Die „Neue-Welt-Über­set­zung“ der Hei­li­gen Schrift

Schlagwörter: Zeugen Jehovas

War­um wir die­sen Text schreiben

Unter den zahl­rei­chen Über­set­zun­gen der Bibel nimmt die von der Wacht­turm­ge­sell­schaft her­aus­ge­ge­be­ne „Neue-Welt-Über­­­se­t­­zung“ (NWÜ) eine Son­der­stel­lung ein, da sie fast aus­schließ­lich von den Mit­glie­dern der Zeu­gen Jeho­vas ver­wen­det wird und auch die Beson­der­heit auf­weist, an 237 Stel­len der „Christ­li­chen Grie­chi­schen Schrif­ten“[1] den Namen „Jeho­va“ ein­zu­fü­gen, obwohl die­ser in kei­ner ein­zi­gen erhal­te­nen Hand­schrift zu fin­den ist.
Wir wol­len in die­sem Text den Anspruch der NWÜ prü­fen, eine wort­ge­treue Über­set­zung zu sein. Die­se Prü­fung wird aber nicht alle mög­li­chen Aspek­te umfas­sen, son­dern wir wol­len uns auf die Stel­len beschrän­ken, die für die Leh­ren der Wacht­turm­ge­sell­schaft von Belang sind. Wir wol­len Zeu­gen Jeho­vas und ihnen nahe­ste­hen­den Men­schen mit die­ser Abhand­lung eine Hil­fe­stel­lung zur Beur­tei­lung der von ihnen ver­wen­de­ten Über­set­zung geben.[2]

Die Neue-Welt-Übersetzung, die Bibel der Zeugen Jehovas.

1 Die Über­set­zung der Hei­li­gen Schrift – eine sehr ver­ant­wor­tungs­vol­le Aufgabe

Wir zitie­ren aus dem Vor­wort der NWÜ:

Es ist eine sehr ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be, die Hei­li­ge Schrift aus ihren Urspra­chen, Hebrä­isch, Ara­mä­isch und Grie­chisch, in eine zeit­ge­mä­ße Spra­che zu über­tra­gen. Die Hei­li­ge Schrift zu über­set­zen bedeu­tet, die Gedan­ken und Aus­sprü­che Jeho­va Got­tes – des himm­li­schen Autors die­ser hei­li­gen Biblio­thek von 66 Büchern, die hei­li­ge Män­ner vor lan­ger Zeit unter Inspi­ra­ti­on zu unse­rem Nut­zen nie­der­ge­schrie­ben haben – in einer ande­ren Spra­che wiederzugeben.
Das ist ein ernst­stim­men­der Gedan­ke. Die Über­set­zer die­ses Wer­kes, die Gott, den Urhe­ber der Hei­li­gen Schrift, fürch­ten und lie­ben, füh­len sich ihm gegen­über beson­ders ver­ant­wort­lich, sei­ne Gedan­ken und Erklä­run­gen so genau wie mög­lich zu über­mit­teln. Auch füh­len sie sich dem for­schen­den Leser gegen­über ver­ant­wort­lich, der zu sei­ner ewi­gen Ret­tung auf eine Über­set­zung des inspi­rier­ten Wor­tes Got­tes, des Höchs­ten, ange­wie­sen ist.[3]

Mit die­sen Wor­ten wei­sen die Her­aus­ge­ber auf den Maß­stab hin, an dem ihr Werk zu prü­fen ist. Sie wol­len die „Gedan­ken und Erklä­run­gen Got­tes so genau wie mög­lich über­mit­teln“. Die Wacht­turm­ge­sell­schaft hat auch dem des neu­tes­ta­ment­li­chen Grie­chisch nicht kun­di­gen Leser mit der „King­dom Inter­li­ne­ar Trans­la­ti­on of the Greek Scrip­tures“ (kurz KIT) ein Werk­zeug in die Hand gege­ben, mit der die NWÜ geprüft wer­den kann. In die­sem Werk[4] befin­den sich der grie­chi­sche Text nach West­cott und Hort und dar­un­ter eine mög­lichst wört­li­che Inter­li­ne­ar-Über­set­zung. Am Rand wird die eng­li­sche New-World-Trans­la­ti­on nach der Revi­si­on von 1984 wie­der­ge­ge­ben. Somit hat der Leser die Mög­lich­keit zu einer Über­prü­fung der eng­li­schen New-World-Trans­la­ti­on, auf deren Grund­la­ge alle wei­te­ren Über­set­zun­gen ange­fer­tigt wur­den. Wir wer­den in die­ser Abhand­lung die KIT zur Beur­tei­lung der ein­zel­nen bespro­che­nen Stel­len her­an­zie­hen. Eng­lisch­kennt­nis­se sind daher hilf­reich, aber nicht unbe­dingt erfor­der­lich. Bei den meis­ten Stel­len wer­den wir zuerst die deut­sche NWÜ zitie­ren, dann ein Fak­si­mi­le aus der KIT ein­fü­gen und zur Ergän­zung noch die Ver­si­on der Revi­dier­ten Elber­fel­der Über­set­zung (ELB) brin­gen, die auch nicht voll­kom­men ist, aber sich um eine mög­lichst wört­li­che Über­set­zung bemüht, bevor wir unse­re Gedan­ken dazu schreiben.

Wir sind uns des­sen bewusst, dass es kei­ne leich­te Auf­ga­be ist, die Bibel zu über­set­zen, und dass es eine per­fek­te Über­set­zung nicht geben kann. Wir betrach­ten es daher nicht als unse­re Auf­ga­be, den Stil der Über­set­zung oder Unge­nau­ig­kei­ten zu kri­ti­sie­ren, die ent­ste­hen kön­nen, wenn man eher einen Gedan­ken kor­rekt wie­der­ge­ben will, als am Wort­laut fest­zu­hal­ten. Wir wol­len aber ein beson­de­res Augen­merk auf Zusam­men­hän­ge mit der Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft richten.

2 Zur Übersetzungsmethode

Bei allen moder­nen Über­set­zun­gen ist es selbst­ver­ständ­lich, dass sie mög­lichst direkt aus den auf­grund der ältes­ten und bes­ten vor­han­de­nen Hand­schrif­ten wis­sen­schaft­lich erar­bei­te­ten hebräi­schen, ara­mäi­schen und grie­chi­schen Text­aus­ga­ben über­set­zen. Beson­ders bei den hei­li­gen Schrif­ten des Vol­kes Isra­el wer­den häu­fig zusätz­lich auch die schon vor Chris­tus ent­stan­de­ne „Sep­tuag­in­ta“ genann­te Über­set­zung ins Grie­chi­sche und auch ande­re anti­ke Über­set­zun­gen her­an­ge­zo­gen. Nur die Katho­li­ken hat­ten in der Ver­gan­gen­heit ihre Über­set­zun­gen aus der „Vul­ga­ta“ genann­ten latei­ni­schen Über­set­zung ange­fer­tigt, die vom Kon­zil von Tri­ent für authen­tisch erklärt wor­den war. Neue­re katho­li­sche Bibel­aus­ga­ben, wie etwa die deut­sche Ein­heits­über­set­zung, wur­den aber direkt aus den Urspra­chen übersetzt.

Die Wacht­turm­ge­sell­schaft hin­ge­gen hat nur eine ein­zi­ge Über­set­zung direkt aus den Urspra­chen ange­fer­tigt, näm­lich die eng­li­sche „New-World-Trans­la­ti­on“. Die Über­set­zung in alle ande­ren Spra­chen erfolg­te nicht aus den Urspra­chen, son­dern wur­de, wie es auf dem Titel­blatt der Text­aus­ga­be heißt:

Über­setzt nach der revi­dier­ten eng­li­schen Aus­ga­be 1984
unter getreu­er Berück­sich­ti­gung der
hebräi­schen, ara­mäi­schen und griechischen
Ursprache

Jede Dop­pel­über­set­zung ist zugleich eine Ver­dop­pe­lung der Feh­ler­wahr­schein­lich­keit. Wenn die Wacht­turm­ge­sell­schaft trotz­dem die­sen Weg gewählt hat, dann legt sich nahe, den Grund dar­in zu suchen, dass nur auf die­sem Weg gewähr­leis­tet wer­den konn­te, dass die im eng­li­schen Text vor­ge­ge­be­ne dog­ma­tisch „rich­ti­ge“ Ver­si­on auch in die ande­ren Spra­chen über­tra­gen wird.

Es ist gewiss auf­wen­di­ger, wenn sich Über­set­zer die Mühe einer jah­re­lan­gen inten­si­ven Beschäf­ti­gung mit den bibli­schen Spra­chen auf sich neh­men, um fähig zu sein, den Text mög­lichst genau zu über­set­zen. Wenn eine Gemein­schaft aber Wert auf eine eige­ne Bibel­über­set­zung legt, muss das die­sen Auf­wand wert sein, auch für die nicht­eng­li­schen Übersetzungen.

3 Zur himm­li­schen und irdi­schen Hoffnung

(Sie­he dazu unse­re Abhand­lung zu die­sem The­ma.)

Hebrä­er 11,16:
NWÜ: Jetzt aber stre­ben sie nach einem bes­se­ren [Ort], näm­lich einem, der zum Him­mel gehört. Dar­um schämt sich Gott ihrer nicht, als ihr Gott ange­ru­fen zu wer­den, denn er hat ihnen eine Stadt bereitgemacht.

KIT (King­dom-Inter­li­ne­ar-Trans­la­ti­on 1985):
Heb11_16

ELB (Revi­dier­te Elber­fel­der Über­set­zung): Jetzt aber trach­ten sie nach einem bes­se­ren, das ist nach einem himm­li­schen. Dar­um schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu wer­den, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.

Der Zusam­men­hang die­ser Stel­le spricht von den Gläu­bi­gen des Alten Bun­des, ins­be­son­de­re Abra­ham, die die Erfül­lung der Ver­hei­ßun­gen in ihrem Leben nicht hier auf der Erde gefun­den haben. Der Autor des Hebrä­er­brie­fes weist dar­auf hin, dass sie ein bes­se­res Vater­land such­ten oder erstreb­ten als jenes, das sie in ihrem irdi­schen Leben erfuh­ren. Ihr Ziel war das­sel­be wie das der Gläu­bi­gen des Neu­en Bun­des: die ewi­ge Gemein­schaft mit Gott. Da nun aber nach der Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft die Gläu­bi­gen des Alten Bun­des die Ewig­keit nicht im Him­mel, son­dern im irdi­schen Para­dies ver­brin­gen wer­den, war es den Über­set­zern der NWÜ nicht mög­lich, das grie­chi­sche Wort epourá­ni­os mit „himm­lisch“ (wie kor­rekt in der KIT: „hea­ven­ly“) wie­der­zu­ge­ben, ohne damit in Kon­flikt mit ihrer Leh­re zu kom­men. Die umständ­li­che For­mu­lie­rung „der zum Him­mel gehört“ lässt die Mög­lich­keit offen, es auf ein irdi­sches Para­dies zu bezie­hen, das in einer nicht näher bestimm­ten Wei­se zum Him­mel gehört.

4 Zum Hei­li­gen Geist

Gene­sis 1,2:
NWÜ: Die Erde nun erwies sich als form­los und öde, und Fins­ter­nis war auf der Ober­flä­che der Was­ser­tie­fe; und Got­tes wirk­sa­me Kraft beweg­te sich hin und her über der Ober­flä­che der Wasser.

ELB: Und die Erde war wüst und leer, und Fins­ter­nis war über der Tie­fe; und der Geist Got­tes schweb­te über dem Wasser.

Da es sich hier um eine alt­tes­ta­ment­li­che Stel­le han­delt, steht die KIT nicht zur Verfügung.

Es fällt auf, dass das hebräi­sche Wort ruach von der NWÜ nicht mit „Geist“, son­dern mit „wirk­sa­me Kraft“ wie­der­ge­ge­ben wird. Die­ses Wort bedeu­tet nun tat­säch­lich auch „Wind, Hauch“ und kann auch das Lebens­prin­zip mei­nen. In Ver­bin­dung mit dem Wort elo­him (Gott) steht es für den Geist Got­tes, wie wir es auch an ande­ren Stel­len der NWÜ (z. B. Hiob 27,3) fin­den. Es ist zumin­dest eine Inter­pre­ta­ti­on, wenn das sonst mit „Geist“ über­setz­te Wort im zwei­ten Vers der Bibel mit „wirk­sa­me Kraft“ wie­der­ge­ge­ben wird. Man scheint hier dem Gedan­ken an eine Per­son­haf­tig­keit des Hei­li­gen Geis­tes (die frei­lich erst im Neu­en Tes­ta­ment offen­bart wur­de) von vorn­her­ein einen Rie­gel vorzuschieben.

1. Timo­theus 4,1:
NWÜ: Die inspi­rier­te Äuße­rung aber sagt aus­drück­lich, daß in spä­te­ren Zeit­pe­ri­oden eini­ge vom Glau­ben abfal­len wer­den, indem sie auf irre­füh­ren­de inspi­rier­te Äuße­run­gen und Leh­ren von Dämo­nen achtgeben

KIT:1Tim4_1

ELB: Der Geist aber sagt aus­drück­lich, dass in spä­te­ren Zei­ten man­che vom Glau­ben abfal­len wer­den, indem sie auf betrü­ge­ri­sche Geis­ter und Leh­ren von Dämo­nen achten

Auch hier zeigt ein Blick auf die KIT, dass das im Inter­li­ne­ar­text mit „spi­rit“ („Geist“) wie­der­ge­ge­be­ne Wort von der NWÜ in „inspi­red utterance“ („inspi­rier­te Äuße­rung“)[5] ver­wan­delt wur­de. Wäh­rend der eng­li­sche Text am Ran­de der KIT immer­hin noch in der Fuß­no­te die Bedeu­tung „spi­rit“ (mit klei­nem Anfangs­buch­sta­ben) bie­tet, ist in der deut­schen Aus­ga­be die­se Fuß­no­te nicht zu finden.

Wenn hier „Geist“ mit „inspi­rier­te Äuße­rung“ umschrie­ben wird, wird dadurch die Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft unter­stützt, dass der Hei­li­ge Geist nicht Per­son, son­dern nur eine Kraft Got­tes sei.

Apos­tel­ge­schich­te 5,3–4:
NWÜ: Petrus aber sprach: „Ananịas, war­um hast du dich vom Satan so dreist machen las­sen, dem hei­li­gen Geist gegen­über ein fal­sches Spiel zu trei­ben und von dem Preis des Fel­des ins­ge­heim etwas zurück­zu­be­hal­ten? Blieb es nicht dein, solan­ge es bei dir blieb, und war es nicht, nach­dem es ver­kauft war, wei­ter in dei­ner Gewalt? War­um beschlos­sest du eine sol­che Tat in dei­nem Her­zen? Du hast ein fal­sches Spiel getrie­ben, [und dies] nicht Men­schen, son­dern Gott gegenüber.“

KIT:Ap5_3

ELB: Petrus aber sprach: Hana­ni­as, war­um hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Hei­li­gen Geist belo­gen und von dem Kauf­preis des Fel­des bei­sei­te geschafft hast? Blieb es nicht dein, wenn es unver­kauft blieb, und war es nicht, nach­dem es ver­kauft war, in dei­ner Ver­fü­gung? War­um hast du dir die­se Tat in dei­nem Her­zen vor­ge­nom­men? Nicht Men­schen hast du belo­gen, son­dern Gott.

Die Bedeu­tung des grie­chi­schen Wor­tes pseu­do­mai ist in ers­ter Linie „lügen“. Da „ein fal­sches Spiel trei­ben“ auch eine Form der Lüge ist, ist die­se Wie­der­ga­be in sich nicht ganz falsch, liegt aber hier wie­der in der Ten­denz, den Bibel­text an die Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft anzu­pas­sen. Da es beim Wort „lügen“ viel kla­rer ist, dass es hier um eine Per­son geht, die belo­gen wird, wird die­ses Wort ver­mie­den und ein Wort gewählt, das sich auch auf Nicht-Per­so­nen bezie­hen kann. Übri­gens wird hier ein­mal gesagt, dass der Hei­li­ge Geist belo­gen wur­de, und ein­mal, dass Gott belo­gen wur­de. Die Lüge bei­den gegen­über ist auf der­sel­ben Ebe­ne. Der Hei­li­ge Geist ist Per­son wie Gott Per­son ist.
Inter­es­san­ter­wei­se gibt die KIT an die­ser Stel­le die­ses grie­chi­sche Wort unter­schied­lich wie­der: Im Zusam­men­hang mit dem Hei­li­gen Geist mit „to lie“ („lügen“), im Zusam­men­hang mit Gott mit „to play fal­se“ („ein fal­sches Spiel treiben“).
Zu die­ser Stel­le ist aber als Posi­ti­vum zu bemer­ken, dass die eng­li­sche Aus­ga­be 2013 die kor­rek­te Über­set­zung „to lie“ („lügen“) bie­tet. Es wird aber wohl noch eine Zeit dau­ern, bis das auch in den deut­schen Text ein­drin­gen wird.

2. Korin­ther 13,14 (13):
NWÜ: Die unver­dien­te Güte des Herrn Jesus Chris­tus und die Lie­be Got­tes und der Anteil am hei­li­gen Geist sei mit euch allen.

ELB: Die Gna­de des Herrn Jesus Chris­tus und die Lie­be Got­tes und die Gemein­schaft des Hei­li­gen Geis­tes sei mit euch allen!

In die­sem Fall gibt die KIT das grie­chi­sche Wort koi­no­nia genau­so wie die NWÜ mit „Anteil“ („sha­ring“) wie­der, es gibt daher kein Faksimile.

Da das Wort „Gemein­schaft“ die Leh­re der Per­son­haf­tig­keit des Hei­li­gen Geis­tes unter­stützt, wird die­ses Wort ver­mie­den und durch das „sach­li­che­re“ Wort „Anteil“ ersetzt. Die Über­set­zung „Anteil“ oder „Teil­ha­be“ ist grund­sätz­lich auch mög­lich. Das Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment von Wal­ter Bau­er[6] bringt aber als ers­te Bedeu­tung „Gemein­schaft, enge Ver­bin­dung, inni­ge Bezie­hung“. Die NWÜ ist an die­ser Stel­le zumin­dest dog­ma­tisch vor­ein­ge­nom­men. Die­se Beur­tei­lung betrifft auch die Über­set­zung von Phil­ip­per 2,1.

Offen­ba­rung 1,10:
NWÜ: Durch Inspi­ra­ti­on befand ich mich dann am Tag des Herrn, und ich hör­te hin­ter mir eine star­ke Stim­me gleich der einer Trompete […]

KIT:Off1_10

ELB: Ich war an des Herrn Tag im Geist, und ich hör­te hin­ter mir eine lau­te Stim­me wie von einer Posaune […]

Inspi­ra­ti­on ist gewiss eine Wir­kung des Hei­li­gen Geis­tes. Aber wenn Johan­nes „im Geis­te“ schreibt, meint er offen­sicht­lich mehr als nur das. War­um muss hier der Text abge­än­dert werden?

5 Wer ist Jesus?

Die Fra­ge nach der Per­son Jesu ist eine Kern­fra­ge des Chris­ten­tums und auch der Punkt, in dem sich die Zeu­gen Jeho­vas deut­lich von den meis­ten sich christ­lich nen­nen­den Grup­pie­run­gen unter­schei­den. Ist Jesus der wesens­glei­che Sohn Got­tes oder ist er der Erz­engel Micha­el,[7] der Mensch wur­de, nach sei­nem Tod und sei­ner Auf­er­ste­hung wie­der als Geist­we­sen (nicht als Mensch!) im Him­mel ist.[8] Im Lich­te die­ser lehr­mä­ßi­gen Son­der­stel­lung sind auch eini­ge Text­bei­spie­le aus der NWÜ zu betrach­ten.[9]

5.1 „Urhe­ber“ oder „Haupt­ver­mitt­ler“?

Apos­tel­ge­schich­te 3,15:
NWÜ: woge­gen ihr den Haupt­ver­mitt­ler des Lebens getö­tet habt. Gott aber hat ihn von den Toten auf­er­weckt, von wel­cher Tat­sa­che wir Zeu­gen sind.

KIT:Ap3_15

ELB: den Fürs­ten[10] des Lebens aber habt ihr getö­tet, den Gott aus den Toten auf­er­weckt hat, wovon wir Zeu­gen sind.

Apos­tel­ge­schich­te 5,31:
NWÜ: Die­sen hat Gott als Haupt­ver­mitt­ler und Ret­ter zu sei­ner Rech­ten erhöht, um Isra­el [Gele­gen­heit zur] Reue und Ver­ge­bung der Sün­den zu geben.

KIT:Ap5_31

ELB: Die­sen hat Gott durch sei­ne Rech­te zum Füh­rer[11] und Ret­ter erhöht, um Isra­el Buße und Ver­ge­bung der Sün­den zu geben.

An die­sen bei­den Stel­len gibt die NWÜ das grie­chi­sche Wort arche­gós (eben­so wie in den bei­den hier nicht ange­führ­ten Stel­len Hebrä­er 2,10; 12,2[12]) mit „Haupt­ver­mitt­ler“ wie­der. Die Elber­fel­der Bibel ver­wen­det in den bei­den Stel­len der Apos­tel­ge­schich­te „Füh­rer“, ver­weist aber in der Fuß­no­te auf die mög­li­chen Über­set­zun­gen „Anfän­ger, Urhe­ber, Begrün­der“. In Hebrä­er 2,10 ver­wen­det die ELB „Urhe­ber“, in Hebrä­er 12,2 „Anfän­ger“. Wal­ter Bau­ers Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment bie­tet fol­gen­de Über­set­zun­gen des Wor­tes arche­gós an: 1. Füh­rer, Herr­scher, Fürst; 2. Anfän­ger, der als ers­ter eine Rei­he mit etwas beginnt; 3. Urhe­ber, Begrün­der.[13] Das von der NWÜ ver­wen­de­te Wort „Haupt­ver­mitt­ler“ fin­det sich nicht dar­un­ter. „Mitt­ler“ heißt auf Grie­chisch mesi­tes. Die­ses Wort fin­det sich an den ange­führ­ten Stel­len nicht. Das gewähl­te Wort „Haupt­ver­mitt­ler“ wur­de offen­sicht­lich nicht aus sprach­li­chen Grün­den, son­dern aus dog­ma­ti­schen Über­le­gun­gen her­aus ver­wen­det. Die KIT bleibt mit der Form „Chief Lea­der“ (= „Haupt­füh­rer, Ober­füh­rer“) im Rah­men der von Wal­ter Bau­er vor­ge­schla­ge­nen Wie­der­ga­ben. Aller­dings erge­ben die For­mu­lie­run­gen „Haupt­füh­rer des Lebens“ (Apos­tel­ge­schich­te 3,15) oder „Haupt­füh­rer und Voll­kom­me­ner unse­res Glau­bens“ (Hebrä­er 12,2) nicht viel Sinn, wes­we­gen man sich dann, um jeden mög­li­chen Hin­weis auf die gött­li­che Natur Jesu, der der Urhe­ber des Lebens[14] ist, zu ver­mei­den, zu einer Wie­der­ga­be, die dem grie­chi­schen Text NICHT ent­spricht, ent­schlos­sen hat.

