Sol­len Chris­ten den Sab­bat halten?

Themenbereiche: Kontroverse Fragen

War­um wir die­sen Text schreiben

„Muss man als Christ alle zehn Gebo­te hal­ten?“ oder „Wie steht es um das vier­te Gebot, den Sab­bat?“ Sol­che Fra­gen wer­den von Men­schen, die die Bibel lesen, beson­ders sol­chen, die von man­chen reli­giö­sen Grup­pie­run­gen geprägt sind, gestellt. In der fol­gen­den Abhand­lung wol­len wir kurz die Bedeu­tung des alt­tes­ta­ment­li­chen Geset­zes erklä­ren und wie die­ses im Neu­en Tes­ta­ment erfüllt wur­de. Dar­aus kön­nen wir auch sehen, wel­che Ein­stel­lung wir als Chris­ten zum Sab­bat haben sollen.

Eine Menora, ein Leuchter, der im jüdischen Gottesdienst verwendet wird.

Wann und wem wur­de der Sab­bat gegeben?

In den Zehn Gebo­ten heißt es:

Beach­te den Sab­bat­tag, um ihn hei­lig zu hal­ten, so wie der HERR, dein Gott, es dir gebo­ten hat! Sechs Tage sollst du arbei­ten und all dei­ne Arbeit tun; aber der sieb­te Tag ist Sab­bat für den HERRN, dei­nen Gott. Du sollst an ihm kei­ner­lei Arbeit tun, du und dein Sohn und dei­ne Toch­ter und dein Skla­ve und dei­ne Skla­vin und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und der Frem­de bei dir, der inner­halb dei­ner Tore wohnt, damit dein Skla­ve und dei­ne Skla­vin ruhen wie du. Und den­ke dar­an, dass du Skla­ve warst im Land Ägyp­ten und dass der HERR, dein Gott, dich mit star­ker Hand und mit aus­ge­streck­tem Arm von dort her­aus­ge­führt hat! Dar­um hat der HERR, dein Gott, dir gebo­ten, den Sab­bat­tag zu fei­ern. (Deu­te­ro­no­mi­um 5,12–15)

Das Sab­bat­ge­bot hat­te vor allem zum Ziel, dass Got­tes Volk (wenigs­tens[1] die­sen) einen Tag ganz Gott wei­hen soll­te. Zusätz­lich kön­nen wir aus die­ser Stel­le sehen, dass der Sab­bat eine Erin­ne­rung an den Aus­zug aus Ägyp­ten war. Die Israe­li­ten soll­ten ihren Skla­ven einen Ruhe­tag gewäh­ren und sich dar­an erin­nern, dass auch sie Skla­ven waren. Sie soll­ten sich daher ihren Skla­ven gegen­über gerecht ver­hal­ten. Ver­glei­che dazu Exodus 23,12:

Sechs Tage sollst du dei­ne Arbei­ten ver­rich­ten. Aber am sieb­ten Tag sollst du ruhen, damit dein Rind und dein Esel aus­ru­hen und der Sohn dei­ner Magd und der Frem­de Atem schöpfen.

Im Licht die­ser Gedan­ken sol­len wir auch die fol­gen­den Ver­se betrachten:

Hal­tet nur ja mei­ne Sab­ba­te! Denn sie sind ein Zei­chen zwi­schen mir und euch für all eure Gene­ra­tio­nen, damit man erken­ne, dass ich, der HERR, es bin, der euch hei­ligt. Hal­tet also den Sab­bat, denn hei­lig ist er euch. Wer ihn ent­weiht, muss getö­tet wer­den, ja, jeder, der an ihm eine Arbeit ver­rich­tet, eine sol­che See­le soll aus der Mit­te sei­ner Völ­ker aus­ge­rot­tet wer­den. Sechs Tage soll man sei­ne Arbeit ver­rich­ten, aber am sieb­ten Tag ist Sab­bat, ein Tag völ­li­ger Ruhe, hei­lig dem HERRN. Jeder, der am Tag des Sab­bats eine Arbeit ver­rich­tet, muss getö­tet wer­den. So sol­len denn die Söh­ne Isra­el den Sab­bat hal­ten, um den Sab­bat in all ihren Gene­ra­tio­nen zu fei­ern, als ewi­gen Bund. Er ist ein Zei­chen zwi­schen mir und den Söh­nen Isra­el für ewig. Denn in sechs Tagen hat der HERR den Him­mel und die Erde gemacht, am sieb­ten Tag aber hat er geruht und Atem geschöpft. (Exodus 31,13–17)

