Hat Gott Jesus am Kreuz verlassen?

Schlagwörter: Erlösung

Vie­le Men­schen den­ken heu­te im Zusam­men­hang mit der Erlö­sung, dass es für Gott unmög­lich sei, gerecht zu sein und zugleich Sün­den unge­straft zu las­sen. Da Gott uns, auf­grund sei­ner Lie­be zu uns, vor die­ser Stra­fe ret­ten woll­te, hät­te er statt uns sei­nen eige­nen Sohn bestraft, indem er ihn in der schwie­rigs­ten Situa­ti­on sei­nes Lebens – am Kreuz – ver­ließ, indem er ihn statt uns als Sün­der betrach­te­te. Die­se Auf­fas­sung über den Tod Jesu wur­de (mit Abwei­chun­gen) stark durch Mar­tin Luther[1] und Johan­nes Cal­vin[2] geprägt. Vie­le reli­giö­se Grup­pen erklä­ren die Erlö­sung in einer Ter­mi­no­lo­gie, die einer Gerichts­ver­hand­lung ent­spricht. Der Rich­ter ist ver­pflich­tet, sein Urteil nach den Geset­zen des Staa­tes zu fäl­len. Ein Frei­spruch bei einem schwe­ren Ver­bre­chen wäre eine Ver­let­zung des Rech­tes. Got­tes Gerech­tig­keit ist aber anders. Wenn ein Sün­der sei­ne Sün­den bereut, ver­langt Gott kei­ne Strafe.

Im Fol­gen­den möch­ten wir über eini­ge Bibel­stel­len nach­den­ken, die ange­führt wer­den, um zu zei­gen, dass Jesus am Kreuz von Gott ver­las­sen wor­den sei und als Stra­fe für unse­re Sün­den die Ver­damm­nis erfah­ren hätte.

Zwei Hände strecken sich zueinander aus, wie Gottes Hand sich nach dem Menschen ausstreckt.

1 Die letz­ten Wor­te Jesu am Kreuz

In Mat­thä­us und Mar­kus fin­den wir unter den letz­ten Wor­ten Jesu am Kreuz:

[…] Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich ver­las­sen? (Mat­thä­us 27,46b; ver­glei­che Mar­kus 15,34b)

Jesus zitier­te die­se Wor­te aus Psalm 22. Der Zusam­men­hang des gesam­ten Psalms hilft uns, den Inhalt sei­ner Wor­te zu ver­ste­hen. Am Anfang des Psalms (Vers 2) schreit der Psal­mist: „Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich ver­las­sen? Fern von mei­ner Ret­tung sind die Wor­te mei­nes Gestöhns.“ Er erin­nert sich an die Väter sei­nes Vol­kes, die auf wun­der­ba­re Wei­se Got­tes Hil­fe erfuh­ren: „Auf dich ver­trau­ten unse­re Väter; sie ver­trau­ten, und du ret­te­test sie.“ (Vers 5) Aber er hat­te die­se Erfah­rung noch nicht gemacht: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leu­te und ver­ach­tet vom Volk.“ (Vers 7) Er erfährt eine schwe­re Ver­fol­gung durch böse Men­schen: „Denn Hun­de haben mich umge­ben, eine Rot­te von Übel­tä­tern hat mich umzin­gelt. Sie haben mei­ne Hän­de und mei­ne Füße durch­gra­ben.“ (Vers 17) Er bit­tet Gott, ihn dar­aus zu erret­ten: „Erret­te vom Schwert mei­ne See­le, mei­ne ein­zi­ge aus der Gewalt des Hun­des.“ (Vers 21), und Gott hört sein Gebet: „Denn er hat nicht ver­ach­tet noch ver­ab­scheut das Elend des Elen­den, noch sein Ange­sicht vor ihm ver­bor­gen; und als er zu ihm schrie, hör­te er.“ (Vers 25) Der Psalm endet mit Got­tes Lob.

Im Zusam­men­hang des Psalms sehen wir,

In einer Situa­ti­on, in der es aus mensch­li­cher Sicht aus­sah, als ob Gott Jesus ver­las­sen hät­te, bete­te Jesus die­ses Gebet vol­ler Ver­trau­en auf Got­tes Errettung.

Das unver­dien­te Lei­den gerech­ter Men­schen ist ein The­ma, das in der Bibel immer wie­der vor­kommt. Jesus, als der voll­kom­men Gerech­te hat das Leid in Über­ein­stim­mung mit der Bot­schaft des Alten Tes­ta­men­tes erfah­ren. Jesus hat­te nicht mehr die kör­per­li­che Kraft, den gesam­ten Psalm zu zitie­ren, aber den Juden war der Zusam­men­hang sei­ner Wor­te bekannt. Jesus brach­te mit die­sen Wor­ten sei­ne Gerech­tig­keit und Zuver­sicht auf Got­tes Erret­tung zum Aus­druck. Das wird noch deut­li­cher, wenn wir die­se Wor­te mit Jesu letz­ten Wor­ten im Lukas­evan­ge­li­um ver­glei­chen, die vol­ler Zuver­sicht Gott gegen­über waren:

Und Jesus rief mit lau­ter Stim­me und sprach: Vater, in dei­ne Hän­de über­ge­be ich mei­nen Geist! (Lukas 23,46a)