Es ist nun ein­mal ein gro­ßer Unter­schied zwi­schen dem Urhe­ber einer Sache und dem­je­ni­gen, der die­se Sache ver­mit­telt. Man könn­te etwa Ein­stein als den „Urhe­ber“ der Rela­ti­vi­täts­theo­rie bezeich­nen. Die Auf­ga­be, die­se Theo­rie den Schü­lern zu ver­mit­teln, fällt jedem Phy­sik­leh­rer zu.

Der Begriff „Haupt­ver­mitt­ler“ führt auch zu dem Gedan­ken, dass es neben dem „Haupt­ver­mitt­ler“ auch noch ande­re „Ver­mitt­ler“, wie vor allem den „Kanal Got­tes“, die Wacht­turm­ge­sell­schaft, geben muss.

Hebrä­er 5,9:
NWÜ: […] und nach­dem er voll­kom­men gemacht wor­den war, wur­de er für die ewi­ge Ret­tung all derer ver­ant­wort­lich, die ihm gehorchen […]

KIT:Heb5_9

ELB: […] und voll­endet ist er allen, die ihm gehor­chen, der Urhe­ber ewi­gen Heils gewor­den […]

Das grie­chi­sche Sub­stan­tiv aiti­os bedeu­tet nach Wal­ter Bau­er „Urhe­ber“.[15] Das klingt auch noch in der KIT an, die aiti­os mit „(one) caus­ing“ („jemand, der ver­ur­sacht“) wie­der­gibt. Gewiss ist ein Urhe­ber für alles, was er ver­ur­sacht, ver­ant­wort­lich. Inso­fern trifft es zu, dass Jesus für unse­re Ret­tung ver­ant­wort­lich ist. Aber nicht jeder, der für etwas ver­ant­wort­lich ist, ist auch des­sen Ver­ur­sa­cher. Die NWÜ ver­sucht also auch hier, die Stel­lung Jesu abzuschwächen.

5.2 Gott­heit oder gött­li­che Wesensart?

Kolos­ser 2,9:
NWÜ: denn in ihm wohnt die gan­ze Fül­le der gött­li­chen Wesens­art körperlich.

KIT:Kol2_9

ELB: Denn in ihm wohnt die gan­ze Fül­le der Gott­heit leibhaftig;

Hier über­setzt die KIT „divi­ni­ty“ („Gött­lich­keit, Gott­heit“) und auch die NWÜ weist in einer Fuß­no­te dar­auf hin, dass hier wört­lich „Gött­lich­keit“ steht. War­um kann man die­ses Wort dann nicht gleich in den Text neh­men? War­um muss man die­sen kla­ren Hin­weis auf die gött­li­che Natur durch eine ver­schwom­me­ne Aus­sa­ge wie „gött­li­che Wesens­art“ verdunkeln?

5.3 War das Wort Gott oder ein Gott?

Johan­nes 1,1:
NWÜ: Im Anfang war das WORT, und das WORT war bei GOTT, und das WORT war ein Gott.[16]

KIT:Joh1_1

ELB: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Die­ser Vers ist gewiss eine der wich­tigs­ten Stel­len im Zusam­men­hang mit der Leh­re über die Gott­heit Jesu Chris­ti und damit auch der Drei­ei­nig­keit. Des­we­gen beschäf­tigt sich auch die Stu­di­en­bi­bel der Zeu­gen Jeho­vas in einem Anhang aus­führ­lich mit die­ser Stel­le. Die Erklä­rung ver­sucht durch Auf­lis­tung ver­schie­de­ner Über­set­zun­gen, in denen das zwei­te the­os nicht als „Gott“, son­dern als „gött­li­chen Wesens, gött­li­cher Art“ oder „ein Gott“ wie­der­ge­ge­ben wird, die eige­ne Über­set­zung zu recht­fer­ti­gen. Dar­auf folgt eine Abhand­lung zum The­ma „sin­gu­la­ri­sches Prä­di­kats­no­men“, in der anhand ver­schie­de­ner Bei­spie­le auf­zu­zei­gen ver­sucht wird, dass der unbe­stimm­te Arti­kel „ein“ doch gerecht­fer­tigt ist. In den ange­führ­ten Bei­spie­len geht es dar­um, dass jemand „ein Pro­phet“ (Mar­kus 11,32; Johan­nes 4,19; 9,17), „ein Ver­leum­der“ (Johan­nes 6,70), „ein Lüg­ner“ (Johan­nes 8,44) usw. ist. Es ist hier­bei aber dar­auf hin­zu­wei­sen, dass zwi­schen dem Wort „Gott“ und allen ande­ren Wör­tern ein gro­ßer Unter­schied besteht: Für Mono­the­is­ten ist klar, dass es nur einen ein­zi­gen Gott gibt. Als Jude und Jün­ger Jesu war auch der Evan­ge­list Johan­nes ein Mono­the­ist. Wenn er nun gemeint hät­te, dass der Logos ein Gott neben ande­ren sei, dann hät­te er hier gegen sei­ne mono­the­is­ti­sche Grund­über­zeu­gung geschrie­ben. Wenn Jeho­vas Zeu­gen dar­auf hin­wei­sen, dass es Über­set­zun­gen gibt, die dem Wort „gött­li­ches Wesen“ zuschrei­ben, so ist dazu zu sagen, dass zwi­schen den Über­set­zun­gen, dass das Wort ein gött­li­ches Wesen hat­te und dass es Gott war, für einen Mono­the­is­ten kein inhalt­li­cher Unter­schied besteht. Wenn es nur einen ein­zi­gen Gott gibt, dann ist ein jemand, der gött­li­chen Wesens ist, Gott. Also bestä­tigt auch die Wie­der­ga­be mit „gött­li­chem Wesen“ die Leh­re der Gott­heit Jesu.

In dem erwähn­ten Anhang wird auch ein Arti­kel von Phil­ip B. Harner fol­gen­der­ma­ßen zitiert:

[…] daß der­ar­ti­ge Neben­sät­ze, wie der in Joh 1:1, „mit einem arti­kel­lo­sen Prä­di­kat vor dem Verb in ers­ter Linie eine Eigen­schafts­be­zeich­nung dar­stel­len. Sie zei­gen, daß der logos die Natur des the­os hat. Es gibt kei­ne Grund­la­ge dafür, das Prä­di­kat the­os als bestimmt aufzufassen.“

Genau das ist der Glau­be, der von den Zeu­gen Jeho­vas ver­wor­fen wird. Der Logos hat die Natur des The­os. Wenn das Wort die Natur Got­tes hat, ist es Gott. Es hat die­sel­be gött­li­che Natur wie der Vater, ohne mit dem Vater iden­tisch zu sein. Wür­de hier mit Arti­kel ste­hen: „Das Wort war der Gott“, dann wür­de gesagt, dass das Wort der Vater wäre, da gera­de zuvor aus­ge­drückt wird, dass das Wort bei „dem Gott“, d. h., beim Vater war. Die Iden­ti­tät des Wor­tes mit dem Vater will aber gera­de nicht aus­ge­drückt wer­den, son­dern deren Wesensgleichheit.

Es gibt zahl­rei­che Stel­len im Neu­en Tes­ta­ment, in denen das grie­chi­sche Wort theós („Gott“) ohne Arti­kel steht und den wah­ren Gott meint, etwa in Mat­thä­us 6,24; 19,26; und vor allem im Johan­nes­pro­log selbst: Johan­nes 1,12.13.18.
Johan­nes 1,12 lau­tet auch in der NWÜ: So vie­le ihn aber auf­nah­men, denen gab er Befug­nis, Kin­der Got­tes zu wer­den. Es steht hier nicht: Kin­der eines Got­tes zu wer­den.

Im Zusam­men­hang mit Johan­nes 1 soll­te auch als Posi­ti­vum erwähnt wer­den, dass die NWÜ Vers 18 kor­rekt über­setzt:[17]

Kein Mensch hat GOTT jemals gese­hen; der ein­zig­ge­zeug­te Gott, der am Busen[platz] beim Vater ist, der hat über ihn Auf­schluß gegeben.

Die NWÜ nennt Jesus „ein­zig­ge­zeug­ter Gott“. Hier ist nicht die Über­set­zung das Pro­blem, son­dern die Inter­pre­ta­ti­on. Da es nur einen ein­zi­gen Gott gibt, ist aus­zu­schlie­ßen, dass Johan­nes leh­ren woll­te, dass JHWH einen ande­ren Gott her­vor­ge­bracht habe. „Zeu­gen“ ist etwas ande­res als „schaf­fen“. Der Bild­hau­er, der eine Sta­tue „schafft“, bringt ein Kunst­werk her­vor, das ande­ren Wesens als er selbst ist, selbst wenn sie dem Künst­ler sehr ähn­lich sehen soll­te. Wenn der­sel­be Künst­ler einen Sohn zeugt, dann hat der Sohn das­sel­be Wesen wie der Vater. Er ist ein Mensch. Der „ein­zig­ge­zeug­te Gott“ hat nun auch das­sel­be Wesen wie sein Vater: Er ist Gott. Da es aber nur einen ein­zi­gen Gott gibt, ent­ste­hen durch die Zeu­gung nicht zwei Göt­ter. Die „Zeu­gung“ Got­tes ist ein Vor­gang, der inner­halb des Wesens des einen wah­ren Got­tes geschieht. Da Gott ewig und nicht der Zeit unter­wor­fen ist, ist die gött­li­che Zeu­gung als etwas, was in Gott geschieht, auch ewig. Des­we­gen ruht der „ein­zig­ge­zeug­te Gott“ am „Busen­platz beim Vater“. Er ist für alle Ewig­keit untrenn­bar mit ihm verbunden.

Es gibt auch den Vor­schlag, das grie­chi­sche Wort mono­ge­nes nicht mit „ein­zig­ge­zeugt“, son­dern nur mit „ein­zig“ wie­der­zu­ge­ben. In die­sem Fall wür­de der Text so lauten:

[…] der ein­zi­ge Gott, der am Busen[platz] beim Vater ist […][18]

In die­sem Fall wäre die Wesens­gleich­heit zwi­schen dem Vater und dem Sohn noch stär­ker betont. Aber auch bei der von der NWÜ gewähl­ten Wie­der­ga­be mit „ein­zig­ge­zeugt“ ist die Wesen­gleich­heit des Soh­nes mit dem Vater ersichtlich.

5.4 Jesus vor Abraham

Johan­nes 8,58:
NWÜ: Jesus sprach zu ihnen: „Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Ehe Abra­ham ins Dasein kam, bin ich gewe­sen.“

KIT:Joh5_58

ELB: Jesus sprach zu ihnen: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Ehe Abra­ham war, bin ich.

Im Hin­ter­grund die­ser Ände­rung von „Ich bin“ zu „Ich bin gewe­sen“ ist die Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft über die Per­son Jesu zu sehen. Die Zeu­gen Jeho­vas glau­ben, dass Jesus der Erz­engel Micha­el sei und als sol­cher schon vor Abra­ham exis­tiert hat. Sie bestrei­ten aber, dass Jesus der ewi­ge Sohn Got­tes ist. Die Wor­te „Ich bin“ in die­sem Satz drü­cken die Über­zeit­lich­keit, ja Ewig­keit sei­nes Wesens aus. Des­we­gen über­setzt die NWÜ hier nicht wort­ge­treu, son­dern „[…] bin ich gewesen“.

Die KIT gibt kor­rekt wie­der: „I am“ („Ich bin“). Zur Recht­fer­ti­gung der Text­än­de­rung gibt es in der Stu­di­en­aus­ga­be einen umfang­rei­chen Appen­dix. Dort wird zuerst auf Über­set­zun­gen ins Syri­sche, Geor­gi­sche und Äthio­pi­sche und anschlie­ßend auf eini­ge nicht text­treue Aus­ga­ben des Neu­en Tes­ta­ments „in der Spra­che der Gegen­wart“ ver­wie­sen, die ähn­lich wie die NWÜ über­setzt haben. Unter Beru­fung auf die Gram­ma­ti­ken von Winer (1867) und Moul­ton und Tur­ner (1963) wird erklärt, dass hier eine Hand­lung vor­lie­ge, die vor Abra­ham begann, aber noch andaue­re. Als Bei­spie­le die­ser Syn­tax wer­den Lukas 2,48; 13,7; 15,29; Johan­nes 5,6; 14,9; 15,27; Apos­tel­ge­schich­te 15,21; 2. Korin­ther 12,19 und 1. Johan­nes 3,8 angeführt.

Hier­zu ist festzuhalten:

Die Fra­ge, ob es sich in Johan­nes 8,58 um eine in der Ver­gan­gen­heit begon­ne­ne Hand­lung han­delt, die in der Gegen­wart noch andau­ert (kurz PPA für „Pre­sent of past action still in pro­gress“), ist zumin­dest umstrit­ten. Vie­le Fach­leu­te den­ken nicht so.[19] Im Nor­mal­fall eines PPA wür­de der Adver­bi­al­satz[20] die Zeit­dau­er der Akti­on des Verbs aus­drü­cken („Seit Johan­nes getauft hat, bin ich bei euch.“) In die­sem Fall weist die Zeit­be­stim­mung auf einen Zeit­punkt hin an dem die durch das Verb aus­ge­drück­te „Hand­lung“ begon­nen hat. In Johan­nes 8,58 aber weist der Adver­bi­al­satz auf eine Zeit hin, vor der die „Hand­lung“ liegt.[21] Johan­nes 8,58 erin­nert eher an die For­mu­lie­rung von Psalm 90,2:

Ehe selbst die Ber­ge gebo­ren wur­den Oder du dar­an­gingst, wie mit Geburts­we­hen die Erde und das ertrag­fä­hi­ge Land her­vor­zu­brin­gen, Ja von unab­seh­ba­rer Zeit bis auf unab­seh­ba­re Zeit bist du Gott. (NWÜ)

Der Sep­tuag­in­ta­text lau­tet (wie im Deut­schen, auch in der NWÜ) „du bist“. Der Prä­sens des Wor­tes „sein“ drückt hier die Ewig­keit aus. Die Par­al­le­le zwi­schen „Ehe Abra­ham ins Dasein kam […]“ und „Ehe selbst die Ber­ge gebo­ren wur­den […]“ ist auffällig.

Es ist auch zu beach­ten, dass wir im sel­ben Kapi­tel (Johan­nes 8) in den Ver­sen 24 und 28 die For­mu­lie­rung ego eimi („ich bin“) im Mun­de Jesu finden:

Daher sag­te ich euch, dass ihr in euren Sün­den ster­ben wer­det; denn wenn ihr nicht glau­ben wer­det, dass ich (es) bin, so wer­det ihr in euren Sün­den ster­ben. (Johan­nes 8,24)

Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des Men­schen erhöht haben wer­det, dann wer­det ihr erken­nen, dass ich (es) bin und dass ich nichts von mir selbst tue, son­dern wie der Vater mich gelehrt hat, das rede ich. (Johan­nes 8,28)

Das Wört­chen „es“ fin­det sich nicht im grie­chi­schen Text. Wört­lich steht hier: „[…] dass ich bin […]“ An dem Glau­ben, dass Jesus „ist“ hängt sehr viel. Wer das nicht glaubt, wird in sei­nen Sün­den ster­ben. Es geht hier also nicht allein um die Erkennt­nis, dass Jesus exis­tiert. Das wäre rein his­to­ri­sches Wis­sen. Die­se bei­den Ver­se kön­nen uns hel­fen zu ver­ste­hen, dass Jesus mehr sagen woll­te, als dass er existierte.

Wir dür­fen auch davon aus­ge­hen, dass die grie­chi­schen „Kir­chen­vä­ter“ ein gram­ma­ti­ka­lisch kor­rek­tes Ver­ständ­nis ihrer Mut­ter­spra­che hat­ten. Johan­nes Chry­sosto­mos betont in sei­ner 55. Homi­lie über das Johan­nes­evan­ge­li­um[22], dass Jesus „Ich bin“ sag­te und nicht „Ich war“. Er hat in Johan­nes 8,58 kein PPA gese­hen, son­dern eine Aus­sa­ge, die Jesus in Par­al­le­le zum Vater stellt.

Auch die frü­hen Über­set­zun­gen des Neu­en Tes­ta­ment haben die Aus­sa­ge Jesu im Prä­sens wie­der­ge­ge­ben. Die alten syri­schen Tex­te bie­ten die Ver­si­on ana itj, was dem grie­chi­schen Prä­sens ent­spricht. Nur eine Hand­schrift aus dem 12. Jahr­hun­dert hat eine Ver­si­on, die dem grie­chi­schen Imper­fekt ent­spricht. Auch die latei­ni­schen Über­set­zun­gen (sowohl Vetus Lati­na als auch Vul­ga­ta) und die kop­ti­sche Über­set­zung über­set­zen mit „Ich bin“. Selbst die vom aria­ni­schen[23] Bischof Wul­fi­la erstell­te goti­sche Bibel gibt den grie­chi­schen Text mit „ich bin“ (im ik)[24] wie­der. Wenn das Grie­chi­sche die Wie­der­ga­be mit „ich war“ erlaubt hät­te, hät­te Wul­fi­la wohl die sei­ner aria­ni­schen Leh­re ent­spre­chen­de For­mu­lie­rung gewählt. Bei der Über­set­zung ins Geor­gi­sche ist die Situa­ti­on auch nicht so ein­fach, wie es die Zeu­gen Jeho­vas aus­drü­cken. Zwei von drei Codi­zes über­set­zen mit „ich bin“ (Codex Opi­zae und Codex Tbet‘), einer (Codex Adysh) mit „ich bin gewesen.“

Lei­der ist es für uns nicht mög­lich, den genau­en ara­mäi­schen oder hebräi­schen Wort­laut die­ser Wor­te Jesu zu wis­sen, da Johan­nes sie auf Grie­chisch über­lie­fert hat.[25] Wir kön­nen aber aus der Reak­ti­on der jüdi­schen Geg­ner Jesu sehen, wie die­se Jesu Wor­te ver­stan­den haben. Sie sahen in die­sen Wor­ten offen­sicht­lich eine Got­tes­läs­te­rung und drück­ten ihre Empö­rung dar­über durch das Andro­hen der Stei­ni­gung aus (Johan­nes 8,59).

Johan­nes hat durch den Hei­li­gen Geist erkannt, dass Jesus hier nicht nur sagen woll­te, dass er bereits vor Abra­ham gewe­sen ist, son­dern dass er IST. Er steht in sei­nem gött­li­chen Wesen über der Zeit. Die­se kla­re Aus­sa­ge Jesu ist in der NWÜ nicht mehr zu finden.

5.5 Hat der Sohn alles oder „alle ande­ren Din­ge“ erschaffen?

Kolos­ser 1,15–17:
NWÜ: Er ist das Bild des unsicht­ba­ren Got­tes, der Erst­ge­bo­re­ne aller Schöp­fung; denn durch ihn sind alle [ande­ren] Din­ge in den Him­meln und auf der Erde, die sicht­ba­ren und die unsicht­ba­ren, erschaf­fen wor­den, es sei­en Thro­ne oder Herr­schaf­ten oder Regie­run­gen oder Gewal­ten. Alle [ande­ren] Din­ge sind durch ihn und für ihn erschaf­fen wor­den. Auch ist er vor allen [ande­ren] Din­gen, und durch ihn sind alle [ande­ren] Din­ge gemacht wor­den, um zu bestehen,

KIT:Kol1_16

ELB: Er ist das Bild des unsicht­ba­ren Got­tes, der Erst­ge­bo­re­ne aller Schöp­fung. Denn in ihm ist alles in den Him­meln und auf der Erde geschaf­fen wor­den, das Sicht­ba­re und das Unsicht­ba­re, es sei­en Thro­ne oder Herr­schaf­ten oder Gewal­ten oder Mäch­te: Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaf­fen; und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn.

Die NWÜ hat hier vier­mal in ecki­gen Klam­mern[26] das Wort „ande­re“ ein­ge­fügt. Dadurch soll der Ein­druck erweckt wer­den, dass Jesus auch einer der Geschaf­fe­nen ist. Zuerst habe Jeho­va Jesus (der mit dem Erz­engel Micha­el gleich­ge­setzt wird) erschaf­fen, anschlie­ßend durch ihn alle ande­ren Din­ge. Erfreu­li­cher­wei­se ist die NWÜ doch nicht so kon­se­quent, um in ande­ren Stel­len, die vom Schaf­fen des Soh­nes spre­chen, die­se Ergän­zung ein­zu­fü­gen. So blei­ben fol­gen­de Stel­len noch ein­deu­tig. Wir zitie­ren hier nur die NWÜ:

Johan­nes 1,3: Alle Din­ge kamen durch ihn ins Dasein, und ohne ihn kam auch nicht e i n Ding ins Dasein.

1. Korin­ther 8,6: so gibt es für uns tat­säch­lich e i n e n GOTT, den Vater, aus dem alle Din­ge sind und wir für ihn; und es gibt e i n e n Herrn, Jesus Chris­tus, durch den alle Din­ge sind und wir durch ihn.

