigerlich dazu, dass sie, wenn auch vielleicht unbewusst, auf die „Uninformierten“, die „sheeple„7, die nur blind dem Mainstream folgen, herabsehen. Es ist der Wunsch, etwas Besonderes zu sein und ein besonderes Wissen zu besitzen, der sie antreibt und sie respektlos und lieblos werden lässt.

Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut. (1. Korinther 8,1)

Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit! Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Eigennutz in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit! Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, sinnliche, dämonische. Denn wo Eifersucht und Eigennutz ist, da ist Zerrüttung und jede schlechte Tat. Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedvoll, milde, folgsam, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt. (Jakobus 3,13–17)

Verschwörungstheorien enthalten von Natur aus Gedanken, die dem Mainstream gegenüber kritisch sind. Sie sind bei denjenigen beliebt, die sich selbst als „Freidenker“ bezeichnen, die gerne unabhängig sind und sich niemandem unterordnen wollen. Doch diese Freiheit im Denken ist einseitig. Denn auf der Suche nach Dingen, gegenüber denen man kritisch sein kann, ist man sich selbst gegenüber oft nicht kritisch. Man ist so sehr mit der Suche nach dem Bösen in der Welt beschäftigt, dass man das Böse in sich selbst nicht sieht. Das aber ist die Voraussetzung dafür, die wirkliche Wahrheit zu finden. Nur wenn wir bereit sind zu sehen und zuzugeben, wer wir in den Augen Gottes wirklich sind in unserer Bedürftigkeit, unserer Begrenztheit und unserer Niedrigkeit, können wir wirklich frei sein.

HERR! Mein Herz will nicht hoch hinaus,
meine Augen sind nicht hochmütig.
Ich gehe nicht mit Dingen um, die zu groß und zu wunderbar für mich sind.
Habe ich meine Seele nicht beschwichtigt und beruhigt?
Wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter,
wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele in mir. (Psalm 131,1–2)

7 Abschließende Gedanken

Nun, da wir am Ende unseres Artikels angelangt sind, möchten wir dir einige Fragen und Ermunterungen mit auf den Weg geben. Vielleicht hast du viel Zeit und Mühe investiert, um dich über eine Verschwörung zu informieren. Du hast vielleicht das Gefühl, wichtige Erkenntnisse gewonnen zu haben und mehr zu wissen als die meisten. Aber was hast du wirklich gewonnen und wie kommt deine Erkenntnis anderen zugute?

Hat es dir Kraft gegeben, andere zu lieben, sogar deine Feinde?

Hat es dir Ruhe geschenkt und dein Vertrauen in Gott gestärkt?

Hat es dir geholfen, in der Demut zu wachsen?

Hat es dir geholfen, deine eigenen Sünden aufzudecken und zu überwinden?

… und das Wichtigste: Bist du Gott näher gekommen?

Bevor wir Christen wurden, waren einige von uns in eine Vielzahl von Verschwörungsideen verstrickt. Du bist dir dessen vielleicht nicht bewusst, aber es ist wirklich eine Gefangenschaft. „Up-to-date“ und auf all die scheinbaren Gefahren „vorbereitet“ zu sein, beraubt uns der wesentlichen Dinge, die Gott uns schenken möchte: seine Gegenwart, seine Liebe, seinen Frieden, seine Versöhnung und die wirkliche Erfüllung. All dies sind Dinge, die für das christliche Leben unentbehrlich sind. Nicht durch das Wissen um Dinge, die in der Welt vor sich gehen, will Gott dir Selbstwertgefühl, geistliche Nahrung und Stabilität geben, sondern dadurch, dass du „von ihm erkannt wirst“:

Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß … aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. (1. Korinther 13,2)

Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er noch nicht erkannt, wie man erkennen soll; wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt. (1. Korinther 8,2–3)

Wenn du über bestimmte Aspekte, die in diesem Artikel erwähnt wurden, noch weiter nachdenken möchtest oder wenn du Fragen hast und alles noch tiefer verstehen möchtest, kannst du uns gerne schreiben. Wir würden uns freuen, von dir zu hören und gemeinsam über Gottes Sichtweise nachzudenken.


Fußnoten

    1. Zusammenfassung nach Michael Barkun, einem amerikanischen Akademiker, der emeritierter Professor für Politikwissenschaft ist; in „September 11th through Conspiracists‘ Eyes“, Seite 2‑https://med.virginia.edu/ciag/wp-content/uploads/sites/313/2015/12/report_barkun.pdf (abgerufen am 18.02.2022). ↩︎
    2. In ähnlicher Weise ermutigt Jesus in Matthäus 10,29–31 seine Jünger, sich nicht vor ihren Verfolgern zu fürchten, sondern dem Vater zu vertrauen, der sich auch um die Geringsten seiner Geschöpfe kümmert. ↩︎
    3. Nach der Erklärung der Amplified Bible ist das Heiligtum „ein heiliger, unzerstörbarer Schutzraum für diejenigen, die ihn fürchten und ihm vertrauen“. ↩︎
    4. Ein Beispiel dafür sind die Brandanschläge auf Mobilfunktürme und die Misshandlung von Telekommunikationsmitarbeitern aufgrund des Glaubens, dass 5G-Mobilfunknetze das Coronavirus verbreiten: https://apnews.com/article/health-ap-top-news-wireless-technology-international-news-virus-outbreak-4ac3679b6f39e8bd2561c1c8eeafd855 (abgerufen am 18.02.2022). Siehe auch auf CNET: https://www.cnet.com/health/5g-coronavirus-conspiracy-theory-sees-77-mobile-towers-burned-report-says/ (abgerufen am 18.02.2022).  ↩︎
    5. Einige Quellen hierzu unter vielen anderen: The Guardian-https://www.theguardian.com/global-development/2021/jun/07/they-stormed-the-icu-and-beat-the-doctor-health-workers-under-attack (abgerufen am 18.02.2022) und BBC News-https://www.bbc.com/news/uk-england-humber-59696352 (abgerufen am 18.02.2022). ↩︎
    6. https://imperialcollegelondon.github.io/orphanhood_calculator/#/country/Global (abgerufen am 20.06.2022), https://www.unicef.org/press-releases/indonesia-more-25000-children-orphaned-due-covid-19-start-pandemic (abgerufen am 20.06.2022), https://www.cdc.gov/media/releases/2021/p1007-covid-19-orphaned-children.html (abgerufen am 20.06.2022). ↩︎
    7. Das Cambridge Dictionary definiert dieses Wort als: Menschen, die nachahmen, was andere tun, oder glauben, was man ihnen sagt, und nicht selbst denken. Sheeple ist eine Kombination aus den Wörtern sheep und people (https://dictionary.cambridge.org/us/dictionary/english/sheeple). ↩︎

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