Der Haupt­mann, der in der Nähe des Kreu­zes Jesu stand, und sah, wie er starb, bezeug­te über ihn:

Als aber der Haupt­mann, der ihm gegen­über dabei­stand, sah, dass er so ver­schied, sprach er: Wahr­haf­tig, die­ser Mensch war Got­tes Sohn! (Mar­kus 15,39)

Der Haupt­mann hät­te einen von Gott ver­las­se­nen Men­schen nicht als Sohn Got­tes erkannt. Wäre Jesus von Gott ver­las­sen wor­den, wäre er nicht zu die­sem Zeug­nis fähig gewe­sen. In der Par­al­lel­stel­le in Lukas bezeugt der Haupt­mann, dass Jesus gerecht war (Lukas 23,47). Das macht auch deut­lich, dass Jesus nicht als Sün­der starb, der von Gott ver­las­sen wurde.

Am Abend vor sei­nem Tod drück­te Jesus aus, dass ihn zwar sei­ne Jün­ger, nie­mals jedoch sein Vater ver­las­sen würde:

Sie­he, es kommt die Stun­de und ist gekom­men, dass ihr euch zer­streu­en wer­det, ein jeder in sei­ne Hei­mat und mich allein las­sen wer­det; doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. (Johan­nes 16,32)

2 Jesus trug unse­re Sünden

Jesus erfüll­te die­se pro­phe­ti­schen Wor­te aus dem Buch Jesaja:

Jedoch unse­re Lei­den – er hat sie getra­gen, und unse­re Schmer­zen – er hat sie auf sich gela­den. Wir aber, wir hiel­ten ihn für bestraft, von Gott geschla­gen und nie­der­ge­beugt. Doch er war durch­bohrt um unse­rer Ver­ge­hen wil­len, zer­schla­gen um unse­rer Sün­den wil­len. Die Stra­fe lag auf ihm zu unserm Frie­den, und durch sei­ne Strie­men ist uns Hei­lung gewor­den. (Jesa­ja 53,4–5)

Die­ser Text ist eine der vier „Got­tes­knechts­lie­der“ genann­ten Jesa­ja­pro­phe­ti­en (Jesa­ja 42,1–9; 49,1–13; 50,4–11; 52,13–53,12), in denen der Pro­phet den Mes­si­as „Knecht des Herrn (Got­tes­knecht)“ nennt. Schritt für Schritt wer­den der Cha­rak­ter und der Auf­trag des Knech­tes offen­bart. In dem oben zitier­ten vier­ten Got­tes­knechts­lied hören wir zum ers­ten Mal in der Bibel, dass der Mes­si­as unse­re Sün­den tra­gen wird. Die­ses Tra­gen der Sün­den der Men­schen bedeu­tet aber nicht, dass er von Gott geist­lich getrennt ist. Die Wor­te des Got­tes­knech­tes im drit­ten Lied zei­gen, dass Gott ihm auch in sei­nem Leid nahe ist:

Aber der Herr, HERR, hilft mir. Dar­um bin ich nicht zuschan­den gewor­den, dar­um habe ich mein Gesicht hart wie Kie­sel­stein gemacht. Ich habe erkannt, dass ich nicht beschämt wer­de. Nahe ist, der mir Recht schafft: Wer will mit mir einen Rechts­streit füh­ren? Lasst uns zusam­men hin­tre­ten! Wer ist mein Rechts­geg­ner? Er tre­te her zu mir! (Jesa­ja 50,7–8)

Von außen betrach­tet muss­te er in sei­nem Lei­den „für bestraft, von Gott geschla­gen und nie­der­ge­beugt“ (Jesa­ja 53,4) gehal­ten wer­den. Aber die Pro­phe­tie selbst offen­bart, dass die­se Aus­le­gung nicht stimmt. Gott ist nicht der­je­ni­ge, der zorn­er­füllt sei­nen Knecht zer­malmt, son­dern  er setzt ihn der Bos­heit der Men­schen aus, indem er ihn mit einem guten Ziel in eine ver­dor­be­ne Welt sen­det. Der nächs­te Vers drückt das in fol­gen­den Wor­ten aus:

Wir alle irr­ten umher wie Scha­fe, wir wand­ten uns jeder auf sei­nen eige­nen Weg; aber der HERR ließ ihn tref­fen unser aller Schuld. (Jesa­ja 53,6)

Unse­re Schuld wird nicht in magi­scher Wei­se von uns auf den Knecht über­tra­gen. Es gibt hier eine direk­te­re Aus­wir­kung der Sün­den der Men­schen auf den Knecht. Er kommt in unse­re Welt, um uns mit Gott zu ver­söh­nen. Dadurch wird er aber auch mit der Bos­heit der Men­schen kon­fron­tiert und ihr ausgesetzt.