Wich­tig ist in die­sem Zusam­men­hang auch die Aus­sa­ge von Jesa­ja 44,24, dass die Schöp­fung allein Got­tes Werk ist, ohne die Assis­tenz von irgend­je­mand anderem:

Dies ist, was Jeho­va gesagt hat, dein Rück­käu­fer und dein Bild­ner vom Mut­ter­leib an: „Ich, Jeho­va, tue alles, indem ich allein die Him­mel aus­span­ne, die Erde aus­brei­te. Wer war bei mir? (NWÜ)

Gott allein ist der Schöp­fer. Wenn Johan­nes und Pau­lus bezeu­gen, dass die Welt durch den Sohn Got­tes geschaf­fen wur­de, dann kann man das im Lich­te von Jesa­ja 44,24 nur so ver­ste­hen, dass der Sohn Got­tes Gott ist. Außer Gott war nie­mand ande­rer bei ihm!

Zur Recht­fer­ti­gung des in Kolos­ser 1,16 ein­ge­füg­ten Wor­tes „ande­re“ ver­weist die NWÜ in einer Anmer­kung auf eine par­al­le­le For­mu­lie­rung in Lukas 11,41–42:

NWÜ: Gebt jedoch als Gaben der Barm­her­zig­keit die Din­ge, die dar­in sind, und sie­he, alle [ande­ren] Din­ge an euch sind rein. Wehe aber euch, ihr Pha­ri­sä­er, denn ihr gebt den Zehn­ten von der Min­ze und der Rau­te und von jedem [ande­ren] Gar­ten­ge­wächs, über­geht aber das Recht und die Lie­be Got­tes! Die­se Din­ge wart ihr zu tun ver­pflich­tet, doch jene ande­ren Din­ge soll­tet ihr nicht unterlassen.

KIT:Luk11_41

ELB: Gebt jedoch als Almo­sen, was dar­in ist, und sie­he, alles ist euch rein. Aber wehe euch Pha­ri­sä­ern! Denn ihr ver­zehn­tet die Min­ze und die Rau­te und alles Kraut und über­geht das Gericht und die Lie­be Got­tes; die­se Din­ge hät­tet ihr tun und jene nicht las­sen sollen.

An die­ser Stel­le ist es nicht not­wen­dig, das Wort „alles“ durch den Zusatz „ande­re“ zu ergän­zen. Denn auch die „Din­ge, die dar­in sind“ wer­den durch das Almo­sen­ge­ben gerei­nigt. Um die Sache zu ver­kom­pli­zie­ren, ver­än­dert die NWÜ „Alles ist euch rein“ in „Alle ande­ren Din­ge an euch sind rein“. Ein Blick auf die KIT offen­bart die­se Mani­pu­la­ti­on. Im Inter­li­ne­ar­text wird „to you“ („für euch“) über­setzt. Im Text am Rand steht: „about you“ („über euch“ – in der deut­schen Ver­si­on mit „an euch“ wie­der­ge­ge­ben). Es ist auch kein Pro­blem, die Min­ze und die Rau­te in „alles Kraut“ ein­zu­schlie­ßen. Der Unter­schied zwi­schen Lukas 11 und Kolos­ser 1 besteht dar­in, dass im Koloss­erbrief zuerst jemand da ist, durch den etwas an allem geschieht, näm­lich die Schöp­fung, wäh­rend in Lukas 11 die vor­her und nach­her genann­ten Din­ge auf der­sel­ben Ebe­ne liegen.

In die­sem Zusam­men­hang wol­len wir auch auf den Aus­druck „Erst­ge­bo­re­ner aller Schöp­fung“ in Kolos­ser 1,15 ein­ge­hen. Zeu­gen Jeho­vas ver­ste­hen die­sen Aus­druck so, dass Jesus das ers­te Geschöpf Got­tes sei, durch das Jeho­va dann alles ande­re geschaf­fen habe. Das Pro­blem an die­ser Inter­pre­ta­ti­on ist, dass Jesus sonst nie als Geschöpf Got­tes bezeich­net wird. Er ist das Wort Got­tes, der Sohn Got­tes. Wir haben schon unter Punkt 5.3 auf den wesent­li­chen Unter­schied zwi­schen „zeu­gen“ und „schaf­fen“ hin­ge­wie­sen. Die­ser Unter­schied ist auch beim Ver­ständ­nis von Kolos­ser 1,15 zu berück­sich­ti­gen. Als Erstgebo­re­ner ist er kein Teil der Schöp­fung. Der grie­chi­sche Geni­tiv erlaubt auch die Über­set­zung „der Erst­ge­bo­re­ne vor aller Schöp­fung“, wie wir sie in der Luther­bi­bel fin­den, oder „der Erst­ge­bo­re­ne, der über aller Schöp­fung ist“ (Schlach­ter 2000).[27] Die­ses Ver­ständ­nis, dass der Sohn vor oder über aller Schöp­fung steht, wird durch die Ver­se 16 und 17, denen zufol­ge alles in ihm geschaf­fen wur­de, bestätigt.

5.6 Ist Gott der Thron des Sohnes?

Hebrä­er 1,8:
NWÜ: Aber mit Bezug auf den Sohn: „Gott ist dein Thron für immer und ewig, und [das] Zep­ter dei­nes König­rei­ches ist das Zep­ter der Geradheit […]

KIT:Heb1_8

ELB: von dem Sohn aber: „Dein Thron, Gott, ist von Ewig­keit zu Ewig­keit, und das Zep­ter der Auf­rich­tig­keit ist Zep­ter dei­nes Reiches […]

Wäre Gott der Thron des Soh­nes, dann wür­de das bedeu­ten, dass der Sohn grö­ßer ist als Gott, da ja der auf dem Thron Sit­zen­de bedeu­ten­der ist als der Thron. Im Grie­chi­schen steht hier der Nomi­na­tiv, der aber im Bibel­grie­chisch auch für den Voka­tiv[28] ste­hen kann, wie es etwa auch in Hebrä­er 10,7 der Fall ist, wo auch die NWÜ als Anre­de übersetzt.
Es scheint hier den Über­set­zern so wich­tig gewe­sen zu sein, dass Jesus nicht als Gott ange­spro­chen wird, dass sie zu einer For­mu­lie­rung Zuflucht genom­men haben, die logisch durch­dacht sogar bedeu­ten wür­de, dass der Sohn grö­ßer ist als Gott, was natür­lich nicht sein kann.

6 Die „Wie­der­her­stel­lung“ des Namens Gottes

Da die meis­ten moder­nen Über­set­zun­gen den alt­tes­ta­ment­li­chen Got­tes­na­men יהוה (JHWH) mit „Herr“ wie­der­ge­ben (in vie­len Über­set­zun­gen wie Luther oder Elber­fel­der zur Unter­schei­dung von den „Herr“ bedeu­ten­den hebräi­schen Wör­tern adon oder adon­aj[29] mit Groß­buch­sta­ben „HERR“ wie­der­ge­ge­ben), scheint die For­de­rung berech­tigt, auch in Über­set­zun­gen den ursprüng­li­chen Got­tes­na­men zu ver­wen­den. So fin­den wir auch in der Erst­aus­ga­be der Jeru­sa­le­mer Bibel im Alten Tes­ta­ment den alt­tes­ta­ment­li­chen Got­tes­na­men mit „Jah­we“ wie­der­ge­ge­ben. Dage­gen ist grund­sätz­lich auch nichts ein­zu­wen­den, auch wenn wir uns des­sen bewusst sein müs­sen, dass jede Wie­der­ga­be des Got­tes­na­mens nur eine Rekon­struk­ti­on dar­stellt und wir die tat­säch­li­che Aus­spra­che die­ses Namens nie mit Sicher­heit wis­sen werden.

Die Wie­der­ga­be des Got­tes­na­mens JHWH mit „HERR“ geht auf eine in den letz­ten Jahr­hun­der­ten vor Chris­tus ent­stan­de­ne jüdi­sche Tra­di­ti­on zurück und fin­det sich bereits in der seit dem 3. Jahr­hun­dert v. Chr. ent­stan­de­nen „Sep­tuag­in­ta“ genann­ten Über­set­zung ins Grie­chi­sche. Dort wird der Got­tes­na­me übli­cher­wei­se mit kyri­os („Herr“) wie­der­ge­ge­ben. Die­ser Pra­xis sind auch die inspi­rier­ten Schrei­ber des Neu­en Tes­ta­ments gefolgt.

Da die hebräi­sche Schrift ursprüng­lich nur aus Kon­so­nan­ten bestand, haben die Schrei­ber für den Namen Got­tes nur die Kon­so­nan­ten JHWH ver­wen­det. Erst die Maso­re­ten[30] füg­ten im 8.–10. Jahr­hun­dert n. Chr. die Vokal­zei­chen hin­zu. Da aber zu die­ser Zeit der Got­tes­na­me schon lan­ge nicht mehr aus­ge­spro­chen wur­de und statt­des­sen meis­tens adon­aj („Herr“) gesagt wur­de, wur­den die Kon­so­nan­ten JHWH mit den Voka­len a/e – o – a von adon­aj ver­bun­den. Men­schen, denen die­se Tat­sa­che nicht bewusst war, haben dar­aus das Kunst­wort „Jehova(h)“ geformt.[31] Aber auch die heu­te ver­brei­te­te Form „Jahwe(h)“ beruht nur auf einer Rekonstruktion.

Wäh­rend die Wie­der­ga­be des Got­tes­na­mens in den hei­li­gen Schrif­ten Isra­els mit „Jah­we“ oder auch „Jeho­va“, wenn man sich der Gren­zen bewusst ist, eine Mög­lich­keit dar­stellt, gibt es die­se Mög­lich­keit für die Schrif­ten des Neu­en Bun­des nicht, da uns kein ein­zi­ges Manu­skript vor­liegt, das die Ver­wen­dung die­ses Namens bezeugt. Es gibt wohl eini­ge alte Frag­men­te der Sep­tuag­in­ta, die im grie­chi­schen Text das Tetra­gram­ma­ton[32] ver­wen­den, und JHWH nicht mit kyri­os wie­der­ge­ben. Die Exis­tenz sol­cher Frag­men­te beweist aber nicht, dass die Sep­tuag­in­ta ursprüng­lich JHWH hat­te, wo die heu­te erhal­te­nen Manu­skrip­te kyri­os schrei­ben.[33] Wir kön­nen auch nicht wis­sen, wie die grie­chisch spre­chen­den Juden der dama­li­gen Zeit den Namen Got­tes aus­ge­spro­chen haben. Es ist durch­aus mög­lich, dass eini­ge zwar JHWH geschrie­ben, aber kyri­os gesagt haben. Auf kei­nen Fall beweist die Exis­tenz die­ser Frag­men­te, dass die Autoren der Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments an den in der NWÜ ange­führ­ten Stel­len nicht kyri­os geschrie­ben hät­ten, son­dern JHWH. Es hät­te einer sehr umfang­rei­chen nach­träg­li­chen Kor­rek­tur­tä­tig­keit unter den Chris­ten bedurft, um alle Hand­schrif­ten ent­spre­chend abzu­än­dern.[34] Es müss­ten auch in der früh­christ­li­chen Lite­ra­tur Spu­ren einer nach­träg­li­chen Ände­rung zu fin­den sein, da der­ar­ti­ge Mani­pu­la­tio­nen nicht ohne Wider­stand durch­ge­führt wor­den wären. Auch aus dem anschlie­ßend ange­führ­ten Bei­spiel aus Römer 10, in dem Pau­lus kyri­os in einem Joel­zi­tat auf Jesus bezo­gen hat, zeigt, dass der Sep­tuag­in­ta­text, der Pau­lus vor­lag, an der Stel­le kyri­os hat­te und nicht JHWH.

Die Her­aus­ge­ber der NWÜ beru­fen sich auf Über­set­zun­gen der „Christ­li­chen Grie­chi­schen Schrif­ten“ ins Hebräi­sche, die das Tetra­gram­ma­ton JHWH ver­wen­de­ten, und füg­ten die­sen Namen an 237 Stel­len in den Text des Neu­en Tes­ta­ments ein, meist dort, wo im Grie­chi­schen kyri­os („Herr“) steht, an eini­gen weni­gen Stel­len auch anstel­le des Grie­chi­schen theós („Gott“). Mit­tel­al­ter­li­che bis neu­zeit­li­che Über­set­zun­gen ins Hebräi­sche sind nun aber kei­ne Text­ba­sis für eine sich auf den Urtext beru­fen­de Übersetzung.

An man­chen Stel­len wird durch die Ein­füh­rung des Namens „Jeho­va“ auch der Zusam­men­hang ver­schlei­ert und eine wich­ti­ge Lehr­aus­sa­ge der Apos­tel verdeckt.

Als Bei­spiel sei Römer 10,9–13 angeführt:
NWÜ: Denn wenn du die­ses ‘Wort in dei­nem eige­nen Mund’, daß Jesus Herr ist, öffent­lich ver­kün­digst und in dei­nem Her­zen Glau­ben übst, daß Gott ihn von den Toten auf­er­weckt hat, wirst du geret­tet wer­den. Denn mit dem Her­zen übt man Glau­ben zur Gerech­tig­keit, mit dem Mund aber legt man eine öffent­li­che Erklä­rung ab zur Ret­tung. Denn die Schrift sagt: „Kei­ner, der sei­nen Glau­ben auf ihn setzt, wird ent­täuscht wer­den.“ Denn da ist kein Unter­schied zwi­schen Jude und Grie­che, denn da ist der­sel­be Herr über alle, der reich ist gegen­über allen, die ihn anru­fen. Denn „jeder, der den Namen Jeho­vas anruft, wird geret­tet werden“.

KIT:Rom10_13

ELB: … dass, wenn du mit dei­nem Mund Jesus als Herrn beken­nen und in dei­nem Her­zen glau­ben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auf­er­weckt hat, du geret­tet wer­den wirst. Denn mit dem Her­zen wird geglaubt zur Gerech­tig­keit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil. Denn die Schrift sagt: „Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschan­den wer­den.“ Denn es ist kein Unter­schied zwi­schen Jude und Grie­che, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn anru­fen; „denn jeder, der den Namen des Herrn anru­fen wird, wird geret­tet werden“.

In Vers 9 wird das Bekennt­nis, dass Jesus der Herr sei, als Grund­la­ge der Ret­tung ange­se­hen. Als Begrün­dung dazu führt Pau­lus in Vers 13 ein Zitat aus Joel an, dass jeder, der den Namen des Herrn anru­fen wer­de, geret­tet wer­den wür­de. Nun steht im hebräi­schen Text tat­säch­lich JHWH. Also ist es doch gerecht­fer­tigt, die­ses Zitat im Römer­brief auch mit JHWH wie­der­zu­ge­ben? Pau­lus zitiert hier aber nach der grie­chi­schen Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments, der soge­nann­ten Sep­tuag­in­ta, die JHWH mit kyri­os wie­der­ge­ge­ben hat. Pau­lus ver­wen­det die­ses Zitat auch, um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Jesus die­ser Herr ist, durch den wir geret­tet wer­den. Wenn es Pau­lus nur dar­auf ange­kom­men wäre zu sagen, dass jeder, der JHWH anruft, geret­tet wird, dann hät­te er sich nicht so bemüht, den Juden Jesus als den Herrn zu verkündigen.
Indi­rekt sagt Pau­lus damit auch, dass Jesus JHWH ist. Die­se Bot­schaft ist nun der Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft völ­lig ent­ge­gen­ge­setzt. Durch die Ver­wen­dung zwei­er ver­schie­de­ner Wör­ter (Vers 9: Herr; Vers 13: Jeho­va) zur Wie­der­ga­be des grie­chi­schen Wor­tes kyri­os wird die­se Aus­sa­ge von Pau­lus verschleiert.

1. Korin­ther 4,4–5:
NWÜ: Denn mir ist nichts bewußt, was gegen mich [sprä­che]. Doch dadurch wer­de ich nicht als gerecht befun­den, der mich aber beur­teilt, ist Jeho­va. Rich­tet somit nichts vor der gege­be­nen Zeit, bis der Herr kommt, der sowohl die ver­bor­ge­nen Din­ge der Fins­ter­nis ans Licht brin­gen als auch die Rat­schlä­ge der Her­zen offen­bar machen wird, und dann wird jedem sein Lob von Gott zukommen.

KIT:1Kor4_4

ELB: Denn ich bin mir kei­ner Schuld bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerecht­fer­tigt. Der mich aber beur­teilt, ist der Herr. So ver­ur­teilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Ver­bor­ge­ne der Fins­ter­nis ans Licht brin­gen und die Absich­ten der Her­zen offen­ba­ren wird! Und dann wird jedem sein Lob wer­den von Gott.

Wenn aus Vers 5 ganz klar ist, dass der kom­men­de Herr nur Jesus sein kann, war­um wird dann im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang damit in Vers 4 kyri­os mit „Jeho­va“ wiedergegeben?

1. Korin­ther 10,21:
NWÜ: Ihr könnt nicht den Becher Jeho­vas und den Becher der Dämọ­nen trin­ken; ihr könnt nicht am „Tisch Jeho­vas“ und am Tisch der Dämọ­nen teilhaben.

KIT:1Kor10_21

ELB: Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trin­ken und der Dämo­nen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teil­neh­men und am Tisch der Dämonen.

Im Zusam­men­hang geht es hier um das Her­ren­mahl. Pau­lus warnt, dass man als Christ nicht zugleich dem Herrn Jesus Chris­tus durch Teil­nah­me am Her­ren­mahl und den Göt­zen durch Teil­nah­me an heid­ni­schen Opfer­mahl­zei­ten die­nen kann. Der Herr, an den der Kelch des Herrn und der Tisch des Herrn erin­nern, ist der Herr Jesus Chris­tus. Wir Chris­ten beken­nen, dass im Herrn Jesus Gott Mensch gewor­den ist, dass in die­ser Wei­se der Herr Jesus auch JHWH ist. Aber das ist wohl nicht das, was die Über­set­zer der NWÜ zum Aus­druck brin­gen wollen.

1. Thes­sa­lo­ni­cher 4,15:
NWÜ: Denn dies sagen wir euch durch Jeho­vas Wort, daß wir, die Leben­den, die bis zur Gegen­wart[35] des Herrn am Leben blei­ben, denen kei­nes­wegs zuvor­kom­men wer­den, die [im Tod] ent­schla­fen sind.

KIT:1Thes4_15

ELB: Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Leben­den, die übrig blei­ben bis zur Ankunft des Herrn, den Ent­schla­fe­nen kei­nes­wegs zuvor­kom­men werden.

Hier wird inner­halb eines Ver­ses das Wort kyri­os ein­mal mit „Jeho­va“, ein­mal mit „Herr“ wie­der­ge­ge­ben. Wor­auf grün­det die­se Auswahl?

Apos­tel­ge­schich­te 7,59–60:
NWÜ: Und sie fuh­ren fort, Stẹ­pha­nus zu stei­ni­gen, wäh­rend er fleh­te[36] und sprach: „Herr Jesus, nimm mei­nen Geist auf.“ Dar­auf beug­te er sei­ne Knie und rief mit lau­ter Stim­me: „Jeho­va, rech­ne ihnen die­se Sün­de nicht zu!“ Und nach­dem er dies gesagt hat­te, ent­schlief er [im Tod].

KIT:Ap7_60

ELB: Und sie stei­nig­ten den Ste­pha­nus, der bete­te und sprach: Herr Jesus, nimm mei­nen Geist auf! Und nie­der­kniend rief er mit lau­ter Stim­me: Herr, rech­ne ihnen die­se Sün­de nicht zu! Und als er dies gesagt hat­te, ent­schlief er.

Hier ruft Ste­pha­nus zwei­mal den Herrn (grie­chisch kyri­os) an. Im ers­ten Fall ist ein­deu­tig Jesus damit gemeint. War­um soll­te dann im dar­auf­fol­gen­den Satz nicht Jesus gemeint sein? Es ist eine will­kür­li­che und ten­den­ziö­se Wie­der­ga­be, wenn in Vers 60 kyri­os durch „Jeho­va“ ersetzt wird, obwohl in Vers 59 Jesus gemeint ist. Wei­ters ist hier durch das Fak­tum, dass Ste­pha­nus zu Jesus gebe­tet hat, die gött­li­che Natur Jesu klar bezeugt. Auch hier ver­sucht die NWÜ durch die Wie­der­ga­be mit „fleh­te“ die­ses Fak­tum abzu­schwä­chen. Das grie­chi­sche Wort epi­ka­leo heißt nicht „fle­hen“, son­dern in Zusam­men­hän­gen wie die­sem „anru­fen“, wie es auch die NWÜ in 1. Korin­ther 1,2 kor­rekt wiedergibt:

[…] an die Ver­samm­lung Got­tes, die in Korinth ist, an euch, die in Gemein­schaft mit Chris­tus Jesus Gehei­lig­ten, zu Hei­li­gen Beru­fe­nen, samt allen, die den Namen unse­res Herrn Jesus Chris­tus, ihres Herrn und des unse­ren, über­all anrufen.

In der Apos­tel­ge­schich­te setzt die NWÜ an zwei wei­te­ren Stel­len „Jeho­va“, wo aus dem Zusam­men­hang klar her­vor­geht, dass mit dem kyri­os Jesus gemeint ist. Wir erwäh­nen die­se bei­den Stel­len nur kurz: Apos­tel­ge­schich­te 16,15, wo die got­tes­fürch­ti­ge, also bereits zuvor an den Gott Isra­els glau­ben­de Lydia zum Glau­ben an den Herrn Jesus kam, und Apos­tel­ge­schich­te 18,25, wo es heißt, dass der Jude Apol­los über den Weg des Herrn (Jesus) münd­lich unter­wie­sen wor­den war. Hier ist die NWÜ offen­sicht­lich falsch.

Was mein­te Jesus mit „Dei­nem Namen“?

Jeho­vas Zeu­gen ver­wen­den eini­ge Stel­len aus dem Mun­de Jesu, um zu zei­gen, dass es für Jesus ein oder das zen­tra­le Anlie­gen war, den Namen „Jeho­va“ zu ver­kün­den. Wir wol­len uns des­halb auch mit die­sen Stel­len beschäftigen.