Hier wird klar aus­ge­sagt, dass der Sab­bat als Zei­chen für den Bund zwi­schen Gott und dem Volk Isra­el gege­ben wurde.

Und auf den Berg Sinai bist du her­ab­ge­stie­gen und hast vom Him­mel her mit ihnen gere­det. Und du hast ihnen kla­re Rechts­be­stim­mun­gen und zuver­läs­si­ge Geset­ze, gute Ord­nun­gen und Gebo­te gege­ben. Und dei­nen hei­li­gen Sab­bat hast du ihnen ver­kün­det und hast ihnen Gebo­te und Ord­nun­gen und ein Gesetz gebo­ten durch dei­nen Knecht Mose. (Neh­emia 9,13–14)

Aus die­ser Stel­le kön­nen wir sehen, dass der Sab­bat nicht seit der Schöp­fung bekannt war, son­dern Gott hat ihn dem Volk Isra­el bekannt­ge­macht, als er ihnen das Gesetz gege­ben hat. Auch aus den übri­gen Büchern der Bibel kann man sehen, dass der Sab­bat vor Mose nicht gehal­ten wurde.

Und ich führ­te sie aus dem Land Ägyp­ten und brach­te sie in die Wüs­te. Und ich gab ihnen mei­ne Ord­nun­gen, und mei­ne Rechts­be­stim­mun­gen ließ ich sie wis­sen, durch die der Mensch, wenn er sie tut, lebt. Und auch mei­ne Sab­ba­te gab ich ihnen, dass sie zum Bun­des­zei­chen sei­en zwi­schen mir und ihnen, damit man erken­ne, dass ich, der HERR, es bin, der sie hei­ligt. […] Und hei­ligt mei­ne Sab­ba­te, damit sie zum Bun­des­zei­chen sei­en zwi­schen mir und euch, damit ihr erkennt, dass ich der HERR, euer Gott bin. (Eze­chi­el 20,10–12.20)

Hier heißt es zwei­mal klar, dass der Sab­bat das Bun­des­zei­chen zwi­schen Gott und sei­nem Volk ist, das er aus dem Land Ägyp­ten geführt hatte.

Aus all die­sen Stel­len sehen wir, dass Gott den Sab­bat dem Volk Isra­el gege­ben hat, als er sie aus dem Land Ägyp­ten her­aus­ge­führt hat, damit er ein Zei­chen des mit ihnen geschlos­se­nen Bun­des sei. Das war ein Gesetz, das aus­schließ­lich Isra­el gege­ben wur­de, als ein Zei­chen, das es von allen ande­ren Völ­kern unter­schei­den soll­te und das auch bei kei­nem ande­ren Volk zu fin­den ist.

Wie sol­len wir ver­ste­hen, dass Gott am Sab­bat geruht hat?

Man­che argu­men­tie­ren mit Gene­sis 2,2–3, dass Gott das Sab­bat­ge­bot bereits bei der Schöp­fung gege­ben hat, und da Gott selbst geruht hat, müs­sen auch wir den Ruhe­tag ein­hal­ten, weil es sich hier um ein „Schöp­fungs­ge­setz“ handle.

Und Gott voll­ende­te am sieb­ten Tag sein Werk, das er gemacht hat­te; und er ruh­te am sieb­ten Tag von all sei­nem Werk, das er gemacht hat­te. Und Gott seg­ne­te den sieb­ten Tag und hei­lig­te ihn; denn an ihm ruh­te er von all sei­nem Werk, das Gott geschaf­fen hat­te, indem er es machte.