Wenn es in Jesa­ja 53,6 heißt, dass der HERR ihn unser aller Schuld tref­fen ließ, dann möch­te der Pro­phet damit sagen, dass der Herr den Ein­fluss der Sün­den der Men­schen auf sei­nen Knecht in Kauf nahm und ganz bejah­te. Nichts auf die­ser Erde geschieht, ohne dass Gott es weiß und zulässt. In ähn­li­cher Wei­se beschreibt Pau­lus, dass Gott das Kom­men des Gesetz­lo­sen zulas­sen wird: „Und des­halb sen­det ihnen Gott eine wirk­sa­me Kraft des Irr­wahns, dass sie der Lüge glau­ben“ (2. Thes­sa­lo­ni­cher 2,11).[3] Dem west­li­chen Den­ken des 21. Jahr­hun­derts ist es eher fremd, das Wir­ken Got­tes in die­ser Wei­se aus­zu­drü­cken. Es ist jedoch eine Tat­sa­che, dass im Hebräi­schen manch­mal eine akti­ve Form gebraucht wur­de, um aus­zu­drü­cken, dass Gott etwas zulässt. Damit wur­de deut­lich gemacht, dass die Situa­ti­on nicht sei­nen Hän­den ent­glit­ten war.

Mat­thä­us zitier­te Jesa­ja 53 in sei­nem Evan­ge­li­um im Zusam­men­hang mit den Hei­lun­gen Jesu:

Als es aber Abend gewor­den war, brach­ten sie vie­le Beses­se­ne zu ihm; und er trieb die Geis­ter aus mit sei­nem Wort, und er heil­te alle Lei­den­den, damit erfüllt wür­de, was durch den Pro­phe­ten Jesa­ja gere­det ist, der spricht: „Er selbst nahm unse­re Schwach­hei­ten und trug unse­re Krank­hei­ten.“ (Mat­thä­us 8,16–17)

Jesu Hei­lun­gen und Wun­der waren als Zei­chen dafür gedacht, dass das Reich Got­tes nahe her­bei gekom­men war, und drück­ten auch Got­tes Wil­len zur geist­li­chen Erneue­rung des gefal­le­nen Men­schen aus. Gott steht unse­rem Leid nicht gleich­gül­tig gegen­über. Er hat sich ernied­rigt, indem er Mensch gewor­den ist und uns gedient hat. Das ist auch mit fol­gen­den Wor­ten gemeint: „Jedoch unse­re Lei­den – er hat sie getra­gen, und unse­re Schmer­zen – er hat sie auf sich gela­den“ (Jesa­ja 53,4). Er selbst wur­de nicht krank und wur­de auch nicht Sün­der, son­dern er ver­ließ sei­ne Herr­lich­keit, kam uns ganz nahe, um uns vom Lei­den und Tod zu befreien.

Jesu Ver­bun­den­heit mit der Mensch­heit ging sogar noch einen Schritt wei­ter. Obwohl er selbst kein Sün­der war, ließ er sich wie der schlimms­te Übel­tä­ter behan­deln. Trotz sei­ner Unschuld wur­de er als Ver­bre­cher und Geset­zes­über­tre­ter hin­ge­rich­tet. Jesa­ja beschreibt das mit den Wor­ten: „Die Stra­fe lag auf ihm zu unserm Frie­den.“ (Jesa­ja 53,5) Jesus wur­de von den Men­schen in einer Wei­se bestraft, dass er wie ein von Got­tes Zorn Getrof­fe­ner erschien. Aber die­se Stra­fe kam nicht von Gott. Im Gegen­teil: Gott hat das Böse, das die Men­schen getan haben, zum Guten gewen­det. Sein Leid soll­te zu unse­rem Frie­den füh­ren.[4]

Ähn­li­ches drückt Pau­lus auch in sei­nem Brief an die Gala­ter aus:

Chris­tus hat uns los­ge­kauft von dem Fluch des Geset­zes, indem er ein Fluch für uns gewor­den ist – denn es steht geschrie­ben: „Ver­flucht ist jeder, der am Holz hängt!“ (Gala­ter 3,13)

Pau­lus bezog sich auf die alt­tes­ta­ment­li­che Stel­le in Deu­te­ro­no­mi­um 21,22–23, die regelt, wie man nach dem Gesetz mit hin­ge­rich­te­ten Ver­bre­chern ver­fah­ren soll. Dort heißt es: „[…] Denn ein Auf­ge­häng­ter ist ein Fluch Got­tes.“ Pau­lus schreibt gera­de nicht, dass er „von Gott“ ver­flucht ist, weil Jesus am Kreuz nicht vom Vater ver­flucht war. Der Vater war bei ihm in sei­nem Lei­den. Jesus ist nicht ein Sün­der gewor­den, er hat aber wie ein Sün­der gelit­ten. Im Zusam­men­hang des Alten Tes­ta­ments setzt die zitier­te Stel­le vor­aus, dass der Hin­ge­rich­te­te gerech­ter­wei­se ver­ur­teilt wor­den ist, was aber bei Jesus nicht der Fall war.

Damals tra­ten in den Gemein­den Gala­ti­ens Irr­leh­rer auf, die die dor­ti­gen Chris­ten dazu brin­gen woll­ten, das jüdi­sche Gesetz zu hal­ten, obwohl sie, die aus dem Hei­den­tum kamen, von Gott in Chris­tus ohne das Hal­ten des jüdi­schen Geset­zes ange­nom­men wor­den waren. Pau­lus warn­te sie, dass wenn sie nun anfan­gen, das Gesetz zu hal­ten, sie „aus der Gna­de fal­len“ wer­den (Gala­ter 5,3–4). Pau­lus spricht über das Gesetz als ein Regel­werk, das „nicht aus Glau­ben“ ist (Gala­ter 3,12). Das Gesetz, in die­sem engen Sinn ver­stan­den, ver­ur­teilt jeden, „der nicht bleibt in allem, was im Buch des Geset­zes geschrie­ben ist, um es zu tun“ (Gala­ter 3,10), und auch jeden, „der am Holz hängt“, also auch Christus.