Ihr sollt daher auf fol­gen­de Wei­se beten: ‚Unser Vater in den Him­meln, dein Name wer­de gehei­ligt. (Mat­thä­us 6,9 NWÜ)

Wodurch hal­ten wir den Namen Got­tes hei­lig? Dadurch, dass wir ihn aus­spre­chen oder durch ein Leben nach sei­nem Wil­len, in dem wir der Sün­de kei­nen Raum geben und Got­tes Wil­le auch unser Wil­le ist? Im nächs­ten Vers lehrt uns Jesus ja auch, so zu beten:

Dein Wil­le gesche­he wie im Him­mel so auch auf der Erde. (Mat­thä­us 6,10b NWÜ)

Jere­mia warn­te vor Pro­phe­ten, die im Namen JHWHs geweis­sagt, aber gelo­gen haben:

Und der HERR sprach zu mir: Die Pro­phe­ten weis­sa­gen Lüge in mei­nem Namen. Ich habe sie nicht gesandt und sie nicht beauf­tragt – auch nicht zu ihnen gere­det. Sie weis­sa­gen euch Lügen­vi­si­on, Wahr­sa­ge­rei, Nich­ti­ges und den Trug ihres Her­zens. (Jere­mia 14,14)

Die Ver­wen­dung des Namens Got­tes war offen­sicht­lich nicht das Pro­blem die­ser „Pro­phe­ten“, son­dern ihre lügen­haf­ten Wor­te, die auch mit einem Leben des Unge­hor­sams ver­bun­den waren.

Wei­te­re von Jeho­vas Zeu­gen ange­führ­te Stellen:

Jetzt ist mei­ne See­le beun­ru­higt, und was soll ich sagen? Vater, ret­te mich aus die­ser Stun­de. Doch des­we­gen bin ich in die­se Stun­de gekom­men. Vater, ver­herr­li­che dei­nen Namen.“ Dar­um kam eine Stim­me vom Him­mel: „Ich habe [ihn] ver­herr­licht und will [ihn] wie­der ver­herr­li­chen.“ (Johan­nes 12,27–28 NWÜ)

Jesus woll­te in allem, was er tat, den Namen sei­nes Vaters ver­herr­li­chen. Er tat es dadurch, dass er Gott bis in den Tod hin­ein treu blieb. Jesu Lie­be und Treue, sei­ne voll­kom­me­ne Hei­lig­keit auch in der schwers­ten Anfech­tung haben dem Namen, d. h. der Per­son des Vaters, die Ehre gege­ben. So hat er ihn ver­herr­licht, ohne den Namen JHWH aus­zu­spre­chen. In der Lie­be Jesu wur­de die Lie­be des Vaters zu uns sichtbar.

Ich habe dei­nen Namen den Men­schen offen­bar gemacht, die du mir aus der Welt gege­ben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gege­ben, und sie haben dein Wort gehal­ten. (Johan­nes 17,6 NWÜ)

Und ich habe ihnen dei­nen Namen kund­ge­tan und wer­de ihn kund­tun, damit die Lie­be, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. (Johan­nes 17,26)

Wie hat Jesus den Namen sei­nes Vaters offen­bar gemacht oder kund­ge­tan? Dadurch, dass er sei­ne Jün­ger gelehrt hat, ihn mög­lichst oft aus­zu­spre­chen? Es ist offen­sicht­lich, dass gera­de im Johan­nes­evan­ge­li­um, in dem wir die tiefs­ten Wor­te Jesu fin­den, wir auch in der NWÜ die wenigs­ten Erwäh­nun­gen von „Jeho­va“ fin­den, nur fünf­mal und nur in Zita­ten aus dem Alten Tes­ta­ment. Das Anlie­gen Jesu war offen­sicht­lich nicht, den Namen „Jeho­va“ zu pro­kla­mie­ren, der mit einer ande­ren Aus­spra­che den Juden ohne­hin bekannt war. Jesus hat den Namen sei­nes Vaters durch sei­ne gan­ze Per­son kund­ge­tan. Sein gan­zes Leben war eine ein­zi­ge Offen­ba­rung des Wesens des Vaters:

Jesus sprach zu ihm: „So lan­ge Zeit bin ich bei euch gewe­sen, und den­noch hast du mich nicht ken­nen­ge­lernt, Philịp­pus? Wer mich gese­hen hat, hat [auch] den Vater gese­hen. Wie kommt es, daß du sagst: ‚Zei­ge uns den Vater.‘?“ (Johan­nes 14,9 NWÜ)

Kein Mensch hat GOTT jemals gese­hen; der ein­zig­ge­zeug­te Gott, der am Busen[platz] beim Vater ist, der hat über ihn Auf­schluß gege­ben. (Johan­nes 1,18 NWÜ)

Jesus war in sei­nem gan­zen Wesen die Offen­ba­rung des Vaters. In Jesu Wesen kön­nen wir Got­tes Wesen ken­nen­ler­nen. Dadurch wird in denen, die ihm fol­gen, die Lie­be Got­tes, die in Jesus tiefs­te Wirk­lich­keit wur­de, zur lebens­be­stim­men­den Rea­li­tät. Dadurch wird der Name Got­tes, der für sei­ne Per­son steht, gehei­ligt und verherrlicht.

Dass es nicht das Ziel Jesu war, sich dafür ein­zu­set­zen, dass die Men­schen den Namen Got­tes aus­spre­chen, zeigt auch die Tat­sa­che, dass er auf die zu sei­ner Zeit übli­che Scheu der Juden, den Namen Got­tes aus­zu­spre­chen, Rück­sicht genom­men hat:

[…] Wie­der begann der Hohe­pries­ter ihn zu befra­gen und sag­te zu ihm: „Bist du der Chris­tus, der Sohn des Geseg­ne­ten?“ Da sprach Jesus: „Ich bin es; und ihr wer­det den Men­schen­sohn zur Rech­ten der Macht sit­zen und mit den Wol­ken des Him­mels kom­men sehen.“ (Mar­kus 14,61–62 NWÜ)

Der Hohe­pries­ter ver­wen­de­te statt „Gott“ oder „JHWH“ das Wort „Geseg­ne­ter“. In sei­ner Ant­wort sprach auch Jesus nicht von „JHWH“, son­dern er sprach von der „Macht“. Jesus hat­te gewiss kein pan­the­is­ti­sches Got­tes­ver­ständ­nis. Aber es war für ihn kein Pro­blem, aus Rück­sicht auf die Juden eine Umschrei­bung statt des Namens Got­tes zu verwenden.

Ein wei­te­res Bei­spiel für die Umschrei­bung des Namens Got­tes fin­den wir im Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn, in dem der reu­mü­ti­ge Sohn zu sei­nem Vater spricht:

Vater, ich habe gegen den Him­mel und gegen dich gesün­digt. […] (Lukas 15,21 NWÜ)

Mit „gegen den Him­mel“ ist ganz offen­sicht­lich „gegen Gott“ gemeint.

Das Kund­tun des Namens Got­tes hat­te für Jesus offen­sicht­lich nichts mit dem Tetra­gram­ma­ton zu tun. Jesus hat sei­ne Jün­ger „in sei­nem (= Got­tes) Namen bewahrt“ (Johan­nes 17,11), dadurch, dass er sie zu einer Bezie­hung zum Vater geführt hat. In die­ser Bezie­hung waren sie durch Got­tes Lie­be bewahrt.

Geht nun hin und macht alle Natio­nen zu Jün­gern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes, […] (Mat­thä­us 28,19)

Es heißt hier nicht: „auf die Namen […]“ in der Mehr­zahl, son­dern „auf den Namen […]“. Der Vater, der Sohn und der Hei­li­ge Geist haben teil am sel­ben Namen. Die Tau­fe auf (wört­lich: „in, hin­ein“) den Namen des Vaters, des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes drückt aus, dass jeder, der umkehrt und sich als Zei­chen der Umkehr tau­fen lässt, in eine Bezie­hung zu Gott hin­ein­ge­führt wird, die sein Leben prägt. Der „Name“ steht hier für das Wesen Got­tes, des Vaters, des Soh­nes und des Hei­li­gen Geistes.

7 Ande­re Themenkreise

7.1 Zur Unsterb­lich­keit der Seele

Die Zeu­gen Jeho­vas lehren:

Nach dem Tod lebt abso­lut nichts von uns wei­ter. Wir haben kei­ne unsterb­li­che See­le und kei­nen unsterb­li­chen Geist.[37]

Wenn vom Men­schen abso­lut nichts wei­ter­lebt, dann kann es kei­ne Auf­er­ste­hung geben. Nach der Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft bewahrt Gott das Wis­sen um den Men­schen in sei­nem Gedächt­nis und kann ihn so auch wie­der auf­er­we­cken. Wenn es aber kei­nen blei­ben­den Zusam­men­hang zwi­schen dem ver­stor­be­nen und dem auf­er­stan­de­nen Men­schen gibt, kön­nen wir auch nicht sagen, dass Gott die­sen Men­schen auf­er­weckt. Dann schafft Gott einen Men­schen neu, der Wesens­merk­ma­le des frü­he­ren Men­schen trägt, der aber nicht der­sel­be Mensch ist.

Auf dem Hin­ter­grund die­ser Leh­re wol­len wir uns fol­gen­de Stel­len aus der NWÜ näher anschauen:

Lukas 23,43:
NWÜ: Und er sprach zu ihm: „Wahr­lich, ich sage dir heu­te: Du wirst mit mir im Para­dies sein.“

ELB: Und er sprach zu ihm: Wahr­lich, ich sage dir: Heu­te wirst du mit mir im Para­dies sein.

Es geht um die Bedeu­tung des Wor­tes „heu­te“. Woll­te Jesus dem mit ihm gekreu­zig­ten Auf­stän­di­schen sagen, dass die­ser noch am sel­ben Tag mit Jesus im Para­dies sein wer­de, oder woll­te Jesus beto­nen, dass er am Tage sei­ner Kreu­zi­gung dem Mit­ge­kreu­zig­ten das Para­dies ver­heißt, mit dem er gemein­sam mit Jesus sein wer­de?[38] Wenn es kein Wei­ter­le­ben nach dem Tod gibt, kann es doch nicht sein, dass jemand schon vor dem Tag der Auf­er­we­ckung, noch am Tage sei­nes Todes, schon im Para­dies ist. Des­we­gen blieb den Über­set­zern der NWÜ gar kei­ne ande­re Wahl als so zu über­set­zen, wie sie es taten.

Die ältes­ten grie­chi­schen Hand­schrif­ten ken­nen kei­ne Satz­zei­chen. Daher ist die Set­zung von Satz­zei­chen eine Fra­ge der Inter­pre­ta­ti­on. Die For­mu­lie­rung „Wahr­lich, ich sage dir/euch […]“[39] kommt in den Evan­ge­li­en im Mun­de Jesu über­aus häu­fig vor. Kein ein­zi­ges Mal aller­dings mit einer Anga­be über den Zeit­punkt des Gesag­ten. Es legt sich daher nahe, so zu über­set­zen, wie es die Elber­fel­der Bibel und prak­tisch alle ande­ren Über­set­zun­gen auch tun.

Johan­nes 11,25:
NWÜ: Jesus sprach zu ihr: „Ich bin die Auf­er­ste­hung und das Leben. Wer Glau­ben an mich aus­übt, wird zum Leben kom­men, auch wenn er stirbt […]

KIT:Joh11_25

ELB: Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auf­er­ste­hung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestor­ben ist […]

Auch die KIT schreibt klar: „he will live“ („er wird leben“). Jesus spricht davon, dass der an ihn Glau­ben­de nach sei­nem Tode lebt, nicht, dass er irgend­wann zum Leben kom­men wird. Das wird auch durch Vers 26 bestä­tigt […] und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht ster­ben in Ewig­keit. (ELB)

Mat­thä­us 27,52–53:
NWÜ: Und die Gedächt­nis­grüf­te wur­den geöff­net, und vie­le Lei­ber der ent­schla­fe­nen Hei­li­gen wur­den auf­ge­rich­tet (und Leu­te, die nach sei­ner Auf­er­we­ckung von den Gedächt­nis­grüf­ten her­ka­men, gin­gen in die hei­li­ge Stadt), und sie wur­den vie­len sichtbar.

KIT:Matt27_53

ELB: und die Grüf­te öff­ne­ten sich, und vie­le Lei­ber der ent­schla­fe­nen Hei­li­gen wur­den auf­er­weckt, und sie gin­gen nach sei­ner Auf­er­we­ckung aus den Grüf­ten und gin­gen in die hei­li­ge Stadt und erschie­nen vielen.

Wur­den die Lei­ber der ent­schla­fe­nen Hei­li­gen auf­er­weckt? Oder gab es ein inter­es­san­tes Phä­no­men, bei dem in Fol­ge eines Erd­be­bens Lei­chen auf­ge­rich­tet wur­den, die dann von den Men­schen, die an den Grä­bern vor­bei­gin­gen, gese­hen wur­den. Das grie­chi­sche Wort ege­i­ro hat im Zusam­men­hang mit Bau­wer­ken auch die Bedeu­tung „auf­rich­ten“, doch wenn es um ver­stor­be­ne Men­schen geht, hat es die Bedeu­tung „auf­er­we­cken“. Woll­te Mat­thä­us ein­fach ein gru­se­li­ges Detail im zeit­glei­chen Zusam­men­hang mit dem Kreu­zes­tod Jesu schil­dern oder woll­te er auf die heils­ge­schicht­li­che Bedeu­tung der Erlö­sungs­tat Jesu hin­wei­sen, durch die auch die Hei­li­gen des Alten Bun­des zur vol­len Erlö­sung und zum Leben kommen?

7.2 Zur Fra­ge der Hölle

Die Zeu­gen Jeho­vas leh­nen die Exis­tenz einer ewi­gen Höl­le ab. Das The­ma ist gewiss nicht ein­fach. Vie­le Men­schen ver­bin­den die Leh­re mit einem Got­tes­bild, dem­zu­fol­ge Gott den Men­schen wie ein Fol­ter­knecht durch alle Ewig­keit Qua­len zufügt. Die­ses Got­tes­bild wird berech­tig­ter­wei­se abge­lehnt. Aber heißt das, dass auch die Leh­re von der Höl­le abge­lehnt wer­den muss, wie es Jeho­vas Zeu­gen tun?

Man­che Bil­der der Bibel wur­den oft in die­se fal­sche Rich­tung inter­pre­tiert. Die Höl­le ist aber kei­ne Fol­ter­kam­mer, in der Men­schen auf dem Rost gebra­ten wer­den, son­dern ist die ewi­ge Fins­ter­nis, die sich die Men­schen, die Gott ableh­nen, selbst berei­tet haben. Wer das Licht ver­wirft, dem bleibt nur die Fins­ter­nis. Das Feu­er der Höl­le ist das Feu­er, das im Men­schen brennt, wenn er mit sei­ner eige­nen Schuld und Bos­heit kon­fron­tiert wird, die er nicht bereut hat und die er auch nicht sehen will, der er aber in aller Ewig­keit nicht aus­wei­chen kann. Die­se Qua­len der Höl­le sind eine Fol­ge der frei­en Ent­schei­dung des Men­schen gegen Gott, eine Kon­se­quenz sei­ner Bos­heit. Auf die­sem Hin­ter­grund sind die Stel­len, in denen die Bibel über die Höl­le spricht, zu verstehen.

Doch nun zu eini­gen Stel­len der NWÜ zu die­sem Thema:

Mat­thä­us 25,46:
NWÜ: Und die­se wer­den in die ewi­ge Abschnei­dung weg­ge­hen, die Gerech­ten aber in das ewi­ge Leben.“

KIT:Matt25_46

ELB: Und die­se wer­den hin­ge­hen zur ewi­gen Stra­fe, die Gerech­ten aber in das ewi­ge Leben.

Die Fuß­no­te der NWÜ erklärt: „Beschnei­dung (Stut­zung)“. Gr.: kólasin. Die eng­li­sche Aus­ga­be von 2013 ergänzt in deren Fuß­no­te noch, dass es um die Abschnei­dung vom Leben geht (also um die ewi­ge Vernichtung).

Die NWÜ will mit ihrer Wie­der­ga­be „Abschnei­dung“ zei­gen, dass es kei­ne ewi­ge Stra­fe in dem Sin­ne gibt, dass jemand als ewig exis­tie­ren­de Per­son die Fol­gen sei­ner Sün­de zu tra­gen hat, son­dern dass es hier um eine ewi­ge Ver­nich­tung geht.

Nach Bau­ers Wör­ter­buch hat kólas­is die Bedeu­tung „Züch­ti­gung, Stra­fe“.[40] Eine even­tu­el­le Bedeu­tung „Abschnei­dung“ wird nicht ein­mal andeu­tungs­wei­se erwähnt. Zeu­gen Jeho­vas ver­wei­sen dar­auf, dass das Verb kolá­zo im klas­si­schen Grie­chisch „beschnei­den“ bedeu­te, was nicht bestrit­ten wer­den kann. Aller­dings kann man einer­seits die tat­säch­li­che Bedeu­tung eines Wor­tes nicht nur auf ety­mo­lo­gi­schem Wege erfas­sen, ande­rer­seits hat auch das Verb kolá­zo in neu­tes­ta­ment­li­cher Zeit die Bedeu­tung „stra­fen, züch­ti­gen“. Auch die­ses Verb hat nie die Bedeu­tung „abschnei­den“ im Sin­ne einer ewi­gen Ver­nich­tung. Der Zusam­men­hang mit Vers 41 zeigt auch, dass es sich beim Feu­er nicht um ein phy­si­sches Feu­er zur Ver­nich­tung der Mate­rie handelt:

Dann wird er sei­ner­seits zu denen zu sei­ner Lin­ken sagen: ‚Geht weg von mir, ihr, die ihr ver­flucht wor­den seid, in das ewi­ge Feu­er, das für den Teu­fel und sei­ne Engel berei­tet ist. (NWÜ)

Da Geist­we­sen wie der Teu­fel von einem mate­ri­el­len Feu­er kei­nen Scha­den erlei­den wer­den, kann hier nur die Qual der Got­tes­fer­ne und der Kon­fron­ta­ti­on mit der eige­nen Bos­heit gemeint sein.

2. Petrus 2,9:
NWÜ: Jeho­va weiß Men­schen von Gott­er­ge­ben­heit aus der Prü­fung zu befrei­en, Unge­rech­te aber für den Tag des Gerichts zu ihrer Abschnei­dung aufzubehalten,

KIT:2Pet2_9

ELB: der Herr weiß die Gott­se­li­gen aus der Ver­su­chung zu ret­ten, die Unge­rech­ten aber auf­zu­be­wah­ren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft wer­den;

Petrus führt hier nicht aus, wel­cher Art die­se Stra­fe ist. Die Über­set­zung von kolá­zo mit „stra­fen“ wäre inso­fern für die Zeu­gen Jeho­vas kein Pro­blem. Nur um der inne­ren Logik ihrer Über­set­zung wil­len müs­sen sie auch hier das Wort „Abschnei­dung“ einführen.

In Apos­tel­ge­schich­te 4,21 bleibt aller­dings auch der NWÜ kei­ne ande­re Wahl, als mit „bestra­fen“ zu über­set­zen, der Zusam­men­hang erlaubt hier die Wie­der­ga­be mit „abschnei­den“ ein­fach nicht: Als man ihnen dann wei­ter gedroht hat­te, ließ man sie frei, weil man kei­nen Grund fand, aus dem man sie hät­te bestra­fen können […]

Mat­thä­us 24,50–51: NWÜ: […] wird der Herr jenes Skla­ven an einem Tag kom­men, an dem er es nicht erwar­tet, und in einer Stun­de, die er nicht kennt, und wird ihn mit der größ­ten Stren­ge bestra­fen und wird ihm sein Teil mit den Heuch­lern zuwei­sen. Dort wird [sein] Wei­nen und [sein] Zäh­ne­knir­schen sein.

KIT:Mat24_51

ELB: […] so wird der Herr jenes Knech­tes kom­men an einem Tag, an dem er es nicht erwar­tet, und in einer Stun­de, die er nicht weiß, und wird ihn ent­zwei­schnei­den und ihm sein Teil fest­set­zen bei den Heuch­lern; da wird das Wei­nen und das Zäh­ne­knir­schen sein.

Das grie­chi­sche Wort dicho­to­meo bedeu­tet laut Bau­er[41] „mit­ten ent­zwei­schnei­den“, nicht aber „mit der größ­ten Stren­ge bestra­fen“. Das Wort hat hier natür­lich nur eine bild­li­che Bedeu­tung. Das „Wei­nen und Zäh­ne­knir­schen“ weist auch dar­auf hin, dass die Stra­fe nicht die Ver­nich­tung ist. Ver­nich­te­te kön­nen nicht mehr weinen.

Offen­ba­rung 19,20:
NWÜ: Und das wil­de Tier wur­de gefaßt und mit ihm der fal­sche Pro­phet, der vor ihm die Zei­chen tat, durch die er die irre­führ­te, wel­che das Kenn­zei­chen des wil­den Tie­res emp­fin­gen, und die, die sei­nem Bild Anbe­tung dar­brin­gen. Noch leben­dig wur­den sie bei­de in den Feu­er­see geschleu­dert, der mit Schwe­fel brennt.

KIT:Off19_20

ELB: Und es wur­de ergrif­fen das Tier und der fal­sche Pro­phet – der mit ihm war und die Zei­chen vor ihm tat, durch die er die ver­führ­te, die das Mal­zei­chen des Tie­res annah­men und sein Bild anbe­te­ten -, leben­dig wur­den die zwei in den Feu­er­see gewor­fen, der mit Schwe­fel brennt.

Die NWÜ fügt vor dem Wort „leben­dig“ noch ein „noch“ ein, um damit ihre Ver­nich­tungs­theo­rie zu stüt­zen. Im Grie­chi­schen fin­det sich das Wort „noch“ nicht.

7.3 „Glau­ben“ oder „Glau­ben ausüben“?

Johan­nes 14,1:
NWÜ: „Euer Herz wer­de nicht beun­ru­higt. Übt Glau­ben aus an Gott, übt auch Glau­ben aus an mich […]

KIT:Joh14_1

ELB: Euer Herz wer­de nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!