Wenn hier gesagt wird, dass Gott am sieb­ten Tag ruh­te, ihn seg­ne­te und hei­lig­te, so zeigt die­se Aus­sa­ge, dass Ruhe und Frie­den genau­so zu Got­tes Wesen gehö­ren wie sein Wir­ken und sei­ne Akti­vi­tät. Er hat den Men­schen nach sei­nem Abbild geschaf­fen. So ist auch für den Men­schen das Ziel des Lebens nicht rast­lo­se Arbeit und Mühe, son­dern die Bezie­hung zu sei­nem Schöpfer.

Die Stel­le drückt auch aus, dass das Ziel der Schöp­fung die Ruhe ist – die Gemein­schaft mit Gott (Heb 4:10–11).

Wenn wir Got­tes Wesen ver­ste­hen wol­len, müs­sen wir auch die Ver­se unter­su­chen, die klar dar­über spre­chen, dass Gott nie auf­hört zu wirken.

Mei­ne Hil­fe kommt vom HERRN, der Him­mel und Erde gemacht hat. Er wird nicht zulas­sen, dass dein Fuß wan­ke. Dein Hüter schlum­mert nicht. Sie­he, nicht schlum­mert und nicht schläft der Hüter Isra­els. (Psalm 121,2–4)

Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wir­ke. (Johan­nes 5,17)

[…] bei dem kei­ne Ver­än­de­rung ist noch eines Wech­sels Schat­ten. (Jako­bus 1,17)

Got­tes Wesen ist ewig und unver­än­der­lich, sodass er „nicht ermü­det noch ermat­tet“ (Jesa­ja 40,28). Im Lich­te die­ser Aus­sa­gen ist das rich­ti­ge Ver­ständ­nis von Gene­sis 2,2–3 zu fin­den. Anstatt die­se Ver­se wort­wört­lich zu ver­ste­hen, ist es wich­tig, dass wir sie in Über­ein­stim­mung mit ande­ren Aus­sa­gen der Bibel sehen. Nicht Gott muss sich aus­ru­hen, son­dern der Mensch. Wenn die Bibel sagt, dass Gott „ruht“, iden­ti­fi­ziert Gott sich selbst mit dem ermü­de­ten Skla­ven, um das Erbar­men sei­nes Herrn ihm gegen­über zu erwe­cken, der auch sei­nem Skla­ven die Gele­gen­heit geben muss, Gott anzu­be­ten.[2]

Vie­le Exege­ten stim­men dar­in über­ein, dass zur Zeit der Nie­der­schrift der Schöp­fungs­ge­schich­te von Gene­sis 2 die Israe­li­ten schon lan­ge den Sab­bat gehal­ten haben. Sie haben sich aus­ge­hend von ihrer Situa­ti­on der Erklä­rung der Anfän­ge ange­nä­hert.[3]

Wel­che Ein­stel­lung hat­ten die ers­ten Chris­ten zum Sabbat?

Da der Sab­bat dem Volk Isra­el gege­ben wur­de, ist es natür­lich, dass sowohl Jesus als auch die Apos­tel das Sab­bat­ge­bot gehal­ten haben, da sie ja Juden waren. Das ist eine ein­fa­che Fest­stel­lung der Tat­sa­chen, wie wir sie sowohl den Evan­ge­li­en als auch der Apos­tel­ge­schich­te ent­neh­men kön­nen. Das zeigt aber noch nicht, dass auch wir heu­te den Sab­bat hal­ten müs­sen. Für uns ist eher die Situa­ti­on der Chris­ten rele­vant, die aus den (nicht­jü­di­schen) Völ­kern stamm­ten. Des­halb brau­chen wir uns an die Geset­ze der Juden nicht zu halten.