Chris­tus hat uns vom Fluch des Geset­zes durch das Anneh­men des Kreu­zes, befreit. Er wur­de wie ein ver­fluch­ter Ver­bre­cher hin­ge­rich­tet. Er wur­de von den Men­schen ver­ach­tet, ja sogar im Sin­ne des zitier­ten Ver­ses „ver­flucht“. Aber er hat uns gezeigt, was es heißt, aus Glau­ben zu leben. Er hat uns vom Gesetz frei gemacht. Die Gala­ter, die in der Ver­su­chung waren, ihre Zuver­sicht im Gesetz zu fin­den, muss­ten durch das Lesen die­ser Wor­te beschämt wor­den sein. Jesus hat die Unge­rech­tig­keit der Men­schen ertra­gen. Er hat aber nicht sei­ne eige­ne Gerech­tig­keit verloren.

[…] Durch sei­ne Erkennt­nis wird der Gerech­te, mein Knecht, den Vie­len zur Gerech­tig­keit ver­hel­fen, und ihre Sün­den wird er sich selbst auf­la­den. (Jesa­ja 53,11b)

Jesus hat nie Got­tes Wohl­ge­fal­len ver­lo­ren, Gott war in sei­nem Leben und Ster­ben bei ihm. Ohne Got­tes Hil­fe, wenn er wirk­lich in der schwie­rigs­ten Situa­ti­on sei­nes Lebens von ihm ver­las­sen gewe­sen wäre, um allein zu kämp­fen, wäre Jesus ein „Held“ gewe­sen, der alles allei­ne schafft, nicht ein Mann des Glau­bens. Das war aber nie­mals Got­tes Absicht. Jesu Zeug­nis war, dass wir mit Gott und nur mit Gott allen Ver­su­chun­gen und Anfech­tun­gen wider­ste­hen kön­nen. Wie hät­te Jesus mit Got­tes Kraft kämp­fen kön­nen, eine äußerst schwie­ri­ge Situa­ti­on anzu­neh­men und durch­zu­ste­hen,  von der er wuss­te, dass Gott ihn ver­las­sen wür­de? Jesus sagte:

Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelas­sen, weil ich alle­zeit das ihm Wohl­ge­fäl­li­ge tue. (Johan­nes 8,29)

Wäre es nicht die größ­te Unge­rech­tig­keit, einen völ­lig unschul­di­gen Men­schen zu verlassen?

Denn der HERR liebt Recht und wird sei­ne From­men nicht ver­las­sen; ewig wer­den sie bewahrt (Psalm 37,28a)

Soll­te Got­tes Gerech­tig­keit sich durch die größ­te Unge­rech­tig­keit zei­gen? Im Alten Tes­ta­ment offen­bart Gott sei­ne Abscheu vor Men­schen­op­fern (Jere­mia 7,31). Die Vor­stel­lung, dass Jesu Lei­den und sein Tod Got­tes Gerech­tig­keit zufrie­den stell­te und Gott ihn sogar noch ver­las­sen haben soll, kommt die­ser heid­ni­schen Pra­xis und Denk­wei­se nahe.

3 War­um muss­te Jesus leiden?

Wenn Gott in Jesu Lei­den immer mit ihm war, war­um hat er dann das Lei­den über­haupt zuge­las­sen? War­um war es sein Wil­le? Die Bibel beschreibt den Tod Jesu als Kon­se­quenz der Bos­heit der Men­schen und der Ableh­nung sei­nes Rufes zur Umkehr (Johan­nes 1,10–11; Mat­thä­us 21,33–41). In der gefal­le­nen Welt ist es nicht mög­lich, ohne Lei­den in der Wahr­heit zu leben (2. Timo­theus 3,12).

Gott wäre stark genug gewe­sen, Jesus von allen bösen Men­schen zu bewah­ren, aber er wuss­te, dass das für uns nicht das Bes­te gewe­sen wäre. Eine böse Absicht (Jesus zu töten) kann nie­mals etwas Gutes (die Erlö­sung) bewir­ken. Aber die Ant­wort Jesu – wie er sein Lei­den und sei­nen Tod getra­gen hat – öff­net uns den Weg zurück zu Gott.

Sein Lei­den war für Jesus ein sehr schwe­rer Kampf. Er ist die­sem Kampf nicht aus dem Weg gegan­gen. Durch Demut und Gebet erfuhr er von Gott die Kraft, die­sen Kampf zu bestehen.

Der hat in den Tagen sei­nes Flei­sches sowohl Bit­ten als auch Fle­hen mit star­kem Geschrei und Trä­nen dem dar­ge­bracht, der ihn aus dem Tod ret­ten kann, und ist um sei­ner Got­tes­furcht wil­len erhört wor­den, und lern­te, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehor­sam; und voll­endet ist er allen, die ihm gehor­chen, der Urhe­ber ewi­gen Heils gewor­den (Hebrä­er 5,7–9)

Durch sei­ne Auf­er­ste­hung und Ver­herr­li­chung hilft uns Jesus nun, die glei­che Gesin­nung in unse­ren Kämp­fen zu haben – uns unse­re Schwach­hei­ten ein­zu­ge­ste­hen und mit sei­ner Hil­fe fähig zu sein, sie zu tragen.