Wir haben die­se Stel­le nur als ein Bei­spiel unter etli­chen aus­ge­wählt, an denen die NWÜ das grie­chi­sche Wort pisteuo durch „Glau­ben aus­üben“ wie­der­gibt. Nun ist es ohne Zwei­fel wich­tig, nicht nur einen theo­re­ti­schen Glau­ben zu haben, da der Glau­be ohne Wer­ke nutz­los[42] ist (Jako­bus 2,20). Aber „Glau­be“ ist nicht nur das Aus­üben von Vor­schrif­ten und Gebo­ten. Glau­be ist zuerst ein­mal Ver­trau­en. Ein glau­ben­der Mensch ver­traut Gott sein gan­zes Leben an. In Johan­nes 14 woll­te Jesus in die­ser kon­kre­ten Situa­ti­on die Jün­ger dazu ermun­tern, ihm und dem Vater zu ver­trau­en. Auch wenn es äußer­lich schien, als ob Jesus geschei­tert wäre, soll­ten die Jün­ger in ihrem Ver­trau­en uner­schüt­ter­lich blei­ben. Die For­mu­lie­rung „Glau­ben aus­üben“ drückt das nicht aus.

Wenn Jesus in Lukas 8,50 zum Syn­ago­gen­vor­ste­her, des­sen Toch­ter gestor­ben war, sagt: Fürch­te dich nicht, glau­be nur! Und sie wird geret­tet wer­den (ELB), so ist das etwas ande­res als: „Fürch­te dich nicht, bekun­de nur Glau­ben, und sie wird geret­tet wer­den“ (NWÜ). Es geht hier nicht um die Äuße­run­gen des Syn­ago­gen­vor­ste­hers, son­dern um sei­ne Hal­tung Gott gegenüber.

Unser Glau­be an Gott besteht in ers­ter Linie aus einer ver­trau­ens­vol­len Bezie­hung. Aus die­ser Bezie­hung her­aus erwach­sen dann auch die Wer­ke. Ein „nicht aus­ge­üb­ter“ Glau­be ist ohne­hin kein Glaube.

7.4 „Erken­nen“ oder „Erkennt­nis in sich aufnehmen“?

Johan­nes 17,3:
NWÜ: Dies bedeu­tet ewi­ges Leben, daß sie fort­ge­setzt Erkennt­nis in sich auf­neh­men über dich, den allein wah­ren Gott, und über den, den du aus­ge­sandt hast, Jesus Chris­tus.[43]

KIT:Joh17_3

ELB: Dies aber ist das ewi­ge Leben, dass sie dich, den allein wah­ren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Chris­tus, erken­nen.

Wie die Wacht­turm­ge­sell­schaft das ver­steht, wird in einem Arti­kel im Wacht­turm vom 1. Juni 2012 auf Sei­te 9 erklärt:

„Dies bedeu­tet ewi­ges Leben“

„Dies bedeu­tet ewi­ges Leben, dass sie fort­ge­setzt Erkennt­nis in sich auf­neh­men über dich, den allein wah­ren Gott, und über den, den du aus­ge­sandt hast, Jesus Chris­tus“ (JOHANNES 17:3)

WISSEN kann Leben ret­ten. Die Mut­ter des 10 Mona­te alten Nou­hou ist Gesund­heits­hel­fe­rin in einem Dorf im Niger. Als der Klei­ne krank wur­de, wuss­te sie, was sie zu tun hat­te. Sie berei­te­te eine Rehy­dra­ti­ons­lö­sung aus Zucker, Salz und sau­be­rem Was­ser vor und gab sie ihm zu trin­ken. Durch ihre „schnel­le Reak­ti­on und den Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung vor Ort hat­te ihr Kind die Krank­heit bald über­stan­den“, hieß es in einem Bericht der UNICEF.

Auch Bibel­wis­sen kann Leben retten. …

Bis hier­her haben wir gese­hen, dass die Bibel ein unver­gleich­li­ches Buch ist: Ihre Pro­phe­zei­un­gen sind zuver­läs­sig, sie ist his­to­risch und wis­sen­schaft­lich genau, in sich stim­mig und ein gutes Hand­buch fürs Leben. Das alles drückt ihr den Stem­pel der Ein­zig­ar­tig­keit auf. Wenn die­ses Buch nun von sich behaup­tet, uns den Weg zu einem län­ge­ren Leben — ja zu ewi­gem Leben — zu zei­gen, ver­dient es da nicht beson­de­re Aufmerksamkeit?

Wir möch­ten Ihnen ans Herz legen, sich ein­mal genau­er damit zu befas­sen, wie ein fun­dier­tes Bibel­wis­sen zu inne­rem Frie­den und einer glück­li­chen Zukunft füh­ren kann. Jeho­vas Zeu­gen zei­gen Ihnen gern, wie man sich die­ses Wis­sen aneignet.

In der Bibel geht es nicht nur um das Wis­sen. Es geht um eine Bezie­hung. Ewi­ges Leben besteht dar­in, dass wir den Vater und sei­nen ewi­gen Sohn ken­nen, eine tie­fe unge­stör­te Bezie­hung zu Gott haben. Wir wis­sen um den Wert fun­dier­ter Bibel­kennt­nis­se. Doch die­ses Wis­sen allein, auch wenn wir es „fort­wäh­rend in uns auf­neh­men“, ist nicht das ewi­ge Leben. Das ist viel­leicht eines der Haupt­pro­ble­me, das die Über­set­zer der NWÜ hat­ten. Da ihnen die­se tie­fe Bezie­hung zu Gott fehl­te, die in der Bibel durch das Wort „Erkennt­nis“ aus­ge­drückt wird, konn­te es ihnen nur mehr um äußer­li­ches intel­lek­tu­el­les Wis­sen gehen, das man sich durch Stu­di­um aneig­nen kann.

7.5 „In“ oder „in Ver­bin­dung mit“?

Die grie­chi­sche Prä­po­si­ti­on en wird von den meis­ten Über­set­zern mit dem deut­schen Äqui­va­lent „in“ wie­der­ge­ge­ben. Die­ses kur­ze grie­chi­sche Wort hat einen gro­ßen Bedeu­tungs­um­fang und wird des­halb an man­chen Stel­len anders wie­der­ge­ge­ben. Wir wol­len uns hier auf die beson­ders bei Johan­nes und Pau­lus häu­fig vor­kom­men­den Wen­dun­gen wie „im Vater“, „im Sohn“, „in Chris­tus“ beschrän­ken. Die Über­set­zer hat­ten eine Scheu, die­se Wen­dun­gen so ein­fach wie­der­zu­ge­ben und haben ver­sucht, das durch Umschrei­bun­gen wie „in Ver­bin­dung mit“ aus­zu­drü­cken, was aber zu einer Ver­kür­zung des­sen führt, was Jesus oder Pau­lus sagen woll­ten. Wir wer­den uns auf weni­ge Bei­spie­le beschränken.

Johan­nes 13,31:
NWÜ: Als er nun hin­aus­ge­gan­gen war, sprach Jesus: „Jetzt ist der Men­schen­sohn ver­herr­licht, und Gott ist in Ver­bin­dung mit ihm verherrlicht […]

KIT:Joh13_31

ELB: Als er nun hin­aus­ge­gan­gen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn des Men­schen ver­herr­licht, und Gott ist ver­herr­licht in ihm.

Viel­leicht war es nur als eine „erklä­ren­de Über­set­zung“ gemeint. Es ist aber ein gro­ßer Unter­schied, ob Gott „in Ver­bin­dung mit“ Jesus ver­herr­licht ist, oder „in“ ihm. Jesus woll­te nicht nur sagen, dass Gott irgend­wie mit ihm ver­bun­den ist. Jesus war mit sei­nem gan­zen Sein IM Vater begrün­det, und alles, was er tat, war IN Gott getan. Hier drückt die­ses „in“ eine Tie­fe der Bezie­hung aus, die durch die For­mu­lie­rung der NWÜ verflacht.

Johan­nes 14,11:
NWÜ: Glaubt mir, daß ich in Gemein­schaft mit dem Vater bin und der Vater in Gemein­schaft mit mir ist; sonst glaubt um der Wer­ke selbst willen.

KIT:Joh14_11

ELB: Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt um der Wer­ke selbst willen!

„Im Vater“ sein ist mehr als nur „in Gemein­schaft mit ihm“ sein!

Johan­nes 14,20:
NWÜ: An jenem Tag wer­det ihr erken­nen, daß ich in Gemein­schaft bin mit mei­nem Vater und ihr in Gemein­schaft seid mit mir und ich in Gemein­schaft bin mit euch.

KIT:Joh14_20

ELB: An jenem Tag wer­det ihr erken­nen, dass ich in mei­nem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

Auch die Tie­fe der Gemein­schaft Jesu mit uns wird durch das Wort „in“ viel stär­ker aus­ge­drückt als mit der For­mu­lie­rung „in Gemein­schaft mit“. Jesus ist dem Chris­ten ganz nahe, so nahe, dass wir sagen kön­nen, dass er in uns ist.

Gala­ter 2,20:
NWÜ: […] Nicht mehr ich bin es, der lebt, son­dern Chris­tus ist es, der in Gemein­schaft mit mir lebt. Tat­säch­lich lebe ich das Leben, das ich jetzt im Flei­sche lebe, durch den Glau­ben gegen­über dem Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahin­ge­ge­ben hat.

KIT:Gal2_20

ELB: […] und nicht mehr lebe ich, son­dern Chris­tus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glau­ben, und zwar im Glau­ben an den Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst für mich hin­ge­ge­ben hat.

Liegt es viel­leicht dar­an, dass Zeu­gen Jeho­vas die­se tie­fe direk­te Bezie­hung zu Jesus fehlt, dass sie zu die­ser ver­fla­chen­den Wie­der­ga­be kommen?

7.6 „Parou­sía“ – Kom­men oder Gegenwart?

Seit den Anfän­gen von Charles Taze Rus­sell, dem Grün­der der Bewe­gung der Bibel­for­scher, war für ihn die Wie­der­ga­be des grie­chi­schen Wor­tes parou­sía mit „Gegen­wart“ ein wich­ti­ger Grund­stein sei­ner Leh­re. Schon in sei­ner ers­ten Schrift The Object and Man­ner of Our Lord‚s Return im Jah­re 1877 war das eine wich­ti­ge Erkennt­nis (ab S. 51). Die­ser Punkt blieb bis heu­te für die Wacht­turm­ge­sell­schaft von grund­le­gen­der Bedeu­tung wie Appen­dix 5B aus der Stu­di­en­aus­ga­be der NWÜ und der Arti­kel „Gegen­wart“ in Ein­sich­ten über die Hei­li­ge Schrift, S. 832–836 zei­gen. Der Unter­schied zwi­schen Rus­sell und den Zeu­gen Jeho­vas[44] besteht nur dar­in, dass Rus­sell davon über­zeugt war, dass die Gegen­wart Jesu schon im Jah­re 1874 begon­nen hat­te und es 1914[45] „kei­ne Welt- oder Natio­nen­herr­schaft mehr geben wird“,[46] wäh­rend die spä­te­ren Zeu­gen Jeho­vas nach dem für Außen­ste­hen­de nicht über­ra­schen­den Aus­blei­ben der von Rus­sell errech­ne­ten Ereig­nis­se das Jahr 1914 als Anfangs­punkt der unsicht­ba­ren Gegen­wart Jesu anneh­men.[47]

Für die Wacht­turm­ge­sell­schaft ist die wich­tigs­te Stel­le in die­sem Zusammenhang
Mat­thä­us 24,3:
NWÜ: Als er auf dem Ölberg saß, tra­ten die Jün­ger allein zu ihm und spra­chen: „Sag uns: Wann wer­den die­se Din­ge gesche­hen, und was wird das Zei­chen dei­ner Gegen­wart und des Abschlus­ses des Sys­tems der Din­ge sein?“

ELB: Als er aber auf dem Ölberg saß, tra­ten sei­ne Jün­ger für sich allein zu ihm und spra­chen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zei­chen dei­ner Ankunft und der Voll­endung des Zeitalters?

Dass das Wort parou­sía die Bedeu­tung „Gegen­wart“ hat, steht außer Zwei­fel. Aber genau­so steht außer Zwei­fel, dass es sich auch auf das „Kom­men“ bezie­hen kann, mit dem eine „Gegen­wart“ beginnt.

So schreibt Pau­lus etwa in 2. Korin­ther 7,5–7:

Denn auch als wir nach Maze­do­ni­en kamen, hat­te unser Fleisch kei­ne Ruhe, son­dern in allem waren wir bedrängt; von außen Kämp­fe, von innen Ängs­te. Aber der die Nied­ri­gen trös­tet, Gott, trös­te­te uns durch die Ankunft des Titus; doch nicht nur durch sei­ne Ankunft, son­dern auch durch den Trost, womit er bei euch getrös­tet wor­den ist, denn er berich­te­te uns eure Sehn­sucht, euer Weh­kla­gen, euren Eifer für mich, so dass ich mich noch mehr freute.

Vor der Ankunft des Titus war Pau­lus unru­hig und bedrängt. Durch sei­ne Ankunft (und natür­lich auch sei­ne dar­auf fol­gen­de Gegen­wart) wur­de er dann getröstet.

Eben­so Phil­ip­per 1,26:

[…] damit euer Rüh­men über­reich wer­de in Chris­tus Jesus durch mich bei mei­ner Rück­kehr zu euch.

Für „Rück­kehr“ steht im Grie­chi­schen wört­lich: „Wie­der-Ankunft“. Durch die­se hoff­te Pau­lus, wie­der bei den Phil­ip­pern zu sein.

Was die Gegen­wart Jesu betrifft, so haben wir kla­re Ver­hei­ßun­gen Jesu, die nicht erst seit 1914 gelten:

Denn wo zwei oder drei in mei­nem Namen ver­sam­melt sind, da bin ich in ihrer Mit­te. (Mat­thä­us 18,20 NWÜ)

Und sie­he, ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschluß des Sys­tems der Din­ge. (Mat­thä­us 28,20b NWÜ)[48]

Als Ant­wort sprach Jesus zu ihm: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort hal­ten, und mein Vater wird ihn lie­ben, und wir wer­den zu ihm kom­men und Woh­nung bei ihm neh­men. (Johan­nes 14,23 NWÜ)

Jesus und der Vater neh­men Woh­nung bei jedem, der Jesus liebt und sein Wort hält, nicht erst seit 1914.

Auch die fol­gen­den Aus­sa­gen der Hei­li­gen Schrift haben nur Sinn, wenn Jesus gegen­wär­tig ist:

Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Johan­nes 15,5)

[…] und nicht mehr lebe ich, son­dern Chris­tus lebt in mir. (Gala­ter 2,20a)

Ihnen woll­te Gott zu erken­nen geben, was der Reich­tum der Herr­lich­keit die­ses Geheim­nis­ses unter den Natio­nen sei, und das ist: Chris­tus in euch, die Hoff­nung der Herr­lich­keit. (Kolos­ser 1,27)

Auch dass Jesus erst 1914 die Königs­herr­schaft ange­tre­ten habe, wider­spricht der Bibel:

[…] und nach­dem er eine Rei­ni­gung für unse­re Sün­den her­bei­ge­führt hat­te, setz­te er sich zur Rech­ten der Majes­tät in den Höhen. (Hebrä­er 1,3 NWÜ)

Die Rei­ni­gung für unse­re Sün­den war durch sei­nen Tod und sei­ne Auf­er­ste­hung, also schon im Jah­re 30 (oder 33 nach der Chro­no­lo­gie der Wacht­turm­ge­sell­schaft), nicht erst 1914.

Er hat uns von der Gewalt der Fins­ter­nis befreit und uns in das König­reich des Soh­nes sei­ner Lie­be ver­setzt, […] (Kolos­ser 1,13 NWÜ)

Die Chris­ten des ers­ten Jahr­hun­derts befan­den sich schon im König­reich Jesu, lan­ge vor 1914.

Wer siegt, dem will ich gewäh­ren, sich mit mir auf mei­nen Thron zu set­zen, so wie ich gesiegt und mich mit mei­nem Vater auf sei­nen Thron gesetzt habe. (Offen­ba­rung 3,21 NWÜ)

Die­se wer­den mit dem Lamm Krieg füh­ren, und das Lamm wird sie über­win­den; denn es ist Herr der Her­ren und König der Köni­ge, und die mit ihm sind, sind Beru­fe­ne und Aus­er­wähl­te und Treue. (Offen­ba­rung 17,14)[49]

Auch alle Stel­len, die über die Erhö­hung Jesu zum Vater spre­chen, bezeu­gen sei­ne könig­li­che Macht nicht erst seit 1914:

Nach­dem er nun durch die Rech­te Got­tes erhöht wor­den ist und die Ver­hei­ßung des Hei­li­gen Geis­tes vom Vater emp­fan­gen hat, hat er die­ses aus­ge­gos­sen, was ihr seht und hört. (Apos­tel­ge­schich­te 2,33)

Dar­um hat Gott ihn auch hoch erho­ben und ihm den Namen ver­lie­hen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beu­ge, der Himm­li­schen und Irdi­schen und Unter­ir­di­schen, und jede Zun­ge beken­ne, dass Jesus Chris­tus Herr ist, zur Ehre Got­tes, des Vaters. (Phil­ip­per 2,9–11)

Auch Satan wur­de nicht erst 1914 besiegt, son­dern bereits durch das öffent­li­che Wir­ken und den Tod und die Auf­er­ste­hung Jesu Christi:

Dar­auf sag­te er zu ihnen: „Ich sah den Satan wie einen Blitz bereits aus dem Him­mel gefal­len. (Lukas 10,18 NWÜ)

Wenn ich aber durch den Fin­ger Got­tes die Dämọ­nen aus­trei­be, so hat das König­reich Got­tes euch wirk­lich ein­ge­holt. Wenn ein star­ker, gut­be­waff­ne­ter Mann sei­nen Palast bewacht, bleibt sei­ne Habe in Frie­den. Wenn aber ein Stär­ke­rer als er gegen ihn her­an­kommt und ihn besiegt, nimmt er ihm sei­ne vol­le Rüs­tung weg, auf die er ver­trau­te, und er teilt die Din­ge aus, die er von ihm erbeu­tet hat. (Lukas 11,20–22 NWÜ)

Jetzt ergeht ein Gericht über die­se Welt; jetzt wird der Herr­scher die­ser Welt hin­aus­ge­wor­fen wer­den. (Johan­nes 12,31 NWÜ)

[…] dann hin­sicht­lich Gericht, weil der Herr­scher die­ser Welt gerich­tet wor­den ist. (Johan­nes 16,11 NWÜ)

Die Regie­run­gen und die Gewal­ten ent­blö­ßend, stell­te er sie als besiegt in der Öffent­lich­keit zur Schau und führ­te sie […] im Tri­umph­zug ein­her. (Kolos­ser 2,15 NWÜ)

Wenn nun Jesus nach dem Zeug­nis der Hei­li­gen Schrift bereits seit den Anfän­gen der Chris­ten­heit unsicht­bar unter uns gegen­wär­tig ist, und wenn er den Satan durch sein Leben, sei­nen Tod und sei­ne Auf­er­we­ckung besiegt hat, wenn er schon mit sei­ner Erhö­hung nach sei­nem Tod sei­ne Königs­herr­schaft ange­tre­ten hat, was soll sich dann nach der Leh­re der Zeu­gen Jeho­vas im Jah­re 1914 zuge­tra­gen haben?

Für uns gilt das­sel­be, was auch für die Chris­ten im 1. Jahr­hun­dert galt, was wir auch im Hebrä­er­brief aus­ge­drückt finden:

Denn indem er ihm alles unter­warf, ließ er nichts übrig, das ihm nicht unter­wor­fen wäre; jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unter­wor­fen. (Hebrä­er 2,8)

Wenn ihm dann bei sei­ner Wie­der­kunft alles unter­wor­fen sein wird, wird das unüber­seh­bar sein.

Im Appen­dix 5B der Stu­di­en­aus­ga­be der NWÜ fin­det sich auch fol­gen­der Absatz:

Eben­falls bestä­tigt Bau­er, Sp. 1249,[50] daß parou­sía „zum offiz[iellen] Aus­druck für den Besuch her­vor­ra­gen­der Amts­trä­ger, bes[onders] auch v[on] Köni­gen und Kai­sern in der Pro­vinz“, wur­de. In Mat 24:3, wie auch in ande­ren Tex­ten wie 1Th 3:13 und 2Th 2:1, bezieht sich das Wort parou­sía auf die könig­li­che Gegen­wart Jesu Chris­ti seit sei­ner Ein­set­zung als König in den letz­ten Tagen die­ses Sys­tems der Dinge.

Die­ses Zitat ist einer­seits kor­rekt, aber inso­fern irre­füh­rend, als nur der ers­te Satz ein Zitat aus Bau­ers Wör­ter­buch ist. Jeman­dem, der nicht genau auf die Anfüh­rungs­zei­chen ach­tet, wird der Ein­druck ver­mit­telt, dass auch die dar­auf fol­gen­de Aus­füh­rung noch von Bau­er ist.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber wol­len wir ergän­zen, was Bau­er in der­sel­ben Spal­te zum Stich­wort parou­sía noch schreibt:

v[on] Chris­tus, und zwar bei­na­he immer v[on] der mes­sia­ni­schen Ankunft des Ver­klär­ten zum Gericht am Ende die­ses Aeons: Mt 24,3, […] 1 Kor 15,23; 2 Th 2,8; 2 Pt 3,4; 1 J 2,28; […]

Wenn laut Bau­er parou­sía für den Besuch „her­vor­ra­gen­der Amts­trä­ger“ ver­wen­det wur­de, spricht das eher für die Über­set­zung mit „Kom­men“, „Ankunft“, da Staats­be­su­che in der Regel nur eine kur­ze Zeit dau­ern. Aller­dings hal­ten wir dar­an fest, dass, wenn Jesus sicht­bar kom­men wird, er für alle Ewig­keit bei den Sei­nen blei­ben wird, bzw. die Sei­nen bei ihm.