Es ist eine wich­ti­ge Fra­ge, ob wir in der Bibel, ins­be­son­de­re im Neu­en Tes­ta­ment, auch nur einen ein­zi­gen Hin­weis in die Rich­tung fin­den, dass auch die nicht aus dem Juden­tum kom­men­den Chris­ten den Sab­bat hal­ten soll­ten. Als das soge­nann­te Apos­tel­kon­zil in Jeru­sa­lem bestimm­te, wel­che Din­ge die Chris­ten, die sich aus dem Hei­den­tum bekehrt hat­ten, ein­hal­ten soll­ten, wur­den vier Punk­te erwähnt, die für die Gemein­schaft mit den Juden­chris­ten für not­wen­dig erach­tet wur­den. Das Hal­ten des Sab­bats war nicht dar­un­ter. Von den Apos­teln wag­te kei­ner, den Chris­ten das Joch des Geset­zes auf­zu­er­le­gen. Es wur­de von ihnen nur erwar­tet, sich der Göt­zen, der Unzucht, dem Fleisch erstick­ter Tie­re und vom Blu­tes­sen zu ent­hal­ten (Apos­tel­ge­schich­te 15,10–20).

Pau­lus schrieb an die Römer:

Der eine hält einen Tag vor dem ande­ren, der ande­re aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in sei­nem eige­nen Sinn völ­lig über­zeugt! Wer den Tag beach­tet, beach­tet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er sagt Gott Dank; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und sagt Gott Dank. (Römer 14,5–6)

Dass jemand „einen Tag vor dem ande­ren“ hält, ist ein kla­rer Hin­weis auf den Sab­bat. Es gab kei­nen ande­ren Tag, den eini­ge „dem Herrn beach­tet“ hät­ten. Pau­lus woll­te nicht, dass alle den Sab­bat und die Spei­se­ge­set­ze hal­ten. Aus den spä­te­ren Ver­sen sieht man sogar, dass er die, die das Gesetz hiel­ten, für schwä­cher hielt. Die hin­ge­gen, die ver­stan­den hat­ten, dass sie das Gesetz nicht mehr zu hal­ten brau­chen, ermun­ter­te er, dass sie den ande­ren kei­nen Anstoß geben sollten.

Das Neue Tes­ta­ment ent­hält Brie­fe auch an Gemein­den, in denen man­che Hei­den­chris­ten in Gefahr waren, sich dem Gesetz zuzu­wen­den. Pau­lus ermahn­te sie sehr streng:

Damals jedoch, als ihr Gott nicht kann­tet, dien­tet ihr denen, die von Natur nicht Göt­ter sind;  jetzt aber habt ihr Gott erkannt – viel­mehr seid ihr von Gott erkannt wor­den. Wie wen­det ihr euch wie­der zu den schwa­chen und arm­se­li­gen Ele­men­ten zurück, denen ihr wie­der von neu­em die­nen wollt? Ihr beob­ach­tet Tage und Mona­te und bestimm­te Zei­ten und Jah­re. Ich fürch­te um euch, ob ich nicht etwa ver­geb­lich an euch gear­bei­tet habe. (Gala­ter 4,8–11)

Beach­ten wir die Argu­men­ta­ti­on von Pau­lus: Die Gala­ter waren frü­her Hei­den. Sie dien­ten Din­gen, die Gott fremd waren. Jetzt keh­ren sie wie­der dort­hin zurück. Dass sie nun Tage und Mona­te beob­ach­ten (was sich auf den Sab­bat und ande­re jüdi­schen Fes­te bezieht), betrach­tet Pau­lus als ein Zurück­wen­den zu den schwa­chen und arm­se­li­gen Ele­men­ten – auf der­sel­ben Ebe­ne, wo sie als Hei­den Skla­ven waren.

Wei­ters schreibt er ihnen:

Ich wun­de­re mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gna­de Chris­ti beru­fen hat, abwen­det zu einem ande­ren Evan­ge­li­um […] (Gala­ter 1,6)

Und:

Unver­stän­di­ge Gala­ter! Wer hat euch bezau­bert, denen Jesus Chris­tus als gekreu­zigt vor Augen gemalt wur­de? Nur dies will ich von euch wis­sen: Habt ihr den Geist aus Geset­zes­wer­ken emp­fan­gen oder aus der Kun­de des Glau­bens? Seid ihr so unver­stän­dig? Nach­dem ihr im Geist ange­fan­gen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch voll­enden? So Gro­ßes habt ihr ver­geb­lich erfah­ren? Wenn es wirk­lich ver­geb­lich ist! Der euch nun den Geist dar­reicht und Wun­der­wer­ke unter euch wirkt, tut er es aus Geset­zes­wer­ken oder aus der Kun­de des Glau­bens? (Gala­ter 3,1–5)

All das sind sehr ernst­haf­te Ermah­nun­gen für die Chris­ten. Wenn sie ein­mal zum Glau­ben an Jesus gekom­men sind, aber sich dann dem Gesetz zuwen­den (was die Beob­ach­tung von Tagen mit ein­schließt), wer­den sie nicht geret­tet werden.

Auch in Kolossä gab es eine ähn­li­che Gefahr:

So rich­te euch nun nie­mand wegen Spei­se oder Trank oder betreffs eines Fes­tes oder Neu­mon­des oder Sab­bats, die ein Schat­ten der künf­ti­gen Din­ge sind, der Kör­per selbst aber ist des Chris­tus. (Kolos­ser 2,16–17)

Die Chris­ten dort waren eben­falls in Gefahr, mensch­li­che Leh­ren ent­ge­gen dem Evan­ge­li­um anzu­neh­men und das Gesetz zu hal­ten. Dar­aus folgt, dass die Hei­den­chris­ten weder das Gesetz noch den Sab­bat hiel­ten. Pau­lus ermahn­te sie:

Dies sage ich aber, damit nie­mand euch ver­füh­re durch über­re­den­de Wor­te. (Kolos­ser 2,4)

Und:

Seht zu, dass nie­mand euch ein­fan­ge durch die Phi­lo­so­phie und lee­ren Betrug nach der Über­lie­fe­rung der Men­schen, nach den Ele­men­ten der Welt und nicht Chris­tus gemäß! (Kolos­ser 2,8)

Pau­lus sieht also die Über­lie­fe­rung der Men­schen ähn­lich wie die Leh­re der „Ele­men­te der Welt“. Die in die­sem Abschnitt zitier­ten Bibel­stel­len sind nur eini­ge Bei­spie­le, die man bes­ser ver­ste­hen kann, wenn man jeweils den gesam­ten Zusam­men­hang liest.

Schluss­fol­ge­rung – nicht Sab­bat, nicht Sonn­tag, son­dern jeden Tag

Was die Zeit betrifft, die wir Gott wid­men sol­len, den­ken auch wir, dass das für unse­re Bezie­hung zu ihm sehr wich­tig ist. Die ers­ten Chris­ten haben sich jeden Tag Zeit genom­men, gemein­sam zu beten, ein­an­der zu ermun­tern und zu hel­fen (Apos­tel­ge­schich­te 2,37–47). Wir glau­ben, dass es für jeden Chris­ten ganz natür­lich ist, dass er all sei­ne freie Zeit dafür ver­wen­det, Got­tes Reich zu bau­en. Wir freu­en uns dar­über, dass wir nor­ma­ler­wei­se sowohl an Sams­ta­gen (Sab­ba­ten) als auch an Sonn­ta­gen nicht arbei­ten müs­sen und die Zeit am Wochen­en­de ganz dafür ver­wen­den kön­nen, uns mit Geschwis­tern im Glau­ben zu tref­fen und so gemein­sam Gott zu loben.

Die neu­tes­ta­ment­li­che Erfül­lung des Sab­bats liegt nicht dar­in, dass die Chris­ten einen beson­de­ren Tag gehal­ten haben, son­dern dass sie Ihr Leben jeden Tag Gott weih­ten. Auch wenn Jesus die jüdi­schen Geset­ze gehal­ten hat, hat er in sei­ner Hin­ga­be im Dienst an den Men­schen kei­nen Unter­schied zwi­schen den Tagen gemacht. Zur Ver­wun­de­rung vie­ler hat er auch am Sab­bat geheilt. Er sag­te auch:

Denn der Sohn des Men­schen ist Herr des Sab­bats. (Mat­thä­us 12,8)[4]

Gott will nicht, dass wir an gewis­sen For­men fest­hal­ten, son­dern dass wir uns ganz für ihn hin­ge­ben, sei­nen Wil­len suchen. Was nützt es, wenn wir einen Tag hal­ten, an dem wir nicht arbei­ten, aber an den ande­ren Tagen nicht ganz ihm gehö­ren? Er möch­te unser gan­zes Leben haben, nicht nur ein Siebtel.