[…] denn wor­in er selbst gelit­ten hat, als er ver­sucht wor­den ist, kann er denen hel­fen, die ver­sucht wer­den. (Hebrä­er 2,18)

Als Chris­ten erfah­ren wir auch manch­mal Leid und Schmerz. Mit sei­ner Hil­fe ist das für uns kei­ne uner­träg­li­che Last. Dass Jesus so viel erlit­ten hat und alle Schwie­rig­kei­ten über­wun­den hat, ist ein Trost für uns und stärkt unser Ver­trau­en in ihn – das Ver­trau­en, dass er immer mit uns ist – selbst in den schwie­rigs­ten Situa­tio­nen. Er lädt uns ein:

Kommt her zu mir, alle ihr Müh­se­li­gen und Bela­de­nen! Und ich wer­de euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanft­mü­tig und von Her­zen demü­tig, und ihr wer­det Ruhe fin­den für eure See­len; denn mein Joch ist sanft, und mei­ne Last ist leicht. (Mat­thä­us 11,28–30)

Im Neu­en Tes­ta­ment fin­den wir wie­der­holt Aus­sa­gen über die Nach­fol­ge Jesu und das Leben als Christ, wo es dar­um geht, dass wir das Kreuz auf uns neh­men, oder dass wir zusam­men mit Chris­tus ster­ben (ver­glei­che Mat­thä­us 16,24; Johan­nes 12,24–26; Römer 6,3–4; Gala­ter 5,24; Phil­ip­per 3,10; Kolos­ser 2,12):

[…] ich bin mit Chris­tus gekreu­zigt, und nicht mehr lebe ich, son­dern Chris­tus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glau­ben, und zwar im Glau­ben an den Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst für mich hin­ge­ge­ben hat. (Gala­ter 2,19–20)

Der Tod Jesu war nicht umsonst. Der gekreu­zig­te und auf­er­stan­de­ne Chris­tus führt uns den Weg, auf dem wir unse­ren Sün­den und welt­li­chen Zie­len ster­ben und ein neu­es von Freu­de erfüll­tes Leben fin­den, das uns nie­mand mehr neh­men kann.

Und als sie ihnen vie­le Schlä­ge gege­ben hat­ten, war­fen sie sie ins Gefäng­nis und befah­len dem Ker­ker­meis­ter, sie sicher zu ver­wah­ren. Die­ser warf sie, als er sol­chen Befehl emp­fan­gen hat­te, in das inne­re Gefäng­nis und befes­tig­te ihre Füße im Block. Um Mit­ter­nacht aber bete­ten Pau­lus und Silas und lobs­an­gen Gott; und die Gefan­ge­nen hör­ten ihnen zu. (Apos­tel­ge­schich­te 16,23–25)

Denn die Lie­be Chris­ti drängt uns, da wir zu die­sem Urteil gekom­men sind, dass einer für alle gestor­ben ist und somit alle gestor­ben sind. Und für alle ist er gestor­ben, damit die, wel­che leben, nicht mehr sich selbst leben, son­dern dem, der für sie gestor­ben und auf­er­weckt wor­den ist. (2. Korin­ther 5,14–15)

Mehr über Jesu Tod ist im Arti­kel „Jesus starb für uns – ein Opfer“ zu finden.

4 Sieht uns Gott als gerecht oder macht er uns gerecht?

Am Anfang die­ses Arti­kels beschrie­ben wir kurz das Erlö­sungs­ver­ständ­nis, wie es man­che rich­tung­ge­ben­de Per­sön­lich­kei­ten ver­tre­ten haben. Aus unse­rer Erfah­rung wis­sen wir, dass auch heu­te noch vie­le Men­schen von die­sem Den­ken beein­flusst sind, und ihr Ver­ständ­nis über Gott und Umkehr dadurch geprägt ist. Wenn es so wäre, dass Jesus des­we­gen gelit­ten hät­te und gestor­ben wäre, weil ein gött­li­ches Prin­zip der „Gerech­tig­keit“ Stra­fe for­dert, und Jesus des­we­gen auch von Gott getrennt wor­den wäre, dann hät­te der Auf­trag Jesu dar­in bestan­den, etwas in Gott zu bewir­ken und nicht in uns. Es gin­ge dar­um, dass Gott uns nun anders sieht und anders mit uns umgeht, nicht aber, dass er eine grund­le­gen­de Ände­rung in unse­rem Leben bewir­ken wür­de.[5] Mit ande­ren Wor­ten: Die Erlö­sung wür­de nicht dazu füh­ren, dass wir gerecht gemacht wer­den, son­dern dass wir nur als gerecht gese­hen wer­den, als ob Gott nun durch eine ande­re Bril­le auf uns schau­en würde.