Unse­res Wis­sens war Ben­ja­min Wil­son mit sei­ner Inter­li­ne­ar­aus­ga­be „Empha­tic Dia­glott“ aus 1864 der ers­te, der parou­sía kon­se­quent mit „pre­sence“ („Gegen­wart“) wie­der­ge­ge­ben hat. Alle Über­set­zer vor ihm haben die kon­kre­te Bedeu­tung des Wor­tes aus dem Zusam­men­hang erschlos­sen und in Mat­thä­us 24,3 mit „Ankunft“ oder „Kom­men“ übersetzt.

Zum Ver­ständ­nis von Mat­thä­us 24,3 ist es gut, auch die Par­al­le­le in Mar­kus 13 zu berück­sich­ti­gen, da bei­de Stel­len über das­sel­be kon­kre­te Gespräch Jesu mit vier sei­ner Jün­ger han­deln. In Mar­kus 13,4 lau­tet die Fra­ge die­ser Jün­ger, nach­dem Jesus die Zer­stö­rung des Tem­pels in Jeru­sa­lem ange­spro­chen hatte:

Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zei­chen, wann dies alles voll­endet wer­den soll?

Jesus spricht dann über ver­schie­de­ne Ereig­nis­se, die der Tem­pel­zer­stö­rung vor­aus­ge­hen soll­ten. Wir wol­len hier nicht auf die Details ein­ge­hen, sind aber ger­ne bereit, inter­es­sier­ten Lesern mehr dar­über zu schreiben.

Bedeut­sam sind dann noch die Ver­se Mar­kus 13,30–32:

Wahr­lich, ich sage euch: Die­ses Geschlecht wird nicht ver­ge­hen, bis alles dies gesche­hen ist. Der Him­mel und die Erde wer­den ver­ge­hen, mei­ne Wor­te aber wer­den nicht ver­ge­hen. Von jenem Tag aber oder der Stun­de weiß nie­mand, auch nicht die Engel im Him­mel, auch nicht der Sohn, son­dern nur der Vater.

Jesus macht hier einer­seits eine sehr kon­kre­te Aus­sa­ge, näm­lich, dass „alles dies“ inner­halb einer Gene­ra­ti­on gesche­hen wer­de, ande­rer­seits gibt er eine völ­lig offe­ne Erklä­rung zu „jenem Tag“ ab, näm­lich, dass nie­mand weiß, nicht ein­mal er selbst (als Mensch auf Erden), wann die­ser Tag sein wer­de. Der jüdi­sche Tem­pel in Jeru­sa­lem wur­de tat­säch­lich im Jah­re 70, vier­zig Jah­re nach­dem Jesus dies ange­kün­digt hat­te, zer­stört. Der Tag sei­ner Wie­der­kunft ist noch nicht gesche­hen. Kein Mensch weiß und kann es wis­sen, wann die­ser Tag sein wird.

Wenn wir von Mar­kus 13 wie­der zu Mat­thä­us 24 zurück­keh­ren, so müs­sen wir die Fra­ge der Jün­ger in Mat­thä­us 24,3 als Par­al­le­le zu Mar­kus 13,4 ver­ste­hen. Die Jün­ger woll­ten wis­sen, wann der Tem­pel zer­stört wer­den wür­de und was die Vor­zei­chen die­ses Ereig­nis­ses sein wer­den. Mit der Tem­pel­zer­stö­rung wur­de ein Zeit­al­ter abge­schlos­sen, das Zeit­al­ter des Geset­zes mit dem Tem­pel­kult, wie es auch in Hebrä­er 8,13 heißt:

Indem er von einem „neu­en“ Bund spricht, hat er den ers­ten für ver­al­tet erklärt; was aber ver­al­tet und sich über­lebt, ist dem Ver­schwin­den nahe.

Im direk­ten Zusam­men­hang spricht Mat­thä­us 24,3 also vom Kom­men Jesu, des Men­schen­soh­nes als Rich­ter über sein Volk. Die Zer­stö­rung des Tem­pels war das Gericht Got­tes, das durch die Hand der Römer aus­ge­führt wur­de. Es ist ein­ge­trof­fen, was in Malea­chi 3,24 als Befürch­tung geäu­ßert wurde:

Und er (Elia) wird das Herz der Väter zu den Söh­nen und das Herz der Söh­ne zu ihren Vätern umkeh­ren las­sen, damit ich nicht kom­me und das Land mit dem Bann schlage.

Da sich das Volk Isra­el weder durch Elia (in der Per­son Johan­nes des Täu­fers) noch durch den nach ihm kom­men­den Herrn (Jesus) zur Umkehr bewe­gen ließ, wur­de das Land in den Bann geschla­gen. Die Vor­zei­chen die­ses Kom­mens zum Gericht fin­den wir in Mat­thä­us 24,4–28.

Mat­thä­us 24 spricht aber auch von dem für alle sicht­ba­ren Kom­men Jesu am Ende der Zei­ten. Hier heißt es aber wie­der ganz klar:

Von jenem Tag aber und jener Stun­de weiß nie­mand, auch nicht die Engel in den Him­meln, auch nicht der Sohn, son­dern der Vater allein. (Mat­thä­us 24,36)

Damit schiebt Jesus jedem Ver­such, den Tag oder auch nur die unge­fäh­re Zeit sei­ner Wie­der­kunft (oder „Gegen­wart“) berech­nen zu wol­len, einen Rie­gel vor.[51]

Für alle, die sich die­sen Wor­ten Jesu wie­der­set­zen und mei­nen, trotz­dem „pro­phe­ti­sche“ Aus­sa­gen über den Tag Jesu tref­fen zu müs­sen, tref­fen die Wor­te aus Deu­te­ro­no­mi­um 18,20–22 zu:

Doch der Pro­phet, der sich ver­mes­sen soll­te, in mei­nem Namen ein Wort zu reden, das ich ihm nicht befoh­len habe zu reden, oder der im Namen ande­rer Göt­ter reden wird: die­ser Pro­phet muss ster­ben. Und wenn du in dei­nem Her­zen sagst: „Wie sol­len wir das Wort erken­nen, das nicht der HERR gere­det hat?“, wenn der Pro­phet im Namen des HERRN redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, das nicht der HERR gere­det hat. In Ver­mes­sen­heit hat der Pro­phet es gere­det; du brauchst dich nicht vor ihm zu fürchten.

Für die Sicht­bar­keit des Kom­mens Jesu am Ende der Zei­ten spricht nicht nur Mat­thä­us 24,30b:

und sie wer­den den Men­schen­sohn mit Macht und gro­ßer Herr­lich­keit auf den Wol­ken des Him­mels kom­men sehen. (NWÜ)

son­dern auch fol­gen­de Stellen:

Wenn aber der Sohn des Men­schen kom­men wird in sei­ner Herr­lich­keit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf sei­nem Thron der Herr­lich­keit sit­zen; und vor ihm wer­den ver­sam­melt wer­den alle Natio­nen, und er wird sie von­ein­an­der schei­den, wie der Hir­te die Scha­fe von den Böcken schei­det. (Mat­thä­us 25,31–32)

[…] und sie spra­chen: „Män­ner von Galilạ̈a, war­um steht ihr da und schaut zum Him­mel empor? Die­ser Jesus, der von euch weg in den Him­mel auf­ge­nom­men wor­den ist, wird so kom­men, in der­sel­ben Wei­se, wie ihr ihn in den Him­mel habt gehen sehen.“ (Apos­tel­ge­schich­te 1,11 NWÜ)

[…] wenn er kommt, um an jenem Tag in sei­nen Hei­li­gen ver­herr­licht und in allen denen bewun­dert zu wer­den, die geglaubt haben […] (2. Thes­sa­lo­ni­cher 1,10)

7.7 Zum Herrenmahl

Mat­thä­us 26,26–28:
NWÜ: Wäh­rend sie wei­ter­aßen, nahm Jesus ein Brot, und nach­dem er einen Segen gespro­chen hat­te, brach er es, gab es den Jün­gern und sag­te: „Nehmt, eßt! Dies bedeu­tet mei­nen Leib.“ Auch nahm er einen Becher, und nach­dem er Dank gesagt hat­te, gab er ihnen die­sen und sprach: „Trinkt dar­aus, ihr alle; denn dies bedeu­tet mein ‚Blut des Bun­des‘, das zuguns­ten vie­ler zur Ver­ge­bung der Sün­den ver­gos­sen wer­den wird.

KIT:Matt26_26

ELB: Wäh­rend sie aber aßen, nahm Jesus Brot und seg­ne­te, brach und gab es den Jün­gern und sprach: Nehmt, esst, dies ist mein Leib! Und er nahm einen Kelch und dank­te und gab ihnen den und sprach: Trinkt alle dar­aus! Denn dies ist mein Blut des Bun­des, das für vie­le ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sünden.

Zeu­gen Jeho­vas haben ein sym­bo­li­sches Ver­ständ­nis des Her­ren­mah­les (bei ihnen „Gedächt­nis­mahl“ genannt). Wäh­rend ande­re Grup­pie­run­gen mit sym­bo­li­schem Abend­mahls­ver­ständ­nis bei der wört­li­chen Über­set­zung „Dies ist mein Leib“ (Vers 26) und „Dies ist mein Blut des Bun­des“ (Vers 28) blei­ben, lau­tet die Wie­der­ga­be der NWÜ: „Dies bedeu­tet mei­nen Leib“ bzw. „Dies bedeu­tet mein ‚Blut des Bun­des‘.“ Nun kann das grie­chi­sche Wort estin auch die Bedeu­tung „bedeu­tet“ haben. Es gibt auch Stel­len, wie etwa in Mat­thä­us 13,38, wo in der Erklä­rung vom Gleich­nis des Unkrauts im Acker man ohne Pro­ble­me statt mit: „Der Acker ist die Welt“ auch mit „Der Acker bedeu­tet die Welt“ über­set­zen könn­te. Inter­es­san­ter­wei­se lau­tet aber hier die NWÜ: „Das Feld ist die Welt.“

Den Über­set­zern der NWÜ war sicher nicht unbe­kannt, dass es in ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen ver­schie­de­ne Aus­le­gun­gen des estin in Mt 26,26 gibt. Da sie nicht die Wie­der­ga­be „ist“ gewählt haben und so die Inter­pre­ta­ti­on dem Leser über­las­sen hät­ten, legt sich die Annah­me nahe, dass sie mit der von ihnen gewähl­ten Ver­si­on die Aus­le­gung der Wacht­turm­ge­sell­schaft unter­stüt­zen wollten.

Wir haben hier nur die Stel­le bei Mat­thä­us ange­führt. Der­sel­be Fall liegt auch bei den Par­al­le­len in Mar­kus 14,22–24; Lukas 22,19–20 und 1. Korin­ther 11,23–25 vor.

7.8 Kreuz oder Marterpfahl?

Für Leser her­kömm­li­cher Über­set­zun­gen wirkt die Ver­wen­dung des Wor­tes „Mar­ter­pfahl“ für das übli­cher­wei­se mit „Kreuz“ wie­der­ge­ge­be­ne grie­chi­sche Wort stau­rós auf den ers­ten Blick befremd­lich. Nun ist die Fra­ge nach der genau­en Hin­rich­tungs­art Jesu nicht beson­ders wesent­lich. Da die­se Fra­ge den Über­set­zern der NWÜ doch wich­tig war und sie ihre Über­set­zung im Appen­dix 5C der Stu­di­en­aus­ga­be der NWÜ begrün­den, wol­len wir uns auch mit die­ser Fra­ge beschäftigen.

Ein­lei­tend wol­len wir dar­an fest­hal­ten, dass für Charles Taze Rus­sell, den Begrün­der der Bibel­for­scher­be­we­gung, deren Haupt­zweig sich spä­ter „Zeu­gen Jeho­vas“ nann­te, die­se Fra­ge nicht exis­tier­te und dass jahr­zehn­te­lang das Zei­chen die­ser Bewe­gung das von einer Kro­ne umge­be­ne Kreuz war, wie fol­gen­de Abbil­dung aus dem Titel­blatt des Wacht­turms vom Janu­ar 1904 zeigt:

Logo Bibelforscher WT1904

Den Zeu­gen Jeho­vas ist zuzu­stim­men, dass das Wort stau­rós im klas­si­schen Grie­chisch seit Homer einen „auf­recht ste­hen­den spit­zen Pfahl“[52] bedeu­te­te. Da Jesus aber von einem römi­schen Gericht zum Tode ver­ur­teilt wur­de und die­ses Urteil durch römi­sche Sol­da­ten exe­ku­tiert wur­de, stellt sich die Fra­ge nicht so sehr nach dem klas­sisch grie­chi­schen Wort­ge­brauch, son­dern nach der römi­schen Hinrichtungspraxis.

Laut Wal­ter Bau­er erwähnt im 2. Jahr­hun­dert nach Chris­tus Artem­ido­ros 2,53, dass am obe­ren Ende des senk­rech­ten Pfahls häu­fig ein Quer­bal­ken befes­tigt war. Detail­lier­te Infor­ma­ti­on über den Vor­gang die­ser schreck­li­chen Todes­stra­fe fin­det man im Wiki­pe­dia-Arti­kel zum The­ma Kreu­zi­gung und auch im Arti­kel Crux in Pau­lys Rea­len­cy­clo­pä­die der clas­si­schen Alter­tums­wis­sen­schaft. Auch der Fund eines Fer­sen­kno­chens eines im 1. Jahr­hun­dert in Paläs­ti­na (Giv-at ha-Miv­tar) gekreu­zig­ten Juden spricht dafür, dass die Römer im ers­ten Jahr­hun­dert die Kreu­ze mit einem Quer­bal­ken ver­wen­det haben. Fer­ner zeigt das 1856 in Rom gefun­de­ne Spott­kru­zi­fix vom Pala­tin aus dem 2./3. Jahr­hun­dert, in dem ver­mut­lich der christ­li­che Skla­ve Alex­amenos dafür ver­spot­tet wird, dass er einen Gekreu­zig­ten, der hier mit einem Esel­s­kopf dar­ge­stellt wird, als Gott anbe­tet, dass es Kreu­ze mit Quer­bal­ken gab und Chris­ten für die Ver­eh­rung eines Gekreu­zig­ten ver­spot­tet wur­den.[53] Auch wenn die NWÜ eine aus einem Werk aus dem 17. Jahr­hun­dert stam­men­de Dar­stel­lung einer „crux sim­plex“ zeigt,[54] ist die Ansicht, dass Jesus an einem Mar­ter­pfahl hin­ge­rich­tet wur­de, his­to­risch und archäo­lo­gisch betrach­tet heu­te nicht mehr vertretbar.

Auch aus früh­christ­li­chen Schrif­ten geht ein­deu­tig her­vor, dass damals das Kreuz nicht als ein­fa­cher Bal­ken auf­ge­fasst wur­de. Bei­spie­le dafür fin­den sich in:
Bar­na­bas­brief 9,8: Hier wird das Kreuz mit dem grie­chi­schen Buch­sta­ben Tau verglichen.
Bar­na­bas­brief 12,2: Hier wird der die Arme aus­brei­ten­de Mose mit dem Kreuz verglichen.
Igna­ti­us an die Tral­lia­ner 11,2: Spricht von den „Ästen des Kreuzes“.
Jus­tin, 1. Apo­lo­gie 35: […] wohl aber hat Jesus Chris­tus sei­ne Hän­de aus­brei­ten müs­sen, als er von den Juden gekreu­zigt wur­de […]
Jus­tin, 1. Apo­lo­gie 60: Ver­gleicht das Kreuz mit einem Chi.
Wei­te­re Hin­wei­se, die wir hier nicht detail­liert anfüh­ren, fin­den sich auch in den Schrif­ten von Tertullian.

Auch die bibli­schen Berich­te unter­stüt­zen die Annah­me, dass Jesus an ein Kreuz geschla­gen wur­de und nicht an einen Marterpfahl.

Johan­nes 19,17 (eben­so die Par­al­le­len in den syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en) spricht davon, dass Jesus sein Kreuz selbst getra­gen hat. Es legt sich hier nahe, dass Jesus nur den Quer­bal­ken, das soge­nann­te Pati­bu­lum, tra­gen muss­te, als den „Mar­ter­pfahl“, wie die NWÜ schreibt. Ein Pfahl, der so groß und trag­fä­hig sein muss­te, dass er einen Men­schen tra­gen kann, kann schon von einem gesun­den Men­schen nur mit Mühe getra­gen wer­den. Wie hät­te das der durch die Gei­ße­lung geschwäch­te Jesus auch nur ein klei­nes Stück weit schaf­fen sollen?

Mat­thä­us 27,37 (NWÜ): Auch brach­ten sie über sei­nem Haupt die Inschrift über die gegen ihn erho­be­ne Beschul­di­gung an: „Die­ser ist Jesus, der König der Juden.“

Wenn Jesus an einen Mar­ter­pfahl mit sei­nen Hän­den über sei­nem Haupt ange­na­gelt wor­den wäre, wür­de da nicht eher ste­hen, dass die Inschrift über sei­nen Hän­den ange­bracht wurde?

Johan­nes 20,25 (NWÜ): Infol­ge­des­sen sag­ten die ande­ren Jün­ger zu ihm: „Wir haben den Herrn gese­hen!“ Er aber sprach zu ihnen: „Wenn ich nicht in sei­nen Hän­den die Spur der Nägel sehe und mei­nen Fin­ger in die Spur der Nägel lege und mei­ne Hand in sei­ne Sei­te lege, will ich es bestimmt nicht glauben.“

Tho­mas spricht hier von der „Spur der Nägel“, nicht „des Nagels“. Wäre Jesus so, wie häu­fig in Publi­ka­tio­nen der Zeu­gen Jeho­vas dar­ge­stellt, mit bei­den Hän­den über sei­nem Haupt ange­na­gelt wor­den, wären bei­de Hän­de von einem ein­zi­gen Nagel durch­bohrt worden.

Zusam­men­fas­send kön­nen wir fest­stel­len, dass weder die Bibel noch außer­bi­bli­sche Zeug­nis­se für die Auf­fas­sung der Zeu­gen Jeho­vas spre­chen, dass Jesus an einem Mar­ter­pfahl gestor­ben sei und dass wir daher ande­re Grün­de im Hin­ter­grund ver­mu­ten dür­fen, wenn die NWÜ stau­rós mit „Mar­ter­pfahl“ wie­der­gibt. Die­se Wie­der­ga­be kann nicht durch den von ihnen ange­führ­ten Grund „Wir möch­ten dem geschrie­be­nen Wort Got­tes nichts hin­zu­fü­gen, indem wir den heid­ni­schen Begriff „Kreuz“ in die inspi­rier­ten Schrif­ten auf­neh­men wür­den […]“ gerecht­fer­tigt wer­den, son­dern ent­sprang viel­leicht dem Wunsch, sich durch etwas Beson­de­res von allen ande­ren sich christ­lich nen­nen­de Grup­pie­run­gen zu unter­schei­den. In heid­ni­schen Reli­gio­nen fin­den wir nicht nur das Kreuz als Sym­bol. Es wur­den in heid­ni­schen Kul­ten auch ein­fa­che auf­recht ste­hen­de Pfäh­le ver­wen­det.[55]

7.9 Will Gott das Heil aller oder „aller Arten von“ Menschen?

Johan­nes 1,7.9:
NWÜ: Die­ser kam zu einem Zeug­nis, um Zeug­nis von dem Licht abzu­le­gen, damit durch ihn Men­schen von allen Arten zum Glau­ben kämen. […] 9 Das wah­re Licht, das jeder Art von Men­schen Licht gibt, war im Begriff, in die Welt zu kommen.

KIT:Joh1_79

ELB: Die­ser kam zum Zeug­nis, dass er zeug­te von dem Licht, damit alle durch ihn glaub­ten. […] 9 Das war das wahr­haf­ti­ge Licht, das, in die Welt kom­mend, jeden Men­schen erleuchtet.

Johan­nes 12,32:
NWÜ: Und doch wer­de ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, Men­schen von allen Arten zu mir ziehen.

KIT:Joh12_32

ELB: Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, wer­de alle zu mir ziehen.

1. Timo­theus 2,4:
NWÜ: […] des­sen Wil­le es ist, daß alle Arten von Men­schen geret­tet wer­den und zu einer genau­en Erkennt­nis der Wahr­heit kommen.

KIT:1Tim2_4

ELB: […] wel­cher will, dass alle Men­schen geret­tet wer­den und zur Erkennt­nis der Wahr­heit kommen.

Wei­te­re Stel­len mit der­sel­ben Wie­der­ga­be: 1. Timo­theus 2,1; 4,10; Titus 2,11.

Ein Blick auf die KIT zeigt, dass das grie­chi­sche Wort pás (hier in den For­men pán­tes, pán­ta und pán­tas) im Inter­li­ne­ar­text mit „all“ und „every“ wie­der­ge­ge­ben wird, was auch der Elber­fel­der Über­set­zung „alle“ und „jeder“ ent­spricht, von der NWÜ sowohl im Eng­li­schen als auch im Deut­schen ganz anders wie­der­ge­ge­ben wird. Aus „allen“ wird „alle Arten von“.

Nun kann die­ses Wort im gege­be­nen Zusam­men­hang auch die Bedeu­tung “alle Arten von” haben, wie etwa in Lukas 11,42 “alles Kraut” im Sin­ne von “allen Arten von Kräu­tern”. In den drei oben ange­führ­ten Stel­len geht es aber um die Uni­ver­sa­li­tät des Rufes Jesu und des Wir­kens sei­ner Erlö­sungs­tat auf alle Men­schen. Wenn Gott nicht alle Men­schen ret­ten will, son­dern nur “alle Arten von Men­schen”, so führt das zu einer völ­lig ande­ren Aus­sa­ge über Gott. Des­we­gen hat bereits Augus­ti­nus in Ver­tei­di­gung sei­ner Prä­de­sti­na­ti­ons­leh­re 1. Timo­theus 2,4 als von “allen Arten von Men­schen” spre­chend ver­stan­den.[56]

Nach unse­rem Wis­sen ver­tritt die Wacht­turm­ge­sell­schaft die Leh­re der Prä­de­sti­na­ti­on nicht. Den­noch wird aus der trau­ri­gen Tat­sa­che, dass nicht alle Men­schen das Heils­an­ge­bot Got­tes anneh­men, der Schluss gezo­gen, dass es nicht „Got­tes Wil­le oder Absicht ist, dass alle Men­schen geret­tet wer­den“.[57]

7.10 Sons­ti­ges

Mat­thä­us 5,3:
NWÜ: Glück­lich sind die, die sich ihrer geis­ti­gen Bedürf­nis­se bewußt sind, da das König­reich der Him­mel ihnen gehört.