Er aber sprach zu ihm: „Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, lie­ben mit dei­nem gan­zen Her­zen und mit dei­ner gan­zen See­le und mit dei­nem gan­zen Ver­stand.“ Dies ist das größ­te und ers­te Gebot. Das zwei­te aber ist ihm gleich: „Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst.“ An die­sen zwei Gebo­ten hängt das gan­ze Gesetz und die Pro­phe­ten. (Mat­thä­us 22,37–40)


Fußnoten

  1. Got­tes Haupt­ge­bot war immer: Du sollst den HERRN, dei­nen Gott, lie­ben mit dei­nem gan­zen Her­zen und mit dei­ner gan­zen See­le und mit dei­ner gan­zen Kraft! (Deu­te­ro­no­mi­um 6,5). Die Gläu­bi­gen, die Gott ihr gan­zes Leben schen­ken wol­len, die­nen Gott jeden Tag mit gan­zem Her­zen, sie loben ihn und ver­herr­li­chen ihn. Bereits zur Zeit des Alten Tes­ta­ments war das natür­lich: Psalm 35,28;  35,28; 61,9; 71,8.15.24; 72,15; 145,2, 1. Chro­nik 16,37. Wer Gott ver­traut, ruft ihn jeden Tag an: Psalm 86,3; 88,10. Des­we­gen ewar­te­ten sie auch den Mes­si­as, damit „wir ohne Furcht ihm die­nen sol­len in Hei­lig­keit und Gerech­tig­keit vor ihm alle unse­re Tage“ (Lukas 1,74–75). Wie könn­te man einen Tag bes­ser heiligen?
  2. Der jüdi­sche Phi­lo­soph und Theo­lo­ge, Mar­tin Buber, erklärt in sei­nem Buch „Der Glau­be der Pro­phe­ten“, Hei­del­berg 1984, S. 82, die in Exodus 31,17 ver­wen­de­te For­mu­lie­rung „Denn ein Tags­echst mach­te JHWH den Him­mel und die Erde, aber am sie­ben­ten Tag fei­er­te er und erat­me­te.“ (so Bubers Über­set­zung) als einen „kras­sen Anthro­po­mor­phis­mus“, der „den Gott mit dem arbeits­mü­den Skla­ven zusammenspannt.“
  3. Zur Erklä­rung des Ursprungs des Sab­bats sol­len wir die Lebens­wei­se der Noma­den in Betracht zie­hen, die Buber wie folgt erklärt: […] das Gebot eines dem JHWH gehei­lig­ten […] je sieb­ten Tages, an dem nicht, wie an den ande­ren, „alle Arbeit“ ver­rich­tet wird; das bedeu­tet für den Wan­der­hir­ten, der sein Vieh nicht unver­sorgt las­sen darf, dass er alle „Beschäf­ti­gun­gen, die er heu­te tun und mor­gen las­sen kann“, auf­schiebt, die Bebau­ungs­ar­beit in den Oasen unter­bricht, nicht zu neu­en Wei­de­plät­zen auf­bricht usw. (Buber, „Der Glau­be der Pro­phe­ten“, Hei­del­berg 1984, Sei­te 81).
  4. Dadurch woll­te Jesus die schlech­te Gesin­nung sei­ner Kri­ti­ker auf­de­cken. In der Berg­pre­digt (Mat­thä­us 5) sehen wir, wel­che Ein­stel­lung Jesus zum Gesetz hat­te. In Vers 17 sag­te er, dass er nicht „gekom­men ist, auf­zu­lö­sen, son­dern zu erfül­len“. Danach bringt er eini­ge Bei­spie­le in denen er sagt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: […] Ich aber sage euch […]“ An die­sen Bei­spie­len (Ehe­bruch, Mord, Mein­eid, Fein­des­lie­be) zeigt Jesus, dass er den alt­tes­ta­men­li­chen Geset­zen ein tie­fe­res Ver­ständ­nis gab. So hat auch Jesus das Sab­bat­ge­bot in sei­nem Leben durch die täg­li­che Hin­ga­be erfüllt.