Die Bibel hin­ge­gen spricht davon, dass die uns in Jesus geschenk­te Erlö­sung zu einer wirk­li­chen Ände­rung des Lebens führt, die auch sicht­bar ist. Als Chris­ten kön­nen wir nicht wei­ter in schwe­ren Sün­den leben:

Oder wisst ihr nicht, dass Unge­rech­te das Reich Got­tes nicht erben wer­den? Irrt euch nicht! Weder Unzüch­ti­ge noch Göt­zen­die­ner noch Ehe­bre­cher noch Lust­kna­ben noch Kna­ben­schän­der noch Die­be noch Hab­süch­ti­ge noch Trun­ken­bol­de noch Läs­te­rer noch Räu­ber wer­den das Reich Got­tes erben. Und das sind man­che von euch gewe­sen; aber ihr seid abge­wa­schen, aber ihr seid gehei­ligt, aber ihr seid gerecht­fer­tigt wor­den durch den Namen des Herrn Jesus Chris­tus und durch den Geist unse­res Got­tes. (1. Korin­ther 6,9–11)

Jesus ist nicht gekom­men, uns in unse­ren Sün­den zu erlö­sen, son­dern um uns von unse­ren Sün­den zu befrei­en (Mat­thä­us 1,21). Er möch­te nicht nur unse­re Taten rei­ni­gen, son­dern auch unse­re Gedan­ken und Moti­ve, sodass wir ein Leben in Lie­be und Hin­ga­be leben können.

Die nun sein Wort auf­nah­men, lie­ßen sich tau­fen; und es wur­den an jenem Tag etwa drei­tau­send See­len hin­zu­ge­tan. Sie ver­harr­ten aber in der Leh­re der Apos­tel und in der Gemein­schaft, im Bre­chen des Bro­tes und in den Gebe­ten. Es kam aber über jede See­le Furcht, und es gescha­hen vie­le Wun­der und Zei­chen durch die Apos­tel. Alle Gläu­big gewor­de­nen aber waren bei­sam­men und hat­ten alles gemein­sam; und sie ver­kauf­ten die Güter und die Habe und ver­teil­ten sie an alle, je nach­dem einer bedürf­tig war. Täg­lich ver­harr­ten sie ein­mü­tig im Tem­pel und bra­chen zu Hau­se das Brot, nah­men Spei­se mit Jubel und Schlicht­heit des Her­zens, lob­ten Gott und hat­ten Gunst beim gan­zen Volk. Der Herr aber tat täg­lich hin­zu, die geret­tet wer­den soll­ten. (Apos­tel­ge­schich­te 2,41–47)

Wir haben die Lie­be, die Gott zu uns hat, erkannt und gläu­big ange­nom­men. Gott ist die Lie­be, und wer in der Lie­be bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Dar­in ist unter uns die Lie­be voll­endet, dass wir am Tag des Gerichts Zuver­sicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in die­ser Welt. (1. Johan­nes 4,16–17 Einheitsübersetzung)

Ohne dass wir unser Leben tief ver­än­dern, und ohne Lie­be kön­nen wir nicht die Zuver­sicht haben, das ewi­ge Leben zu erlan­gen. Die Quel­le unse­rer Zuver­sicht liegt nicht in unse­ren Taten, son­dern in unse­rer Bezie­hung zu Jesus.[6] Doch ohne ein Leben in der Gerech­tig­keit kön­nen wir die­se Bezie­hung zu ihm nicht haben und sie auch nicht aufrechterhalten.

Und jetzt, mei­ne Kin­der, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, die Zuver­sicht haben und bei sei­nem Kom­men nicht zu unse­rer Schan­de von ihm gerich­tet wer­den. Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, erkennt auch, dass jeder, der die Gerech­tig­keit tut, von Gott stammt. (1. Johan­nes 2,28–29 Einheitsübersetzung)

Jesus sag­te:

Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hin­aus­ge­wor­fen wie die Rebe und ver­dorrt; und man sam­melt sie und wirft sie ins Feu­er, und sie ver­bren­nen. Wenn ihr in mir bleibt und mei­ne Wor­te in euch blei­ben, so wer­det ihr bit­ten, was ihr wollt, und es wird euch gesche­hen. (Johan­nes 15,5–7)

Jesus beschreibt die Bezie­hung zu ihm als ein „in ihm Blei­ben“. In Chris­tus zu blei­ben heißt, erlöst zu sein. Nicht in ihm zu blei­ben bedeu­tet, hin­aus­ge­wor­fen zu wer­den und zu „ver­bren­nen“. Johan­nes drück­te es ähn­lich aus:

Wenn wir sagen, dass wir Gemein­schaft mit ihm haben, und wan­deln in der Fins­ter­nis, lügen wir und tun nicht die Wahr­heit. Wenn wir aber im Licht wan­deln, wie er im Licht ist, haben wir Gemein­schaft mit­ein­an­der, und das Blut Jesu, sei­nes Soh­nes, rei­nigt uns von jeder Sün­de. (1. Johan­nes 1,6–7)

Eine auf­rich­ti­ge Bezie­hung zu Jesus, durch die wir gerei­nigt wer­den, kann es nur geben, wenn wir im Licht wan­deln. Im Licht zu leben heißt nicht, sünd­los zu sein, son­dern in allen Berei­chen unse­res Lebens nach Hei­li­gung zu stre­ben, unse­re Sün­den Gott und ein­an­der zu beken­nen und uns von ihnen abzu­wen­den. Das sind die unent­behr­li­chen Aus­wir­kun­gen der Erlö­sung in unse­rem Leben. Erlö­sung ist eine unver­dien­te Gabe, die in Chris­tus grund­ge­legt wur­de. Wenn wir sie anneh­men, kön­nen wir nicht unser altes, böses Leben fort­set­zen, weil es die Gemein­schaft mit ihm – und in ihm zu sein – unmög­lich machen würde.

Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Chris­tus Jesus seid, der uns gewor­den ist Weis­heit von Gott und Gerech­tig­keit und Hei­lig­keit und Erlö­sung (1. Korin­ther 1,30)

Jesus ist auf­er­stan­den und setzt sei­ne Mitt­ler­schaft fort. Jeder, der sich Gott durch ihn nahen möch­te, wird alles erhal­ten, was er braucht, um sein Leben zu ändern, dar­in aus­zu­har­ren und ans Ziel zu gelangen.

5 Abschlie­ßen­de Gedanken

Die Bibel spricht oft und in unter­schied­li­cher Wei­se dar­über, dass Jesus zu unse­rer Erlö­sung gestor­ben ist. Wir haben gezeigt, dass das weit­ver­brei­te­te Ver­ständ­nis, dass Gott, um uns ver­ge­ben zu kön­nen und trotz­dem gerecht zu sein, einen Unschul­di­gen statt uns bestra­fen muss­te, von der Hei­li­gen Schrift nicht gelehrt wird. Die­ses Ver­ständ­nis führt zu schwer­wie­gen­den Pro­ble­men. Hingegen

In der Mit­te der bibli­schen Bot­schaft steht die Wie­der­her­stel­lung der Bezie­hung zwi­schen Mensch und Gott, die in Fol­ge der Sün­de des Men­schen zer­bro­chen ist. Gott kommt uns in Jesus nahe und befä­higt uns dadurch, dass wir uns ihm nahen können.

Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst ver­söhnt hat durch Chris­tus und uns den Dienst der Ver­söh­nung gege­ben hat, näm­lich dass Gott in Chris­tus war und die Welt mit sich selbst ver­söhn­te, ihnen ihre Über­tre­tun­gen nicht zurech­ne­te […] (2. Korin­ther 5,18–19)

Durch die Mensch­wer­dung hat Jesus unse­re Natur ange­nom­men. Er wur­de einer von uns, mit all unse­ren Schwä­chen, Ver­su­chun­gen und Bedräng­nis­sen. Er iden­ti­fi­ziert sich mit unse­rer Schwach­heit. So hat er auch das Lei­den und die Kreu­zi­gung auf sich genom­men, als er von denen abge­lehnt wur­de, zu deren Hil­fe er gekom­men ist.

Denn es geziem­te ihm, um des­sent­wil­len alle Din­ge und durch den alle Din­ge sind, indem er vie­le Söh­ne zur Herr­lich­keit führ­te, den Urhe­ber ihrer Ret­tung durch Lei­den voll­kom­men zu machen. (Hebrä­er 2,10)

Jetzt lädt er uns ein, mit ihm den glei­chen Weg zu gehen, den auch er gegan­gen ist: die Schwach­heit unse­rer ver­gäng­li­chen Natur anzu­neh­men, aber durch Glau­ben, Lie­be und Demut stark zu sein. Er, der von den Toten auf­er­stan­den ist, der jetzt in der Herr­lich­keit des Vaters ist, ver­eint uns mit Gott und schenkt uns Ver­ge­bung und alles, was wir brau­chen, um das ewi­ge Leben zu erlangen.

Es wäre noch vie­les dazu zu sagen. Das wür­de aber den Rah­men die­ses Arti­kels spren­gen. Wir wür­den uns freu­en, auch dei­ne Gedan­ken und Fra­gen dazu zu erfah­ren. Wür­den ger­ne mit dir per­sön­lich dar­über austauschen.