KIT:Matt5_3

ELB: Glück­se­lig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.

Der Aus­druck „Arme im Geist“ drückt auch aus, dass wir uns „unse­rer geistlichen Bedürf­nis­se“ bewusst sein sol­len.[58] Es ist sehr wich­tig, dass wir uns ganz bewusst sind, wie sehr wir von Gott abhän­gen. Aber es geht Jesus um mehr. Es geht ihm dar­um, dass wir, vom Hei­li­gen Geist geführt, bewusst arm leben, dass wir uns nicht die Schät­ze die­ser Erde ansam­meln, son­dern ganz frei für Gott sind. Die­ser wich­ti­ge Aspekt geht in der inter­pre­tie­ren­den Wie­der­ga­be der NWÜ verloren.

1. Korin­ther 7,36–38:
NWÜ: Wenn aber jemand denkt, er ver­hal­te sich gegen­über sei­ner Jung­fräu­lich­keit unge­hö­rig, wenn die­se über die Blü­te der Jugend hin­aus­geht, und es auf die­se Wei­se gesche­hen soll­te, so tue er, was er will; er sün­digt nicht. Sie mögen hei­ra­ten. Wenn jemand aber in sei­nem Her­zen fest­steht, indem er kei­ne Not­wen­dig­keit emp­fin­det, son­dern über sei­nen eige­nen Wil­len Gewalt hat und die­se Ent­schei­dung in sei­nem eige­nen Her­zen getrof­fen hat, sei­ne Jung­fräu­lich­keit zu bewah­ren, wird er gut tun. Folg­lich tut auch der gut, der sei­ne Jung­fräu­lich­keit in den Ehe­stand gibt, wer sie aber nicht in den Ehe­stand gibt, wird bes­ser tun.

KIT:1Kor7_36

ELB: Wenn aber jemand denkt, er hand­le unge­zie­mend mit sei­ner Jung­frau, wenn er in der Voll­kraft steht, und es muss so gesche­hen, so tue er, was er will; er sün­digt nicht; sie sol­len hei­ra­ten. Wer aber im Her­zen fest­steht und kei­ne Not, son­dern Macht hat über sei­nen eige­nen Wil­len und dies in sei­nem Her­zen beschlos­sen hat, sei­ne Jung­frau zu bewah­ren, der han­delt gut. Also, wer sei­ne Jung­frau hei­ra­tet, han­delt gut, und wer sie nicht hei­ra­tet, wird bes­ser handeln.

Die­se Stel­le ist sicher nicht leicht zu ver­ste­hen.[59] Aber das recht­fer­tigt noch nicht die Abän­de­rung des Wor­tes „Jung­frau“ in „Jung­fräu­lich­keit“. Das grie­chi­sche Wort par­the­nos heißt „Jung­frau“.

8 Zum Abschluss

Wie bereits ein­gangs erwähnt, ist das Über­set­zen der Hei­li­gen Schrift kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be und mit einer gro­ßen Ver­ant­wor­tung ver­bun­den. Jeder auf­rich­ti­ge Über­set­zer ist in sei­ner Arbeit allein an den Text gebun­den. Es ist sei­ne Auf­ga­be, den Text unab­hän­gig von dog­ma­ti­schen Vor­ga­ben zu über­set­zen. Das Wort Got­tes soll die Basis der Leh­re sein, nicht umgekehrt.

Ich lege vor jeder­mann Zeug­nis ab, der die Wor­te der Pro­phe­zei­ung die­ser Buchrol­le hört: Wenn jemand einen Zusatz zu die­sen Din­gen macht, wird Gott ihm die Pla­gen hin­zu­fü­gen, die in die­ser Buchrol­le geschrie­ben ste­hen; und wenn jemand irgend etwas von den Wor­ten der Buchrol­le die­ser Pro­phe­zei­ung weg­nimmt, wird Gott des­sen Teil von den Bäu­men des Lebens und aus der hei­li­gen Stadt weg­neh­men, Din­ge, die in die­ser Buchrol­le geschrie­ben ste­hen. (Offen­ba­rung 22,18–19 NWÜ)

Lei­der haben die Über­set­zer der NWÜ die­se War­nung nicht immer ernst genommen.

Wir wol­len daher alle Men­schen, die auf­rich­tig nach der Wahr­heit suchen, dazu ermun­tern, jede reli­giö­se Grup­pie­rung nach dem Wort Got­tes zu beurteilen.

Jün­ger Jesu han­deln nach fol­gen­dem Grund­satz, den Pau­lus an die Korin­ther geschrie­ben hat. Sie sind bereit, sich von jeder­mann durch das Gewis­sen vor Gott prü­fen zu lassen.

Dar­um, da wir die­sen Dienst haben, weil wir ja Erbar­men gefun­den haben, ermat­ten wir nicht; son­dern wir haben den gehei­men Din­gen, deren man sich schä­men muss, ent­sagt und wan­deln nicht in Arg­list, noch ver­fäl­schen wir das Wort Got­tes, son­dern durch die Offen­ba­rung der Wahr­heit emp­feh­len wir uns jedem Gewis­sen der Men­schen vor Gott. (2. Korin­ther 4,1–2)


Fußnoten

  1. Damit sind die Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments gemeint.
  2. Wir ver­wen­den die Aus­ga­be der Neu­en-Welt-Über­set­zung in der deut­schen Über­set­zung von 1986, basie­rend auf der eng­li­schen Ver­si­on von 1984. Wäh­rend der Arbeit an die­ser Abhand­lung erschien im Okto­ber 2013 eine neue Revi­si­on der eng­li­schen New-World-Trans­la­ti­on, die wir zu Über­prü­fungs­zwe­cken her­an­ge­zo­gen haben.
  3. Neue-Welt-Über­set­zung der Hei­li­gen Schrift, Revi­diert 1986, Vor­wort, S. 5.
  4. Wir ver­wen­den die Aus­ga­be von 1985; spä­ter wur­de sie nicht mehr gedruckt.
  5. In der Aus­ga­be von 2013: „inspi­red word“ („inspi­rier­tes Wort).
  6. Wal­ter Bau­er, Grie­chisch-deut­sches Wör­ter­buch zu den Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments und der früh­christ­li­chen Lite­ra­tur, 6. Auf­la­ge, Ber­lin 1988, Sp. 892.
  7. In Zion’s Watch Tower vom Novem­ber 1879, S. 48 schrieb C. T. Rus­sell aber noch ein­deu­tig: Micha­el ist nicht der Sohn Gottes.
  8. Ver­glei­che dazu: Ein­sich­ten über die Hei­li­ge Schrift, Band 2, Sei­te 351–352; Was lehrt die Bibel wirk­lich, 2005, S. 218–219; Wer ist Jesus Christus?
  9. Mehr zur Fra­ge der Gott­heit Jesu ist in einer eige­nen Abhand­lung nachzulesen.
  10. Elber­fel­der Fuß­no­te dazu: o. Anfän­ger, Urhe­ber, Begründer.
  11. In ELB sel­be Fuß­no­te wie bei 3,15.
  12. Hier fin­det sich aller­dings die Fuß­no­te: Wtl.: „Ober­an­füh­rer (Haupt­an­füh­rer)“, Gr.: archē­gón.
  13. Bau­er, Sp. 225.
  14. So die Ein­heits­über­set­zung in Apos­tel­ge­schich­te 3,15.
  15. Bau­er, Sp. 50.
  16. Die eng­li­sche Aus­ga­be von 2013 merkt in der Fuß­no­te an: Or „was divi­ne“ (war göttlich).
  17. Zumin­dest im Deut­schen, wo Sub­stan­ti­ve groß geschrie­ben wer­den müs­sen. Im Eng­li­schen wird „god“ in „the only-begot­ten god“ mit klei­nem Anfangs­buch­sta­ben geschrie­ben. Da das im Deut­schen nicht mög­lich ist, wird das Wort Gott, wo es sich auf den Vater bezieht, des­halb nur mit Groß­buch­sta­ben geschrie­ben, um den Gedan­ken, dass Vater und Sohn das­sel­be Wesen haben könn­ten, abzuwehren.
  18. Ver­glei­che die Ein­heits­über­set­zung: Der Ein­zi­ge, der Gott ist und am Her­zen des Vaters ruht, er hat Kun­de gebracht.
  19. Eine umfang­rei­che eng­lisch­spra­chi­ge Dis­kus­si­on zur Über­set­zung von Johan­nes 8,58 ist unter foran­ans­wer abrufbar.
  20. Ein Adver­bi­al­satz ist ein Glied­satz, der den Umstand (wie hier die Zeit) angibt, unter dem das Gesche­hen im Haupt­satz verläuft.
  21. Im Nor­mal­fall eines PPA müss­te die For­mu­lie­rung etwa so lau­ten: Seit Abra­ham wurde […].
  22. Der eng­li­sche Text ist unter New Advent zu fin­den. „Aber war­um sag­te er nicht ‚Bevor Abra­ham war, war ich.‘ statt ‚bin ich‘? So wie der Vater die­sen Aus­druck ‘Ich bin’ ver­wen­det, so auch Chris­tus, denn es bezeich­net bestän­di­ges Sein, unab­hän­gig von aller Zeit.“
  23. Die Aria­ner lehn­ten die Leh­re von der gött­li­chen Natur Jesu Chris­ti ab.
  24. Wul­fi­la.
  25. Mög­lich wäre, dass Jesus eine For­mu­lie­rung ver­wen­det hat, die die jüdi­schen Geg­ner an die Wor­te Got­tes an Mose in Exodus 3,14 Ich bin der ich bin (ELB) oder Ich wer­de mich erwei­sen, als was ich mich erwei­sen wer­de (NWÜ) erin­nert hat. Eine ande­re Mög­lich­keit wäre, dass Jesus die For­mu­lie­rung ani hu (wört­lich: „ich er“) ver­wen­det hat, wie wir sie in Jesa­ja 43,10 fin­den, wo wir in der schon vor Chris­tus ent­stan­de­nen grie­chi­schen Über­set­zung, der Sep­tuag­in­ta, die­sel­ben Wor­te ego eimi wie in Johan­nes 8,58 fin­den: Ihr seid mei­ne Zeu­gen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und mir glaubt und ein­seht, dass ich es bin. Vor mir wur­de kein Gott gebil­det, und nach mir wird kei­ner sein.
  26. In der eng­li­schen Aus­ga­be von 2013 wur­den hier die ecki­gen Klam­mern entfernt.
  27. Schlach­ter 2000 merkt an: w. der Erst­ge­bo­re­ne aller Schöp­fung; d. h., Chris­tus hat den Vor­rang gegen­über der gan­zen Schöpfung.
  28. Anre­de­fall.
  29. Die Form adon­aj wur­de nur für Gott ver­wen­det, wäh­rend adon das all­ge­mei­ne­re Wort für „Herr“ war und sich auch auf ande­re bezie­hen konnte.
  30. Jüdi­sche Gelehrte.
  31. Die Form „Jeho­va“ wird auf den Domi­ni­ka­ner Ray­mun­dus Mar­ti­nus (1220–1285) zurückgeführt.
  32. Die vier Buch­sta­ben JHWH.
  33. Ver­glei­che dazu: Albert Pie­ters­ma, “Kyri­os or Tetra­gram: A Rene­wed Quest for the Ori­gi­nal Sep­tuag­int” in De Sep­tuag­in­ta. Stu­dies in Honour of John W. Wevers on His Six­ty-Fifth Bir­th­day, ed. Albert Pie­ters­ma and Clau­de Cox (Mis­sissau­ga: Ben­ben Publishers, 1984), 85–101. Der Autor bringt Argu­men­te, dass die Exis­tenz von Sep­tuag­in­ta-Hand­schrif­ten, in denen der Got­tes­na­me mit hebräi­schen Buch­sta­ben ein­ge­fügt wur­de, nicht bedeu­tet, dass es auch in der ursprüng­li­chen Sep­tuag­in­ta so war. Er geht auf die Frag­men­te im Detail ein und beschäf­tigt sich mit der Art, wie kyri­os in den Sep­tuag­in­ta­tex­ten ver­wen­det wird.
  34. Im Anhang ihrer Stu­di­en­bi­bel heißt es: Irgend­wann wäh­rend des zwei­ten oder drit­ten Jahr­hun­derts u. Z. ent­fern­ten die Abschrei­ber das Tetra­gram­ma­ton sowohl aus der Sep­tuag­in­ta als auch aus den Christ­li­chen Grie­chi­schen Schrif­ten und ersetz­ten es durch Kýri­os, „Herr“, oder Theós, „Gott“. – Nun gibt es aber aus die­sem Zeit­raum sowohl Hand­schrif­ten mit neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­ten als auch außer­bi­bli­sche Tex­te von Autoren, die das Neue Tes­ta­ment zitie­ren. Papy­rus 66 stammt aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert und ent­hält fast das kom­plet­te Johan­nes­evan­ge­li­um, Papy­rus 46 ver­mut­lich auch noch aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert ent­hält fast alle Pau­lus­brie­fe. In kei­ner die­ser Hand­schrif­ten fin­det sich auch nur eine Spur von „Jeho­va“.
  35. Sie­he dazu Punkt 7.6 die­ser Ausarbeitung.
  36. Fuß­no­te in der NWÜ: Od.: „anrief“, „bete­te“.
  37. Was lehrt die Bibel wirk­lich? Kapi­tel 6.
  38. Es stellt sich hier auf dem Hin­ter­grund der von den Zeu­gen Jeho­vas gelehr­ten unter­schied­li­chen Jen­seits­hoff­nun­gen die Fra­ge, wo Jesus denn nun sein wer­de, im Him­mel oder im Para­dies auf der Erde.
  39. Bei Johan­nes: „Wahr­lich, wahr­lich ich sage dir/euch […]“
  40. Bau­er, Sp. 896.
  41. Bau­er, Sp. 403.
  42. Die Ver­si­on der NWÜ „daß der Glau­be ohne Wer­ke untä­tig ist“ ist eine Tau­to­lo­gie. Die eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat daher abge­än­dert auf: „use­l­ess“ („nutz­los“).
  43. Die neue eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat hier die Tra­di­ti­on gebro­chen und über­setzt: […] their coming to know you […]
  44. Die­ser Name wur­de erst 1931, also 15 Jah­re nach Rus­sells Tod angenommen.
  45. Die Berech­nung die­ses Jah­res aus Dani­el 4 geht auf Rus­sell zurück, so auch im Wacht­turm vom Janu­ar 1904. Rus­sell hat das aber nicht als Beginn der Gegen­wart Jesu betrach­tet, son­dern als Ende der Herr­schaft der Natio­nen. Die heu­te übli­che Berech­nung des Jah­res 1914 wird etwa im Kapi­tel „1914 — ein bedeut­sa­mes Jahr in der bibli­schen Pro­phe­tie“ des 2005 erschie­nen Büch­leins „Was lehrt die Bibel wirk­lich“, S. 216–218 dar­ge­legt. Die dort vor­ge­stell­te Berech­nung weist fol­gen­de Män­gel auf: 1. Apos­tel­ge­schich­te 1,7: Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zei­ten oder Zeit­punk­te zu wis­sen, die der Vater in sei­ner eige­nen Voll­macht fest­ge­setzt hat. Die­ses Wort Jesu soll­te Grund genug sein, jede Art von Berech­nung abzu­leh­nen. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei­en noch fol­gen­de wei­te­re Grün­de genannt: 2. In Dani­el 4 geht es nicht um die Wie­der­kunft oder Gegen­wart Jesu, son­dern um die Ernied­ri­gung und Erhö­hung Nebu­kad­nez­zars. Das Argu­ment, dass Bäu­me in der Bibel oft ein Sinn­bild für Herr­schaft sind, bedeu­tet noch lan­ge nicht, dass es hier um die Herr­schaft der Köni­ge von Isra­el geht. Der Zusam­men­hang spricht ja von der Herr­schaft Nebu­kad­nez­zars. 3. Im Rah­men von Dani­el 4 sind die „sie­ben Zei­ten“ auf sie­ben Jah­re Nebu­kad­nez­zars zu bezie­hen. Es gibt kei­ne stich­hal­ti­ge Begrün­dung, dass mit den „sie­ben Zei­ten“ von Dani­el 4,16 genau die dop­pel­te Men­ge von Offen­ba­rung 12,6.14 gemeint sein soll. 4. Wenn man schon Offen­ba­rung 12,6.14 her­an­zieht, dann geht es dort um drei­ein­halb Jah­re einer Ver­fol­gung. Die Regel „ein Tag für ein Jahr“, die Jeho­vas Zeu­gen aus den völ­lig ande­ren Zusam­men­hän­gen von Nume­ri 14,34 bzw. Eze­chi­el 4,6 ent­neh­men, wird hier nur auf­grund einer will­kür­li­chen Annah­me ver­wen­det. 5. Der Aus­gangs­punkt der Berech­nung, näm­lich die Annah­me der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems durch Nebu­kad­nez­zar im Jah­re 607 v. Chr., ist unhis­to­risch. Nach Annah­me aller nam­haf­ter Exper­ten wur­de Jeru­sa­lem nicht 607, son­dern 587 oder 586 von den Baby­lo­ni­ern zer­stört. Für die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems im Jah­re 607 v. Chr. gibt es weder in der Bibel noch in außer­bi­bli­schen Schrif­ten ernst­haf­te Argu­men­te. An die­ser schon an sich dem Wil­len Got­tes wider­spre­chen­den Aus­le­gung ist also alles falsch, was nur falsch sein kann.
  46. So in der deutsch­spra­chi­gen Aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 1904, Sei­te 8.
  47. Inzwi­schen sind noch eini­ge wei­te­re Ter­mi­ne (1925, 1975) ver­flos­sen. 1995 wur­de die jahr­zehn­te­lang ver­kün­de­te Erwar­tung, dass das irdi­sche Para­dies inner­halb einer Gene­ra­ti­on nach 1914 sicht­bar wer­de, not­ge­drun­gen auf­ge­ge­ben. Die Stu­di­en­aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 2014 stellt trotz­dem vol­ler Zweck­op­ti­mis­mus fest: Die begeis­tern­den Ereig­nis­se in den 100 Jah­ren König­reichs­herr­schaft sind ein Beweis dafür, dass Jeho­va alles im Griff hat und sein Vor­ha­ben mit der Erde ver­wirk­licht. Blei­ben wir ihm treu unter­tan und ver­kün­den wir den König und sein König­reich. Ver­trau­en wir dabei völ­lig dar­auf, dass Jeho­va unse­re auf­rich­ti­ge Bit­te erhört: „Dein König­reich komme“!  Gott hat tat­säch­lich alles im Griff. Aber meint der Wacht­turm mit den „begeis­tern­den Ereig­nis­sen“ die Serie von nicht ein­ge­trof­fe­nen Berechnungen?
  48. Rus­sell führ­te in sei­nem oben erwähn­ten Erst­lings­buch die­se Stel­le noch mit der For­mu­lie­rung „Lo, I am with you always, even unto the end of the world.“ (Sie­he, ich bin immer bei euch, bis zum Ende der Welt) als Argu­ment dafür an, dass Chris­tus immer mit sei­nem Geist anwe­send war, dass sei­ne unsicht­ba­re Gegen­wart aber mit sei­nem geist­li­chen Leib sein wer­de. Da für Rus­sell der auf­er­stan­de­ne Jesus aber nicht mehr Mensch war, son­dern ein Geist­we­sen, stellt sich die Fra­ge, wor­in der Unter­schied zwi­schen dem geist­li­chen Leib Chris­ti und sei­nem Geist besteht.
  49. Die prä­sen­ti­sche For­mu­lie­rung zeigt, dass das Lamm schon zur Zeit der Nie­der­schrift des Buches König war, nicht erst seit 1914.
  50. In der 6. Auf­la­ge in Spal­te 1272.
  51. Inter­es­sant ist die Bemer­kung von Charles T. Rus­sell im deut­schen Wacht­turm vom Janu­ar 1904 zur Par­al­lel­stel­le in Mar­kus 13,32: […] wenn die­se Stel­le sagen soll, dass kein Mensch je die Zeit und die Stun­de wis­sen wer­de, so muß sie gleich­falls bedeu­ten, daß es kein Engel je wis­sen wird und auch der Sohn selbst nicht. Das wäre offen­bar eine alber­ne Aus­le­gung die­ser Stel­le. Wohl hat der Sohn Got­tes nicht die Zeit gewußt, als er die­sen Aus­spruch tat, noch irgend ein Engel oder Mensch; aber sicher­lich muß­te der Sohn die Zeit und Stun­de sei­nes eige­nen zwei­ten Adven­tes wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben wis­sen, und eben­so die Engel. Und die wah­ren Kin­der Got­tes sol­len, wie wir oben gese­hen, wachen, damit auch sie zu sei­ner Zeit „wis­sen“ mögen und nicht mit der Welt im Fins­tern, in Unwis­sen­heit sei­en. Jesus wuss­te den Zeit­punkt sei­nes zwei­ten Kom­mens nicht erst „wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben“, son­dern bei sei­ner Ver­herr­li­chung nach sei­ner Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt. Herr Rus­sell wuss­te es jeden­falls nicht, auch wenn er sich sei­ner Berech­nun­gen ganz sicher war. Kei­ner der heu­ti­gen Zeu­gen Jeho­vas glaubt sei­nem Datum des Beginns der unsicht­ba­ren Gegen­wart Jesu im Jah­re 1874. Rus­sell schreibt im sel­ben Wacht­turm: Nach unse­rem Ver­ständ­nis gibt es star­ke Bewei­se dafür, dass die Paru­sia des Herrn im Herbst 1874 begann. Mit dem natür­li­chen Auge haben wir davon nichts gese­hen; nur mit dem Auge des Ver­ständ­nis­ses, und auch das nur im Licht des „fes­ten pro­phe­ti­schen Wor­tes“, dem wir auf­rich­tig glau­ben und vertrauen […]
  52. So auch nach Bau­ers Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment, Sp. 1527.
  53. Die­se Dar­stel­lung beweist natür­lich nicht, dass im 2./3. Jahr­hun­dert Kreu­ze als Gegen­stän­de reli­giö­ser Ver­eh­rung ver­wen­det wur­den. Sie zeigt nur, wie im heid­ni­schen Umfeld das Chris­ten­tum ver­stan­den wur­de, näm­lich dass die Chris­ten einen Gekreu­zig­ten gött­lich ver­eh­ren, was die Hei­den auf einer Stu­fe mit der Ver­eh­rung eines Esels gese­hen haben.
  54. Es ist aber dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Jus­tus Lip­si­us in sei­nem Werk „De Cruce Libri Tres“ in der von den Zeu­gen Jeho­vas wie­der­ge­ge­be­nen Abbil­dung der „crux sim­plex“ NICHT die Kreu­zi­gung Jesu dar­stel­len woll­te. Das latei­nisch ver­fass­te Werk ist im Inter­net abruf­bar. Dort, wo es um die Kreu­zi­gung Jesu geht, bleibt auch Lip­si­us bei der übli­chen Kreuz­form. Lei­der kann sich Lip­si­us im Nach­hin­ein gegen den Miss­brauch sei­nes Wer­kes nicht mehr wehren.
  55. Sie­he dazu den Arti­kel „Hei­li­ger Pfahl“ in der Publi­ka­ti­on Ein­sich­ten in die Hei­li­ge Schrift, Band 1, S. 1106–1107.
  56. Augus­ti­nus, De cor­rep­tio­ne et gra­tia, 14,44.
  57. Aus einem Schrei­ben von Jeho­vas Zeu­gen, Zweig­bü­ro Zen­tral­eu­ro­pa vom 22.10.2015: Obwohl Jeho­va wün­schen mag, dass alle Men­schen zu einer genau­en Erkennt­nis der Wahr­heit kom­men und erret­tet wer­den, so weiß er den­noch, dass dies nicht der Fall sein wird […] In 1. Timo­theus 2:4 ist somit nicht gemeint, dass es Got­tes Wil­le oder Absicht ist, dass alle Men­schen geret­tet werden.
  58. Geistige Bedürf­nis­se bezie­hen sich doch wohl eher auf die intel­lek­tu­el­len Bedürf­nis­se, die wir haben. Jesus will doch nicht sagen, dass wir uns wei­ter­bil­den sol­len. Hier lag der Feh­ler aber beim Über­set­zer ins Deut­sche. Das Eng­li­sche hat kor­rekt „spi­ri­tu­al“.
  59. Wir beschäf­ti­gen uns in unse­rer Aus­ar­bei­tung über „Ehe und Ehe­lo­sig­keit im Lich­te der Bibel“ beson­ders auch in den Fuß­no­ten 8 und 9 näher mit die­ser Stelle.