Got­tes Haupt­ge­bot war immer: Du sollst den HERRN, dei­nen Gott, lie­ben mit dei­nem gan­zen Her­zen und mit dei­ner gan­zen See­le und mit dei­ner gan­zen Kraft! (Deu­te­ro­no­mi­um 6,5).
Die Gläu­bi­gen, die Gott ihr gan­zes Leben schen­ken wol­len, die­nen Gott jeden Tag mit gan­zem Her­zen, sie loben ihn und ver­herr­li­chen ihn. Bereits zur Zeit des Alten Tes­ta­ments war das natür­lich: Psalm 35,28;  35,28; 61,9; 71,8.15.24; 72,15; 145,2, 1. Chro­nik 16,37. Wer Gott ver­traut, ruft ihn jeden Tag an: Psalm 86,3; 88,10. Des­we­gen ewar­te­ten sie auch den Mes­si­as, damit „wir ohne Furcht ihm die­nen sol­len in Hei­lig­keit und Gerech­tig­keit vor ihm alle unse­re Tage“ (Lukas 1,74–75). Wie könn­te man einen Tag bes­ser heiligen?

Der jüdi­sche Phi­lo­soph und Theo­lo­ge, Mar­tin Buber, erklärt in sei­nem Buch „Der Glau­be der Pro­phe­ten“, Hei­del­berg 1984, S. 82, die in Exodus 31,17 ver­wen­de­te For­mu­lie­rung „Denn ein Tags­echst mach­te JHWH den Him­mel und die Erde, aber am sie­ben­ten Tag fei­er­te er und erat­me­te.“ (so Bubers Über­set­zung) als einen „kras­sen Anthro­po­mor­phis­mus“, der „den Gott mit dem arbeits­mü­den Skla­ven zusammenspannt.“

Zur Erklä­rung des Ursprungs des Sab­bats sol­len wir die Lebens­wei­se der Noma­den in Betracht zie­hen, die Buber wie folgt erklärt: […] das Gebot eines dem JHWH gehei­lig­ten […] je sieb­ten Tages, an dem nicht, wie an den ande­ren, „alle Arbeit“ ver­rich­tet wird; das bedeu­tet für den Wan­der­hir­ten, der sein Vieh nicht unver­sorgt las­sen darf, dass er alle „Beschäf­ti­gun­gen, die er heu­te tun und mor­gen las­sen kann“, auf­schiebt, die Bebau­ungs­ar­beit in den Oasen unter­bricht, nicht zu neu­en Wei­de­plät­zen auf­bricht usw. (Buber, „Der Glau­be der Pro­phe­ten“, Hei­del­berg 1984, Sei­te 81).

Dadurch woll­te Jesus die schlech­te Gesin­nung sei­ner Kri­ti­ker auf­de­cken. In der Berg­pre­digt (Mat­thä­us 5) sehen wir, wel­che Ein­stel­lung Jesus zum Gesetz hat­te. In Vers 17 sag­te er, dass er nicht „gekom­men ist, auf­zu­lö­sen, son­dern zu erfül­len“. Danach bringt er eini­ge Bei­spie­le in denen er sagt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: […] Ich aber sage euch […]“ An die­sen Bei­spie­len (Ehe­bruch, Mord, Mein­eid, Fein­des­lie­be) zeigt Jesus, dass er den alt­tes­ta­men­li­chen Geset­zen ein tie­fe­res Ver­ständ­nis gab. So hat auch Jesus das Sab­bat­ge­bot in sei­nem Leben durch die täg­li­che Hin­ga­be erfüllt.