Fußnoten

  1. Luther, Mar­tin, Epis­tel-Aus­le­gung, Bd. 4, Der Gala­ter­brief, Hg. Her­mann Klein­knecht, Göt­tin­gen, 2. Auf­la­ge 1987, S. 168.
  2. Cal­vin schrieb in der Insti­tu­tio: „Aber der Wider­streit zwi­schen Gerech­tig­keit und Unge­rech­tig­keit ist unauf­hör­lich und unver­söhn­lich […]“ Insti­tu­tio II,XVI,3. „Es war ja nicht damit getan, dass Chris­tus bloß den leib­li­chen Tod gelit­ten hat, nein, er muss­te auch wirk­lich die gan­ze Här­te des gött­li­chen Gerichts emp­fin­den, um sei­nen Zorn abzu­wen­den und sei­nem gerech­ten Urteil genug­zu­tun.“ (Insti­tu­tio II, XVI,10; ver­glei­che II,XII,3.).
  3. Da Gott voll­kom­men gut ist, kön­nen wir nicht anneh­men, dass Gott eine Lüge schickt, son­dern nur, dass er es erlaubt, dass die­se Ver­füh­rung geschieht.
  4. Jesa­ja 53,10: „Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zer­schla­gen“ (Elber­fel­der) wird in der Ein­heits­über­set­zung so wie­der­ge­ge­ben: „Doch der Herr fand Gefal­len an sei­nem zer­schla­ge­nen (Knecht).“ Die­se Über­set­zung zeigt die geist­li­che Wirk­lich­keit. Der Knecht war bereit, zer­schla­gen zu wer­den. Gott fand Gefal­len an die­ser Gesin­nung der Lie­be und Hin­ga­be. Das wird auch durch die fol­gen­den Ver­se bestä­tigt: „Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöff­net, und ich, ich bin nicht wider­spens­tig gewe­sen, bin nicht zurück­ge­wi­chen. Ich bot mei­nen Rücken den Schla­gen­den und mei­ne Wan­gen den Rau­fen­den, mein Ange­sicht ver­barg ich nicht vor Schmä­hun­gen und Spei­chel“ (Jesa­ja 50,5–6; Elberfelder).
  5. Ver­glei­che dazu die Wor­te Luthers, die auch heu­te noch von eini­gen ver­te­ten wer­den: Ein christ­lich Wesen besteht nicht im äußer­li­chem Wan­del; es wan­delt auch den Men­schen nicht nach dem äußer­li­chen Stan­de, son­dern nach dem inner­li­chen, d. h., es gibt ein and­res Herz, einen and­ren Mut, Wil­len und Sinn, wel­cher die­sel­ben Wer­ke tut, die ein ande­rer ohne sol­chen Mut und Wil­len tut. Denn ein Christ weiß, dass es ganz am Glau­ben liegt. Dar­um gehet, ste­het, isset, trin­ket, klei­det, wir­ket und wan­delt er wie sonst ein gemei­ner Mann in sei­nem Stan­de, dass man nicht sei­nes Chris­ten­tums gewahr wird, wie Chris­tus Luk. 17,20f saget: „Das Reich Got­tes kommt nicht mit äußer­li­chen Gebär­den; man wird auch nicht sagen: Sie­he hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Got­tes ist inwen­dig in euch.“ (Weih­nachts­pos­til­le 1522: Luther Deutsch, Erg.Bd. Luther­le­xi­kon, S. 57 f., vgl. WA 10I1,137,18–138,5).
  6. Sie­he auch: „Glau­be und Wer­ke im Leben des Chris­ten“.


Luther, Mar­tin, Epis­tel-Aus­le­gung, Bd. 4, Der Gala­ter­brief, Hg. Her­mann Klein­knecht, Göt­tin­gen, 2. Auf­la­ge 1987, S. 168.

Cal­vin schrieb in der Insti­tu­tio: „Aber der Wider­streit zwi­schen Gerech­tig­keit und Unge­rech­tig­keit ist unauf­hör­lich und unver­söhn­lich […]“ Insti­tu­tio II,XVI,3. „Es war ja nicht damit getan, dass Chris­tus bloß den leib­li­chen Tod gelit­ten hat, nein, er muss­te auch wirk­lich die gan­ze Här­te des gött­li­chen Gerichts emp­fin­den, um sei­nen Zorn abzu­wen­den und sei­nem gerech­ten Urteil genug­zu­tun.“ (Insti­tu­tio II, XVI,10; ver­glei­che II,XII,3.).

Da Gott voll­kom­men gut ist, kön­nen wir nicht anneh­men, dass Gott eine Lüge schickt, son­dern nur, dass er es erlaubt, dass die­se Ver­füh­rung geschieht.

Jesa­ja 53,10: „Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zer­schla­gen“ (Elber­fel­der) wird in der Ein­heits­über­set­zung so wie­der­ge­ge­ben: „Doch der Herr fand Gefal­len an sei­nem zer­schla­ge­nen (Knecht).“ Die­se Über­set­zung zeigt die geist­li­che Wirk­lich­keit. Der Knecht war bereit, zer­schla­gen zu wer­den. Gott fand Gefal­len an die­ser Gesin­nung der Lie­be und Hin­ga­be. Das wird auch durch die fol­gen­den Ver­se bestä­tigt: „Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöff­net, und ich, ich bin nicht wider­spens­tig gewe­sen, bin nicht zurück­ge­wi­chen. Ich bot mei­nen Rücken den Schla­gen­den und mei­ne Wan­gen den Rau­fen­den, mein Ange­sicht ver­barg ich nicht vor Schmä­hun­gen und Spei­chel“ (Jesa­ja 50,5–6; Elberfelder).

Ver­glei­che dazu die Wor­te Luthers, die auch heu­te noch von eini­gen ver­te­ten wer­den: Ein christ­lich Wesen besteht nicht im äußer­li­chem Wan­del; es wan­delt auch den Men­schen nicht nach dem äußer­li­chen Stan­de, son­dern nach dem inner­li­chen, d. h., es gibt ein and­res Herz, einen and­ren Mut, Wil­len und Sinn, wel­cher die­sel­ben Wer­ke tut, die ein ande­rer ohne sol­chen Mut und Wil­len tut. Denn ein Christ weiß, dass es ganz am Glau­ben liegt. Dar­um gehet, ste­het, isset, trin­ket, klei­det, wir­ket und wan­delt er wie sonst ein gemei­ner Mann in sei­nem Stan­de, dass man nicht sei­nes Chris­ten­tums gewahr wird, wie Chris­tus Luk. 17,20f saget: „Das Reich Got­tes kommt nicht mit äußer­li­chen Gebär­den; man wird auch nicht sagen: Sie­he hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Got­tes ist inwen­dig in euch.“ (Weih­nachts­pos­til­le 1522: Luther Deutsch, Erg.Bd. Luther­le­xi­kon, S. 57 f., vgl. WA 10I1,137,18–138,5).

Sie­he auch: „Glau­be und Wer­ke im Leben des Chris­ten“.