Damit sind die Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments gemeint.

Wir ver­wen­den die Aus­ga­be der Neu­en-Welt-Über­set­zung in der deut­schen Über­set­zung von 1986, basie­rend auf der eng­li­schen Ver­si­on von 1984. Wäh­rend der Arbeit an die­ser Abhand­lung erschien im Okto­ber 2013 eine neue Revi­si­on der eng­li­schen New-World-Trans­la­ti­on, die wir zu Über­prü­fungs­zwe­cken her­an­ge­zo­gen haben.

Neue-Welt-Über­set­zung der Hei­li­gen Schrift, Revi­diert 1986, Vor­wort, S. 5.

Wir ver­wen­den die Aus­ga­be von 1985; spä­ter wur­de sie nicht mehr gedruckt.

In der Aus­ga­be von 2013: „inspi­red word“ („inspi­rier­tes Wort).

Wal­ter Bau­er, Grie­chisch-deut­sches Wör­ter­buch zu den Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments und der früh­christ­li­chen Lite­ra­tur, 6. Auf­la­ge, Ber­lin 1988, Sp. 892.

In Zion’s Watch Tower vom Novem­ber 1879, S. 48 schrieb C. T. Rus­sell aber noch ein­deu­tig: Micha­el ist nicht der Sohn Gottes.

Ver­glei­che dazu: Ein­sich­ten über die Hei­li­ge Schrift, Band 2, Sei­te 351–352; Was lehrt die Bibel wirk­lich, 2005, S. 218–219; Wer ist Jesus Christus?

Mehr zur Fra­ge der Gott­heit Jesu ist in einer eige­nen Abhand­lung nachzulesen.

Elber­fel­der Fuß­no­te dazu: o. Anfän­ger, Urhe­ber, Begründer.

In ELB sel­be Fuß­no­te wie bei 3,15.

Hier fin­det sich aller­dings die Fuß­no­te: Wtl.: „Ober­an­füh­rer (Haupt­an­füh­rer)“, Gr.: archē­gón.

Bau­er, Sp. 225.

So die Ein­heits­über­set­zung in Apos­tel­ge­schich­te 3,15.

Bau­er, Sp. 50.

Die eng­li­sche Aus­ga­be von 2013 merkt in der Fuß­no­te an: Or „was divi­ne“ (war göttlich).

Zumin­dest im Deut­schen, wo Sub­stan­ti­ve groß geschrie­ben wer­den müs­sen. Im Eng­li­schen wird „god“ in „the only-begot­ten god“ mit klei­nem Anfangs­buch­sta­ben geschrie­ben. Da das im Deut­schen nicht mög­lich ist, wird das Wort Gott, wo es sich auf den Vater bezieht, des­halb nur mit Groß­buch­sta­ben geschrie­ben, um den Gedan­ken, dass Vater und Sohn das­sel­be Wesen haben könn­ten, abzuwehren.

Ver­glei­che die Ein­heits­über­set­zung: Der Ein­zi­ge, der Gott ist und am Her­zen des Vaters ruht, er hat Kun­de gebracht.

Eine umfang­rei­che eng­lisch­spra­chi­ge Dis­kus­si­on zur Über­set­zung von Johan­nes 8,58 ist unter foran­ans­wer abrufbar.

Ein Adver­bi­al­satz ist ein Glied­satz, der den Umstand (wie hier die Zeit) angibt, unter dem das Gesche­hen im Haupt­satz verläuft.

Im Nor­mal­fall eines PPA müss­te die For­mu­lie­rung etwa so lau­ten: Seit Abra­ham wurde […].

Der eng­li­sche Text ist unter New Advent zu fin­den. „Aber war­um sag­te er nicht ‚Bevor Abra­ham war, war ich.‘ statt ‚bin ich‘? So wie der Vater die­sen Aus­druck ‘Ich bin’ ver­wen­det, so auch Chris­tus, denn es bezeich­net bestän­di­ges Sein, unab­hän­gig von aller Zeit.“

Die Aria­ner lehn­ten die Leh­re von der gött­li­chen Natur Jesu Chris­ti ab.

Wul­fi­la.

Mög­lich wäre, dass Jesus eine For­mu­lie­rung ver­wen­det hat, die die jüdi­schen Geg­ner an die Wor­te Got­tes an Mose in Exodus 3,14 Ich bin der ich bin (ELB) oder Ich wer­de mich erwei­sen, als was ich mich erwei­sen wer­de (NWÜ) erin­nert hat. Eine ande­re Mög­lich­keit wäre, dass Jesus die For­mu­lie­rung ani hu (wört­lich: „ich er“) ver­wen­det hat, wie wir sie in Jesa­ja 43,10 fin­den, wo wir in der schon vor Chris­tus ent­stan­de­nen grie­chi­schen Über­set­zung, der Sep­tuag­in­ta, die­sel­ben Wor­te ego eimi wie in Johan­nes 8,58 fin­den: Ihr seid mei­ne Zeu­gen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und mir glaubt und ein­seht, dass ich es bin. Vor mir wur­de kein Gott gebil­det, und nach mir wird kei­ner sein.

In der eng­li­schen Aus­ga­be von 2013 wur­den hier die ecki­gen Klam­mern entfernt.

Schlach­ter 2000 merkt an: w. der Erst­ge­bo­re­ne aller Schöp­fung; d. h., Chris­tus hat den Vor­rang gegen­über der gan­zen Schöpfung.

Anre­de­fall.

Die Form adon­aj wur­de nur für Gott ver­wen­det, wäh­rend adon das all­ge­mei­ne­re Wort für „Herr“ war und sich auch auf ande­re bezie­hen konnte.

Jüdi­sche Gelehrte.

Die Form „Jeho­va“ wird auf den Domi­ni­ka­ner Ray­mun­dus Mar­ti­nus (1220–1285) zurückgeführt.

Die vier Buch­sta­ben JHWH.

Ver­glei­che dazu: Albert Pie­ters­ma, “Kyri­os or Tetra­gram: A Rene­wed Quest for the Ori­gi­nal Sep­tuag­int” in De Sep­tuag­in­ta. Stu­dies in Honour of John W. Wevers on His Six­ty-Fifth Bir­th­day, ed. Albert Pie­ters­ma and Clau­de Cox (Mis­sissau­ga: Ben­ben Publishers, 1984), 85–101. Der Autor bringt Argu­men­te, dass die Exis­tenz von Sep­tuag­in­ta-Hand­schrif­ten, in denen der Got­tes­na­me mit hebräi­schen Buch­sta­ben ein­ge­fügt wur­de, nicht bedeu­tet, dass es auch in der ursprüng­li­chen Sep­tuag­in­ta so war. Er geht auf die Frag­men­te im Detail ein und beschäf­tigt sich mit der Art, wie kyri­os in den Sep­tuag­in­ta­tex­ten ver­wen­det wird.

Im Anhang ihrer Stu­di­en­bi­bel heißt es: Irgend­wann wäh­rend des zwei­ten oder drit­ten Jahr­hun­derts u. Z. ent­fern­ten die Abschrei­ber das Tetra­gram­ma­ton sowohl aus der Sep­tuag­in­ta als auch aus den Christ­li­chen Grie­chi­schen Schrif­ten und ersetz­ten es durch Kýri­os, „Herr“, oder Theós, „Gott“. – Nun gibt es aber aus die­sem Zeit­raum sowohl Hand­schrif­ten mit neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­ten als auch außer­bi­bli­sche Tex­te von Autoren, die das Neue Tes­ta­ment zitie­ren. Papy­rus 66 stammt aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert und ent­hält fast das kom­plet­te Johan­nes­evan­ge­li­um, Papy­rus 46 ver­mut­lich auch noch aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert ent­hält fast alle Pau­lus­brie­fe. In kei­ner die­ser Hand­schrif­ten fin­det sich auch nur eine Spur von „Jeho­va“.

Sie­he dazu Punkt 7.6 die­ser Ausarbeitung.

Fuß­no­te in der NWÜ: Od.: „anrief“, „bete­te“.

Was lehrt die Bibel wirk­lich? Kapi­tel 6.

Es stellt sich hier auf dem Hin­ter­grund der von den Zeu­gen Jeho­vas gelehr­ten unter­schied­li­chen Jen­seits­hoff­nun­gen die Fra­ge, wo Jesus denn nun sein wer­de, im Him­mel oder im Para­dies auf der Erde.

Bei Johan­nes: „Wahr­lich, wahr­lich ich sage dir/euch […]“

Bau­er, Sp. 896.

Bau­er, Sp. 403.

Die Ver­si­on der NWÜ „daß der Glau­be ohne Wer­ke untä­tig ist“ ist eine Tau­to­lo­gie. Die eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat daher abge­än­dert auf: „use­l­ess“ („nutz­los“).

Die neue eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat hier die Tra­di­ti­on gebro­chen und über­setzt: […] their coming to know you […]

Die­ser Name wur­de erst 1931, also 15 Jah­re nach Rus­sells Tod angenommen.

Die Berech­nung die­ses Jah­res aus Dani­el 4 geht auf Rus­sell zurück, so auch im Wacht­turm vom Janu­ar 1904. Rus­sell hat das aber nicht als Beginn der Gegen­wart Jesu betrach­tet, son­dern als Ende der Herr­schaft der Natio­nen. Die heu­te übli­che Berech­nung des Jah­res 1914 wird etwa im Kapi­tel „1914 — ein bedeut­sa­mes Jahr in der bibli­schen Pro­phe­tie“ des 2005 erschie­nen Büch­leins „Was lehrt die Bibel wirk­lich“, S. 216–218 dar­ge­legt. Die dort vor­ge­stell­te Berech­nung weist fol­gen­de Män­gel auf:
1. Apos­tel­ge­schich­te 1,7: Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zei­ten oder Zeit­punk­te zu wis­sen, die der Vater in sei­ner eige­nen Voll­macht fest­ge­setzt hat. Die­ses Wort Jesu soll­te Grund genug sein, jede Art von Berech­nung abzu­leh­nen. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei­en noch fol­gen­de wei­te­re Grün­de genannt:
2. In Dani­el 4 geht es nicht um die Wie­der­kunft oder Gegen­wart Jesu, son­dern um die Ernied­ri­gung und Erhö­hung Nebu­kad­nez­zars. Das Argu­ment, dass Bäu­me in der Bibel oft ein Sinn­bild für Herr­schaft sind, bedeu­tet noch lan­ge nicht, dass es hier um die Herr­schaft der Köni­ge von Isra­el geht. Der Zusam­men­hang spricht ja von der Herr­schaft Nebukadnezzars.
3. Im Rah­men von Dani­el 4 sind die „sie­ben Zei­ten“ auf sie­ben Jah­re Nebu­kad­nez­zars zu bezie­hen. Es gibt kei­ne stich­hal­ti­ge Begrün­dung, dass mit den „sie­ben Zei­ten“ von Dani­el 4,16 genau die dop­pel­te Men­ge von Offen­ba­rung 12,6.14 gemeint sein soll.
4. Wenn man schon Offen­ba­rung 12,6.14 her­an­zieht, dann geht es dort um drei­ein­halb Jah­re einer Ver­fol­gung. Die Regel „ein Tag für ein Jahr“, die Jeho­vas Zeu­gen aus den völ­lig ande­ren Zusam­men­hän­gen von Nume­ri 14,34 bzw. Eze­chi­el 4,6 ent­neh­men, wird hier nur auf­grund einer will­kür­li­chen Annah­me verwendet.
5. Der Aus­gangs­punkt der Berech­nung, näm­lich die Annah­me der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems durch Nebu­kad­nez­zar im Jah­re 607 v. Chr., ist unhis­to­risch. Nach Annah­me aller nam­haf­ter Exper­ten wur­de Jeru­sa­lem nicht 607, son­dern 587 oder 586 von den Baby­lo­ni­ern zer­stört. Für die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems im Jah­re 607 v. Chr. gibt es weder in der Bibel noch in außer­bi­bli­schen Schrif­ten ernst­haf­te Argumente.
An die­ser schon an sich dem Wil­len Got­tes wider­spre­chen­den Aus­le­gung ist also alles falsch, was nur falsch sein kann.

So in der deutsch­spra­chi­gen Aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 1904, Sei­te 8.

Inzwi­schen sind noch eini­ge wei­te­re Ter­mi­ne (1925, 1975) ver­flos­sen. 1995 wur­de die jahr­zehn­te­lang ver­kün­de­te Erwar­tung, dass das irdi­sche Para­dies inner­halb einer Gene­ra­ti­on nach 1914 sicht­bar wer­de, not­ge­drun­gen auf­ge­ge­ben. Die Stu­di­en­aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 2014 stellt trotz­dem vol­ler Zweck­op­ti­mis­mus fest: Die begeis­tern­den Ereig­nis­se in den 100 Jah­ren König­reichs­herr­schaft sind ein Beweis dafür, dass Jeho­va alles im Griff hat und sein Vor­ha­ben mit der Erde ver­wirk­licht. Blei­ben wir ihm treu unter­tan und ver­kün­den wir den König und sein König­reich. Ver­trau­en wir dabei völ­lig dar­auf, dass Jeho­va unse­re auf­rich­ti­ge Bit­te erhört: „Dein König­reich komme“! 
Gott hat tat­säch­lich alles im Griff. Aber meint der Wacht­turm mit den „begeis­tern­den Ereig­nis­sen“ die Serie von nicht ein­ge­trof­fe­nen Berechnungen?

Rus­sell führ­te in sei­nem oben erwähn­ten Erst­lings­buch die­se Stel­le noch mit der For­mu­lie­rung „Lo, I am with you always, even unto the end of the world.“ (Sie­he, ich bin immer bei euch, bis zum Ende der Welt) als Argu­ment dafür an, dass Chris­tus immer mit sei­nem Geist anwe­send war, dass sei­ne unsicht­ba­re Gegen­wart aber mit sei­nem geist­li­chen Leib sein wer­de. Da für Rus­sell der auf­er­stan­de­ne Jesus aber nicht mehr Mensch war, son­dern ein Geist­we­sen, stellt sich die Fra­ge, wor­in der Unter­schied zwi­schen dem geist­li­chen Leib Chris­ti und sei­nem Geist besteht.

Die prä­sen­ti­sche For­mu­lie­rung zeigt, dass das Lamm schon zur Zeit der Nie­der­schrift des Buches König war, nicht erst seit 1914.

In der 6. Auf­la­ge in Spal­te 1272.

Inter­es­sant ist die Bemer­kung von Charles T. Rus­sell im deut­schen Wacht­turm vom Janu­ar 1904 zur Par­al­lel­stel­le in Mar­kus 13,32: […] wenn die­se Stel­le sagen soll, dass kein Mensch je die Zeit und die Stun­de wis­sen wer­de, so muß sie gleich­falls bedeu­ten, daß es kein Engel je wis­sen wird und auch der Sohn selbst nicht. Das wäre offen­bar eine alber­ne Aus­le­gung die­ser Stel­le. Wohl hat der Sohn Got­tes nicht die Zeit gewußt, als er die­sen Aus­spruch tat, noch irgend ein Engel oder Mensch; aber sicher­lich muß­te der Sohn die Zeit und Stun­de sei­nes eige­nen zwei­ten Adven­tes wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben wis­sen, und eben­so die Engel. Und die wah­ren Kin­der Got­tes sol­len, wie wir oben gese­hen, wachen, damit auch sie zu sei­ner Zeit „wis­sen“ mögen und nicht mit der Welt im Fins­tern, in Unwis­sen­heit seien.
Jesus wuss­te den Zeit­punkt sei­nes zwei­ten Kom­mens nicht erst „wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben“, son­dern bei sei­ner Ver­herr­li­chung nach sei­ner Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt. Herr Rus­sell wuss­te es jeden­falls nicht, auch wenn er sich sei­ner Berech­nun­gen ganz sicher war. Kei­ner der heu­ti­gen Zeu­gen Jeho­vas glaubt sei­nem Datum des Beginns der unsicht­ba­ren Gegen­wart Jesu im Jah­re 1874. Rus­sell schreibt im sel­ben Wacht­turm: Nach unse­rem Ver­ständ­nis gibt es star­ke Bewei­se dafür, dass die Paru­sia des Herrn im Herbst 1874 begann. Mit dem natür­li­chen Auge haben wir davon nichts gese­hen; nur mit dem Auge des Ver­ständ­nis­ses, und auch das nur im Licht des „fes­ten pro­phe­ti­schen Wor­tes“, dem wir auf­rich­tig glau­ben und ver­trau­en […]

So auch nach Bau­ers Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment, Sp. 1527.

Die­se Dar­stel­lung beweist natür­lich nicht, dass im 2./3. Jahr­hun­dert Kreu­ze als Gegen­stän­de reli­giö­ser Ver­eh­rung ver­wen­det wur­den. Sie zeigt nur, wie im heid­ni­schen Umfeld das Chris­ten­tum ver­stan­den wur­de, näm­lich dass die Chris­ten einen Gekreu­zig­ten gött­lich ver­eh­ren, was die Hei­den auf einer Stu­fe mit der Ver­eh­rung eines Esels gese­hen haben.

Es ist aber dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Jus­tus Lip­si­us in sei­nem Werk „De Cruce Libri Tres“ in der von den Zeu­gen Jeho­vas wie­der­ge­ge­be­nen Abbil­dung der „crux sim­plex“ NICHT die Kreu­zi­gung Jesu dar­stel­len woll­te. Das latei­nisch ver­fass­te Werk ist im Inter­net abruf­bar. Dort, wo es um die Kreu­zi­gung Jesu geht, bleibt auch Lip­si­us bei der übli­chen Kreuz­form. Lei­der kann sich Lip­si­us im Nach­hin­ein gegen den Miss­brauch sei­nes Wer­kes nicht mehr wehren.

Sie­he dazu den Arti­kel „Hei­li­ger Pfahl“ in der Publi­ka­ti­on Ein­sich­ten in die Hei­li­ge Schrift, Band 1, S. 1106–1107.

Augus­ti­nus, De cor­rep­tio­ne et gra­tia, 14,44.

Aus einem Schrei­ben von Jeho­vas Zeu­gen, Zweig­bü­ro Zen­tral­eu­ro­pa vom 22.10.2015: Obwohl Jeho­va wün­schen mag, dass alle Men­schen zu einer genau­en Erkennt­nis der Wahr­heit kom­men und erret­tet wer­den, so weiß er den­noch, dass dies nicht der Fall sein wird […] In 1. Timo­theus 2:4 ist somit nicht gemeint, dass es Got­tes Wil­le oder Absicht ist, dass alle Men­schen geret­tet werden.

Geistige Bedürf­nis­se bezie­hen sich doch wohl eher auf die intel­lek­tu­el­len Bedürf­nis­se, die wir haben. Jesus will doch nicht sagen, dass wir uns wei­ter­bil­den sol­len. Hier lag der Feh­ler aber beim Über­set­zer ins Deut­sche. Das Eng­li­sche hat kor­rekt „spi­ri­tu­al“.

Wir beschäf­ti­gen uns in unse­rer Aus­ar­bei­tung über „Ehe und Ehe­lo­sig­keit im Lich­te der Bibel“ beson­ders auch in den Fuß­no­ten 8 und 9 näher mit die­ser Stelle.